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Definition: eine hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen bestehende Flüssigkeit aus fossilen Quellen
Erdöl oder (Mineralöl) ist eine brennbare Flüssigkeit, die hauptsächlich aus verschiedensten Kohlenwasserstoffen besteht. Sie wird meist zunächst als fossiles Rohöl aus mehr oder weniger tief im Erdinneren gelegenen Lagerstätten gepumpt, kann aber auch z. B. aus Teersanden oder Ölschiefer extrahiert werden. In Raffinerien wird das Rohöl zu diversen Erdölprodukten verarbeitet. Hierzu gehören nicht nur Brennstoffe und Kraftstoffe, sondern auch diverse Grundstoffe für die chemische Industrie und für andere stoffliche Anwendungen. Was die Energieversorgung betrifft, zeichnet Erdöl als Energieträger eine besondere Kombination günstiger Eigenschaften aus: eine hohe Energiedichte, die gute Transportierbarkeit und die zumindest für “konventionelle” Vorkommen tiefen Förderkosten.
Erdöl ist zwar nicht nach der Menge, aber nach dem Wert der wichtigste aller weltweit gehandelten Rohstoffe. Bei einem täglichen Verbrauch von 87 Mio. Barrel (Stand 2008) ergibt ein Ölpreis von z. B. 80 Dollar pro Barrel den enormen Wert von 2540 Milliarden Dollar pro Jahr. Wenn die Erdölförderung wieder zurückgeht (nach Peak Oil, siehe unten), dürfte dieser Wert wegen der stark steigenden Preise noch wesentlich höher ausfallen. So wird verständlich, dass bei Erdöl auch ein sehr hohes Konfliktpotenzial besteht.
Nach vorherrschender wissenschaftlicher Meinung entstand Erdöl innerhalb von Hunderttausenden bis Millionen von Jahren der Erdgeschichte aus abgestorbenen Meeresorganismen, die unter weitgehender Abwesenheit von Sauerstoff begraben unter Sedimentgesteinen hohen Drucken und Temperaturen ausgesetzt wurden. Es handelt sich also um einen fossilen Energieträger.
Die Entstehung von Erdöllagerstätten setzt eine Reihe von Umständen voraus:
Da die oben genannten Voraussetzungen für die Bildung von Erdöl an den meisten Stellen auf der Erde nicht oder nicht vollständig gegeben sind, findet man Erdöl nur in bestimmten Regionen.
Für den biologischen Ursprung des Erdöls sprechen viele Indizien, insbesondere geologische Merkmale von Erdöllagerstätten sowie mikroskopische Spuren, die z. B. eindeutig Pflanzenreste anzeigen.
Es gibt auch Theorien, die zumindest für einen Teil des Erdöls abiotische (nicht fossile) Ursprünge behaupten. Danach soll Erdöl in tieferen Erdkruste und im Erdmantel ohne jede Mitwirkung von Lebewesen entstehen. Diese Theorien werden jedoch in der Wissenschaft mehrheitlich abgelehnt, nachdem sie insbesondere in Russland jahrelang ohne überzeugende Resultate verfolgt wurden.
Je nach Lagerstätte können verschiedene Qualitäten des Rohöls (crude oil) auftreten. Ein Aspekt hierbei ist die Dichte, die über den API-Grad charakterisiert wird: Ein höherer API-Grad bedeutet eine geringere Dichte und tendenziell auch geringe Viskosität (bessere Fließfähigkeit). Aufgrund des API-Grads wird Rohöl in die Sorten leicht, mittel, schwer und extra schwer eingeteilt. Tendenziell sind leichtere Sorten teurer, weil leichter zu transportieren und verarbeiten.
Wichtiger als die Dichte ist allerdings der Schwefelgehalt des Rohöls. Schwefelarme (“süße”) Sorten erlauben die Herstellung von Benzin, Dieselkraftstoff, Kerosin und Heizöl mit geringerem Aufwand in der Raffinerie als “saure” Sorten mit hohem Schwefelgehalt.
