Wärmedämmung | <<< | >>> | Feedback |
Definition: eine Maßnahme zur Reduktion von Wärmeverlusten
In vielen Situationen kommt es zu einem unerwünschten Wärmefluss (einem Transmissionswärmeverlust) als Folge von Temperaturunterschieden:
- Eine Rohrleitung für Fernwärme, die heißes Wasser transportiert und im kalten Boden verläuft, verliert Wärme in das Erdreich.
- Ein Gebäude verliert im Winter stetig Wärme an die Umgebung, wenn z. B. die Innentemperatur 20 °C beträgt, die Außentemperatur aber nur 0 °C. Der Wärmeverlust erfolgt meist zum größeren Teil als Transmissionswärmeverlust durch Wärmeleitung über Wandflächen, Fenster, das Dach und die Kellerdecke. Umgekehrt kann im Sommer ein unerwünschter Wärmeeintrag erfolgen, wenn Wand- und Dachflächen durch die Sonneneinstrahlung stark aufgeheizt werden.
- Bei einem Kühlschrank oder einer Tiefkühltruhe dringt ständig Wärme aus der Umgebung in den gekühlten Innenraum ein und muss über das Kühlaggregat wieder entfernt werden.
Solche unerwünschten Wärmeflüsse können durch Maßnahmen der Wärmedämmung massiv reduziert werden. (Umgangssprachlich ist auch von Isolation oder Isolierung die Rede.) Dies erlaubt dann eine entsprechende Verminderung des Energieaufwands für die Beheizung bzw. Kühlung. Auf diese Weise erhöht Wärmedämmung die Energieeffizienz.

Abbildung 1:
Eine Thermografie-Aufnahme von Häusern, wo nur rechts (blauer Bereich) eine nachträgliche Wärmedämmung angebracht wurde.
Diese äußert sich darin, dass die Oberflächentemperatur (an zwei Stellen in °C angezeigt) kaum mehr oberhalb der Lufttemperatur liegt, so dass entsprechend wenig Wärme an die Außenluft abgegeben wird.
Quelle: Sammlung “Wärmebilder 2007–2010” von André Masson.
Ältere Gebäude verfügen oft über keine oder nur sehr unzureichende Wärmedämmung. Entsprechend erfordert ihre Beheizung einen großen Energieaufwand – meist den Löwenanteil des gesamten Energieverbrauchs des Gebäudes. Moderne Gebäude können dagegen so gut wärmegedämmt werden, dass selbst bei Außentemperaturen von unter 0 °C meistens keine Beheizung nötig ist; man spricht dann von einem Passivhaus. Selbst wenn der Passivhaus-Standard nicht erreicht wird, kann ein Niedrigenergiehaus mit einem Heizwärmebedarf auskommen, welcher nur ein kleiner Bruchteil dessen für ein nicht wärmegedämmtes Haus ist. Typischerweise ist die Dämmwirkung der verwendeten Wärmedämmschichten (Platten oder Matten) weitaus größer als die des Mauerwerks, welches praktisch nur noch eine mechanische (tragende) Funktion hat. Mauern müssten extrem dick sein, um selbst eine ähnliche Wärmedämmwirkung zu haben.
Man beachte, dass die Wärmeverluste eines Gebäudes nicht auf annähernd Null reduziert werden müssen, um den Heizwärmebedarf auf nahe Null zu drücken. Ein gewisser Wärmegewinn wird nämlich praktisch jeden Tag durch Sonneneinstrahlung sowie durch die Bewohner und Geräte erzielt. Erst wenn die Wärmeverluste größer werden als dieser Gewinn, wird zusätzliche Heizwärme benötigt. Ein Passivhaus ist also nicht etwa ein Haus mit vernachlässigbar geringen Wärmeverlusten, sondern vielmehr eines, bei dem die geringen Wärmeverluste weitestgehend durch die genannten Wärmequellen (ohne Heizung) gedeckt werden können. Bei alten, nicht wärmegedämmten Häusern in Mitteleuropa sind die Verluste jedoch weit größer als die natürlichen Wärmegewinne.
