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Dampfsperre

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Definition: eine Schicht, die für Wasserdampf kaum durchlässig ist

Englisch: vapour barrier

Kategorie: Grundbegriffe

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 23.12.2014; letzte Änderung: 25.03.2015

Eine Dampfsperre ist eine beispielsweise in Gebäuden häufig benötigte Schicht, die eine sehr geringe Durchlässigkeit für Wasserdampf aufweist, also die Diffusion von Wasserdampf stark behindert. Oft spricht man auch von einer Dampfbremse – insbesondere dann, wenn keine besonders hohe Sperrwirkung erzielt wird (siehe unten).

Eine Dampfsperre oder Dampfbremse wird meistens in Form einer Kunststofffolie realisiert, die einen hohen Wasserdampfdiffusionswiderstand aufweist. Jedoch können auch diverse andere Materialien verwendet werden.

Dampfbremse

Abbildung 1: An der senkrechten Wand hinten wurde eine Folie als Dampfsperre angebracht. Quelle: www.einblasdaemmung.de

Funktion einer Dampfsperre

Meist geht es darum, Wasserdampf daran zu hindern, von innen her in die kühleren Bereiche zu gelangen, wo es zur Kondensation kommen könnte.

Eine Dampfsperre wird meistens benötigt, um Bauteile vor Schäden durch das Entstehen von Feuchtigkeit zu schützen. Dies ist beispielsweise bei der Wärmedämmung von Gebäuden häufig der Fall. In beheizten Wohnräumen ist die absolute Luftfeuchtigkeit häufig erheblich höher als im Freien, weil Wasserdampf aus verschiedenen Quellen in die Luft gerät. Wenn solche Luft nun beispielsweise in die Wärmedämmschicht eines Daches gelangen könnte, würde sie dort auf dem Weg nach außen zunehmend abkühlen, sodass schließlich Kondenswasser (Tauwasser) auftreten könnte. Auf Dauer könnte dies zu einer Durchfeuchtung der Dämmschicht führen, eventuell auch zu dauerhaften Schäden. Dies verhindert man durch Anbringen einer Dampfsperre auf der Innenseite der Dämmschicht.

Auf der Außenseite der Wärmedämmung eines Daches ist es häufig notwendig, das Eindringen von Wassertropfen im Falle von Ziegelschäden zu verhindern. Hierfür kann eine Kunststofffolie verwendet werden, die äußerlich von der für eine Dampfsperre kaum zu unterscheiden ist. Eine solche Abspannbahn sollte jedoch eine hohe Diffusionsdurchlässigkeit für Wasserdampf aufweisen, sodass eingedrungener Wasserdampf (beispielsweise im Falle kleiner Beschädigungen der Dampfsperre) nach außen entweichen kann; lediglich flüssiges Wasser soll abgewiesen werden. Die hier nötige Diffusionsdurchlässigkeit lässt sich beispielsweise durch sehr feine Poren in der Folie erzielen. Grundsätzlich ist es bei den typischen mitteleuropäischen Klimaverhältnissen sinnvoll, auf der Innenseite eine hohe Dampfsperrwirkung zu haben, nach außen dagegen eher eine höhere Durchlässigkeit.

Selbst eine für Wasserdampf sehr undurchlässige Folie ergibt noch keine funktionstüchtige Dampfsperre, wenn sie nicht dicht verlegt wird! Die Beachtung einschlägiger Baunormen ist sehr wichtig.

Die Dichtigkeit einer Dampfsperre setzt natürlich voraus, dass die verwendeten Folien nicht nur lose aufeinander gelegt oder vertackert, sondern dicht miteinander verschweißt oder verklebt werden. Auch wo die Folie an andere Bauteile angrenzt, müssen geeignete Verfahren für das Erzielen einer ausreichenden Dichtigkeit angewandt werden. Einschlägige Baunormen, die sowohl auf theoretischen Erkenntnissen als auch auf vielfältigen praktischen Erfahrungen basieren, legen die Details fest. Handwerkliche Fehler in diesem Bereich können zu späteren Feuchteschäden führen. Die Dichtigkeit der Ausführung lässt sich beispielsweise mit einem Blower-Door-Test überprüfen.

Nicht in allen Fällen ist eine Dampfsperre zwingend nötig, um Feuchteprobleme bei einer Wärmedämmung zu verhindern.

