Nachtstrom | <<< | >>> | Feedback |
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Definition: bei Nacht gelieferte elektrische Energie
Nachtstrom ist elektrische Energie, die bei Nacht geliefert wird – beispielsweise zwischen 22 und 6 Uhr. Häufig werden für Nachtstrom reduzierte Stromtarife (Niedertarif oder Schwachlasttarif) angesetzt, insbesondere für Elektrospeicherheizungen, Elektroboiler für Warmwasser sowie für Großverbraucher. Dies setzt technisch voraus, dass der Nachtstromverbrauch über einen separaten Nachtstromzähler oder mit einem Zweitarifstromzähler erfasst wird, was bei vielen Haushalten nicht der Fall ist. Häufig wird auch nur der Verbrauch einer Elektroheizung zum Nachtstromtarif berechnet, nicht aber der sonstige nächtliche Verbrauch eines Haushalts.
Eine vereinfachte (und nicht immer zutreffende) Begründung für reduzierte Nachtstromtarife ist, dass wegen des reduzierten Bedarfs an elektrischer Leistung in der Nacht die Kraftwerks- und Leitungskapazitäten weniger ausgelastet sind. Es besteht nun ein Interesse der Stromversorger, dieses “Nachtstromtal” in der Verbrauchskurve möglichst stark einzuebnen, indem erstens möglichst viel Verbrauch vom Tag in die Nachtzeiten verlagert und zweitens auch ein zusätzlicher Nachtstromverbrauch erzeugt wird. Nachtstromtarife dienen offenkundig diesen Zielen, indem sie den Verbrauchern entsprechende Anreize geben.
Eine möglichst flache Verbrauchskurve (d. h. geringe Schwankungen des Leistungsbedarfs zwischen Tag und Nacht) hat energiewirtschaftliche Vorteile:
In aller Regel nicht zutreffend ist die gelegentlich angetroffene Meinung, es gäbe nachts “überschüssige Energie”, die sonst nicht genutzt werden könnte. Es handelt sich allenfalls um überschüssige Kapazitäten: Kraftwerke laufen dann mit reduzierter Leistung, was auch den Brennstoffbedarf reduziert.
Ein ökologischer Vorteil von Nachtstrom gegenüber Tagstrom tritt im Wesentlichen nur dann auf, wenn der Nachtstrom mit ökologisch günstigeren Kraftwerken erzeugt wird. Beispielsweise könnte Strom aus Laufwasserkraftwerken oder Windenergieanlagen, der nachtsüber nicht anderweitig benötigt wird, als Nachtstrom z. B. für Elektroheizungen eingesetzt werden, während für zusätzlichen Tagstrom Gaskraftwerke herangezogen werden müssten.
Es kann jedoch durchaus auch die umgekehrte Situation auftreten, etwa wenn der Nachtstrom aus Kohlekraftwerken stammt, während die Spitzenlast mit Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken erzeugt wird. In diesem Fall ist die Umweltbelastung des Nachtstroms wesentlich höher als die des Tagstroms.
Oftmals ist nicht allein der ökologische Vergleich von Tag- und Nachtstrom relevant, sondern vielmehr der Vergleich von Nachtstrom z. B. für Elektroheizungen mit anderen Wärmequellen. Beispielsweise verbrauchen elektrische Wärmepumpenheizungen sowohl Tag- als auch Nachtstrom, von beidem zusammen jedoch viel weniger als Elektroheizungen. Dadurch erzielt die Wärmepumpenheizung in aller Regel selbst dann eine günstigere Ökobilanz, wenn der Nachtstrom tatsächlich ökologisch günstiger erzeugt werden könnte.
Vielerorts wurde insbesondere durch die Verbreitung von Elektrospeicherheizungen ein so großer Bedarf an Nachtstrom geschaffen, dass das “Nachtstromtal” an kalten Wintertagen völlig ausgefüllt ist oder sogar in den Nachtstunden die Spitzenlast auftritt. In dieser Situation gilt nicht mehr die häufig geäußerte Behauptung, den Elektrospeicherheizungen seien nur die Betriebskosten der Kraftwerke, nicht jedoch die Investitionskosten für die Kraftwerke und Leitungen anzulasten.
Verschiedene starke Indizien deuten nun darauf hin, dass das Gewähren stark vergünstigter Nachtstromtarife weit mehr der Absatzförderung dient als der Verlagerung von Tagstromverbrauch in die Nacht:
Außerdem ist zu beachten, dass bei den vielerorts heute vorherrschenden Strukturen in der Stromwirtschaft für die Stromversorger in erster Linie nicht ein Interesse an geringen Investitions- und Betriebskosten besteht, sondern an einem möglichst hohen Absatz. Höhere Kosten können nämlich relativ problemlos auf die Verbraucher abgewälzt werden, insbesondere bei den Tagstromtarifen für Kleinverbraucher, während ein hoher Absatz den Umsatz und die wirtschaftliche Macht vergrößert. Dies bedeutet, dass Stromtarife nicht unbedingt volkswirtschaftlich wünschbare Entwicklungen begünstigen.
Typische Quellen erneuerbarer Energien liefert tagsüber mehr elektrische Energie als nachts:
Dies bedeutet, dass ein vermehrter Einsatz von erneuerbaren Energien die Nachtstromerzeugung tendenziell reduzieren wird.
Siehe auch: elektrische Energie, Elektroheizung