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Außenluftdurchlass

Akronym: ALD

Definition: ein Bauelement, über das gezielt Frischluft in Räume eingebracht werden kann

Englisch: outdoor-air intake

Kategorie: Haustechnik

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 05.03.2017; letzte Änderung: 03.11.2018

Für die kontrollierte Belüftung von Gebäuden gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Die in Bezug auf Komfort und Energieverbrauch günstigste Lösung ist eine zentrale Lüftungsanlage mit Zuluft- und Abluftleitungen und Wärmerückgewinnung. Jedoch werden aus Kostengründen häufig reine Abluftanlagen eingesetzt, bei denen nur die verbrauchte Luft aus den Räumen mithilfe eines Ventilators abgesaugt und ins Freie abgegeben wird. Bei diesem Lüftungskonzept sollte die Frischluft mithilfe von Außenluftdurchlässen in die Räume eingebracht werden. Dies sind z. B. in Außenwände, bei Fenstern oder in Rollladenkästen eingebaute Bauteile, die Außenluft so einströmen lassen, dass die damit verbundenen Nachteile so weit wie möglich vermieden werden:

Grundsätzlich ist ein geringer Unterdruck in den Räumen in der Größenordnung von 10 Pascal (Pa) notwendig, um den Luftstrom durch die Außenluftdurchlässe anzutreiben. Er wird vom Ventilator der Abluftanlage erzeugt. Ein höherer Unterdruck würde zwar Konstruktionen mit guter Schalldämmung erleichtern, andererseits aber den Energieaufwand für den Ventilatorbetrieb und evtl. auch dessen Geräuschniveau erhöhen.

Natürlich wird die Luftverteilung vollkommen geändert, wenn in einem Raum ein Fenster geöffnet wird. Dann strömt der Großteil der Luft dort ein, während die anderen Räume wegen des reduzierten Unterdrucks kaum mehr belüftet werden. Dies ist ein weiterer Nachteil gegenüber der Verwendung eines zentralen Lüftungsgeräts mit Zu- und Abluftleitungen.

Richtige Wahl der Einbauorte

In einem ersten Schritt müssen die Außenluftdurchlässe geeignet auf die Räume verteilt werden entsprechend dem dortigen Bedarf an Frischluft. Dann stellt sich aber die Frage, wo genau die Außenluftdurchlässe angebracht werden sollten. Hierfür gilt es mehrere Aspekte zu beachten.

Die in der Nähe eines Einlasses auftretende Zugluft kann störend sein, wenn sich dort beispielsweise ein oft genutzter Sitzplatz befindet. Solche Orte sind also nach Möglichkeit zu vermeiden. Außerdem ist es diesbezüglich sinnvoll, eine genügend hohe Anzahl von Durchlässen zu wählen, sodass der Luftstrom bei keinem Durchlass zu stark wird. Auf der anderen Seite sprechen die Kosten sowie ggf. der Reinigungsaufwand für die Filter eher für eine geringere Zahl von Durchlässen.

Günstig ist meist eine Positionierung in großer Höhe, z. B. nicht weit unterhalb der Decke. Bodennahe Einlässe hätten nämlich zur Folge, dass sich im Winter am Boden ein unangenehmer “Kaltluftsee” ausbilden kann. Häufig wählt man einen Ort etwa oberhalb eines Heizkörpers, sodass die einströmende Frischluft mit der am Heizkörper aufsteigenden Warmluft vermischt wird und so die Temperaturdifferenzen im Raum vermindert werden. Eine hohe Anbringung hat aber leider den Nachteil, dass die regelmäßige Reinigung von Filtern erschwert wird.

Außenluftdurchlässe für “freie Lüftung”

Gelegentlich werden Außenluftdurchlässe auch im Zusammenhang mit einer “freien Lüftung” eingesetzt, d. h. im Rahmen eines Lüftungskonzepts, welches ohne Ventilatoren arbeitet. Hier werden die Luftströme quasi zufällig vom Wind angetrieben. Geeignet konstruierte Außenluftdurchlässe können aber dazu führen, dass zumindest die Abhängigkeit der Luftvolumenströme von der Windstärke erheblich reduziert ist. Tendenziell müssen sie bei diesem Lüftungskonzept stärker dimensioniert werden, um die nötige Luftwechselrate zu erzielen. Selbst dann besteht die Gefahr, dass bei Windstille der Luftaustausch zu gering ist. Hilfreich kann die Ausnutzung thermisch angetriebener Luftströmungen sein, z. B. bei einer Schachtlüftung.

