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Energieeffizienz

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Definition: die effiziente Umwandlung oder Nutzung von Energie

Englisch: energy efficiency

Kategorien: Energieeffizienz, Energiepolitik, Grundbegriffe

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 17.03.2010; letzte Änderung: 01.07.2016

Der Begriff Energieeffizienz hat genau betrachtet unterschiedliche Bedeutungen:

Energieeffizienz ist nicht allein eine Frage der Technik!

Energieeffizienz in diesem zweiten Sinne ist also keine rein technische Angelegenheit, sondern Gegenstand einer umfassenderen Betrachtung, die eine rationelle Energieanwendung anstrebt.

Als ein (allerdings recht grober) quantitativer Indikator für die Energieeffizienz wird manchmal die Energieproduktivität verwendet.

Eine verbesserte technische Energieeffizienz ist einer der Wege zur Realisierung des Energiesparens. Sie kann in Konkurrenz oder als Ergänzung zu anderen Wegen gesehen werden, insbesondere zum Verzicht auf energieaufwendige Dinge (Suffizienz) oder zu Verhaltensänderungen. Ein wesentliches Potenzial liegt in sozialen Innovationen, die Verhaltensänderungen oder eine sparsamere Nutzung von technischen Einrichtungen ermöglichen. Beispielsweise hat es in Japan ein gelockerter Dresscode in Büros ermöglicht, den Einsatz von Klimaanlagen zu reduzieren.

Quantifizierung von Energieeffizienz

In vielen Fällen kann ein Wirkungsgrad die Energieeffizienz eines Geräts oder eines Prozesses quantifizieren. Er ist das Verhältnis von erhaltener Nutzenergie und eingesetzter Energie.

Im Falle von Wärmepumpen und Kältemaschinen geht es um unterschiedliche Energieformen. Bei Kompressionswärmepumpen und Kältemaschinen gibt man eine Leistungszahl (oder für ihr Jahresmittel die Jahresarbeitszahl) an, bei Absorptionswärmepumpen eine Heizzahl.

Motivation für das Streben nach hoher Energieeffizienz

Es gibt unterschiedliche Gründe, eine möglichst hohe Energieeffizienz anzustreben (vor allem im zweiten Sinne gemäß der obigen Unterscheidung). Die typischen Gründe sind:

Andererseits kann das Erreichen hoher Energieeffizienz teure Investitionen erfordern, die nicht immer betriebswirtschaftlich oder volkswirtschaftlich rentabel sind, insbesondere wenn die Preise der Energieträger niedrig sind. In anderen Fällen erfordert die Erhöhung der Energieeffizienz den Verzicht auf einen bestimmten Nutzen (Suffizienz), z. B. den schnelleren und bequemeren Transport.

Die gesamte ökonomische Bilanz ist nicht nur eine Frage des Vergleichs von Energie- und Investitionskosten, sondern hängt auch von vielen weiteren Faktoren ab, etwa von den betrachteten Zeithorizonten, vom Zinssatz und von der relativen Bewertung von Kosten und Schäden für die Konsumenten und für andere Betroffene. Ebenfalls können volkswirtschaftliche Nebeneffekte von Investitionen wie höhere Beschäftigung und technische Innovation berücksichtigt werden. Eine weiter gefasste (nicht nur rein ökonomische) Betrachtung kann zusätzliche Aspekte wie die Gerechtigkeit gegenüber späteren Generationen beachten.

In manchen Situationen gibt es noch ganz andere Gründe für das Streben nach einer hohen Energieeffizienz:

Faktoren, die Energieeffizienz erschweren

In der Praxis wird vielfach bei Weitem nicht die technisch mögliche Energieeffizienz realisiert. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

Eine gute Energieeffizienz erfordert meist Investitionen. Somit wird die Kapitalbeschaffung zum Problem, und hohe Zinsen wie auch ein kurzfristiges Denken sind Hindernisse.

Es wurden diverse Faktoren genannt, die die Realisierung von Energieeffizienzpotenzialen oft auch dann verhindern, wenn die Maßnahmen rentabel wären, also sogar Geld sparen würden. Deswegen sind oft zusätzliche Aufwendungen nötig, um solche Maßnahmen zu veranlassen, beispielsweise durch Informationsmaßnahmen, zusätzliche Vorschriften oder Subventionen. Solche Zusatzaufwendungen werden als Transaktionskosten bezeichnet.

Ein häufig auftretendes Problem, welches die Wirksamkeit von Effizienzmaßnahmen betrifft, sind Rebound-Effekte – siehe hierfür den nächsten Abschnitt.

