Aberglauben, Halbwahrheiten und Propaganda zum Thema Klimaschutz
Quecksilber-Hysterie
Der aktuelle Film "Bulb Fiction" über Energiesparlampen betreibt Panikmache – ein Artikel über Quecksilber in Lampen und eine Kritik des Films klären die Fakten.
Alle Zeigefinger auf China?
Dieser Artikel lädt ein, Ansichten über die chinesischen CO2-Emissionen sowie über unsere Beiträge zum Klimaschutz zu überdenken.
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Siehe auch ähnliche Seiten zu den Themen Gebäude, Heizung, Stromerzeugung und Stromversorgung, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Kernenergie.
Behauptungen:
- Stromsparen in der Schweiz hilft dem Klima nicht, da die Stromerzeugung ohnehin fast CO2-frei ist.
- Energiesparen und CO2-Steuern helfen dem Klimaschutz nicht.
- Klimaschutz in Europa ist sinnlos, da es nur auf China ankommt.
- Energiesparen in einem Land mit Cap & Trade (Emissionshandel) reduziert die CO2-Emissionen nicht.
- Atomenergie ist für den Klimaschutz unverzichtbar.
- Die Schweiz ist ein relativ klimafreundliches Industrieland.
- Mit einem Elektroauto fahre ich klimaneutral.
Auf der Seite über Stromversorgung gibt es noch die folgenden relevanten Artikel:
Stromsparen in der Schweiz ist für den Klimaschutz nutzlos, da die Stromerzeugung in der Schweiz ohnehin fast CO2-frei ist.
Kategorien: Halbwahrheiten, Propaganda
Richtig ist, dass die Kraftwerke, mit denen in der Schweiz die Stromerzeugung erfolgt, weitgehend CO2-frei sind. Ein Großteil der elektrischen Energie wird in Wasserkraftwerken und Kernkraftwerken erzeugt.
Eine ganz andere Frage ist, ob für die in der Schweiz verbrauchte elektrische Energie dasselbe gilt. Dies ist eindeutig nicht der Fall: Die schweizerischen Stromversorger exportieren sehr viel Ökostrom aus Wasserkraftwerken z. B. nach Deutschland und importieren ähnliche Mengen von schmutzigem Strom z. B. aus deutschen Kohlekraftwerken. Ihren Kunden, den sie dann diesen Strom verkaufen, reiben sie das freilich nicht unaufgefordert unter die Nase. Selbst wenn diese nachfragen, wird ihnen oft nur mitgeteilt, es sei Strom aus “nicht überprüfbaren Quellen”.
Indem man viele Kunden im Glauben lässt, sie bekämen ja sicherlich den sauberen Strom, der in ihrem Kanton erzeugt wird, verkauft man quasi den Ökostrom doppelt. Sicher ein gutes Geschäft, aber kein sauberes.
Noch ein anderer Gedanke hierzu: Selbst wenn ein Schweizer für seine Elektroheizung Wasserkraftstrom kauft, kann dies sehr wohl zusätzliche CO2-Emissionen verursachen. Es führt nämlich zumindest kurz- und mittelfristig kaum zu einer entsprechenden Erhöhung der Wasserkraft-Kapazitäten. Die entsprechenden Potenziale sind nämlich schon weitgehend ausgeschöpft. Viel eher wird ein anderer Kunde, der sonst den sauberen Wasserkraft-Strom bekommen hätte (ohne ihn explizit bestellt zu haben), auf dreckigen Importstrom umgestellt.
Generell wird das Risiko, dass weitere klimaschädigende Kohlekraftwerke in Europa gebaut werden, durch weitere Zuwächse des Stromverbrauchs zunehmen – wobei es nicht allzu viel ausmacht, in welchen Ländern diese Verbrauchszuwächse erfolgen und wofür der Mehrverbrauch anfällt (etwa für Elektroautos). Umgekehrt dürften z. B. zusätzliche Windkraftkapazitäten wie auch Einsparungen in die Gegenrichtung wirken.
