Passivhaus | <<< | >>> | Feedback |
Dieser Artikel lädt ein, Ansichten über die chinesischen CO2-Emissionen sowie über unsere Beiträge zum Klimaschutz zu überdenken.
Der aktuelle Film "Bulb Fiction" über Energiesparlampen betreibt Panikmache – ein Artikel über Quecksilber in Lampen und eine Kritik des Films klären die Fakten.
Sie können den Aufbau dieses Lexikons als Sponsor unterstützen. Damit leisten Sie einen Beitrag für die Allgemeinheit, der von vielen Lesern wahrgenommen wird.
Tipp: Neben den Lexikon-Artikeln gibt es noch diverse interessante Extra-Artikel!
Definition: ein Haus, welches im Regelfall ohne Zufuhr von Heizwärme warm gehalten werden kann
Die meisten Gebäude können bei niedrigen Außentemperaturen (z. B. unter 0 °C) nur durch Zufuhr erheblicher Mengen von Heizwärme über eine Heizungsanlage ausreichend warm gehalten werden. Ein Passivhaus dagegen benötigt auch im kalten Winter an vielen Tagen keinerlei Heizwärmezufuhr, und ebenfalls keine aufwändige Klimatisierung im Sommer. Es genügt deswegen eine geringe Zufuhr von Heizwärme an ungünstigen Tagen z. B. über vorgewärmte Frischluft, während eine konventionelle Zentralheizung nicht notwendig ist. Dies wird mit einer Kombination von Maßnahmen erreicht:
Mit diesen Maßnahmen gehen die Wärmeverluste des Hauses durchaus nicht auf Null zurück. Jedoch sind sie dann meist etwas geringer als die inneren und solaren Wärmegewinne:

Abbildung 1: Ein Passivhaus mit moderner Glas-Fassade in Domat/Ems, Schweiz. Foto: Solar Agentur Schweiz.
Schon bei einem Niedrigenergiehaus, welches den Passivhausstandard nicht erreicht, kann die Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit ohne weiteres mehr Wärme in das Haus bringen, als es selbst an sehr kalten Tagen mit Außentemperaturen von z. B. −15 °C verliert, so dass jegliche künstliche Beheizung unnötig wird. Ein Passivhaus aber speichert die Wärmeüberschüsse in dieser Situation, so dass damit auch die Nacht und gelegentliche trübe Tage (mit zu wenig Sonneneinstrahlung) überbrückt werden können.
Der verbleibende kleine Energiebedarf eines Passivhauses wird häufig zu einem guten Teil mit erneuerbarer Energie gedeckt, z. B. mit einer thermischen oder elektrischen Solaranlage oder mit Holzpellets. Gerade hiermit dient das Passivhaus sehr dem Klimaschutz, da es zumindest im Betrieb kaum mehr klimaschädliche CO2-Emissionen verursacht.
Für den Fall, dass im Winter eine Serie von sehr kalten und gleichzeitig trüben Tagen auftritt, in denen nicht genügend solare Wärmegewinne erhalten werden, wird ein Passivhaus häufig mit einer Art Notheizung ausgestattet. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Die Notheizung wird manchmal auch mit der Warmwasserbereitung kombiniert. Beispielsweise kann Warmwasser mit Sonnenkollektoren erzeugt werden, die einen etwas größeren Pufferspeicher aufheizen, aus dem dann bei Bedarf auch etwas Heizwärme (z. B. für die Warmluftheizung) entnommen werden kann. Häufig werden auch Kompaktgeräte verwendet, die die Funktionen der kontrollierten Wohnraumlüftung, der Warmwasserbereitung und Luft-Zusatzheizung vereinen.
Angesichts des sehr geringen Heizleistungsbedarfs von der Größenordnung von 10 W pro Quadratmeter Wohnfläche lohnt sich die Investition in ein kompliziertes Heizungssystem kaum. Im Gegenteil spart man dort Geld, welches stattdessen in die Wärmedämmung investiert wird.
