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Aberglauben, Halbwahrheiten und Propaganda zum Thema Gebäude und Energie

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Streif Fertighäuser

Quecksilber-Hysterie

Der aktuelle Film "Bulb Fiction" über Energiesparlampen betreibt Panikmache – ein Artikel über Quecksilber in Lampen und eine Kritik des Films klären die Fakten.

Alle Zeigefinger auf China?

Dieser Artikel lädt ein, Ansichten über die chinesischen CO2-Emissionen so­wie über unsere Beiträge zum Klima­schutz zu überdenken.

Extra-Artikel

Tipp: Neben den Lexikon-Artikeln gibt es noch diverse interessante Extra-Artikel!

Siehe auch ähnliche Seiten zu den Themen Heizung, Stromerzeugung und Stromversorgung, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Klimaschutz und Kernenergie.

Behauptungen:

Siehe auch: ETH Zürich: "Zero-Emission Architecture" statt Wärmedämmung und Energiesparen?

In stark wärmegedämmten Häusern entsteht ein schlechtes Wohnklima, weil die Wände nicht atmen können.

Kategorie: quantitative Fehleinschätzungen

Richtig ist, dass vor allem diverse natürliche Baustoffe für Wände eine gewisse Durchlässigkeit für Luft und den darin enthaltenen Wasserdampf haben, und dass diese Durchlässigkeit durch Wärmedämmschichten oder auch einfach einen Verputz stark reduziert werden kann.

Eine praktische Bedeutung hat dieser Umstand aber nicht, da der dadurch mögliche bzw. verhinderte Austausch von Luft und Wasserdampf ohnehin viel geringer ist als der nötige Luftaustausch. Allenfalls Undichtigkeiten z. B. an Fenstern und Türen, Kaminen oder Dachkonstruktionen können erheblich zum Luftdurchsatz beitragen. Weitaus besser ist es aber, wenn die Belüftung über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung erfolgt. Selbst die gezielte Fensterlüftung führt zu weniger Heizwärmeverlusten als die unkontrollierte Lüftung durch Undichtigkeiten.

Ein altes Haus mit dicken Mauern braucht keine zusätzliche Wärmedämmung.

Kategorie: quantitative Fehleinschätzungen

Eine dicke Mauer lässt tatsächlich weniger Wärme durch als eine dünne. Jedoch müsste eine Mauer schon sehr dick sein, um ähnlich gut zu dämmen wie ein moderner Vollwärmeschutz.

Beispielsweise erzielt man mit einer 20 cm dicken Polyurethan-Hartschaumplatte einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,15 W/(m2 K). Zusammen mit der (dünnen) Stützwand kommt man noch etwas tiefer, z. B. auf 0,13 W/(m2 K). Eine Wand aus Kalksandstein müsste schon rund 6 m dick sein, um die gleiche Dämmwirkung zu erzielen! So dicke Wände hat wohl niemand. Bei einem Porenbetonstein wäre es ca. 1 Meter Dicke, mit normalem Beton ca. 10 Meter.

Das Anbringen einer Wärmedämmung ist problematisch, weil es die Gefahr von Feuchteschäden mit sich bringt.

Kategorie: Halbwahrheiten

Richtig ist, dass dieses Problem bei einer unsachgemäß angebrachten Innendämmung auftreten kann. Wenn nämlich warme Raumluft an die Rückseite der Dämmung geraten kann, kühlt sie dort ab. Unter Umständen ist der Effekt so stark, dass ein Teil des Wasserdampfs dort kondensiert. Dies führt sehr schnell zu Schimmelbildung und anderen Feuchteschäden.

Bei einer Außendämmung ist es jedoch umgekehrt. Wenn hier Außenluft an die Rückseite geraten kann, kann dies meistens nicht zur Kondensation führen, da diese Rückseite ja wärmer ist. (Lediglich an heißen und feuchten Sommertagen wäre dies im Prinzip denkbar, könnte aber doch nie zu länger bestehender Feuchte führen.) Der entscheidende Effekt ist, dass die Außenwände auf der Innenseite im Winter weniger abkühlen und somit Feuchteschäden dort vermieden werden.

Eine Wärmedämmung auf der Südfassade ist ungünstig, da sie das Eindringen von Sonnenwärme verhindert.

Kategorie: Voodoo-Physik

Diese Theorie wird oft durch die sogenannten “Ziegel-Physiker” vertreten, die jedoch in aller Regel nicht Physiker sind, sondern Anhänger von ungedämmten Ziegelbauten.