Physikalische Prinzipien der Wärmedämmung
Im Zusammenhang mit Wärmedämmung treten etliche wichtige Phänomene auf, die im Rahmen der Bauphysik verstanden werden können.
Meistens wird für die Wärmedämmung ein festes Material mit geringer Wärmeleitfähigkeit verwendet. Luft hätte zwar im Prinzip eine noch geringere Wärmeleitfähigkeit als die meisten festen Materialien, jedoch kann Luft die Wärme nicht nur durch Wärmeleitung, sondern auch durch Konvektion (Luftumwälzung) transportieren. Solche Konvektion wird häufig gerade durch Temperaturunterschiede verursacht; beispielsweise erwärmt sich Luft an warmen Flächen und steigt dann auf, weil sie sich ausdehnt, also an Dichte verliert.
Eine gute Kombination der Vorteile von Luft oder anderen Gasen (geringe Wärmeleitfähigkeit) und festen Stoffen (keine Konvektion) kann erzielt werden, wenn viele kleine Luftbläschen in einem festen Material eingeschlossen werden, oder wenn feine Fasern oder Körner eines Granulats die Bewegung der Luft stark behindern. Dieses Prinzip wird bei sehr vielen Dämmstoffen eingesetzt – beispielsweise bei natürlichen Stoffen wie Steinwolle und Glaswolle, aber auch bei Erdöl-basierten Schaumstoffen wie Polystyrol und Polyurethan sowie bei speziellen Materialien für einen Dämmputz. Solche Materialien weisen eine niedrige mittlere Dichte auf, leider aber auch eine geringere mechanische Stabilität als dichtere Baustoffe.
Das Prinzip von Vakuumdämmplatten ist es, Luftkonvektion auf andere Weise zu vermeiden – indem man die Luft entfernt. Dies setzt voraus, dass eine solche Platte dem äußeren Luftdruck widerstehen kann. Die Dämmwirkung von Vakuumdämmplatten ist sehr gut, wenn einerseits Wärmebrücken an den Rändern geeignet minimiert werden und andererseits die Wärmeausbreitung über Wärmestrahlung innerhalb der Platte weitgehend unterbunden wird. Bei Beschädigung einer Vakuum-Dämmplatte kann Luft eindringen, wodurch die Dämmwirkung weitgehend entfällt.
Die Abbildungen 2 und 3 zeigen den Temperaturverlauf in Wänden mit Außen- bzw. Innendämmung. Man erkennt, dass in beiden Fällen die Temperatur in der Betonwand von innen (links) nach außen (rechts) nur geringfügig abfällt, in der Wärmedämmschicht dagegen sehr schnell. Dies liegt an der viel geringeren Wärmeleitfähigkeit (siehe unten) des Dämmmaterials. Die Außenseite erreicht die Außentemperatur (hier −5 °C). Die zugrunde liegenden Rechnungen vernachlässigen die recht kleinen Wirkungen von Putzschichten, Tapeten und dem Wärmeübergang an die Luft.
Der Temperaturgradient (die Steilheit der Linie) in der Wand ist im Falle der Innendämmung größer, da die gesamte Dämmwirkung wegen der dünneren Dämmschicht stark reduziert ist. Der Wärmeverlust ist entsprechend höher. Trotzdem ist die Wärmedämmwirkung der dünnen Dämmschicht immer noch wesentlich höher als die der dicken Betonwand.

Abbildung 2: Temperaturverlauf in einer Wand mit Außenwärmedämmung. Die Betonwand (grau) ist 25 cm dick, und die Außendämmung (gelb) besteht aus Polyurethan-Hartschaum mit 20 cm Dicke. Die Wand hat fast Zimmertemperatur.

Abbildung 3: Temperaturverlauf in einer Wand mit Innenwärmedämmung. Die Betonwand (grau) ist wieder 25 cm dick, und die Innendämmung (gelb) besteht aus Polyurethan-Hartschaum mit 5 cm Dicke. Die Mauer bleibt hier sehr kalt, aber die gedämmte Oberfläche innen ist trotzdem warm.