Der Wohnkomfort in einem gut gebauten Passivhaus ist überdurchschnittlich hoch:
Die gute Belüftung kann unter Umständen zu einer im Winter zu niedrigen Luftfeuchtigkeit im Haus führen. Unter anderem deswegen soll die Luftwechselrate nicht unnötig hoch gewählt werden. Ebenfalls kann eine Lüftungsanlage mit Feuchterückgewinnung dieses Problem ggf. lösen.
Es gibt leider keinen allgemein verbindlichen Standard für Passivhäuser, sondern verschiedene Standards, die allerdings in etwa äquivalent sind:
Die Energiekosten und somit auch die Betriebskosten eines Passivhauses sind sehr niedrig. Dominierend ist häufig der Aufwand für die Warmwasserbereitung, da dieser Wärmebedarf ja nicht geringer ist als bei konventionellen Häusern, während nur selten Heizwärme von der Notheizung benötigt wird. Ein gewisser Bedarf an elektrischer Energie wird verursacht von der Lüftungsanlage sowie von diverse Geräten im Haus und von der Beleuchtung. Hierfür werden besonders effiziente Geräte ausgewählt.
Da meist nur ein geringer Teil des ohnehin geringen Energieaufwands auf fossile Energieträger enthält, ist die finanzielle Verwundbarkeit der Bewohner eines Passivhauses im Falle von Energiepreissteigerungen sehr gering.
Die Baukosten für ein Passivhaus, verglichen mit einem konventionellen Haus oder einem Niedrigenergiehaus, liegen meist um rund 5 bis 15 % höher als bei einem Neubau, der gerade noch die heutigen Neubau-Energievorschriften einhält. Ein wesentlicher Mehraufwand entsteht hauptsächlich bei der Wärmedämmung (inklusive Passivhausfenster) und (meist weniger) von der Lüftungsanlage. Andererseits sind die Kosten für die Heizungsanlage oft relativ gering – sehr viel geringer als z. B. für eine konventionelle Zentralheizung mit Wärmepumpe oder Holzpellets. (Man beachte, dass insbesondere das Wärmeverteilsystem der Zentralheizung bei konventionellen Häusern recht teuer ist.) Auch ein Kamin entfällt meistens, ebenfalls ein Lagerraum für den Brennstoff. Deswegen fällt der gesamte Mehraufwand für den Bau eines Passivhauses relativ bescheiden aus, insbesondere bei Mehrfamilienhäusern.
Vielfach gibt es auch staatliche Förderzuschüsse für Passivhäuser. In Deutschland erfolgt die Förderung in der Regel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Wie die Bezeichnung Passivhaus schon sagt, erfolgt das Warmhalten des Hauses weitgehend mit passiven Komponenten wie Wärmedämmung, anstatt dass aufwändige aktive Komponenten wie z. B. ein Blockheizkraftwerk eingesetzt werden. Ein großer Vorteil dieses passiven Ansatzes ist, dass passive Komponenten in aller Regel eine wesentlich höhere Lebensdauer erreichen. Beispielsweise hält eine Wärmedämmung ohne weiteres für viele Jahrzehnte, während ein Blockheizkraftwerk vielleicht eine Lebensdauer von 10 oder höchstens 15 Jahren erreicht und dann ausgetauscht werden muss. Aus diesen Gründen können die Instandhaltungskosten für ein Passivhaus gerade auf der energetischen Seite deutlich tiefer liegen als bei anderen Gebäuden.
Unmittelbar beim Bau fallen für ein Passivhaus moderat höhere Kosten an. Es sollte jedoch ohne weiteres möglich sein, diese im Laufe der Jahre über die sehr geringen Betriebskosten sowie die niedrigeren Instandhaltungskosten zu amortisieren. Wie schnell diese Amortisation der anfänglichen Mehrkosten erfolgt, hängt freilich stark von den konkreten Gegebenheiten ab und insbesondere auch von der zukünftigen Entwicklung der Energiepreise, die nur ganz ungefähr abschätzbar ist.
Zu beachten ist auch, dass der Wiederverkaufswert eines Passivhauses vor allem in einiger Zukunft erheblich höher liegen dürfte, während konventionell gebaute Häuser, die häufig nur schwer nachträglich auf einen ähnlich guten energetischen Zustand gebracht werden könnten, im Falle stark angestiegener Energiepreise einen deutlichen Wertverlust aufweisen dürften.
