www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Ausgleichsenergie

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: elektrische Energie zum Ausgleich unvorhergesehener Schwankungen in einem Bilanzkreis

Englisch: balance energy

Kategorie: elektrische Energie

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 08.12.2013; letzte Änderung: 16.11.2014

Das Stromnetz z. B. von Deutschland besteht aus einigen Regelzonen, die administrativ jeweils wieder in eine Vielzahl (z. B. 100 oder 200) von Bilanzkreisen aufgeteilt sind. Für jeden Bilanzkreis gibt es einen Bilanzkreisverantwortlichen. Dieser muss jeweils einen Tag im Voraus den voraussichtlichen Verbrauch und die Erzeugung schätzen (in Intervallen von Viertelstunden), die Differenz von beiden durch entsprechende Stromlieferverträge mit Akteuren außerhalb des Bilanzkreises ausgleichen und die zugehörigen Daten dem Übertragungsnetzbetreiber mitteilen.

Aufgrund unvorhergesehener Abweichungen bei Erzeugung und/oder Verbrauch wird die Bilanz im Normalfall jedoch nicht genau entsprechend dem Plan ausgeglichen sein. (Ungeplante Kraftwerksausfälle können sogar zu starken Abweichungen führen.) Solche Abweichungen werden zusätzlich zu den regulären (im Voraus vereinbarten) Stromlieferungen über das Übertragungsnetz ausgeglichen, und die jeweiligen Energiemengen werden als Ausgleichsenergie bezeichnet. Manchmal wird von einem Bilanzkreis wegen Unterdeckung des Verbrauchs positive Ausgleichsenergie benötigt, also zusätzliche Stromlieferungen, und zu anderen Zeiten negative Ausgleichsenergie, d. h. der Abtransport überschüssiger Energie wegen Überdeckung.

Der Übertragungsnetzbetreiber berechnet im Rahmen einer Umlage den Bilanzkreisverantwortlichen die Kosten für Ausgleichsenergie, die sich aus den ihm entstandenen Kosten für Bezug von Regelenergie in der Regelzone ergeben. (Es zählt nur der Bezug, nicht die Bereitstellung, da diese bereits über die Netznutzungsentgelte abgegolten ist.) Wenn Ausgleichsenergie benötigt wird, führt dies nicht unbedingt zum Bedarf an Regelenergie zum Ausgleich der Verhältnisse in der ganzen Regelzone. Es kommt nämlich oft vor, dass die einen Bilanzkreise positive Ausgleichsenergie benötigen, andere gleichzeitig jedoch negative Ausgleichsenergie. Diese Beiträge können sich also zumindest teilweise gegenseitig ausgleichen. Deswegen ist der Bedarf an Regelenergie (der Regelzonensaldo) meist viel geringer als die Summe aller Ausgleichsenergien. Es wäre deswegen auch nicht sinnvoll, den Bedarf an Ausgleichsenergie innerhalb der Bilanzkreise durch technische Maßnahmen (z. B. regelbare Kraftwerke) auf Null zu drücken.

Im Idealfall wird in einem Bilanzkreis keinerlei Ausgleichsenergie benötigt, weil Erzeugung und Verbrauch ganz dem Plan entsprechen (oder auch wenn ihre Abweichungen sich gegenseitig ausgleichen). Diesen Fall strebt der Bilanzkreisverantwortliche aus wirtschaftlichen Gründen immer an. Er bemüht sich deswegen um möglichst gute Prognosen von Erzeugung und Verbrauch.

Die Nutzung von Windenergie vergrößert den Bedarf an Ausgleichsenergie der Bilanzkreise und (weniger stark) an Regelenergie in den Regelzonen. Dies führt allerdings nicht zu dramatischen Kosten.

Wenn in einem Bilanzkreis viel Windenergie und/oder Sonnenenergie gewonnen wird, ist die Prognose der Erzeugung schwieriger; dies kann durch den zusätzlichen Bedarf an Ausgleichsenergie zu zusätzlichen Erzeugungskosten in der Größenordnung einiger Zehntel Cent je Kilowattstunde führen. Möglichst gute Wetterprognosen als Basis von Erzeugungsprognosen sind zur Minimierung solcher Kosten wertvoll – bei Direktvermarktung für den Produzenten, bei der Abrechnung über das EEG für die Gesamtheit der Verbraucher.

Das System mit Bilanzkreisen und der Abrechnung von Ausgleichsenergie wird auch in anderen Ländern verwendet, die an einem liberalisierten Strommarkt teilnehmen.

Siehe auch: Übertragungsnetz, Regelenergie, Lastprofil
sowie andere Artikel in der Kategorie elektrische Energie

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Eine Quiz-Frage

vom Energie-Quiz:

Welcher Anteil des weltweiten Endenergiebedarfs wird durch Kernenergie gedeckt?

(a) weniger als 3 %

(b) rund 5 %

(c) mehr als 10 %

Wenn Sie Antworten auswählen und dann diesen Knopf betätigen, bekommen Sie weitere Erklärungen auf der linken Seite.

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)