Im Ölhandel wird Rohöl ist bestimmte Referenzklassen eingeteilt, deren Namen (z. B. Brent = West Texas Intermediate oder Arab Light) von bestimmten Vorkommen stammen. Das leichte und schwefelarme Brent gehört zu den teureren Sorten. Oft werden Rohöle verschiedener Lagerstätten so gemischt, dass ein bestimmter Standard erreicht wird.
Zur Förderung (auch “Produktion” genannt) von Erdöl wird in den meisten Fällen ein unterirdisches Erdöllager angebohrt. Solche Lager stehen oft unter erheblichem Druck, so dass das Rohöl anfangs quasi von selbst den verlegten Leitungen entströmt. Später kann durch Pumpen die geförderte Menge noch stark vergrößert werden. Der Druck der Lagerstätte kann im Rahmen der sekundären Förderung auch wieder erhöht werden, indem z. B. Erdgas oder Wasser injiziert wird. Zunehmend werden auch Verfahren der tertiären Förderung (Enhanced Oil Recovery, EOR) eingesetzt, bei denen z. B. heißer Wasserdampf, Kohlendioxid oder Chemikalien verwendet werden. Selbst dann verbleibt ein wesentlicher Teil des Erdölgehalts (meist über 40 %) in der Lagerstätte, da das Erdöl in kleinen, schwer zugänglichen Taschen gefangen sein kann und auch stark an das Muttergestein gebunden sein kann.
Unter dem Meeresboden liegende Lagerstätten sind tendenziell schwieriger auszubeuten, vor allem bei großen Wassertiefen. Da aber z. B. die verbleibenden nordamerikanischen Ölreserven zum größten Teil unter sehr tiefem Wasser liegen (oft weit mehr als 1 km), werden entsprechende Fördertechniken mit Hochdruck entwickelt.
Die Erdölförderung kann je nach Lager und Fördertechnik eher geringe oder auch sehr starke Umweltbelastungen zur Folge haben. Verheerende Auswirkungen entstehen sowohl an Land wie auch im Meer durch Leckagen, die auch zu Bränden oder Explosionen führen können. Auch ohne Unfälle fallen große Mengen stark giftiger und teils auch radioaktiver Rückstände an, die mancherorts einfach in der Landschaft abgelagert werden und die Umgebung verseuchen. Besonders massive Umweltbelastungen durch Giftstoffe, Chemikalien und klimaschädliche Kohlendioxid-Emissionen treten bei der Förderung “nicht-konventionellen” Erdöls z. B. aus Ölsanden und Ölschiefer auf. Es kommt auch vor, dass das sehr klimaschädliche Methan (Erdgas) bei Ölbohrungen unkontrolliert in großen Mengen austritt – in manchen Fällen sogar über viele Jahre.
Erdöl wirst meistens in Form von Rohöl über weite Strecken transportiert, entweder mit Tankschiffen (Öltankern) oder mit Pipelines (Rohrleitungen). Raffinerien für die Herstellung von Erdölprodukten wie Benzin, Dieselkraftstoff und Heizöl liegen häufig an den Küsten der Verbraucherländer. Von den Raffinerien aus erfolgt die Verteilung wiederum über (meist kleinere) Schiffe oder Pipelines.
Unglücke mit Öltankern führen immer wieder zu massiven Umweltproblemen, da das Rohöl viele giftige Stoffe enthält und allein schon aufgrund seiner klebrigen Konsistenz große Schäden anrichten kann. Das bisher schwerste Tankerunglück war das der Exxon Valdez, aus der in 1989 vor Alaska etwa 40 000 Tonnen Rohöl ausliefen und die Küste Alaskas auf mehr als 2000 km Länge verseuchten. Ölförderplattformen im Meer und in Binnengewässern können ebenfalls große Schäden anrichten. Beispielsweise entstand beim Untergang der “Deepwater Horizon” im Golf von Mexiko im April 2010 eine massive Ölpest. Es erwies sich als extrem schwierig, das Öl daran zu hindern, aus dem Bohrloch auszutreten.