Die Wirkung von Wärmedämmungen kann durch Wärmebrücken unterlaufen werden. Beispielsweise entstehen solche Wärmebrücken durch Innenwände, die Wärme an einer Innendämmung vorbei fließen lassen. Auf ähnliche Weise können Kellerwände Wärme ableiten, ohne dass Dämmplatten an der Kellerdecke dies verhindern können.
Die Außendämmung eines Gebäudes (siehe unten) hat die zusätzliche Wirkung, dass die Wärmespeicherung in den Außenwänden besser nutzbar gemacht werden kann, wenn einzelne kühlere Tage auftreten. Bei einer Innendämmung ist das Gegenteil der Fall.
Wärmeleitfähigkeit und Wärmedurchgangskoeffizient
Dämmmaterialien können zunächst durch die Wärmeleitfähigkeit charakterisiert werden. Der λ-Wert (Lambda-Wert) gibt an, welche Wärmeleistung auftritt, wenn bei einem Würfel mit 1 m Kantenlänge aus dem Material zwei entgegengesetzte Flächen auf jeweils homogenen Temperaturen gehalten werden, die sich um 1 Grad (1 Kelvin) unterscheiden. Da der Wärmestrom proportional mit der Kantenlänge des Würfels und zur Temperaturdifferenz ansteigen würde, ist die Grundeinheit der Wärmeleitfähigkeit W / (m K) (Watt pro Meter und Kelvin).
Für die Charakterisierung von Bauelementen (z. B. Dämmplatten oder auch mehrschichtigen Wandkonstruktionen) ist der U-Wert (früher k-Wert) eine besonders einfache und praktisch zu handhabende Größe. Er gibt an, welche Wärmeleistung durch das Bauelement pro Quadratmeter strömt, wenn die Außen- und Innenfläche einem Temperaturunterschied von einem Grad (1 K) ausgesetzt sind. Die Grundeinheit des U-Werts ist also W / (m2 K) (Watt pro Quadratmeter und Kelvin).
Wenn ein flaches Bauteil aus einem einzigen Material besteht, kann sein U-Wert berechnet werden, indem man den λ-Wert durch die Dicke dividiert. Beispielsweise erreicht eine Wärmedämmplatte aus Polyurethan(PU)-Hartschaum mit λ = 0,03 W / (m K) bei einer Dicke von 0,2 m einen U-Wert von 0,15 W / (m2 K). Generell kann ein besserer U-Wert erreicht werden, indem man entweder ein Material mit niedrigerem λ-Wert verwendet oder die Dicke erhöht.
Wärmedämmung in Gebäuden
Die Wärmeverluste eines Gebäudes im Winter entstehen meist zum größeren Teil durch Wärmeleitung in der Außenhülle, zu einem kleineren Teil durch den Austausch von Luft mit der kalten Umgebung. Zur Wärmedämmung gehört vor allem die Reduktion der Wärmeleitung, aber auch die Verbesserung der Dichtigkeit zur Vermeidung unerwünschter Luftströmungen.
Es gibt unterschiedliche Maßnahmen zur Wärmedämmung in Gebäuden:
- Gebäudefassaden werden meist durch Abdecken mit Dämmplatten aus Materialien mit geringer Wärmeleitfähigkeit gedämmt. Typische Materialien sind mineralische Fasern (z. B. Steinwolle oder Glaswolle), Fasern aus organischen Materialien (z. B. Holzfasern, Zellstoff, Holzwolle, Hanf, Kokos oder Wolle) oder Erdöl-basierte Schäume (z. B. Polyethylen, Polystyrol oder Polyurethan). Im Falle eines Doppelschalenmauerwerks (Zweischalenmauerwerks) ist es auch möglich, den Zwischenraum zwischen den beiden Mauerschalen mit einem Schaum oder einem losen Material auszufüllen (Kerndämmung), um die Luftkonvektion zu unterbinden.
- Ein Dämmputz erzielt eine gewisse Dämmwirkung mit einer relativ geringen Schichtdicke. Damit lässt sich bereits eine erhebliche Verbesserung gegenüber einer ungedämmten Fassade erreichen, aber keine so gute Dämmung wie mit den dickeren Dämmplatten. Diese Methode ist aber oft noch anwendbar, wenn die Fassade die Anbringung von Dämmplatten nicht erlaubt.