Energiesparen und CO2-Steuern helfen dem Klimaschutz nicht
Kategorien: mangelndes Faktenwissen, logischer Fehlschluss
Der bekannte Ökonom Hans-Werner Sinn hat verschiedentlich, u. a. in einem Interview in der Neuen Zürcher Zeitung vom 05.06.2010, die folgende Argumentation präsentiert:
- Es sei unmöglich, mit CO2-Steuern, selbst wenn sie weltweit eingeführt würden, über die Ölnachfrage den Ölpreis so stark zu senken, dass die weltweite Ölförderung reduziert wird.
- Begründung: Die Förderkosten lägen überall so tief, dass die Förderung immer rentabel bleibt, selbst wenn der Ölpreis deutlich sinken sollte.
- Die Folge: Energiesparen und CO2-Steuern können die Ölförderung und damit den weltweiten Verbrauch nicht reduzieren. Somit können sie nichts zum Klimaschutz beitragen. Allenfalls würde erreicht, dass in einem Land nicht verbranntes Öl anderswo verbrannt wird.
Diese Argumentationskette enthält aber mehrere Fehler und bricht bei genauerer Analyse vollkommen zusammen.
Zunächst einmal reagiert der Ölpreis auf dem Weltmarkt bekanntlich sehr empfindlich auf tatsächliche oder vermutete Änderungen der Nachfrage. Bereits ein leichter Nachfragerückgang durch die Wirtschaftskrise ab 2008 hat den Erdöl-Preis in 2009 total einbrechen lassen. Auf jede neue Nachricht, die die Erwartungen der kommenden Ölnachfrage ändert, reagiert der Preis in geradezu nervöser Weise, nach unten wie nach oben. Es ist anzunehmen, dass wir erneut enorme Preisanstiege erleben werden, sobald die momentan noch bestehenden Kapazitätsreserven wieder ausgeschöpft sind. (Diese Zeilen sind im Juni 2010 geschrieben, bei einem Ölpreis unter 80 $ pro Barrel.)
Die Preisentwicklung beeinflusst auch die Fördermengen stark. Hans-Werner Sinn bestreitet dies mit der Behauptung, die Förderkosten lägen “überall nur bei einem winzigen Bruchteil der Preise”. Dies ist erstens nicht richtig und zweitens weitgehend irrelevant:
- Niedrige Förderkosten gelten zwar für die OPEC-Länder, aber nicht überall, insbesondere nicht für neue Projekte. Die leichter zu fördernden Vorkommen versiegen zunehmend, und vor allem bei steigender Nachfrage werden immer aufwändigere Projekte in Angriff genommen. Genau diese aber reagieren empfindlich auf die erwarteten Ölpreise. Deswegen warnt die Internationale Energieagentur (IEA) seit Jahren davor, aufgrund temporär niedrigerer Ölpreise würde die Exploration vernachlässigt, was später zu Förderengpässen und in der Folge zu enormen Preisausschlägen führen kann. Selbst wenn man die Prioritäten der IEA nicht teilt, also Klimaschutz für vordringlicher hält als die Befriedigung jeder erdenklichen Ölnachfrage, unterstreicht dies den Einfluss der Ölpreise auf die Förderung.
- Selbst für die Ölscheichs mit tatsächlich niedrigen Förderkosten zielt Sinns Argument völlig ins Leere. Bekanntlich justiert die OPEC ihre Fördermengen regelmäßig anhand der erwarteten Nachfrage, um den Preis nicht einbrechen zu lassen. Deswegen wurden die Fördermengen im Zuge der Wirtschaftskrise reduziert, obwohl der Preis immer noch weit über den OPEC-Förderkosten liegt. Die Förderkosten sind hier also weitgehend irrelevant, uns Sinns Argument hat mit der Logik gleichermaßen Probleme wie mit den Tatsachen, die man jeder ordentlichen Zeitung entnehmen kann.