Da Erdöl meist über viele Tausende von Kilometern transportiert werden muss, entsteht hierdurch ein Energieaufwand, der einigen Prozenten des Energiegehalts des Öls entspricht. Dies ist jedoch wenig im Vergleich zum Energieaufwand zur Gewinnung von “nicht-konventionellem” Öl.
Mengenmäßig dominierend ist die Anwendung von Erdölprodukten in Form von Brennstoffen und Kraftstoffen:
Darüber hinaus finden Erdölprodukte auch viele andere Anwendungen:
Der weltweite Verbrauch an Erdöl ist enorm hoch und immer noch deutlich steigend. Beispielsweise waren es knapp 32 Milliarden Barrel in 2008. (Ein Barrel entspricht ca. 159 Litern.)
Über die Menge des noch förderbaren Erdöls und die Gefahr begrenzter Verfügbarkeit und möglicherweise explodierender Ölpreise kursieren sehr unterschiedliche Angaben. Solche Unterschiede können verschiedenste Ursachen haben:
Die Frage der Förderkapazitäten dürfte hier der wichtigste Aspekt sein. Die weltweite Erdölnachfrage steigt bisher stetig an (mit geringfügigen Einbrüchen durch Wirtschaftskrisen). Die Förderung wird aber immer schwieriger, da mehr und mehr Ölquellen allmählich versiegen und neu gefundene Quellen immer seltener, kleiner und schwerer auszubeuten sind. Viele Ölförderländer haben längst das Maximum der Förderung überschritten, welches typischerweise ungefähr nach Förderung der halben Gesamtmenge auftritt. Dies wurde bisher auf dem Markt kaum spürbar, da andere Länder (insbesondere im Nahen Osten) diese Lücken noch schließen können. Es gibt jedoch ernst zu nehmende Befürchtungen, dass dies schon in wenigen Jahren nicht mehr der Fall sein wird. Nachdem das Maximum der globalen Förderung (“Peak Oil”) erreicht wird, könnte die Förderung relativ schnell einbrechen. Die Kombination einer noch steigenden Nachfrage mit einem deutlichen Rückgang der globalen Förderung dürfte dann massive Preisschübe und in der Folge schwere wirtschaftliche und politische Krisen verursachen.
Bei der Verbrennung von Erdölprodukten – nicht nur von Kraftstoffen und Brennstoffen, z. B. auch von Kunststoffen – entsteht das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2). Die spezifischen CO2-Emissionen der Wärmeerzeugung liegen z. B. für Heizöl extraleicht bei ca. 240 g/kWh, also niedriger als für Kohle (320 g/kWh), aber höher als für Erdgas (215 g/kWh).
Oben wurde bereits erwähnt, dass die Ölförderung starke Umweltbelastungen zur Folge haben kann. Unter anderem entstehen hier zusätzliche CO2-Emissionen. Während diese bei der konventionellen Ölförderung immerhin wesentlich geringer sind also die bei der Verbrennung, entstehen massive Emissionen bei unkonventioneller Förderung, z. B. bei der Produktion aus Teersanden in Kanada. Effektiv kann die Klimabelastung rund doppelt so stark sein wie bei konventionellem Öl.
Die Reduktion des Ölverbrauchs z. B. durch erhöhte Energieeffizienz oder durch Umstieg auf CO2-arme Energiequellen (z. B. erneuerbare Energie aus Biogas) kann die CO2-Emissionen wesentlich senken, während der Ersatz von konventionellem Öl durch nicht-konventionelles Öl oder durch Kohle (z. B. über Kohleverflüssigung) die Emissionen stark erhöht. Insofern ist noch völlig offen, ob die erzwungene Reduktion des Erdölverbrauchs nach dem Erreichen von Peak Oil die Klimagefahren reduziert oder gar noch erhöht.