- Wenn eine Außendämmung nicht möglich ist (z. B. bei Fachwerkhäusern unter Denkmalschutz), kann eine Innendämmung (mit Dämmplatten auf den Innenwänden) erwogen werden. Allerdings ist diese teurer und weniger wirksam, und sie kann die Wohnfläche etwas reduzieren. Außerdem muss sorgfältig auf die Qualität (besonders eine wirksame Dampfsperre) geachtet werden, da sonst Feuchteschäden entstehen können.
- Dächer können auf der Innenseite mit Dämmmaterialien versehen werden. Zusätzlich zu Dämmplatten oder Dämmmatten zwischen den Dachsparren sind für eine gute Wirkung meist noch durchgehende Dämmplatten notwendig. Eine gute Qualität der Arbeit ist notwendig für eine gute Dichtigkeit der Konstruktion; sonst kann die Wirksamkeit der Dämmung vermindert werden.
- Wenn der Dachboden nicht bewohnt ist, also kalt bleiben darf, kann anstelle des Daches der Dachboden wärmegedämmt werden. Dies ist weniger aufwändig und wirksamer als die Dämmung des Daches, da die zu dämmende Fläche kleiner ist und eine gute Dichtigkeit leichter zu erreichen ist.
- Für die Dämmung von Kellerdecken gibt es preisgünstig und einfach zu verlegende Dämmplatten. Auf eine sorgfältige Verlegung z. B. ohne dicke Fugen und Luftspalte unter den Platten ist freilich zu achten.
- Fenster weisen pro Quadratmeter deutlich höhere Wärmeverluste als Wandflächen auf. Diese Verluste können mit gut gedämmten Fenstern immerhin stark reduziert werden. Man beachte, dass die Wärmeverluste nicht nur in den Glasscheiben auftritt, sondern besonders auch in den Fensterrahmen, und zusätzliche Verluste entstehen durch Undichtigkeiten (insbesondere durch fehlende oder gealterte Dichtungsstreifen). Man beachte, dass der U-Wert sich auf das Fenster als Ganzes (Glas und Rahmen) beziehen sollte; leider wird häufig in irreführender Weise nur der (niedrigere) U-Wert der Glasscheiben angegeben. Moderne Fenster mit Dreifachverglasung, Argon-Füllung und gut konstruiertem Rahmen erreichen U-Werte von deutlich unter 1 W (m2 K). Sprossenfenster (außer mit “unechten”, nur aufgeklebten Sprossen) sind meist deutlich schlechter. Übrigens ist nicht nur auf eine hohe Qualität der Fenster zu achten, sondern auch auf einen fachgerechten Einbau.
Eine System für die komplette Außendämmung einer Hausfassade wird als Wärmedämmverbundsystem oder Vollwärmeschutz bezeichnet.
Wirksamkeit und Haltbarkeit der Wärmedämmung
Eine Wärmedämmsystem muss so gebaut werden, dass es auch in der Praxis die Dämmwirkung erzielt, die man davon erwartet, und dass es lange haltbar ist. Dies ist bei sachgemäßer Ausführung sicher der Fall, jedoch müssen diverse technische Aspekte beachtet werden, die von unzureichend ausgebildeten Handwerkern womöglich übersehen werden. Im Folgenden werden hierfür einige Beispiele gegeben:
- Oben wurde bereits erwähnt, dass die Ausbildung von Wärmebrücken vermieden werden muss, welche die Dämmwirkung unterlaufen würden und unter Umständen auch die Haltbarkeit gefährden.
- Nebst eigentlichen Wärmebrücken durch Wärmeleitung muss auch verhindert werden, dass Luft durch Ritzen strömt und auf diese Weise Wärme (und eventuell Feuchtigkeit) transportiert. Beispielsweise kann die Dämmung einer Kellerdecke mit ungenau verlegten Dämmplatten, zwischen denen Ritzen auftreten, einen erheblichen Teil ihrer Wirkung verlieren. Auch eine großflächige Luftzirkulation in Hohlräumen zwischen Dämmplatten und Decke kann schädlich sein.