Damit Wärme von der durch die Sonneneinstrahlung erwärmten Südfassade in das Haus eindringen könnte, müsste die Fassade eine Temperatur oberhalb der Raumtemperatur haben. Dies kann zwar durchaus vorkommen, jedoch kaum an Tagen, an denen zusätzliche Heizwärme tatsächlich benötigt wird: Die Außentemperatur muss relativ hoch sein (weil sonst die Fassade definitiv kühler wäre), und die Sonneneinstrahlung wird Haus über die Fenster deutlich aufheizen.

Also: Der angebliche Nutzen ist nur da, wenn man ihn nicht braucht. Der Schaden (Wärmeverluste an kalten Tagen und bei schwacher Sonneneinstrahlung) dagegen ist maximal, wenn er am meisten schmerzt.

Wer das von der Theorie her nicht glaubt, kann sich durch Erfahrungswerte überzeugen lassen. Es kam wohl noch nie vor, dass eine Wärmedämmmaßnahme den Heizenergiebedarf erhöht hat.

Da die Heizkosten von den Mietern bezahlt werden, ist die energetische Sanierung für den Hausbesitzer uninteressant.

Kategorie: Halbwahrheiten

Dies ist definitiv zu kurz gedacht. Kurzfristig gesehen ist es zwar richtig, dass steigende Heizkosten von den Mietern getragen werden müssen. Langfristig gehen sie jedoch immer zulasten des Besitzers. Spätestens beim nächsten Mieterwechsel ist es nämlich so, dass die erzielbare Kaltmiete begrenzt ist durch die erzielbare Gesamtmiete abzüglich der Nebenkosten (an denen der Besitzer ja nichts verdienen darf). Somit bedeutet jeder Euro, um den die Nebenkosten steigen, einen Euro weniger bei der Rendite. Außer man könnte den neuen Mieter über die Höhe der Heizkosten täuschen – was in Deutschland aber schwierig geworden ist, seitdem der Gebäudeenergieausweis Pflicht ist.

Ebenfalls wird oft vergessen, dass ein energetisch saniertes (insbesondere wärmegedämmtes) Haus über den höheren Wohnkomfort eine etwas höhere Miete rechtfertigt und dass es beim Verkauf auch deutlich mehr erlöst.

Mehr Details enthält der Artikel über energetische Sanierung von Gebäuden.

Eine Nachtabsenkung des Heizbetriebs bringt nichts oder schadet gar, weil das Wiederaufheizen am Morgen dann so viel Energie verbraucht.

Kategorie: Vodoo-Physik

Natürlich braucht man am Morgen mehr Heizwärme, wenn nachts eine Absenkung der Raumtemperatur erfolgt. Der allein relevante Gesamtverbrauch über 24 Stunden wird aber trotzdem fast immer kleiner. Dies kann man sich leicht klar machen: Um in 24 Stunden wieder die gleiche Raumtemperatur zu haben, muss dem Haus so viel Wärme zugeführt werden, wie in dieser Zeit netto entweicht. Und je wärmer das Haus im Durchschnitt ist, desto mehr Wärme entweicht eben. Das Hoch- und Herunterfahren der Temperatur dagegen hat keinen Einfluss auf die Menge der entweichenden Wärme; hierfür zählt nur die durchschnittliche Raumtemperatur.

Das heißt allerdings nicht, dass eine Nachtabsenkung immer nützlich ist. Bei sehr gut wärmegedämmten Häusern ist die thermische Trägheit so hoch, dass selbst bei kompletter Abschaltung der Heizung in der Nacht kaum eine Temperaturabsenkung erfolgt, und dann ergibt sich eben auch kaum eine Einsparung. Und vor allem bei Wärmepumpenheizungen kann es sein, dass ein Verlust an Energieeffizienz der Wärmeerzeugung eintritt, der die Einsparung der Nachtabsenkung zunichte macht.

Der Passivhaus-Standard ist für Altbauten unrealistisch.

Kategorie: simpler Irrtum

Alte Einfamilienhäuser sind in der Tat durch eine Energiesanierung meist kaum auf den Passivhaus-Standard zu bringen. Für Mehrfamilienhäuser trifft dies jedoch nicht zu; hier ist der Aufwand für das Erreichen des Passivhaus-Standards oft erstaunlich gering. Dies liegt daran, dass das Verhältnis von Volumen und Oberfläche günstiger ist, aber auch an der rationelleren Arbeitsweise bei größeren Bauten.

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