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Das RP-Energie-Lexikon

Aberglauben, Halbwahrheiten und Propaganda zum Thema Stromerzeugung und Stromversorgung

Extra-Artikel

Tipp: Neben den Lexikon-Artikeln gibt es noch diverse interessante Extra-Artikel!

Alle Zeigefinger auf China?

Dieser Artikel lädt ein, Ansichten über die chinesischen CO2-Emissionen so­wie über unsere Beiträge zum Klima­schutz zu überdenken.

Streif Fertighäuser

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Quecksilber-Hysterie

Der aktuelle Film "Bulb Fiction" über Energiesparlampen betreibt Panikmache – ein Artikel über Quecksilber in Lampen und eine Kritik des Films klären die Fakten.

Siehe auch ähnliche Seiten zu den Themen Gebäude, Heizung, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Klimaschutz.

Behauptungen:

Mein Stromversorger produziert mit Wasserkraft, also ist mein Strom sauber.

Kategorien: ungeprüfte Annahme, Irreführung

Stellen Sie sich vor, Sie wohnen in der Schweiz, und von Ihrem Energieversorgungsunternehmen wissen Sie, dass es nur mit Wasserkraft produziert. Sie gehen somit davon aus, dass Ihr Strom sauber ist, insbesondere nicht mit klimaschädlichen CO2-Emissionen behaftet.

So überzeugend das klingt, mit dieser letzteren Annahme können Sie vollkommen falsch liegen. Manche Stromversorger arbeiten nämlich mit der folgenden Strategie:

Zumindest in einem erweiterten Sinne wird hier also Ökostrom doppelt verkauft: einmal den dafür zahlenden Kunden im Ausland, ein zweites mal scheinbar den Kunden im eigenen Versorgungsgebiet, denen man durch Werbung für seine saubere Stromerzeugung vorgaukelt, sie bekämen diesen Strom auch.

Wenn Ihr Stromversorger nun aber mit Zertifikaten nachweist, dass der Ihnen gelieferte Strom wirklich Wasserkraft-Strom ist (der nicht zusätzlich woanders als Ökostrom verkauft wird), dann sollte wohl alles in Ordnung sein, oder? Nein, oft nicht einmal in diesem Fall, wenn nämlich Ihr Stromversorger auch mit Dreckstrom handelt. Wie im folgenden Abschnitt erklärt wird, kann es dann sein, dass jeder Mehrverbrauch bei Ihnen mehr Dreckstrom-Einkauf bedeutet, so dass Ihr Strom effektiv keineswegs klimaneutral ist.

Verständlich, dass diejenigen, die so etwas merken, angesichts dieser Verlogenheit manchmal ziemlich erzürnt sind. Ein mögliches Mittel dagegen wären griffige Deklarationspflichten: Jeder Stromkunde müsste darüber aufgeklärt werden (nicht erst auf Anfrage), mit welcher Art von Strom er versorgt wird. In Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt es diese Pflicht zur Stromkennzeichnung, aber auch diese verhindert nicht den Ökostromschwindel, wie er im folgenden Abschnitt beschrieben wird. Übrigens: “Strom aus nicht überprüfbaren Energieträgern” sollte es nur heißen dürfen, wenn man tatsächlich mit vernünftigem Aufwand nicht klären kann, woher er stammt – was selten der Fall sein dürfte.

Ökostrom ist Schwindel: ein sinnloser Ablasshandel

Kategorien: unzulässige Verallgemeinerung

Bei Bezug von Ökostrom von unseriösen Anbietern kann tatsächlich leicht das Folgende passieren: Der Energieversorger schreibt auf dem Papier einen entsprechenden Anteil seiner Stromerzeugung aus Wasserkraft den etwas mehr bezahlenden Ökostrom-Kunden zu, und die anderen Kunden (denen es egal ist oder die es nicht wissen) beziehen einen entsprechend höheren Anteil “Dreckstrom” z. B. aus Kohlekraftwerken. Somit hat der Energieversorger seinen Gewinn erhöht, die Ökostromkunden haben vielleicht ein etwas besseres Gewissen, und für die Umwelt ist rein gar nichts getan, da außer auf dem Papier (und den Konten der Kunden) ja nichts passiert. Das erinnert in der Tat auf fatale Weise an den mittelalterlichen Ablasshandel.

Allerdings ist es grundfalsch, deswegen Ökostrom pauschal als sinnlosen Ablasshandel abzuqualifizieren. Seriöse Ökostromanbieter agieren nämlich ganz anders. Sie stellen mit einem ausgefeilten Regelwerk sicher, dass der Ökostrombezug tatsächlich die Struktur der Stromerzeugung in Richtung von umwelt- und klimafreundlichen Lösungen verändert. Ein wichtiges Element hiervon ist, dass ein wesentlicher Teil des Ökostroms aus neu zu bauenden Anlagen kommen muss, so dass nicht nur einfach zusätzliches Geld mit ohnehin schon produzierenden Anlagen eingespielt wird.

Die Details erläutert der Artikel über Ökostrom. Wer sich damit nicht detailliert befassen möchte, kann einen seriösen Ökostrom-Anbieter an einem Label oder Zertifikat erkennen, das von einer vertrauenswürdigen Institution gekennzeichnet ist. Beispielsweise kann man sich nach Ansicht des Autors auf das "ok-power"-Label und das "Grüner Strom Label" verlassen. Aber Vorsicht: Es werden immer wieder auch Label auf den Markt gebracht, die nicht wirklich aussagekräftig oder gar irreführend sind.