Wenn wir also unseren Verbrauch drosseln, wird die OPEC ihre Förderung entsprechend drosseln. Falls sie dies nicht täte, würde sie einen Preisverfall hinnehmen und damit neue Förderprojekte stoppen – was für das Klima sogar noch besser wäre (außer wenn dies den Konsum wieder anheizt). Aus solchen Gründen justiert die OPEC die Fördermengen unmittelbar nach der Nachfrage und nicht mit Blick auf die Förderkosten: Die OPEC möchte weder durch zu hohe Preise den Konsum abwürgen und Konkurrenten anfüttern, noch durch zu niedrige Preise Geld verlieren. (Dass die Preise in 2008 trotzdem verrückt spielten, kann mit den begrenzten Kapazitäten der OPEC erklärt werden.)
Es ist aus ökologischer Sicht ebenfalls zu bedenken, dass neue, teure und aufwändige Ölförderprojekte z. B. in der Tiefsee oder Projekte mit “unkonventionellen” Ressourcen wie Ölsanden in Kanada häufig besonders umweltschädigend sind. Genau solche Projekte aber schießen aus dem Boden, wenn der Ölpreis ansteigt, und werden wieder gestoppt, wenn er fällt. Dasselbe gilt für Vorhaben wie Kohleverflüssigung. Deswegen ist es aus ökologischer Sicht dringlich, den Verbrauch einzudämmen, um Preissignale für extrem schädliche Aktivitäten möglichst zu vermeiden.
Somit wird klar, dass Energiesparen und CO2-Steuern sehr wohl dem Klimaschutz dienen. Außerdem gibt es noch einen wichtigen volkswirtschaftlichen Nutzen: Wenn es gelingt, die globale Nachfrage auch nur ein wenig zu verringern, sparen die Verbraucher über Preis und Menge Milliarden, die sie (wenn sie intelligent genug handeln) für die rechtzeitige Anpassung auf die kommenden Preisanstiege (Stichwort “Peak Oil”) einsetzen können. Beispielsweise verpasst man lieber seinem Haus eine ordentliche Wärmedämmung, bevor einem die Heizkosten das Geld dazu auffressen und dann nur noch das Sparen durch Frieren bleibt.
Recht geben muss man Prof. Sinn immerhin in einem wichtigen Punkt: Eine Dämpfung der Nachfrage durch Energiesparbemühungen (mit den bis heute genutzten Methoden) wird kaum so stark ausfallen können, dass dies für den Klimaschutz genügt. Deswegen brauchen wir in der Tat dringend Cap & Trade (Emissionshandel) oder ähnliche ergänzende Mechanismen. Erst durch diese kann das Energiesparen ausreichend effektiv werden, um das Klimaproblem zu entschärfen. Das ändert freilich nichts daran, dass energische Bemühungen um Energieeffizienz und -einsparung schon vor Cap & Trade sehr nützlich sein werden – allein schon deswegen, weil man die Caps niedriger ansetzen kann, wenn sich die Wirtschaft schon etwas darauf vorbereitet hat.
Klimaschutz in Europa ist sinnlos, da es nur auf China ankommt.
Kategorien: Halbwahrheiten
Richtig ist, dass der Erfolg des Klimaschutzes damit steht und fällt, wie die Wirtschaft Chinas agieren wird. Wenn China nicht kooperiert, werden europäische Bemühungen wirkungslos verpuffen.
Grundfalsch ist dagegen die Annahme, das Agieren Chinas hätte mit den Vorgängen in Europa und den USA nichts zu tun, sei also von dort aus auch nicht beeinflussbar.
Eine wichtige Einsicht ist die, dass sich China sehr stark an den USA und Europa orientiert: Man möchte dort den Wohlstand der westlichen Industriestaaten erreichen. Ist man deswegen dort empfänglich für Signale aus dem Westen? Es kommt sehr darauf an, welche:
- Sollte es uns gelingen, unseren CO2-Ausstoss mit raffinierten, aber teuren Methoden (z. B. Kernenergie oder Wasserstofftechnologie) zu reduzieren, so dürfte dies allein für China wenig interessant sein. Was China zu teuer kommt, wird China nicht realisieren.