Die breite Einführung von Erdöl als Energieträger hat in den Verbraucherländern enorme gesellschaftliche Änderungen hervorgerufen. Billiges Erdöl war ein erheblicher Treiber des starken Wirtschaftswachstums der Nachkriegszeit. Es wurde unter anderem zur Grundlage gemacht für eine extreme Ausweitung des Individualverkehrs und Flugverkehrs und auch der ständig über Zentralheizungen beheizbaren Wohnfläche. Hierdurch sind sehr hohe Ansprüche entstanden, beispielsweise an Geschwindigkeit, Reichweite und Komfort von Autos, die mit anderen Technologien (z. B. Elektroautos) kaum zu vernünftigen Kosten befriedigt werden können. Ebenfalls entstand eine enorme Abhängigkeit der Industrieländer von Erdöl in praktisch allen Sektoren, einschließlich Industrie, Dienstleistung und privaten Haushalten. Diese Entwicklung wurde durch induzierte soziale Effekte noch verstärkt, insbesondere durch veränderte Siedlungsstrukturen, die lange Arbeitswege nötig machen.
In den Erdölförderländern sind durch den Export sehr hohe Einnahmen entstanden, die allerdings häufig nicht dem Großteil der Bevölkerung zugute kommen, sondern im Gegenteil Korruption und mancherorts auch Konflikte bis hin zu Kriegen begünstigt haben. Viele Erdölförderländer sind sogar wirtschaftlich, politisch und sozial besonders wenig entwickelt, was häufig direkt auf Änderungen von gesellschaftlichen Strukturen und politischen Machtverhältnissen in Folge der Erdöleinnahmen zurückgeführt werden kann.
Erdölprodukte werden in den meisten Ländern mit der Mineralölsteuer belegt. Die angewandten Steuersätze unterscheiden sich sehr nach der Art des Produkts und sind in der Regel für Kraftstoffe (Benzin, Diesel) wesentlich höher als für Brennstoffe (z. B. Heizöl). Bei Kraftstoffen kann die Mineralölsteuer mehr als die Hälfte des Verkaufspreises ausmachen. Mit den Mineralölsteuereinnahmen wird z. B. der Straßenbau und -unterhalt finanziert. Zusätzlich kann eine Ökosteuer erhoben werden, um weitere Anreize zur Eindämmung des Ölverbrauchs zu schaffen.
Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Abhängigkeit von Erdöl zu reduzieren. Diese lassen sich wie folgt unterteilen:
Erdöl-ähnliche Stoffe können aus anderen Stoffen gewonnen werden. Insbesondere lassen sich flüssige Kraftstoffe auch aus Erdgas herstellen, welches jedoch ebenfalls nur begrenzt verfügbar ist, sowie aus Kohle, wobei jedoch noch wesentlich stärkere Umweltbelastungen auftreten als bei der Verwendung von Erdöl. Ebenfalls gibt es Agrotreibstoffe (oft weniger treffend als Biotreibstoffe bezeichnet), die entweder Erdölprodukten ähneln (Beispiel: Biodiesel) oder wie Bioethanol anstelle von Benzin eingesetzt werden können (trotz chemisch völlig anderer Zusammensetzung).
Erdöl kann durch völlig andere Energieträger ersetzt (substituiert) werden, z. B.
Der Verbrauch an Endenergie kann durch Erhöhung der Energieeffizienz und durch maßvolle Anwendung (Verzicht) reduziert werden, was sich mehr oder weniger auf den Erdölverbrauch auswirken kann. Beispielsweise benötigt der öffentliche Verkehr (Bahnen, Busse, Trams) weniger Energie als der Individualverkehr, und lässt sich meist leichter mit erneuerbarer Energie betreiben.
| [1] | Wikipedia über Erdöl |
| [2] | International Energy Agency (IEA) |
| [3] | Erdöl-Dossier des Schweizer Fernsehens |
| [4] | Energy Bulletin |
| [5] | ASPO Schweiz mit Informationen zu “Peak Oil” |
Siehe auch: Brennstoff, Kraftstoff, Benzin, Dieselkraftstoff, Heizöl, Kerosin, Flüssiggas, Erdgas, Energieträger, fossile Energieträger, Versorgungssicherheit, Ölsand