RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen
www.energie-lexikon.info

Benzol

Definition: ein flüssiger Kohlenwasserstoff

Summenformel: C6H6

Englisch: benzene, benzol

Kategorien: Energieträger, Fahrzeuge

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 12.04.2015; letzte Änderung: 16.04.2019

Benzol, auch als Benzen bezeichnet, ist eine bei Zimmertemperatur dünnflüssige und brennbare Substanz, die zu den Kohlenwasserstoffen gehört. Sie besteht aus ringförmigen C6H6-Molekülen und ist die einfachste Vertreterin der sogenannten aromatischen Kohlenwasserstoffe. Der Siedepunkt liegt bei 80 °C, und schon bei Zimmertemperatur erfolgt die Verdampfung in wesentlichem Umfang. Die Dämpfe gelten als “aromatisch riechend”. Der Heizwert ist ähnlich wie der von Benzin, ca. 41 MJ/kg.

Benzol ist in hohem Maße gesundheitsschädlich. Seine akute Giftigkeit ist zwar nicht besonders hoch, jedoch wirkt es erbgutverändernd und krebserregend. Außerdem ist es stark wassergefährdend.

Benzol im Benzin

Benzol ist ein Bestandteil von Benzin, wie es in Ottomotoren verwendet wird, ist jedoch in Dieselkraftstoffen kaum enthalten. Benzol im Benzin kann sowohl aus dem Erdöl stammen als auch in einer Erdölraffinerie bei bestimmten Verarbeitungsschritten wie Cracken und Reformierung entstehen. Früher wurde auch sogenanntes Motorenbenzol (eine Mischung von Benzol, Toluol und Xylol, die bei der Herstellung von Koks anfiel) dem Benzin beigemischt. Benzol hat im Benzin die erwünschte Eigenschaft, die Klopffestigkeit zu erhöhen. Da es aber krebserregend ist, dazu auch stark wassergefährdend, darf es heute in der EU nur noch zu maximal einem Prozent im Benzin enthalten sein. Eine ausreichend hohe Klopffestigkeit muss deswegen durch andere Substanzen erreicht werden.

Praktisch kein Benzol und auch sonst viel weniger gesundheitsschädliche Stoffe enthält sogenanntes Alkylatbenzin (Gerätebenzin). Wegen seines deutlich höheren Preises wird es allerdings relativ wenig eingesetzt.

Benzol entsteht auch als Nebenprodukt bei der Kohlevergasung, wie sie früher zur Herstellung von Leuchtgas (Stadtgas) praktiziert wurde. Damals wurde das anfallende Benzol dem Benzin in größeren Mengen beigemischt und ermöglichte damals die Einführung des Superbenzins.

Im Normalfall wird das Benzol in einem Motor weitgehend verbrannt oder aber im Abgaskatalysator oxidiert, gelangt also kaum in das Abgas. Nennenswerte Benzol-Emissionen können allerdings unter bestimmten Umständen vorkommen, einerseits direkt nach einem Kaltstart und andererseits als Folge der sogenannten Volllastanreicherung. Der größte Teil der Benzol-Emissionen in Deutschland entsteht auch heute noch durch benzinbetriebene Kraftfahrzeuge (zum guten Teil durch Verdunstungsemissionen), obwohl diese Belastungen vor allem durch den stark reduzierten Benzolgehalt des Benzins und teils auch durch die Einführung der Abgaskatalysatoren erheblich gesunken sind. Lokal können immer noch hohe Belastungen z. B. durch kleine Motoren entstehen, beispielsweise durch Zweitaktmotoren von Rasenmähern und anderen Kleingeräten. (Zweitaktmotoren emittieren sehr viel größere Mengen unverbrannter Kohlenwasserstoffe wie Benzol als Viertaktmotoren.) Auch bei der Erdgasgewinnung mit Hilfe von Fracking können hohe Benzolemissionen auftreten. Ansonsten kommt Benzol auch im Tabakrauch vor.

Benzol kann auch beim Tanken von Benzin in die Atemluft gelangen – insbesondere wenn die Tankanlage den aus dem Benzintank verdrängten Benzindampf nicht absaugt. Vor allem wegen der krebserregenden Wirkung von Benzol ist dies gesundheitlich sehr bedenklich. In der Industrie gibt es für Arbeiten mit benzolhaltigen Flüssigkeiten strenge Sicherheitsvorschriften, denen der übliche Umgang mit Benzin an Tankstellen Hohn spricht.