- Erst recht wird China niemals überzeugt werden können, Kohlekraftwerke mit CCS-Technologie (CO2-Abscheidung und -Speicherung) klimafreundlicher zu machen, solange diese Technologie den Wirkungsgrad der Kohlenutzung stark reduziert und daher Chinas Knappheitsprobleme noch drastisch verschärfen würde.
- Dagegen dürfte es sehr darauf ankommen, was wir unseren Energieverbrauch betreffend signalisieren. Wenn das Signal heißt, “Unmengen von Energie sind für den Wohlstand eben nötig, anders geht es nicht”, dann wird sich China diese Unmengen besorgen – und zwar mit den Mitteln, die China zur Verfügung stehen, insbesondere also mit Kohle. Die Klimakatastrophe ist dann garantiert. Zeigen wir dagegen, dass sich durch verbesserte Energieeffizienz mit deutlich weniger Energie auch gut leben lässt, wird China diesem Beispiel nach Kräften folgen, denn China hat ein Interesse daran, dies zu erreichen.
Also ist das präsentierte Argument zwar zutreffend für gewisse Lösungsstrategien, vor allem für CCS, jedoch völlig falsch im Zusammenhang mit Energieeffizienz. Es wird somit klar: Gerade wegen China sind unsere Anstrengungen zu mehr Energieeffizienz enorm wichtig. Der Hauptnutzen davon könnte über diesen Einfluss erzielt werden. Und nebenbei sollte unsere Industrie auch noch etwas zu exportieren haben …
Mehr dazu bietet der Artikel "Alle Zeigefinger in Richtung China!?".
Energiesparen in einem Land mit Cap & Trade (Emissionshandel) reduziert die CO2-Emissionen nicht.
Kategorien: Halbwahrheiten
Theoretisch sollte diese Meinung richtig sein: Wenn durch Energiesparen oder andere Methoden irgendwo in einem Land mit Cap & Trade (Emissionshandel) CO2-Emissionen reduziert werden, wird derjenige, der dies erreicht hat, Emissionszertifikate verkaufen. Dies erlaubt einem anderen Akteur, entsprechend höhere Emissionen zu verursachen. Die Gesamtemissionen werden durch das Cap (die gesetzte Obergrenze) bestimmt und nicht mehr durch einzelne Maßnahmen beeinflusst.
So logisch zwingend dies scheint, in der Praxis stimmt es nicht. Der Grund ist, dass die Höhe der Caps keineswegs “vom Himmel fällt”, sondern in einem politischen Prozess ausgehandelt wird. Nach aller Erfahrung richten sich die festgelegten Caps keineswegs nach dem, was für die Abwendung einer Klimakatastrophe notwendig wäre, sondern vielmehr danach, wie hohe Emissionsreduktionen politisch durchsetzbar sind. Wenn nun beispielsweise eine Einspeisevergütung die Ökostrom-Erzeugung ankurbelt, werden höhere CO2-Reduktionen machbar, und dies dürfte die Festlegung der Caps für die nächste und die folgenden Handelsperioden beeinflussen. Deswegen stimmt die genannte Behauptung nur kurzfristig, nicht aber mittelfristig, und ist somit irreführend.
Ähnliches gilt in umgekehrter Richtung für einen schnellen Atomausstieg. Dieser führt nämlich zumindest übergangsweise zu einer verstärkten Nutzung fossil befeuerter Kraftwerke. Selbst wenn die daraus resultierende Emissionen einem Cap & Trade unterliegen, dürften steigende Preise der CO2-Zertifikate den politischen Druck erhöhen, die Menge der ausgegebenen Zertifikate nicht zusätzlich zu reduzieren. Insofern kann ein schneller Atomausstieg auch mit Cap & Trade nicht klimaneutral erfolgen. Allerdings sollte man die Rolle der Atomenergie für den Klimaschutz auch keineswegs überschätzen; dies wird im folgenden Abschnitt erklärt. Außerdem kann ein Atomausstieg im Rahmen einer Gesamtstrategie erfolgen, die langfristig die Emissionen sogar stärker senkt als bisherige Strategien mit Atomstromnutzung.
