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Bioethanolofen

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Definition: ein Ofen, in dem Bioethanol verbrannt wird

Englisch: bioethanol furnace

Kategorie: Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 07.11.2014; letzte Änderung: 29.12.2014

Bioethanolbrenner

Abbildung 1: Ein einfacher Bioethanol-Brenner aus Edelstahl.

Ein Bioethanolofen ist ein meist relativ kleiner Ofen, in dem Bioethanol verbrannt wird. Solche Öfen werden oft als Dekoöfen so gestaltet, dass sie einen ähnlichen visuellen Eindruck erzeugen wie ein Holzofen oder ein offenes Kamin, bei dem die Flammen durch eine Glasscheibe oder auch direkt sichtbar sind. Es werden auch kompakte Bioethanol-Brenner angeboten (Abbildung 1), die meist aus einer simplen Edelstahlwanne bestehen, die oben einen Schlitz variabler Breite aufweist, wo die Flammen entstehen. Teils wird ein Keramikschwamm in die Wanne eingelegt, der eine gleichmäßige Verbrennung auch bei abnehmendem Füllstand ermöglichen soll. Ein solcher Brenner kann beispielsweise von einigen dekorativen Steinen umgeben und hinter einer Schutzscheibe betrieben werden. Es werden auch komplette dekorative Öfen angeboten, die mit geringem Aufwand entweder an einer Wand oder auch freistehend im Raum aufgestellt werden können.

Bioethanolofen

Abbildung 2: Ein ursprünglich mit Holz befeuertes Kamin, welches durch Einsetzen eines einfachen Brenners auf Bioethanol umgerüstet wurde.

Bioethanol als Brennstoff

Als Brennstoff dient Bioethanol, welches beispielsweise aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr durch Vergärung des Zuckers gewonnen werden kann. Es handelt sich also wie bei Holz um einen erneuerbaren Energieträger. Im Vergleich zu Holz ist die Handhabung wesentlich einfacher und viel sauberer; der Preis pro Kilowattstunde liegt allerdings massiv höher. (Deswegen sind solche Öfen auch nicht geeignet, um durch zusätzliches Heizen die Heizkosten einer Ölheizung oder Gasheizung zu reduzieren.) Gekauft wird Bioethanol für solche Öfen meist in Kunststoffkanistern, bei kleinem Bedarf manchmal auch in Flaschen.

Vor allem wegen des Brennstoffpreises werden Bioethanolbrenner hauptsächlich für sehr kleine Heizleistungen verwendet, wo der Brennstoffverbrauch wenig ins Gewicht fällt. Der eigentliche Zweck ist hier nicht die Beheizung des Raums, sondern eher die zeitweise Schaffung von Gemütlichkeit, wobei eine deutliche Temperaturerhöhung auch bei kleiner Heizleistung zumindest in der Umgebung des Ofens gut spürbar ist.

Die Verbrennung des Bioethanol ist in der Praxis nicht ideal sauber (siehe unten), jedoch zumindest sehr viel sauberer als die von Holz. Zudem ist dies sehr einfach erreichbar: Man muss lediglich das Bioethanol in den (kalten!) Brenner einfüllen, es dann entzünden (mit einer mitgelieferten Anzündhilfe oder einem Stabfeuerzeug) und ggf. die Größe der Flammen durch Einstellung des oben genannten Schlitzes regulieren. Einige Gefahren sind allerdings zu beachten (siehe unten).

Verzicht auf einen Schornstein

Bei kleinen Ethanolbrennern geht es auch ohne einen Schornstein. Die Abgase bleiben dann im Raum.