Verwendung von Benzol in der Industrie

Benzol wird auch als Ausgangssubstanz für diverse industrielle Prozesse verwendet. Beispielsweise dient es zur Herstellung von Styrol, woraus das Wärmedämmmaterial Polystyrol hergestellt wird. Auch eine Vielzahl anderer Stoffe wie beispielsweise Plexiglas, Epoxidharze, Kunststoffe und Weichmacher werden häufig unter Verwendung von Benzol hergestellt.

Siehe auch: Kohlenwasserstoffe, unverbrannte Kohlenwasserstoffe, Benzin, Klopffestigkeit, Verdunstungsemissionen
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieträger, Fahrzeuge

preview

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, teilen Sie das doch auch Ihren Freunden und Kollegen mit – z. B. über Social Media:

Kommentare von Lesern

20.08.2017

Ist es nicht wahrscheinlich, dass bei Ersatz der Diesel-Fahrzeuge durch Benziner der Grenzwert von Benzol (5 μg/m3) in Städten überschritten wird?

Antwort vom Autor:

Obwohl Benzinmotoren im Gegensatz zu Dieselmotoren Benzol emittieren können, glaube ich nicht, dass man damit ein Benzol-Problem von annähernd gleicher Schwere wie das derzeitige Stickoxid-Problem bekommen würde. Heute wird der von Ihnen genannte Grenzwert für Benzol an den meisten Standorten stark unterschritten, und eine gewisse Zunahme von Benzinmotoren dürfte deswegen kaum zu Überschreitung dieses Grenzwerts führen.

Als Fahrer hat man übrigens einen starken Einfluss auf die Benzol-Emissionen: Man sollte Vollgas nach Möglichkeit vermeiden, weil nur die sogenannte Volllastanreicherung zu wesentlichen Emissionen von Benzol (und auch zu erheblich vermehrten CO- und anderen HC-Emissionen) führt.

23.08.2018

In USA darf Benzol gar nicht mehr im Benzin für Kraftfahrzeuge enthalten sein. Weshalb toleriert man in Deutschland noch 1 % Benzol? Wenn es nicht zugegeben wird, ist es eine Kostenfrage, es durch Destillation komplett zu entfernen?

Was ersetzt Benzol hinsichtlich der Klopffestigkeit der Motoren, wenn es gar nicht im Benzin enthalten ist?

Antwort vom Autor:

Ja, es ist wohl eine Kostenfrage. Es gibt auch andere Additive für eine verbesserte Klopffestigkeit, aber die sind eben teurer.

18.02.2019

Die 5 μg/m3 sind der sogenannte TRK-Wert. Auch bei einer Unterschreitung des Wertes ist eine Erbgutveränderung und Entstehung von Krebs möglich.

Benzin ist sowohl in der Muttermilch, als auch im Blut des Fötus Ottokraftstoff tankender Mütter, werdender Mütter nachweisbar.

Diese Muttermilch dürfte als Lebensmittel nicht verkauft werden und müsste als Sondermüll entsorgt werden.

Antwort vom Autor:

Laut Wikipedia liegt der TRK-Wert von Benzol bei 3,25 mg/m3.

Sicherlich wäre es aber wünschenswert, die Exposition der Bevölkerung mit Benzol weiter zu reduzieren.

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Datenschutz: Bitte geben Sie hier keine personenbezogenen Daten ein. Wir würden solche allerdings ohnehin nicht veröffentlichen und bei uns bald löschen. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Wenn Sie nur dem Autor eine Rückmeldung zukommen lassen möchten, verwenden Sie bitte den Kasten "Wie gefällt Ihnen dieser Artikel" weiter unten. Wenn Sie eine Rückmeldung vom Autor wünschen, schreiben Sie ihm bitte per E-Mail.

Ihr Kommentar:

Ihr Hintergrund:

Spam-Prüfung:

  (Bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, evtl. erst nach mehreren Tagen.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck:

weiß nicht
unbefriedigend
in Ordnung
gut
ausgezeichnet

Fachliche Qualität:

weiß nicht
unbefriedigend
in Ordnung
gut
ausgezeichnet

Lesbarkeit:

weiß nicht
unbefriedigend
in Ordnung
gut
ausgezeichnet

Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?

nein
eventuell
ja

Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Datenschutz: Bitte geben Sie hier keine personenbezogenen Daten ein. Wir würden solche zwar ohnehin nicht veröffentlichen, aber die eingegebenen Daten bleiben bei uns langfristig gespeichert. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern" weiter oben. Wenn Sie eine Antwort möchten, senden Sie bitte eine E-Mail.

Spam-Prüfung:

(bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen: