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Atomausstieg

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Definition: Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie

Unter Atomausstieg versteht man den Ausstieg aus der (zivilen) Nutzung der Kernenergie. Da die Kernenergie in aller Regel zur Erzeugung elektrischer Energie (Stromerzeugung) in Kernkraftwerken verwendet wird, bedeutet dies den Ersatz der Kernkraftwerke durch andere Arten von Kraftwerken – eventuell ergänzt durch Maßnahmen, die den Bedarf an elektrischer Energie vermindert, beispielsweise über erhöhte Energieeffizienz. So wird der Atomausstieg zur zentralen Komponente eines umfassenderen Umbaus der Stromversorgung, auch als Energiewende bezeichnet. Diese umfasst gleichzeitig auch andere Aspekte, insbesondere die Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen als Beitrag zum Klimaschutz.

Formen des Atomausstiegs

Die extremste Form des Atomausstiegs ist die sofortige Abschaltung und Außerbetriebnahme sämtlicher Kernkraftwerke. Dies wäre jedoch für die nächsten Jahre mit einer erheblichen Verminderung der verfügbaren Kraftwerkskapazität verbunden, würde also eine sofortige Verminderung des Verbrauchs an elektrischer Energie erzwingen, und wäre mit massiven wirtschaftlichen Verlusten verbunden.

Im Gegensatz hierzu wäre die mildeste Form eines Atomausstiegs lediglich der Verzicht auf den Neubau von Atomkraftwerken, aber der Weiterbetrieb aller existierender Kernkraftwerke, solange dieser sicherheitstechnisch für akzeptabel gehalten wird (wobei die Meinungen hierüber sehr differieren und sich bei Politikern und in der Bevölkerung auch sehr schnell ändern können).

Weitere Varianten liegen zwischen diesen Extremen: Zum Verzicht auf Kraftwerksneubauten kommt eine mehr oder weniger strikte Begrenzung der Restlaufzeiten existierender Kraftwerke. Dies kann entweder mit von Anfang an festgelegten Parametern erfolgen oder mit einem bewusst gelassenen Entscheidungsspielraum für spätere Jahre.

Gründe für oder gegen einen Atomausstieg

Übersicht über die wichtigsten Argumente

Es gibt verschiedene Gründe, die für oder gegen einen Atomausstieg sprechen. Die Gründe dafür sind im Wesentlichen die folgenden:

Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Argumenten gegen einen Atomausstieg oder zumindest gegen einen raschen Atomausstieg:

Zusammenhang mit Klimaschutz

Der Klimaschutz wird häufig als ein Argument gegen einen Atomausstieg vorgebracht (siehe oben). Jedoch ist ein massiver Einfluss auf die globalen Klimagefahren nicht zu befürchten angesichts des ohnehin geringen Anteils der Kernenergie am globalen Energieumsatz: Weltweit deckt die Kernenergie zur Zeit (2011) 2,5 % des Endenergiebedarfs ab, oder rund 6 % der Primärenergie. Dies bedeutet, dass selbst ein weltweit praktizierter Atomausstieg mit weitgehendem Ersatz der Kernkraftwerke durch fossil befeuerte Kraftwerke die Kohlendioxid-Emissionen nur um wenige Prozentpunkte erhöhen würde. (Dies entspricht der bisherigen Steigerung der Emissionen in ganz wenigen Jahren.) Wenn der Atomausstieg aber zu einem konsequenteren Einsatz von erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz führt – im Stromsektor wie in anderen Verbrauchssektoren –, kann dieser vergleichsweise kleine Effekt leicht ausgeglichen werden.

Etwas anders stellt sich die Situation dar, wenn die Emissionen nur eines Landes wie Deutschland betrachtet werden, da dort der bisherige Atomstromanteil rund doppelt so hoch ist wie im weltweiten Durchschnitt. (Die Kernenergie deckte in 2009 ca. 11 % des Primärenergiebedarfs, deutlich weniger bei der Endenergie.) Das Grundproblem ist hier aber, dass der CO2-Ausstoß pro Kopf in Ländern wie Deutschland erheblich über dem weltweiten Durchschnitt liegt – mit oder ohne Kernenergie – und dass bereits der weltweite Durchschnitt mit Blick auf die Klimagefahren wesentlich zu hoch liegt. Der Atomausstieg führt hier zunächst einmal in die falsche Richtung, und verstärkte Anstrengungen sind nötig, um trotzdem die gesamten klimaschädlichen Emissionen innerhalb der nächsten Jahrzehnte stark abzusenken.

Schwierige Abwägung

Eine rationale Entscheidung für oder gegen einen Atomausstieg, bzw. für ein bestimmtes Tempo des Ausstiegs, muss offensichtlich auf einer Abwägung der Vor- und Nachteile basieren, die ganz unterschiedliche Aspekte betreffen und deswegen schwer objektiv gegeneinander aufzurechnen sind. Unvermeidlich kommen dabei subjektive Aspekte ins Spiel. Beispielsweise werden diverse Gefahren unterschiedlich bewertet: die Wahrscheinlichkeit schwerer Atomunfälle, die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen durch die zivile Kernenergienutzung sowie die Gefahr wirtschaftlicher Einbußen durch Mehrkosten eines Atomausstiegs. Ebenfalls gibt es unterschiedlich optimistische Einschätzungen z. B. betreffend die Wirksamkeit technischer Maßnahmen gegen Atomunfälle, die Entwicklung der Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und die Potenziale erhöhter Energieeffizienz im Falle entschiedener Maßnahmen in dieser Richtung.

Literatur

[1]Extra-Artikel "Was lernen wir aus dem Atom-Desaster von Fukushima?"
[2]Aberglauben, Halbwahrheiten und Propaganda zum Thema Kernenergie

Siehe auch: Kernenergie, Kernkraftwerk, Energiewende

Kategorien: Grundbegriffe, Kernenergie

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