Windkraft trägt nicht zur Versorgungssicherheit bei, denn wir wissen ja nie, ob genügend Wind weht, wenn wir gerade Strom brauchen.

Kategorien: Halbwahrheiten, Propaganda

Hierfür sollte man genauer darüber nachdenken, welche Aspekte der Begriff Versorgungssicherheit hat. Einen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Sinne von Reserveleistung (Regelenergie) kann Windenergie freilich nicht leisten; Windenergieanlagen wären – wie übrigens diverse andere Typen von Kraftwerken – hierfür denkbar wenig geeignet. Der Anteil der gesicherten Leistung, den z. B. die Windenergie in Deutschland zur Zeit bringt, beträgt nur rund 6 % der gesamten Maximalleistung der Anlagen. Jedoch kann die Windstromerzeugung definitiv die Abhängigkeit von Strom- oder auch Erdgasimporten vermindern und somit wesentliche Faktoren, die die Versorgungssicherheit beeinträchtigen können.

Welchen Effekt die Windstromerzeugung konkret hat, hängt sehr von den jeweiligen Umständen ab. Würde man Windstrom verwenden, um Kernkraftwerke je nach Wetter mit reduzierter Kapazität laufen zu lassen (was freilich ziemlich unsinnig wäre), hätte man so gut wie keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit gewonnen; man hätte lediglich etwas Uran gespart (und weniger Atommüll produziert). Verwendet man Windstrom dagegen, um die in Stauseen gespeicherten Energiereserven zu schonen (ein viel realistischeres Szenario), sieht es völlig anders aus. Dann ist es auch ziemlich unerheblich, wann genau der Wind weht. Windstrom muss dann eben nicht die Erzeugung der momentan benötigten Leistung garantieren, sondern das Vorhandensein genügend großer Energiereserven in den Stauseen.

Eine ausführlichere Diskussion dieser Thematik enthält der Artikel "Windkraft – eine Gefahr für die Versorgungssicherheit?".

Übrigens: Hat schon mal jemand ein Kernkraftwerk abgelehnt auf der Basis, dass man dann ja ohnehin immer ein anderes Kraftwerk in Reserve halten muss für den Fall, dass es plötzlich ausfällt? So etwas kommt durchaus vor, wenn auch seltener als Windflauten. Und dann fehlt womöglich ohne Vorwarnung plötzlich eine Leistung von 1 GW – unter Umständen sogar für viele Monate am Stück (wie geschehen mit dem Kernkraftwerk Leibstadt in 2005). Hierfür braucht es in der Tat große Erzeugungsreserven. Das ist in einem großem Verbundnetz machbar und finanzierbar – für Kernenergie genauso wie für die Windenergie.

Stromerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung ist immer effizienter.

Kategorien: Halbwahrheiten

Richtig ist, dass die Energieeffizienz eines Kraftwerks in aller Regel deutlich höher wird, wenn man seine Abwärme nutzt, d. h. Kraft-Wärme-Kopplung betreibt.

Falsch ist dagegen die Annahme, dass Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung grundsätzlich energieeffizienter sind als solche ohne Abwärmenutzung.

Auf den ersten Blick scheinen sich die beiden obigen Aussagen diametral zu widersprechen. Sie tun es aber nicht, weil bei der ersten Aussage von einem bestimmten Kraftwerk ausgegangen wird, bei dem man die Abwärme entweder nutzt oder nicht nutzt, während im zweiten Fall Kraftwerke verschiedener Art – und mit meist unterschiedlichen elektrischen Wirkungsgraden – miteinander verglichen werden.

Als Beispiel betrachte man den folgenden Vergleich:

Wenn wir für das GuD-Kraftwerk einen Wirkungsgrad von 55 bis 60 % wie für modernste Anlagen annehmen und zusätzlich eine Wärmepumpe mit einer höheren Leistungszahl (wie sie zumindest für die Beheizung von Neubauten realistisch ist), erweist sich diese Lösung also sogar noch deutlich effizienter. Gleichzeitig wird das BHKW ineffizienter, wenn es zeitweise ohne Abwärmenutzung produzieren muss oder wenn manchmal ein Spitzenlastkessel für zusätzliche Wärmeleistung eingesetzt wird.

Man sieht, dass der elektrische Wirkungsgrad für eine hohe Energieeffizienz des Gesamtsystems besonders wichtig ist – so wichtig, dass ein Vorteil auf dieser Seite oft den Vorteil der Abwärmenutzung mehr als aufwiegen kann.

Man sollte aber auch nicht übersehen, dass das Blockheizkraftwerk immer noch wesentlich besser als eine Lösung mit Heizkesseln ist – von Elektroheizungen ganz zu schweigen. Wer also die Möglichkeit hat, ein Blockheizkraftwerk unter vernünftigen Rahmenbedingungen (ausreichende Größe, gute Wärmeabnahme) zu betreiben, sollte dies durchaus tun. Jedoch sollte die Nutzung des Erdgases in einem modernen Gaskraftwerk nicht als ineffizient verteufelt werden, selbst wenn dort keine Abwärmenutzung erfolgt. Es kommt dann freilich auf die effiziente Nutzung des damit erzeugten Stroms an: Wenn das z. B. Wärmepumpen mit einer vernünftigen Jahresarbeitszahl sind, ist dagegen wenig einzuwenden.

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