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Rebound-Effekt

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Definition: der teilweise Verlust an Wirksamkeit beispielsweise von erhöhter Energieeffizienz durch erhöhten Verbrauch

Die Problematik der Rebound-Effekte kann durch die folgende Überlegung illustriert werden. Man nehme an, dass es gelänge, den Kraftstoffverbrauch pro Kilometer aller Fahrzeuge um 10 % abzusenken. Dann würde man vielleicht erwarten, dass dies eine Reduktion des gesamten Kraftstoffverbrauchs pro Jahr und ebenso der damit verbundenen klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen um ebenfalls 10 % zur Folge hätte. Dies ist jedoch nicht unbedingt der Fall. Der reduzierte spezifische Verbrauch und die deswegen auch geringeren Treibstoffkosten dürften nämlich viele Benutzer dazu animieren, das Fahrzeug entsprechend mehr zu benutzen. Dadurch dürfte ein Teil der erhofften Energieeinsparung wieder zunichte gemacht werden. Beispielsweise könnte dieser Rebound-Effekt 50 % der Einsparung zunichte machen, so dass effektiv nur noch 5 % des Treibstoffs gespart würden.

Für Effizienzerhöhungen einzelner Komponenten gilt Ähnliches. Wenn beispielsweise einem Autohersteller die Erhöhung der Energieeffizienz eines Motors gelingt, wird er u. U. deswegen ein höheres Fahrzeuggewicht in Kauf nehmen, um andere Vorteile zu erzielen. Er verkauft dann womöglich nicht entsprechend sparsamere Autos, sondern größere oder leistungsstärkere Autos mit gleich bleibendem oder nur marginal gesunkenem Treibstoffverbrauch.

In einigen Fällen kann der Rebound-Effekt so stark werden, dass der gesamte Verbrauch sogar zunimmt (d. h. mehr als 100 % Rebound); man spricht dann auch von Backfire-Effekten. Beispielsweise könnte ein effizientes Fahrzeug mit einem raffinierten Hybridantrieb dem Käufer so viel Fahrfreude und ein so gutes Umweltgewissen bereiten, dass er nur noch damit anstatt mit dem öffentlichen Verkehr fährt. Es gibt auch historische Beispiele. So wurde die Energieeffizienz der Straßenbeleuchtung in den letzten 100 Jahren gewaltig gesteigert, und trotzdem ist die Energieaufwand pro Kilometer beleuchteter Straße erheblich gestiegen, weil die Ansprüche an die erreichte Helligkeit stärker zunahmen als die Effizienz der Leuchtmittel. Ein wesentlicher Teil dieser Zunahme der Ansprüche dürfte der erhöhten Effizienz und den deswegen reduzierten Kosten zuzuschreiben sein, also ein Rebound-Effekt sein.

Rebound-Effekte können nicht nur im Zusammenhang mit Energieverbrauch, Energieeffizienz und Energieproduktivität auftreten, sondern beispielsweise auch bei der Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen, und ebenfalls in völlig anderen Bereichen. Beispielsweise wird der Bau neuer Straßen oft begründet mit der Notwendigkeit, chronische Staus zu beheben (was auch ökologische Vorteile hätte); jedoch führen neue Straßen häufig zu zusätzlichem Verkehr, wodurch die Staus insgesamt sogar zunehmen können.

Ebenfalls eine Art von Rebound-Effekt ist der Umstand, dass zusätzliche Energieangebote z. B. von erneuerbarer Energie oder Kernenergie nicht unbedingt die gleiche Menge fossiler Energie ersetzt, sondern stattdessen teilweise zu einer Zunahme des Energieverbrauchs führen kann. Deswegen sind Behauptungen der Art “Dieses neue umweltfreundliche Kraftwerk (oder die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke) erspart der Atmosphäre pro Jahr so und so viel CO2” häufig falsch.

Verschiedene Rebound-Mechanismen

Rebound-Effekte können auf verschiedene Weisen zustande kommen:

Besonders starke Rebound-Effekte sind zu erwarten, wo große ungesättigte Bedürfnisse bestehen (z. B. in Entwicklungsländern) und der Energieeinsatz durch verfügbare Geldmittel begrenzt ist.

Nicht als Rebound-Effekte sind solche Phänomene zu bezeichnen, die zwar die Wirkung einer Effizienzmaßnahme untergraben, aber nicht von dieser verursacht sind. So liegt beispielsweise kein Rebound vor, wenn Fahrzeuge zwar sparsamer werden, aber wegen des zunehmenden Wohlstands mehr Fahrzeuge betrieben werden. Solche Effekte sprechen auch keineswegs gegen eine Erhöhung der Energieeffizienz, sondern unterstreichen im Gegenteil deren Wichtigkeit.

Empirische Rebound-Schätzungen

Es gibt bisher nur einige wenige Untersuchungen, die die Stärke von Rebound-Effekten abschätzten. Typische Resultate sind, dass Rebound-Effekte z. B. bei effizienteren Haushaltsgeräten recht gering sind, während sie in den Sektoren Raumwärme und Raumkühlung sowie bei Autos erheblich (durchaus mehr als 20 %) sein können.

Die quantitativen Resultate müssen allgemein als sehr unsicher gelten, da solche Untersuchungen methodisch meist recht schwierig sind. Naturgemäß sind sozio-ökonomische Effekte wie induzierte Verhaltensänderungen sehr schwer erfassbar, und Rebound-Schätzungen kommen nicht ohne eine Reihe schwer überprüfbarer Annahmen aus.

Maßnahmen zur Verringerung von Rebound-Effekten

Je nach Art der Rebound-Effekte können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um diese zu verhindern oder zumindest abzuschwächen:

Schlussfolgerungen

Es ist unbedingt nötig, die Möglichkeit von Rebound-Effekten zu berücksichtigen, wenn die Effekte von technischen Energieeffizienzmaßnahmen oder Emissionsreduktionen abgeschätzt werden. Leider wird dies bei rein ingenieurswissenschaftlichen Abschätzungen häufig übersehen. Dies ist einer der Gründe dafür, dass Klimaschutzmaßnahmen oft weniger effektiv als erhofft sind.

Die Stärke von Rebound-Effekten hängt entscheidend von den Rahmenbedingungen ab. Während sie in manchen Fällen die erreichten Verbesserungen vollständig zunichte machen oder sogar überkompensieren können (Backfire), können sie mit geeigneten Zusatzmaßnahmen häufig gut unter Kontrolle gehalten werden. In der Praxis ist es meist schwierig, die Stärke von Rebound-Effekten präzise zu erfassen.

Soweit Rebound-Effekte nicht effektiv begrenzt werden können, kann eine Effizienzstrategie zur Lösung von Knappheits- und Umweltproblemen eine Suffizienzstrategie nicht ersetzen.

Literatur

[1]R. Madlener und B. Alcott, "Energy rebound and economic growth: a review of the main issues and research needs"; siehe auch die dort gegebenen weiteren Literaturangaben
[2]Victoria Transport Policy Institute, "Rebound effekts – implications for transport planning"

Siehe auch: Energieeffizienz, Energiesparen

Kategorien: Grundbegriffe, Energieeffizienz

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