Arten von Außenluftdurchlässen

Es gibt verschiedene Varianten von Außenluftdurchlässen für den Einbau in Wände, Fensterrahmen und -laibungen oder in Rollladenkästen. Häufig verwendet werden kompakte Wandventile mit oder ohne Luftfilter, die in eine Kernbohrung eingebaut werden. Gebräuchlich sind auch Fensterventile in stark länglicher Bauart, die in Vollprofile (z. B. von Holzfenstern) oder Hohlprofile (z. B. von Kunststofffenstern) eingebaut werden können. Bei all diesen Bauarten sieht man von außen meist ein Außengitter z. B. aus Edelstahl, welches beispielsweise Vögel und größere Insekten bereits abhalten kann.

Einige Bauarten sind vor allem für den Neubau vorgesehen, während andere bei Sanierungen praktischer einsetzbar sind.

Wird die Luftdichtheit damit nicht zunichte gemacht?

Oberflächlich betrachtet mag es unsinnig sein, zunächst eine luftdichte Gebäudehülle zu erstellen, um die Luftdichtheit dann durch Außenluftdurchlässe wieder aufzugeben. Jedoch ist es in mehrerer Hinsicht wesentlich sinnvoller, die Frischluft gezielt über Außenluftdurchlässe einzubringen, die Gebäudehülle ansonsten aber dicht zu haben. Dies ermöglicht eine gezieltere Luftzufuhr entsprechend dem Luftbedarf in den verschiedenen Räumen. Außerdem ist zu beachten, dass die Dichtigkeit der Gebäudehülle auch unter dem Aspekt der Haltbarkeit wichtig ist; unkontrollierte Undichtigkeiten sind oft Defekte der Gebäudehülle, die infolge unkontrollierter Luftströmungen mit der Zeit wachsende Probleme verursachen können.

Bei der Messung der Luftdichtheit der Gebäudehülle mit dem Blower-Door-Test müssen alle Außenluftdurchlässe dicht verschlossen werden, damit diese absichtlich eingebrachten Undichtigkeiten nicht mit erfasst werden. Sonst wäre das Resultat der Messung nicht aussagekräftig.

Alternative Konzepte

Außenluftdurchlässe werden nicht benötigt, wenn die Lüftungsanlage Leitungen für Zuluft und Abluft enthält. Dies erhöht zwar den Aufwand v. a. durch zusätzliche Lüftungsleitungen für die Zuluft, hat aber mehrere wichtige Vorteile:

  • Das Lüftung kann eine Wärmerückgewinnung ermöglichen, was den Heizwärmebedarf deutlich reduziert. Der Energiebedarf der Ventilatoren (der hier tendenziell höher ist als bei einer reinen Abluftanlage) sollte im Verhältnis zu dieser Einsparung ziemlich gering sein.
  • Die Luftzufuhr kann besser kontrolliert werden, beispielsweise mit noch wesentlich geringerer Abhängigkeit von den Windverhältnissen.
  • Der Schallschutz kann bei diesem Konzept wesentlich besser sein, da der Schall durch lange Leitungen und vergleichsweise voluminöse Schalldämpfer in einer zentralen Anlage sehr viel wirksamer gedämpft werden kann.

Eine andere Möglichkeit sind dezentrale Lüftungsgeräte, die paarweise z. B. in Außenwände eingebaut werden. Sie enthalten Ventilatoren, die zu manchen Zeiten Luft durch eines der Geräte einlassen und durch das andere nach außen befördern, zu anderen Zeiten jedoch umgekehrt arbeiten. In diesem Fall ist eine Wärmerückgewinnung durch Wärmespeicherung in den Geräten möglich. Andererseits weist dieser Ansatz ähnliche Nachteile auf wie die Verwendung von Außenluftdurchlässen bei einer Abluftanlage, insbesondere den verschlechterten Schallschutz und die Notwendigkeit, diverse kleine Filter regelmäßig reinigen zu müssen. Zudem müssen die Geräte anders als einfache Außenluftdurchlässe mit Strom versorgt werden, d. h. es müssen dafür Leitungen verlegt werden.

Siehe auch: Lüftungsanlage, Belüftung von Gebäuden, Blower-Door-Test
sowie andere Artikel in der Kategorie Haustechnik

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