Energieeffizienz und Klimaschutz; Rebound-Effekte

Energieeffizienz hilft dem Klimaschutz, soweit die Wirkung nicht durch Rebound-Effekte zunichte gemacht wird.

Die Energiepolitik fördert oft die Energieeffizienz mit der Absicht, so mehr Klimaschutz zu erreichen. Die hier gemachte Annahme ist, dass mehr Energieeffizienz den Verbrauch von weniger fossilen Energieträgern bedeutet und somit geringere CO2-Emissionen. Allerdings vermindern Rebound-Effekte die gewünschte Auswirkung: Mehr Energieeffizienz bewirkt häufig auch einen verstärkten Einsatz. Beispielsweise wird ein Auto u. U. mehr gefahren, wenn es weniger Benzin pro Kilometer benötigt. In manchen Fällen steigt der Verbrauch als Folge höherer Effizienz und dann verstärkter Nutzung sogar an (Jevon's Paradoxon).

Für den Klimaschutz wirksam wird Energieeffizienz oft nur in Kombination mit anderen Maßnahmen, die Rebound-Effekte verhindern.

Es ist auch möglich, dass die Energiepolitik nicht direkt bei der Energieeffizienz ansetzt, sondern näher am gewünschten Ziel – etwa mit Emissionshandel im Rahmen von Cap & Trade oder durch die Erhöhung von Energiesteuern. Dann wird Energieeffizienz als eine mögliche Reaktion darauf verstärkt praktiziert werden – neben der Substitution fossiler durch erneuerbare Energien und auch der Suffizienz. Man beachte hierbei den wichtigen Umstand, dass das Ausmaß der politisch machbaren Aktionen (etwa der Verknappung von CO2-Zertifikaten im Emissionshandel) stark davon abhängen kann, in welchem Ausmaß Energieeffizienz-Optionen bestehen, um die negativen Wirkungen abzufedern. Beispielsweise konnten die gesetzlich geforderten Energiestandards für neue Gebäude nur deswegen immer weiter verbessert werden, weil verbesserte Methoden und Materialien z. B. für die Wärmedämmung zur Verfügung stehen.

Zielführend ist also offenkundig nicht das Setzen auf technische Energieeffizienz allein, sondern eine geeignete Kombination von Energieeffizienz (die z. B. durch gesetzliche Anforderungen verbessert werden kann) mit Instrumenten, die am Energieangebot ansetzen (z. B. über Emissionshandel).

Literatur

[1]Irrtümer und Propaganda zum Thema Energieeffizienz
[2]E. U. von Weizsäcker, A. B. Lovins und L. H. Lovins: “Faktor vier. Doppelter Wohlstand – halbierter Verbrauch. Der neue Bericht an den Club of Rome”, Knaur (1997)
[3]E. U. von Weizsäcker, M. Smith und K. Hargroves, “Faktor Fünf: Die Formel für nachhaltiges Wachstum”, Droemer/Knauer (2010)
[4]M. Hänggi, “Fetisch Effizienz”, http://www.mhaenggi.ch/texte/fetisch-effizienz
[5]P. Hennicke und M. Fischedick, “Erneuerbare Energien: Mit Energieeffizienz zur Energiewende”, 2. Auflage, C. H. Beck (2010)
[6]Extra-Artikel: Neue Energiequellen, Effizienztechnologien, oder Verzicht?
[7]http://www.energiesparen-im-haushalt.de/
[8]Deutsche Energie-Agentur, http://www.dena.de/
[9]Initiative EnergieEffizienz, http://www.initiative-energieeffizienz.de/, eine Informations- und Motivationskampagne für mehr Energieeffizienz insbesondere im Strombereich
[10]Energie Zukunft Schweiz, http://www.energiezukunftschweiz.ch/, eine Plattform für die Förderung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz
[11]http://www.energie-bewusstsein.de/ mit Informationen zur effizienten Energienutzung und alternativen Energiequellen

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Energie, Exergie, Wirkungsgrad, Nutzungsgrad, Jahresnutzungsgrad, Energieverlust, Leistungszahl, Heizzahl, Kraft-Wärme-Kopplung, thermodynamisch optimiertes Heizen, Kraftstoff sparen, Klimaschutz, Rebound-Effekt, Energieproduktivität, Energiepolitik, Energiedienstleistung, Energie-Contracting, Gebäudeenergieausweis, Glühlampenverbot, Suffizienz, Substitution, Nachhaltigkeit, Energiesteuer
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Energiepolitik, Grundbegriffe

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