Atomenergie ist für den Klimaschutz unverzichtbar.
Kategorien: Fehleinschätzung
Diese Fehleinschätzung leicht sich leicht korrigieren, indem man zur Kenntnis nimmt, dass die Kernenergie zur Zeit ganze 2,5 % des weltweiten Endenergiebedarfs abdeckt. (Ihr Anteil an der Primärenergie ist ein wenig höher, da der Wirkungsgrad der Stromerzeugung aus Kernenergie niedriger ist als der durchschnittliche Wirkungsgrad der gesamten Energienutzung.) Damit liegt auf der Hand, dass selbst der Ersatz aller Kernkraftwerke weltweit durch die für das Klima schlimmste Alternative, nämlich durch Kohlekraftwerke, keinen dramatischen Klimaeffekt hätte. (Womit natürlich nicht gesagt ist, dass dieser Ersatz sinnvoll wäre.) Man sieht, dass selbst eine Verdopplung der weltweiten Atomkraftkapazitäten – was auf absehbare Zeit vollkommen illusorisch wäre, selbst wenn man es wollte – keinen wesentlichen heilsamen Effekt für das Klima hätte.
Der typische Einwand dagegen ist, dass ein anderer Eindruck entsteht, wenn man erstens nur den Stromsektor betrachtet und zweitens ein bestimmtes Land, welches bisher viel Atomenergie nutzt. Das kann aber kaum überzeugen. Angenommen, ein kleines Land erzeuge 30 % seines Stroms durch Verbrennung von Kuhfladen, und dies klimafreundlicher als mit Kohle – würden Sie daraus folgern, Kuhfladen seien unverzichtbar für die Rettung des Klimas der Erde?
Es liegt auf der Hand, dass das globale Problem der Klimagefahren vor allem global praktizierbare Lösungen braucht, also offenbar nicht die Kernenergie, die erstens nicht das nötige Potenzial für einen großen Beitrag hat, zweitens wegen der Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen nicht noch weiter verbreitet werden sollte (nachdem Atomkriege unter anderem klimaschädlich sind) und drittens ein ungelöstes Endlagerproblem hat. Es erübrigt sich wohl, noch lange über die Gefahr schwerer Unfälle zu diskutieren.
Nun mag man einwenden, die gleiche Irrelevanz würde dann auch für diverse Arten erneuerbarer Energie gelten, die global noch weniger beitragen als die Kernenergie. Aber erstens widerlegt dies in keiner Weise die oben angeführten Argumente, selbst wo es zutrifft. Und zweitens muss man nicht den momentanen Beitrag, sondern das mittel- bis langfristige Potenzial betrachten, weil alles andere sinnlos ist. (Es hat ja auch niemand argumentiert, der Bau des ersten Atomreaktors sei sinnlos, weil er ja nur einen winzigen Teil des Weltenergiebedarfs decken könne.) Die Frage muss also sein, ob beispielsweise die Windenergie anders als die Kernenergie weltweit so umfangreich einsetzbar ist, dass sie in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz bringen kann – wovon ich ausgehe.
Die Schweiz ist ein relativ klimafreundliches Industrieland.
Kategorien: Propaganda
Die Schweiz wird im Vergleich mit anderen Industrieländern häufig als relativ klimafreundlich bezeichnet. Die Begründung hierfür sieht auf den ersten Blick überzeugend aus: Die äquivalenten Pro-Kopf-Emissionen von Kohlendioxid (CO2) liegen mit 7,2 Tonnen jährlich (Stand 2004) deutlich unter den von Ländern wie Deutschland (mit über 10 Tonnen).