Bei kleinen Wärmeleistungen (bis ca. 2 kW, entsprechend ca. 0,3 Liter Ethanol pro Stunde) kann sogar auf einen Schornstein für das Abführen der Abgase verzichtet werden, da die Abgasqualität relativ gut und die Abgasmenge gering ist. Der Ofen gilt dann auch nicht als ein Heizgerät. Allerdings ist eine gute Belüftung des Aufstellungsraums dann wichtig, und der Raum sollte auch nicht allzu klein sein. Selbst bei perfekter Verbrennung würde nämlich sonst die CO2-Konzentration in der Atemluft stark ansteigen. Zudem verbrennt das Ethanol in der Praxis nicht wie im Idealfall lediglich zu Kohlendioxid und Wasser, sondern es entstehen auch gewisse Anteile schädlicher Substanzen wie Kohlenmonoxid, Stickoxide und feine Partikel (aber kaum Ruß). Eine gewisse Belastung der Atemluft tritt also durchaus auf, was bei häufigem Betrieb ungünstig wäre. Auch der Geruch der Abgase ist unter Umständen deutlich wahrnehmbar; unverbrannt verdunstetes Ethanol kann manchmal ebenfalls gerochen werden.

Der Verzicht auf einen Schornstein spart natürlich sehr viel Geld und hat noch weitere Vorteile. Eine Genehmigung beispielsweise durch einen Schornsteinfeger ist nicht erforderlich. Direkte Abgasverluste treten nicht auf, stattdessen allerdings etwas erhöhte Lüftungsverluste als Folge des erhöhten Lüftungsbedarfs. Eine gute Verbrennung erfordert anders als beispielsweise bei einem Holzofen mit Schornstein nicht, dass dem Raum stetig genügend Frischluft zugeführt wird, da kein Unterdruck im Raum erzeugt werden kann.

Gefahren von Bioethanolöfen

Oben wurde bereits erwähnt, dass die im Raum verbleibenden Abgase (wenn auf einen Schornstein verzichtet wird) nicht völlig schadstofffrei sind, auch wenn dies gelegentlich behauptet wird. Dies kann zum Problem werden, wenn der Raum zu klein und zu wenig belüftet ist. Allein schon die ansteigende CO2-Konzentration in der Atemluft kann dann zu Müdigkeit und Kopfschmerzen führen, und die oben genannten Schadstoffe sind ohnehin unerwünscht. Akute Vergiftungen sollten allerdings im Normalfall nicht möglich sein, anders als beispielsweise bei defekten Gasöfen.

Bei unsachgemäßer Handhabung von Bioethanolöfen drohen ernsthafte Gefahren!

Gefährliche Verletzungen sind bei unsachgemäßer Handhabung möglich. Vor allem darf nie Bioethanol beispielsweise aus einem Kanister nachgefüllt werden in einen Brenner, der noch heiß ist oder in dem gar noch eine Flamme brennt. Dies könnte nämlich zu einer starken Stichflamme oder gar Explosion führen. Auch ein Verschütten größerer Mengen beim Einfüllen sollte natürlich vermieden werden, und das Einfüllen sollte erst kurz vor dem Anzünden vorgenommen werden. Zudem ist es natürlich wichtig, dass sich keine brennbaren Gegenstände (gar ein Ethanolkanister!) in der Nähe der Flammen befinden. Eine Löschdecke oder einen Feuerlöscher in der Nähe zu haben, ist sicher sinnvoll. Kinder oder Haustiere sollten vor der Berührung der Flammen geschützt werden, beispielsweise durch eine Glasscheibe oder ein Gitter.

Auch die sachgerechte Lagerung des Brennstoffs muss beachtet werden.

Die Lagerung womöglich mehrerer großer Kanister mit Ethanol kann zu erhöhter Brandgefahr führen. Wenn im Brandfall ein beispielsweise aus Kunststoff bestehender Kanister von Flammen zerstört wird, kann das plötzliche Auslaufen des leicht brennbaren Ethanols den Brand natürlich sehr beschleunigen. Zudem muss verhindert werden, dass spielende Kinder das Ethanol verschütten oder gar entzünden.

Die hier gegebenen Warnungen sollten nicht als vollständig betrachtet werden; es könnten durchaus noch weitere Gefahren auftreten, und der Autor haftet nicht für unvollständige Angaben. Die geltenden Bedienungshinweise und Brandschutzvorschriften sollten vor Inbetriebnahme sorgfältig studiert werden.

Siehe auch: Bioethanol, Schornstein, Abgas, Kohlendioxid
sowie andere Artikel in der Kategorie Wärme und Kälte

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