Nicht übersehen werden sollte auch der oben beschriebene Komfortgewinn, der genauso wie bei Investitionen in Wellness-Räume oder ein Schwimmbad den Wohnwert und den Wiederverkaufswert erhöht.
Während der Aufwand an Energie für den Betrieb eines Passivhauses sehr gering ist, fällt beim Bau ein erheblicher Aufwand an grauer Energie an, der u. U. höher liegen kann als beim konventionellen Bau. Dies hängt freilich sehr stark von der Bauweise und den verwendeten Materialien ab. Beispielsweise enthält eine Wärmedämmung aus Mineralwolle weitaus weniger graue Energie als Polystyrolplatten oder anderen Materialien aus Erdöl. Durch bewusste Wahl der Baustoffe (z. B. Holz statt Beton) kann die benötigte graue Energie auch deutlich unter der eines konventionellen Gebäudes liegen, und dieser Ansatz ist auch energetisch günstiger als ein noch weiteres Drücken des Aufwands an Betriebsenergie ohne Beachtung der grauen Energie. Allerdings sollte eine ausreichend hohe thermische Masse verbaut werden, um kalte und trübe Wetterperioden gut überbrücken zu können; hierfür sind z. B. Betonwände und -decken günstig.
Manche Passivhäuser sehen recht futuristisch aus, und Bilder von solchen Objekten werden häufig besonders gern verbreitet, da sie die Zukunftsgerichtetheit des Passivhauses besonders augenfällig verdeutlichen. Jedoch besteht keinerlei Notwendigkeit, ein Passivhaus so zu gestalten. Im Gegenteil gibt es viele Passivhäuser, die sich von außen praktisch nicht von konventionellen Häusern unterscheiden (siehe z. B. Abbildung 2). Dass meist kein Kamin auf dem Dach steht, ist nicht anders als bei einem konventionellen Haus mit Wärmepumpenheizung oder Elektroheizung, und die Fassade (inklusive Passivhausfenster) kann genauso aussehen wie bei jedem herkömmlichen Haus. Allenfalls gibt es gewisse Merkmale, die bei Passivhäusern in der Regel nicht auftreten, beispielsweise große Glasflächen auf der Nordseite und allzu komplizierte Gebäudeformen mit einem ungünstigen Verhältnis von Oberfläche und Volumen.

Abbildung 2: Ein Passivhaus in Stams, Schweiz, welches sich optisch kaum von konventionellen Häusern unterscheidet. Foto: Ruedi Keiser, Stans.

Abbildung 3: Das zweite Haus von rechts ist ein Passivhaus. Von den anderen unterscheidet es sich optisch hauptsächlich durch die großzügigeren Fensterflächen auf der Südfassade, bei näherer Betrachtung auch durch die dickeren Wände.
Die meisten Passivhäuser sind Neubauten. Jedoch ist es auch möglich, Altbauten nachträglich durch energetische Sanierung (Modernisierung) auf den Passivhausstandard zu bringen. Häufig geschieht dies im Rahmen einer ohnehin notwendigen Sanierung, wenn z. B. die Fassade defekt ist. Gut geeignet sind für die Modernisierung auf Passivhausstandard insbesondere Mehrfamilienhäuser, die eine Lage mit günstiger Ausrichtung und wenig Verschattung aufweisen und eine kompakte Form mit einem günstigen Verhältnis von Oberfläche und Volumen haben. Typischerweise wird hier eine umfassende Wärmedämmung angebracht und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert (häufig mit Verlegung der Luftverteilung unterhalb der neuen Fassadenstruktur). Ergänzend kann eine Solaranlage für die solare Warmwasserbereitung installiert werden.
| [1] | Passipedia, eine Wissensdatenbank vom Passivhaus Institut in Darmstadt |
| [2] | M. Ragonesi, U.-P. Menti, A. Tschui und B. Zurfluh, "Minergie-P, Das Haus der 2000-Watt-Gesellschaft", Faktor Verlag, Zürich (2009) |
Siehe auch: Energieeffizienz, Wärmedämmung, Lüftungsanlage, Heizungsanlage, Minergie, Niedrigenergiehaus