Der Fehler dieses Vergleichs liegt darin, dass graue Energie in importierten (und exportierten) Gütern nicht berücksichtigt wurde. Wenn beispielsweise ein Auto in Deutschland hergestellt und in die Schweiz exportiert wird, müssen die Emissionen bei der Herstellung der Schweiz und nicht Deutschland angelastet werden. Eine detaillierte Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU) der Schweiz untersuchte solche Korrekturen und kam damit zu völlig anderen Resultaten. Allein schon den Importen von Gütern aus Deutschland in die Schweiz sind CO2-Emissionen von über 10 Millionen Tonnen jährlich anzulasten, zu vergleichen mit den jährlichen inländischen Emissionen der Schweiz von 53 Mio. Tonnen CO2. Bei Berücksichtigung aller Importe und Exporte, d. h. aller “grauen Emissionen”, kommt die Schweiz auf ca. 12,5 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Kopf und Jahr und liegt somit in etwa beim Durchschnitt der Werte der OECD-Länder. Somit erkennt man, dass die vermeintliche Klimafreundlichkeit der Schweiz nur darauf beruht, dass die Schweiz Produkte energieintensiver Industrien vorwiegend importiert, so dass die entsprechenden Emissionen im Ausland anfallen.
Oft wird auch behauptet, die Schweiz gehe bereits dermaßen effizient mit Energie um, dass hier kaum noch etwas zu verbessern sei. Dies hat ebenfalls wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Beispielsweise bilden die in der Schweiz jährlich gekauften Neuwagen die energieineffizienste und somit klimaschädlichste Neuwagenflotte von ganz Europa. Dies hängt damit zusammen, dass in der Schweiz tendenziell größere und stärker motorisierte Fahrzeuge favorisiert werden und dass die Mineralölsteuer in der Schweiz u. a. durch die erfolgreiche Lobbyarbeit der Erdölvereinigung so niedrig ist, dass die Kraftstoffpreise in der Schweiz niedriger sind als in allen Nachbarländern (trotz des sonst hohen Preisniveaus der Schweiz!).
Mit einem Elektroauto fahre ich klimaneutral.
Kategorien: Halbwahrheiten
Auch wenn das Elektroauto selbst keinerlei klimaschädlichen Emissionen erzeugt, entstehen solche bei der Herstellung und – falls nicht klimaneutral hergestellter Strom benutzt wird – auch im Betrieb, nur eben im Kraftwerk anstatt im Auto. Hinzu kommen kleinere Beiträge z. B. für die Entsorgung des Fahrzeugs und für die Infrastruktur (Straßenbau).
Durch die Verwendung von zertifiziertem Ökostrom kann man die Klimawirkungen der Stromerzeugung zumindest stark reduzieren, vorausgesetzt dass dieser Ökostrom wirklich zusätzlich erzeugt wird. (Wie im Artikel über Ökostrom ausgeführt, bleiben hierzu einige Fragezeichen.) Dagegen kann man als Käufer kaum Einfluss auf den Energieeinsatz bei der Herstellung des Autos nehmen. Man beachte, dass allein schon die Herstellung der Fahrzeugbatterie (typischerweise ein Lithium-Ionen-Akkumulator) so viel nicht erneuerbare Energie kostet, wie man für einige hundert Ladezyklen bräuchte.
Man könnte dieses Problem allenfalls durch CO2-Kompensation angehen. In diesem Sinne ließe sich freilich auch mit jedem gewöhnlichen Benzinauto klimaneutral fahren. Mit dem, was ein Elektroauto mehr kostet, ließe sich so manches kompensieren …
Leider erweist sich also das Elektroauto keineswegs als die Wunderlösung für den Klimaschutz. Dies gilt viel eher für andere Formen der Elektromobilität, etwa mit Elektrofahrrädern oder mit der Bahn.
