RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen
www.energie-lexikon.info

Blindleistung

Definition: in einer Stromleitung hin und her pendelnde Leistung

Englisch: reactive power

Kategorien: elektrische Energie, physikalische Grundlagen

Formelsymbol: Q

Einheit: var

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 05.01.2013; letzte Änderung: 09.11.2017

Eine Blindleistung (Formelsymbol Q) entsteht in einer Wechselstromleitung als Folge eines Blindstroms, der phasenverschoben zur elektrischen Spannung oszilliert.

Bei einem reinen Blindstrom (mit 90° Phasenverschiebung) wird nur eine Blindleistung übertragen, keinerlei Wirkleistung. Im zeitlichen Mittel wird also keinerlei Energie durch die Leitung übertragen, da die gesamte Leistung lediglich vor- und zurückläuft.

Bei geringeren Phasenverschiebungen kann man den Strom in einen Wirkstrom und einen Blindstrom zerlegen. Es gibt dann also gleichzeitig eine übertragene Wirkleistung P und eine Blindleistung Q. Die Summe der Quadrate von Wirkleistung und Blindleistung ergibt die Scheinleistung: S2 = P2 + Q2. Das bedeutet, dass bei einem rechtwinkligen Dreieck, bei dem die Längen der Katheten der Wirk- und Blindleistung entsprechen, die Länge der Hypotenuse der Scheinleistung entspricht (Satz von Pythagoras).

Für Blindleistungen wird die Einheit var (“Volt-Ampère-réactif”) verwendet. Es gilt 1 var = 1 V · 1 A. Daraus abgeleitet wird 1 kvar = 1000 var und 1 Mvar = 106 var. Man verwendet nicht das Watt, um Verwechslungen mit Wirkleistungen zu vermeiden.

Ein Rechenbeispiel: Ein Elektromotor beziehe eine Scheinleistung von 1500 VA aus einer 230-V-Leitung bei einem Leistungsfaktor cos φ = 0,8. Die Wirkleistung ist dann P = 1500 VA · 0,8 = 1200 W. Die Blindleistung ist nicht etwa 300 W (die Differenz von Schein- und Wirkleistung), sondern 1500 VA · sin φ = 1500 VA · 0,6 = 900 var. Früher war auch die Einheit bW (Blindwatt) üblich.

Blindleistungen sind oft unerwünscht und werden mit Hilfe von Maßnahmen zur Blindleistungskompensation minimiert. Jedoch gibt es auch erwünschte Wirkungen von Blindleistungen, so dass die Blindleistungskompensation unter Umständen nur teilweise durchgeführt wird. Beispielsweise können Blindleistungen verwendet werden, um Energieströme in vermaschten Netzen in der gewünschten Weise zu beeinflussen.

Durch Integration der Blindleistung über die Zeit erhält man die Blindarbeit.

Siehe auch: Blindstrom, Blindarbeit, Wirkleistung, Scheinleistung, Blindleistungskompensation
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, physikalische Grundlagen

preview

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, teilen Sie das doch auch Ihren Freunden und Kollegen mit – z. B. über Social Media:

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Datenschutz: Bitte geben Sie hier keine personenbezogenen Daten ein. Wir würden solche allerdings ohnehin nicht veröffentlichen und bei uns bald löschen. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Wenn Sie nur dem Autor eine Rückmeldung zukommen lassen möchten, verwenden Sie bitte den Kasten "Wie gefällt Ihnen dieser Artikel" weiter unten. Wenn Sie eine Rückmeldung vom Autor wünschen, schreiben Sie ihm bitte per E-Mail.

Ihr Kommentar:

Ihr Hintergrund:

Spam-Prüfung:

  (Bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, evtl. erst nach mehreren Tagen.