Eine Innendämmung mit einer zuverlässigen Dampfsperre auszustatten, ist in der Praxis meist schwierig. Es gibt allerdings dafür geeignete Dämmmaterialien, die keine Dampfsperre benötigen. Typischerweise funktioniert hier der Schutz vor Feuchtigkeit dadurch, dass kondensierte Wasser durch eine Kapillarwirkung wieder zurück in den Innenraum befördert werden kann. Zusätzlich wird die Bildung von Schimmel durch ein stark alkalisches Milieu zuverlässig verhindert.

Eine äußere Wärmedämmung beispielsweise in Form eines Wärmedämmverbundsystems braucht in der Regel keine spezielle Dampfsperre auf der Innenseite, auch wenn die Dämmschicht eine geringe Durchlässigkeit für Wasserdampf hat (z. B. im Falle von expandiertem Polystyrol). Das Mauerwerk (z. B. aus Beton) lässt nämlich ohnehin wenig Wasserdampf durch, und insbesondere kann Wasserdampf dann kaum in die Dämmschicht eindringen. Problematisch wäre es erst, wenn Wasserdampf in die äußeren kalten Schichten gelangen könnte.

Pauschal von guten oder schlechten Materialien bezüglich Feuchtigkeit zu sprechen, ist meist nicht angemessen; es kommt auf die jeweiligen Verhältnisse an, was günstig ist.

Grundsätzlich muss betont werden, dass es sehr stark von den jeweiligen Umständen abhängt, welcher Grad an Sperrwirkung für einen effektiven Feuchteschutz nötig ist oder ob sogar eine diffusionsoffene Bauweise diesbezüglich günstiger ist. Es ist also nicht angemessen, ein bestimmtes Material pauschal als günstig oder ungünstig in Bezug auf Feuchtigkeit einzustufen. Dies zeigt allein schon das oben genannte Beispiel für die Wärmedämmung eines Daches, wo die Anforderungen auf der Innenseite und Außenseite vollkommen unterschiedlich sind. Für eine angemessene Beurteilung sind solide Kenntnisse der Bauphysik unbedingt notwendig.

Quantifizierung des Diffusionswiderstands

Praktisch keine Dampfsperre erzielt in der Praxis eine komplette Sperrwirkung für Wasserdampf. Deswegen ist es oft von Interesse, die Sperrwirkung zu quantifizieren.

Für die Charakterisierung eines Materials ist die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (auch Dampfwert, Symbol μ) geeignet. Diese ist 1 für Luft und völlig durchlässige Baustoffe wie beispielsweise Mineralwolle. Kunststoffe, die als Dampfbremsen einsetzbar sind, weisen dagegen um Größenordnungen höhere Werte (oft über 10 000) auf.

Für ein konkretes Bauteil (beispielsweise eine Folie) mit einer bestimmten Dicke kann man eine wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke angeben, den sd-Wert. Dies ist die Dicke einer imaginären ruhenden Luftschicht, für die sich die gleiche Diffusionsrate für Wasserdampf einstellen würde wie mit dem Bauteil. Echte Dampfsperren haben nach einer gebräuchlichen Definition sd-Werte von mindestens 1500 m, während man Bauteile mit Werten zwischen 0,5 m und 1500 m als Dampfbremse (diffusionshemmendes Bauteil) bezeichnet. Bauteile mit noch niedrigeren Werten gelten als diffusionsoffen.

Der Diffusionswiderstand eines Materials oder Bauteils ist nicht immer konstant; er kann auch von der Temperatur und von dem jeweiligen Feuchtegrad abhängig sein. Solche Effekte werden manchmal in sogenannten Klimamembranen oder intelligenten Dampfbremsen gezielt eingesetzt. Sie sollten eine sogenannte Rücktrocknung in den Innenraum hinein ermöglichen. Dies ist allerdings normalerweise unnötig, wenn eine Austrocknung nach außen möglich ist.

Einfluss auf das Raumklima

Die Befürchtung, eine Dampfsperre wirke sich ungünstig auf das Raumklima aus, ist unbegründet. Man kann sich zwar vorstellen, dass überschüssige Luftfeuchtigkeit durch Diffusion nach außen reduziert werden könnte, wenn das Gebäude vollständig diffusionsoffen gebaut würde. Jedoch ist auf diese Weise meist keine effektive Entfeuchtung möglich; eine ausreichende Belüftung ist so oder so unerlässlich, um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren, die CO2-Konzentration zu begrenzen, Gerüche und Schadstoffe zu entfernen etc.

Siehe auch: Wasserdampf, Wärmedämmung, Luftfeuchtigkeit, Belüftung von Gebäuden
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