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Energieautarkie

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Definition: Energieversorgung ohne Abhängigkeit von entfernten Quellen oder Lieferanten

Englisch: energy autarky

Kategorien: Energiepolitik, erneuerbare Energie, Grundbegriffe

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 20.04.2013; letzte Änderung: 26.02.2016

Bei der Energieversorgung tritt häufig eine Abhängigkeit von Lieferungen auf, über die der Verbraucher keine echte Kontrolle hat. Beispielsweise trifft dies in Europa für die Versorgung mit Erdöl und Erdgas zu, bei denen eine starke und noch wachsende Abhängigkeit von Importen aus politisch instabilen Regionen vorliegt. Wenn solche Abhängigkeiten im Interesse einer hohen Versorgungssicherheit durch eine entsprechende Energiepolitik vermieden werden, spricht man von Energieautarkie.

Energieautarkie auf unterschiedlichen Ebenen und Sektoren

Energieautarkie kann auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Verbrauchssektoren angestrebt werden:

Im Zusammenhang mit Solarstromspeichern wird häufig der Begriff Autarkiegrad verwendet. Damit ist der Anteil des eigenen Stromverbrauchs gemeint, der mithilfe einer Photovoltaikanlage gedeckt werden kann. Dieser Anteil kann durch Einsatz eines zusätzlichen Energiespeichers (in der Regel mit Batterien) deutlich erhöht werden. Eine echte Autarkie liegt hier allerdings nicht nur wegen des begrenzten Autarkiegrads nicht vor, da beispielsweise solche Anlagen oft nicht inselnetzfähig sind, also im Falle eines Stromausfalls nicht funktionieren, und selbst in diesem Falle je nach momentanem Ladezustand der Batterie den Bedarf unter Umständen nur sehr kurzfristig decken könnten.

Kriterien für Autarkie

Es ist nicht immer offensichtlich, welche Situationen als Autarkie angesehen werden können:

Ist man autark, wenn man die Energieversorgung mit eigenen Anlagen durchführt, dabei aber auf Brennstofflieferungen angewiesen ist?

Autarkie kann auch eine Frage des Zeitraums sein. Energiespeicher können zumindest eine kurzzeitige Autarkie ermöglichen.

Offenkundig geht es oft nicht um eine Vollautarkie, sondern nur um Autarkie in einem begrenzten Maß oder Sinn - wobei sich ein Autarkiegrad schwer quantitativ definieren lässt, bzw. quantitative Definitionen oft wenig aussagekräftig sind.

Motivationen für das Streben nach Autarkie

Staaten versuchen häufig zumindest ein begrenztes Maß an Autarkie zu bewahren bzw. zu erreichen, um sich nicht in zu starke politische Abhängigkeiten von anderen Staaten zu begeben und um ihre Wirtschaft weniger verwundbar durch Energiekrisen zu machen.

Bei Unternehmen kann Energieautarkie auch eine Frage des Images sein. Beispielsweise können Hersteller von Photovoltaikanlagen ihren Eigenverbrauch mit Photovoltaik decken und beugen damit dem Verdacht vor, dass ihre Produktion durch versteckte graue Energie gar nicht so umweltfreundlich ist. Auch manche nicht im Energiesektor arbeitende Firmen werben gerne mit einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien, vor allem wenn diese in eigenen Anlagen gewonnen werden.

Die Energiewende privat schneller zu vollziehen, ist ein Ansatz. Ökostrom zu beziehen, ist freilich der einfachere Weg der Ökologisierung.

Privatleute sind oft unzufrieden mit dem Fehlen einer Energiewende in ihrem Land, oder mit dem zu schleppenden Verlauf. Eine mögliche Reaktion darauf ist, sich z. B. von der öffentlichen Stromversorgung unabhängig zu machen, indem man sich durch eine Kombination von Photovoltaik und Solarstromspeicher versorgt (wobei eine echte Autarkie auf diesem Wege nur mit sehr hohen Kosten möglich ist). Ein anderer Ansatz ist, durch Bezug von Ökostrom (mit geeigneten Zertifikaten zur Qualitätssicherung) die Ökologisierung der Stromversorgung zu beschleunigen.

Sollte Autarkie ein eigenes Ziel für die Energiewende sein?

Zu den zentralen Zielen der Energiewende – Vermeidung von Umweltbelastungen (insbesondere Klimaschutz) und eine geringere Abhängigkeit von knapper werdenden fossilen Energieträgern – gehört die Energieautarkie a priori nicht. Jedoch gibt es Verbindungen:

Es gibt nun die Sichtweise, dass die Energieautarkie explizit ein weiteres Ziel der Energiewende sein sollte – und zwar so verallgemeinert, dass es nicht nur darum geht, das Problem der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern anzugehen. Beispielsweise kann gefordert werden, dass auch andere Abhängigkeiten von anderen Ländern – etwa im Zusammenhang mit dem Austausch elektrischer Energie durch Stromnetze – minimiert werden sollten, und zwar auch wo dies nicht ökologisch motiviert werden kann. Dies bedeutet dann, dass Autarkie nicht nur ein willkommener Nebeneffekt der Energiewende, sondern eine zusätzliche Forderung an die Gestaltung derselben ist.

Naturgemäß führen zusätzliche Forderungen oft zu Zielkonflikten, und dies ist auch im Falle der Energieautarkie so:

Energieautarkie ist nicht etwa ein Mittel zur Umsetzung der Energiewende, sondern vielmehr eine Zusatzforderung, die das Erreichen der anderen Ziele (Umweltschutz und Ausstieg aus fossilen Energien) in wichtigen Bereichen sehr viel schwieriger macht.

Sind Umweltschutz und der Ausstieg aus der Nutzung von Kohle, Uran und Erdöl die zentralen Ziele, oder sind wir zu Kompromissen zugunsten von größerer Autarkie bereit?

Wegen solcher Zielkonflikte ist eine bewusste Entscheidung darüber nötig, ob die bisherigen zentralen Ziele der Energiewende – Umweltschutz und Ausstieg aus der Nutzung der fossilen Energieträger – prioritär sein sollen, oder ob man zugunsten der zusätzlichen Forderung nach Autarkie auch eine wesentlich teurere und damit wohl zwangsläufig langsamere Umsetzung der Energiewende akzeptieren würde.

Siehe auch: Energie, Versorgungssicherheit, Energiewende, Supergrid, dezentrale Energieerzeugung, Energiespeicher, Notstromversorgung, Solarstromspeicher, Eigenerzeugung
sowie andere Artikel in den Kategorien Energiepolitik, erneuerbare Energie, Grundbegriffe

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