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Arbeitspreis

Definition: der Preis einer Energielieferung pro bezogener Kilowattstunde, meist im Rahmen eines Stromtarifs

Englisch: energy rate

Kategorien: elektrische Energie, Grundbegriffe

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Erstellung: 22.11.2019

Der wichtigste Bestandteil eines Stromtarifs ist der Arbeitspreis. Dieser besagt, welche Kosten pro bezogener Kilowattstunde elektrischer Energie verrechnet werden. Diese Energiemenge wird von einem Stromzähler für die Abrechnungsperiode ermittelt.

Arbeitspreise werden typischerweise in ct/kWh (Cent pro Kilowattstunde) angegeben, oder bei größeren Verbrauchern in €/MWh (Euro pro Megawattstunde). Beispielsweise entsprechen 30 ct/kWh entsprechend einem typischen Haushaltstarif 300 €/MWh.

Der Arbeitspreis ist vorgesehen, um die Kosten der Stromerzeugung in Kraftwerken zu decken, aber auch der Nutzung der Stromnetze (→ Netznutzungsentgelt). Er enthält auch diverse Steuern, Abgaben und Umlagen (Konzessionsabgabe, EEG-Umlage, KWK-Umlage, Ökosteuer in Form der Stromsteuer, Umsatzsteuer, etc.).

Kosten durch den Arbeitspreis machen in der Regel den größten Teil einer Stromrechnung aus. Dazu können aber noch diverse andere Tarifbestandteile kommen, insbesondere ein Grundpreis (unabhängig vom Strombezug) und bei größeren Verbrauchern auch ein Leistungspreis sowie ein Preis für bezogene Blindarbeit. Bei Kleinverbrauchern wird aber in der Regel ein einfacher Stromzähler eingesetzt, der nur die bezogene Energiemenge messen kann; man bezahlt dann also nur einen Grundpreis und den Arbeitspreis – letzteren auf deutlich höherem Niveau als bei größeren Verbrauchern. Weitere Details finden Sie im Artikel über Stromtarife.

Zeitabhängige Arbeitspreise

Häufig werden Arbeitspreise zeitabhängig gestaltet, d. h. abhängig von der Tageszeit. Beispielsweise gibt es häufig einen Hochtarif (HT) und eine Niedertarif (NT) oder Schwachlasttarif, wobei letzterer beispielsweise für Nachtstrom gilt, oft aber auch für gewisse Zeiten außerhalb der Nacht. Solche Tarife erzeugen gewisse Anreize für die Verlagerung von Verbrauch in Niedertarifzeiten, was allerdings gerade bei Kleinverbrauchern oft keine besondere Wirkung zeigt. Haushaltskunden verwenden Nachtstromtarife hauptsächlich für Elektrospeicherheizungen und manchmal auch für Elektroboiler, kaum jedoch für andere Zwecke.

Natürlich sind zeitabhängige Arbeitspreise nur möglich, wenn der verwendete Stromzähler ein Mehrtarifzähler ist, also den Verbrauch für verschiedene Tarifzeiten separat ermitteln kann. Dafür entstehen dann höhere Kosten durch den Grundpreis, was sich für viele Kleinverbraucher nicht lohnt.

In Zukunft könnten auch vermehrt variable Stromtarife angeboten werden, bei denen keine festen Tarifzeiten gelten, sondern der Arbeitspreis je nach der momentanen Auslastung der Netze variiert. Dies wäre freilich nur nützlich für solche Kunden, die die schwankenden Tarifpreise dann beobachten, um entsprechend darauf reagieren zu können. Dies wäre auch mit automatischen Einrichtungen möglich. Beispielsweise könnte die Batterie eines Elektroautos von einer “intelligenten” Ladeelektronik bevorzugt zu Zeiten geladen werden, die für das Energieversorgungsunternehmen günstig sind (womöglich unter gleichzeitiger Berücksichtigung vor Vorgaben des Nutzers – etwa “morgen um 8 Uhr muss die Batterie voll sein”). Man würde so eine effizientere Nutzung der Erzeugungs- und Netzkapazitäten erzielen, auch die benötigte Menge von Regelenergie reduzieren, und die Abnehmer für ihre Kooperation mit niedrigeren Arbeitspreisen belohnen.

Arbeitspreise bei Erdgas

Arbeitspreise kommen in ähnlicher Form auch bei anderen Lieferungen von Energie oder Energieträgern vor, etwa bei Erdgas. Auch hier werden Arbeitspreise gewöhnlich in ct/kWh oder €/MWh angegeben.

Kostenreduktionen

Für große Verbraucher kann eine Reduktion des Arbeitspreises durch Verhandlungen mit dem Energieversorgungsunternehmen möglich sein. Für die meisten Verbraucher (auch Haushaltskunden) gibt es ansonsten die Möglichkeit eines Stromanbieterwechsels. Natürlich sollten nicht nur die Arbeitspreise verglichen werden, sondern auch andere Tarifbestandteile wie z. B. der Grundpreis (der bei Tarifen mit niedrigerem Arbeitspreis häufig höher ist) sowie ggf. längerfristige Vertragsbindungen, eventuell unangenehme andere Zusatzbedingungen und drohende Preiserhöhung z. B. nach dem ersten Jahr. Außerdem sollten ökologische Aspekte eine Rolle spielen, etwa die CO2-Intensität der Produktion. Ökostrom ist häufig zu ganz ähnlichen Kosten erhältlich wie Strom aus “schmutzigen” oder dubiosen (nicht offen gelegten) Quellen.

Ansonsten hilft natürlich immer die Reduktion der verbrauchten Energiemengen, etwa durch Maßnahmen des Energiesparens.

Siehe auch: Stromtarif, Arbeit, Leistungspreis, Nachtstrom
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Grundbegriffe

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