- Bei einer Dachdämmung sollte unbedingt ein regensicheres Unterdach erstellt werden, und zusätzlich muss innen eine solide Dampfsperre angebracht sein. Der folgende Abschnitt gibt hierzu mehr Details.
Schutz vor Problemen mit Feuchtigkeit
Wärmedämmschichten dürfen in der Regel nie durchnässt werden. Deswegen müssen Vorkehrungen getroffen werden, um sowohl das Eindringen von Regenwasser oder Schnee zu verhindern als auch den Eintrag zu großer Feuchtigkeitsmengen über eindringende feuchte Luft. Wie dies zu bewerkstelligen ist, hängt stark von den baulichen Umständen ab.
Außendämmung
Bei einer äußeren Fassadendämmung schützt die verputzte Außenhaut vor Regenwasser. Diese muss nicht unbedingt völlig luftdicht sein, da eindringende Luft ja eher erwärmt wurde, also sicher keine Kondensation auftreten kann. Ein Eindringen feuchter Luft aus dem Innenraum durch die Mauer hindurch dagegen kann nicht in nennenswertem Umfang auftreten, da Mauern wenig luftdurchlässig sind. Es genügt also bereits eine sehr geringe Luftdurchlässigkeit der Außenhaut, um ein Feuchtwerden der Dämmung zu verhindern. Mehr Vorsicht ist geboten bei Holzwänden; hier kann eine entsprechende luftdurchlässigere Dämmschicht notwendig sein.
Innnendämmung
Bei Innendämmungen ist die Situation generell schwieriger: Wenn Raumluft hinter die Dämmung gelangen kann, kühlt sie ab, und dort kann es dann zur Kondensation kommen. Deswegen müssen Innendämmungen unbedingt fachgerecht geplant und durchgeführt werden, um bauliche Probleme zu vermeiden.
Dächer
Bei Dächern ist die Situation wiederum anders. Zunächst sollte von oben kein Regenwasser oder Schnee eindringen können, selbst wenn einmal einige Ziegel defekt sind. Hierfür werden in der Regel Kunststofffolien eingesetzt (z. B. Unterspannbahnen), die als eine zweite Schutzbarriere dienen. Sie sind einerseits regendicht, können aber andererseits aber diffusionsoffen sein, um in trockenen Perioden jegliche Feuchtigkeit entweichen zu lassen.
Alte Dächer verfügen leider oft nicht über einen solchen Regenwasserschutz; hier sollten defekte Ziegel umgehend repariert werden, um ein Eindringen von Wasser in die Dämmung schnellstmöglich zu unterbinden.
Um die Dachdämmung vor Luftfeuchtigkeit von innen zu schützen, wird in aller Regel eine Dampfsperre eingebaut. Es handelt sich um eine luftdichte Folie zwischen der Dämmung und der Innenverkleidung. Es ist wichtig, dass auch alle Nahtstellen zwischen den Folienbahnen luftdicht gemacht werden, z. B. durch Verkleben. Wenn dies nicht fachgerecht durchgeführt wird, kann die Dämmung feucht werden. Dies ist besonders bei biologischen Dämmmaterialien (z. B. aus Holz oder Stroh) problematisch, da diese anders als z. B. Mineralwolle verschimmeln können.
Bei Dachsanierungen an Häusern mit unsachgemäß erstellter Dämmung stellt sich oft die Frage, wie nicht nur eine ausreichende Wärmedämmung erreicht wird, sondern auch ein zuverlässiger Schutz vor Feuchtigkeit. Das Nachrüsten einer soliden Dampfsperre unter der alten Dämmung kann aufwändig sein. Wenn stattdessen nur eine zusätzliche Dämmung auf einer vorhandenen angebracht wird, die keine solide Dampfsperre aufweist, dann muss die zusätzliche Dämmung sehr gut sein: Die Grenze zwischen beiden Dämmungen muss immer warm genug bleiben, um Tauwasserbildung zu vermeiden.
Vorteile von Wärmedämmung
Eine fachgerecht installierte Wärmedämmung eines Gebäudes bringt mehrere wichtige Vorteile mit sich:
- Der Heizwärmebedarf kann massiv reduziert werden. Dies hat ebenfalls zur Folge, dass die Vorlauftemperatur eines Zentralheizungssystems entsprechend abgesenkt werden kann, was vor allem bei Verwendung von Wärmepumpen und Brennwertkesseln den Primärenergiebedarf noch weiter absenkt, weil die Effizienz der Wärmeerzeugung steigt. Auf diese Weise spart man Betriebskosten und reduziert wirtschaftliche Abhängigkeiten wie auch Umweltbelastungen. Hinzu kommt, dass die Verwendung einer Heizungsanlage mit kleinerer Leistung möglich wird, was z. B. im Falle von Erdwärmesonden-Wärmepumpen auch die Installationskosten der Heizungsanlage reduziert.
- Der Wohnkomfort im Winter kann erheblich gesteigert werden. Wenn die Außenwände eines gut gedämmten Hauses auch im Winter fast Zimmertemperatur haben, vermeidet man damit einerseits Frösteln durch unangenehme kalte Luftströmungen, und andererseits wird dies auch über die Wärmestrahlung im Raum spürbar. Dadurch fühlt man sich selbst bei einer leicht reduzierten Raumtemperatur noch wohl.
- Auch im Sommer kann der Komfort erhöht werden, indem ein ungewollter Wärmeeintrag durch die Wände stark reduziert wird. Allerdings kann die Wirkung u. U. auch umgekehrt sein (siehe unten).
- Feuchteschäden an kalten Wandstellen werden durch eine ausreichende Außendämmung sicher vermieden. (Bei ungedämmten Wänden kann dagegen Luftfeuchtigkeit aus dem Raum an der Innenseite kondensieren, was zu sehr gesundheitsschädlicher Schimmelpilzbildung führen kann.)
Beim Vergleich mit anderen Strategien zur energetischen Verbesserung – etwa mit Pelletheizungen oder Mikro-Blockheizkraftwerken – ist zu beachten, dass die Lebensdauer einer Wärmedämmung in der Regel weitaus höher ist. Während einer Wärmedämmung ohne weiteres 40 Jahre lang wirksam bleiben kann, benötigt man in dieser Zeit rund 2 bis 4 Heizungsanlagen. Allein schon deswegen kann eine Wärmedämmung in Kombination mit einer kostengünstigen Heizungsanlage auf Dauer wesentlich kostengünstiger sein als eine sehr teure Heizungsanlage ohne Wärmedämmung.
Wenn ein Altbau bei der Sanierung eine Außen-Wärmedämmung erhält, entsteht eine sehr günstige Gelegenheit zum Einbau einer Lüftungsanlage (Komfortlüftung) mit Wärmerückgewinnung. Die notwendigen Luftleitungen können dann nämlich unter der Dämmschicht angebracht werden, so dass sich ein aufwändiger Eingriff in das Hausinnere erübrigt. Das gleiche gilt für die Verlegung von elektrischen Leitungen (z. B. für Telefon, Computernetzwerk, Fernsehen und Radio) sowie von Rohrleitungen für eine thermische Solaranlage. Dadurch, dass all diese Leitungen später unter der Dämmschicht verschwinden, können erhebliche Kosten für die sonst nötige Verlegung im Inneren des Hauses eingespart werden.
Nachteile von Wärmedämmung
Andererseits können auch diverse Nachteile auftreten:
- Die Wärmedämmung kann erhebliche Kosten verursachen, vor allem wenn sie nachträglich angebracht wird. Bei Altbauten können die Kosten reduziert werden, wenn die Wärmedämmung im Zuge einer ohnehin notwendigen Fassadensanierung vorgenommen wird.
- Je nach verwendetem Material (v. a. bei Erdöl-basierten Materialien) kann eine Wärmedämmung einen erheblichen Aufwand an grauer Energie verursachen. Allerdings ist dieser in aller Regel erheblich geringer als die erzielte Einsparung an Heizenergie.
