www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Biodiesel

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: Dieselkraftstoff, der aus Pflanzen gewonnen wird

Englisch: biodiesel

Kategorien: Energieträger, erneuerbare Energie, Fahrzeuge, Kraftmaschinen und Kraftwerke

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 12.03.2010; letzte Änderung: 12.06.2016

Biodiesel ist ein Biokraftstoff, der aus Biomasse (meist pflanzlichen Ölen) hergestellt wird. In Deutschland wird in großem Umfang aus Rapspflanzen und Methanol mit Hilfe eines Katalysators Rapsmethylester (RME) hergestellt, wobei als Nebenprodukt Glycerin anfällt. Der Rapsmethylester wird als Biodiesel verwendet – größtenteils als Beimischung zu Dieselkraftstoff, nur selten in reiner Form. In geringeren Mengen wird auch Sojaölmethylester (SME) aus Sojaöl und Methanol gewonnen. In vielen europäischen Ländern (auch Deutschland) enthält aller verkaufter Dieselkraftstoff einen gewissen (meist kleinen) Anteil von Biodiesel. Der Energiegehalt pro Liter kann bei Biodiesel etwas tiefer liegen als bei konventionellem Dieselkraftstoff, was einen entsprechend erhöhten Verbrauch zur Folge hat. Günstig ist dagegen die hohe Zündwilligkeit (ausgedrückt durch eine Cetan-Zahl von mehr als 70 für reinen Rapsmethylester) und das Fehlen von Schwefel (welcher im Zuge der Veresterung abgetrennt wird). Übrigens können auch andere Arten von Biomasse durch Veresterung mit Methanol zu besser brauchbaren Kraftstoffen verarbeitet werden; eine allgemeine Bezeichnung für solche Stoffe ist FAME = Fatty Acyd Methyl Ester.

Biodiesel unterscheidet sich chemisch erheblich von Dieselkraftstoff aus Erdöl. Moderne Dieselmotoren können nicht mit reinem Biodiesel betrieben werden, zum Teil wegen der Abgasreinigungsanlage (Rußpartikelfilter); oft werden nur Beimischungen bis zu 7 % toleriert. Es ist aber möglich, Dieselmotoren technisch so anzupassen, dass auch reiner Biodiesel verwendet werden kann. Wegen das damit verbundenen Aufwands wird dies nur selten praktiziert.

Der Ersatz von konventionellem Dieselkraftstoff durch Biodiesel bietet zwei potenzielle Vorteile: die Schonung der endlichen Ressource Erdöl und die Reduktion der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen. Letzteres funktioniert in der Praxis allerdings kaum, wie unten noch ausgeführt wird.

Heutige Dieselmotoren vertragen reinen Biodiesel nicht, wenn sie nicht speziell dafür angepasst sind!

Schon vor über 100 Jahren wurden diverse Pflanzenöle, z. B. Erdnussöl und Palmöl, in Dieselmotoren direkt eingesetzt (ohne Umesterung). Diese Stoffe wurden in der Folge jedoch fast vollständig durch Erdöl (Mineralöl) ersetzt. Dieselkraftstoff auf Erdölbasis weist in mancher Hinsicht bessere Eigenschaften auf, z. B. eine bessere Zündwilligkeit (höhere Cetanzahl) und bessere Lagerfähigkeit, und wurde mit dem Aufkommen des Erdöls auch besser verfügbar. Heutige Dieselmotoren sind für solchen Kraftstoff ausgelegt, und Pflanzenöl können sie allenfalls noch in geringen Beimischungen tolerieren. Diesbezüglich ist Biodiesel günstiger (z. B. weniger zähflüssig), obwohl auch nicht optimal. Es kann nämlich zur Motorölverdünnung kommen wie auch zur Schädigung von Abgaskatalysatoren. Zukünftig könnten hydrierte Pflanzenöle oder auch Fischer-Tropsch-Diesel (→ Biokraftstoffe) mit besseren Eigenschaften gewonnen werden. Solche würden als “Biodiesel der zweiten Generation” bezeichnet.

Auch als Zusatz für Kerosin ist Biodiesel geeignet. Entsprechende Versuche sind bereits erfolgt, jedoch ist die Verwendung nicht weit verbreitet. Ein Grund sind die strengen Qualitätsanforderungen bei Flugzeugtreibstoffen.

Der Marktanteil von Biodiesel wird durch diverse Faktoren beeinflusst, insbesondere durch gesetzliche Beimischungspflichten, die Steuerbelastung (Mineralölsteuer) sowie durch mögliche Sorgen der Verbraucher betreffend die Motorenlebensdauer und ökologische Aspekte.