- Durch die erhöhte Dichtigkeit eines wärmegedämmten Gebäudes (v. a. mit dichten Fenstern) muss mehr gelüftet werden, um eine gute Luftqualität zu erhalten. Wenn dies durch Fensterlüftung erzielt wird, sind die dadurch entstehenden zusätzlichen Wärmeverluste etwas geringer als die, die sonst durch die Undichtigkeiten des Hauses entstünden. Eine starke Reduktion der Lüftungsverluste setzt aber eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung voraus.
- In manchen Fällen ist der Platzbedarf für Wärmedämmungen nachteilig. Beispielsweise kann durch eine Dämmschicht in einem Boden oder einer Decke die Raumhöhe reduziert werden, und bei einer Innendämmung nimmt die Wohnfläche etwas ab.
- Da Dämmplatten aus weniger stabilem Material als eine Mauer bestehen, können durch äußere Einwirkungen (z. B. Unfall beim Rangieren eines Autos) größere Schäden entstehen. Ebenfalls kann es etwas aufwändiger sein, z. B. Lampen oder Satellitenantennen an einer gedämmten Wand zu befestigen, ohne damit Wärmebrücken zu erzeugen. Dies sollte jedoch kein Problem sein, wenn gleich beim Bau der Dämmung entsprechende Befestigungen vorgesehen werden.
- Bei unsachgemäß angebrachten Innendämmungen kann es passieren, dass feuchte Raumluft hinter die Dämmung gerät, dort kondensiert und schließlich Feuchtigkeitsschäden verursacht. (Außendämmungen helfen dagegen, solche Schäden zu vermeiden.)
- Manche Dämmstoffe haben negative gesundheitliche Auswirkungen, beispielsweise durch in die Raumluft abgegebene Asbestfasern (bei alten Gebäuden) oder Lösungsmitteldämpfe.
- Hoch wärmedämmende Fenster können u. U. den Gewinn an Sonnenenergie etwas reduzieren. Deswegen sollte auf der Südseite nicht nur auf einen niedrigen U-Wert, sondern auch einen hohen g-Wert (Wärmegewinnwert) geachtet werden.
Weitgehend unsinnig ist die Behauptung, eine Wärmedämmung auf einer Südfassade reduziere den Gewinn an Sonnenenergie. Ein solcher Gewinn würde nur auftreten, wenn die Fassade außen durch die Sonneneinstrahlung mehr als Zimmertemperatur erreicht. Dies ist kaum je der Fall zu einer Zeit, in der Heizwärme benötigt wird. Der Gewinn an Sonnenenergie für ein Gebäude kann erheblich sein, tritt aber praktisch nur durch die Fenster auf. Insofern könnte allenfalls eine zusätzliche Verschattung durch dicke Dämmschichten den Solargewinn reduzieren.
Gelegentlich wird die Sorge geäußert, ein gut wärmegedämmtes Haus würde sich im Sommer stark aufheizen. Dies ist in der Tat der Fall, wenn der Sonnenschutz unzureichend ist. Jedoch ist das Problem auch dann kaum größer als bei einem ungedämmten Gebäude, und natürlich lässt sich das Problem sehr wirksam über besseren Sonnenschutz lösen.
Ebenfalls nicht gerechtfertigt ist die Befürchtung, eine Wärmedämmung mit ihrer luftdichten Dampfsperre verhindere das notwendige “Atmen” des Gebäudes und verschlechtere hierdurch das Wohnklima. Normale Wände haben auch ohne Wärmedämmung eine viel zu geringe Durchlässigkeit für Feuchtigkeit, um den Feuchtigkeitshaushalt der Wohnräume ausreichend zu regulieren; eine ausreichende Belüftung ist also ohnehin notwendig.
Transparente Wärmedämmung
Ein relativ neues und noch wenig genutztes System ist das der transparenten Wärmedämmung. Hier muss das Dämmmaterial eine gute Durchlässigkeit für Licht und insbesondere für Wärmestrahlung aufweisen, und dahinter wird eine absorbierende Fläche angebracht. Die dort bei Sonneneinstrahlung entstehende Wärme kann dann durch das (nicht weiter gedämmte) Mauerwerk nach innen gelangen. Das Mauerwerk dient gleichzeitig als Wärmeleiter und Wärmespeicher. In diesem Fall ist eine Wand aus Beton sogar besser geeignet als z. B. eine poröse Ziegelwand, weil eine gute Wärmeleitung in der Wand gewünscht ist.
Allerdings sind die Herstellungskosten solcher transparent wärmegedämmten Fassaden relativ hoch, und die Dämmwirkung ist begrenzt. Zudem dürfte dieses System eine andere Heizungsanlage normalerweise nicht völlig ersetzen, da der solare Wärmegewinn genau an den Tagen entfällt oder gering ist, an denen er besonders gebraucht würde. Außerdem müssen Vorkehrungen gegen Überhitzung im Sommer getroffen werden.
Finanzielle Überlegungen
Finanzielle Vorteile von wirksamen Wärmedämmmaßnahmen resultieren zunächst einmal aus den reduzierten Brennstoffkosten für die Heizungsanlage. Jedoch gibt es für den Hausbesitzer zusätzliche Vorteile:
- Wenn der Wohnkomfort gesteigert wird, kann dies etwas höhere Mieten rechtfertigen.
- Wenn das Haus verkauft wird, ist mit Wärmedämmung ein höherer Preis zu erzielen.
Vor allem der zweite Punkt ist wichtig. Selbst wenn die z. B. über 20 Jahre gesparten Brennstoffkosten die Investition nicht vollkommen amortisieren und das Haus dann verkauft wird, kann die Gesamtrechnung eine positive Rendite bringen.
Oft wird vorgebracht, für die Besitzer von vermieteten Häusern lohne sich die Wärmedämmung nie, da die Heizkosteneinsparung ja den Mietern zugute kommt. Jedoch kann den Mietern eine höhere Miete belastet werden, wenn die Nebenkosten sinken und der Komfort steigt. Kurzfristig mögen Energiekosten Sache der Mieter sein, langfristig ist es jedoch umgekehrt. Spätestens nach dem nächsten Mieterwechsel (mit Vorzeigen des Gebäudeenergieausweises!) dürfte sich das deutlich bemerkbar machen: Die erzielbare Kaltmiete ergibt sich aus der zu rechtfertigenden Warmmiete abzüglich der Nebenkosten, so dass diese langfristig zu Lasten des Besitzers gehen.
Diverse zusätzliche finanzielle Aspekte können ebenfalls eine Rolle spielen:
- Die Entwicklung der Energiepreise über z. B. 20 Jahre ist sehr schwer vorhersehbar, insbesondere für fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas. Häufig wird naiv davon ausgegangen, die Preise blieben für lange Zeit stabil, was allein schon wegen Peak Oil, aber auch wegen möglicher politischer Krisen unrealistisch ist.
- Häufig werden Maßnahmen zur Wärmedämmung staatlich gefördert über Zuschüsse oder steuerliche Vergünstigungen.
- Häufig musste der Verputz ohnehin erneuert werden, so dass die zusätzlichen Kosten für die Wärmedämmung geringer ausfallen.
- Manchmal führt die Wärmedämmung zur Behebung von Bauschäden, die sonst auch irgendwie behoben werden müssten.
Grundsätzlich ist zu beachten, dass Investitionen in eine Wärmedämmung eine besonders lange Lebensdauer haben. Während eine neue Heizungsanlage nach 15 Jahren vielleicht schon wieder ersetzt werden muss, kann ein solide gebautes Wärmedämmsystem für viele Jahrzehnte halten.
Literatur
| [1] | Dicke Mauern bieten gute Wärmedämmung? |
| [2] | Wärmedämmung auf der Südfassade ist nachteilig? |
| [3] | Schlechtes Wohnklima durch nicht atmende Wände? |
Siehe auch: Wärme, Wärmeleitung, Wärmeleitfähigkeit, Wärmedurchgangskoeffizient, Transmissionswärmeverlust, Heizungsanlage, Energieeffizienz, energetische Sanierung von Gebäuden, Minergie