Ökologische Aspekte

Der Ersatz von konventionellem Dieselkraftstoff (auf der Basis von Erdöl) durch Biodiesel in der Form von Rapsmethylester hat mehrere ökologische Aspekte:

Warum ist Biodiesel nicht klimaneutral?

Rein energetisch betrachtet ist der Einsatz von Biodiesel nicht unbedingt sehr effizient, da der Energieaufwand bei der Herstellung (inkl. Pflanzenanbau) beträchtlich ist und ohne Weiteres mehr als die Hälfte des Energiegehalts im gewonnenen Kraftstoff betragen kann. Die Flächeneffizienz, d. h. die gewonnene Energie pro Hektar Anbaufläche und Jahr, ist bei Biodiesel (und anderen Biokraftstoffen) wesentlich geringer als z. B. für Biogas und insbesondere für die Photovoltaik.

Biodiesel weist meist keine vorteilhafte Ökobilanz auf. Bei Verwendung von Abfallstoffen sieht es allerdings erheblich besser aus.

Die Ökobilanz von Biodiesel (im Vergleich zur Verwendung von Mineralöl) ist umstritten und hängt jedenfalls stark von den Herstellungsmethoden ab, insbesondere vom Anbau von Energiepflanzen und den damit verbundenen Landnutzungskonkurrenzen. Viel günstiger schneidet die Nutzung von Abfallölen (z. B. Frittieröl) ab, die jedoch in geringeren Mengen verfügbar sind.

Palmöl ist ein sehr problematischer Anteil von Biodiesel.

Übrigens enthält Bio-Diesel meist auch nennenswerte Mengen von Palmöl, d. h. aus Ölpalmen gewonnenes Öl. Der Anbau von Palmöl steht stark in der Kritik, vor allem weil dabei massenhaft Regenwälder zerstört werden. Nun darf in der EU Palmöl für Biokraftstoffe nur verwendet werden, soweit dafür zertifiziert ist, dass dieses nur auf bestehenden Ackerflächen angebaut wird und nicht auf Rodungsflächen. Jedoch ist schwer zu kontrollieren, ob in Ländern wie Indonesien nicht doch Flächen gerodet werden, um direkt danach oder ggf. ein paar Jahre später darauf Palmölplantagen zu errichten. Deswegen ist zu befürchten, dass die Regenwaldzerstörung trotz der verlangten Zertifikate durch die Verwendung von Palmöl gefördert wird. Soweit dies der Fall ist, wird auch die Klimabilanz von Biodiesel massiv verschlechtert; sie kann sogar erheblich schlechter sein als von Diesel aus Erdöl.

Offenkundig erfordert eine solide Öko-Bilanzierung des Biodiesel-Einsatzes sehr detaillierte und sorgfältige Untersuchungen sowie die Verwendung von Bewertungsmaßstäben bei Vergleichen. Wegen der sehr unterschiedlichen Untersuchungen und unterschiedlichen Verhältnissen bei verschiedenen Biodiesel-Beimischungen sind weder allgemein gültige noch absolut objektive Resultate möglich. Somit ist klar, dass der Einsatz von Biodiesel zwar je nach Umständen sinnvoll sein kann, aber keineswegs als geeigneter Ersatz für Bemühungen in Richtung eines effizienten und sparsamen Kraftstoffverbrauchs gelten darf.

Vielleicht kann Biodiesel in Zukunft umweltfreundlicher gewonnen werden.

Für Biodiesel der zweiten Generation, etwa Fischer-Tropsch-Diesel aus der Biomassevergasung, könnte eine erheblich bessere Ökobilanz aufweisen. Hauptsächlich liegt das an der höheren Flächenproduktivität, wenn nicht nur Feldfrüchte, sondern Ganzpflanzen genutzt werden können. Ebenfalls kämen andere Energiepflanzen als Raps in Frage, vielleicht sogar Gräser. Deren Anbau wäre weniger umweltbelastend.

Siehe auch: Dieselkraftstoff, Kraftstoff, Biokraftstoff, erneuerbare Energie, Biomasse, Energiepflanzen, CO2-neutral, Mineralölsteuer
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieträger, erneuerbare Energie, Fahrzeuge, Kraftmaschinen und Kraftwerke

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Ratgeber Klimageräte

Viele leiden in Wohnungen und Büros unter sommerlicher Hitze. Könnte hier ein Klimagerät das Richtige sein, um den Komfort wiederherzustellen? Oder holt man sich damit nur einen schlimmen Stromfresser ins Haus?

Unser neuer Ratgeber zu Klimgeräten und Klimaanlagen erklärt die Bestimmung und Minimierung von Wärmelasten, welche Arten von Geräten es gibt und wie man den Komfort mit moderatem Energieaufwand steigern kann.

Siehe auch diverse Lexikonartikel:

Bitte weitersagen an alle, die sich für Klimageräte interessieren!

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)