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Energieversorgungsunternehmen

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Akronym: EVU

Definition: ein Unternehmen, welches Energie (z. B. elektrische Energie oder Erdgas) verkauft

Englisch: power company

Kategorien: elektrische Energie, Energiepolitik, Grundbegriffe

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 18.04.2012; letzte Änderung: 15.06.2015

Im Prinzip ist ein Energieversorgungsunternehmen einfach ein Unternehmen, welches im Bereich der Energieversorgung tätig ist. Im Bereich elektrischer Energie können Unternehmen allerdings sehr unterschiedliche Funktionen erfüllen:

Ähnliches gilt für andere Energieformen wie Erdgas, Fernwärme und Nahwärme: Auch dort gibt es die Aufgaben der Erzeugung bzw. Beschaffung, Transport und Endkundenbetreuung.

Im Sinne des deutschen Energierechts ist ein Elektrizitätsversorgungsunternehmen eine natürliche oder juristische Person, die elektrische Energie an Letztverbraucher liefert. Sie muss nicht unbedingt an der Erzeugung beteiligt sein. Ein nur im Bereich Stromerzeugung arbeitendes Unternehmen, welches aber nicht Endkunden beliefert, sondern z. B. nur andere Unternehmung für die Vermarktung, gilt danach nicht als Energieversorgungsunternehmen.

Nicht gebräuchlich ist die Bezeichnung von Lieferanten von anderen Energieträgern wie Benzin oder Heizöl als Energieversorgungsunternehmen.

Vertikal integrierte Energieversorgungsunternehmen

Früher dominierten z. B. in Deutschland vertikal integrierte Energieversorgungsunternehmen, die von der Erzeugung über die Netze bis hin zur Kundenbetreuung alle Funktionen erfüllten. Da sie durch ihre Stromnetze in natürliches Monopol besaßen, welches zudem durch die Aufteilung der Versorgungsgebiete noch zementiert wurde, gab es keinerlei Wettbewerb: Die Kunden waren fest an das EVU gebunden, welches das jeweilige Versorgungsgebiet hatte.

Um Missbräuche zu vermeiden, erfolgte eine staatliche Aufsicht, die auch die Stromtarife überwachte (Strompreisüberwachung): Die Tarife durften nicht so teuer werden, dass die Gewinne der Unternehmen gewisse Grenzen überstiegen. Andererseits konnten Kosten z. B. für Investitionen problemlos auf die Kunden übergewälzt werden. Dies hatte diverse Auswirkungen:

Als eine weitere Auswirkung der Monopole hatten die Kunden der EVU keine Möglichkeit, z. B. zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Die großen EVU hatten auch kaum Interesse, selbst Ökostrom anzubieten. Einspeisungen aus erneuerbaren Energien von dezentralen Anlagen wehrten sie auf verschiedene Weisen ab, da sie solche Aktivitäten als eine unerwünschte Konkurrenz betrachteten. Eine Energiewende wäre unter solchen Umständen schwer realisierbar gewesen.

Liberalisierung der Strommärkte

In den 1990er Jahren begann eine zunehmende Liberalisierung der Strommärkte, und zwar in der gesamten Europäischen Union. Das Hauptziel war die Schaffung eines Wettbewerbs, so dass Marktmechanismen die Effizienz des Gesamtsystems maximieren können:

Als Voraussetzung für den Wettbewerb wurde stufenweise eine Entflechtung der Stromkonzerne durchgesetzt: Die Bereiche Erzeugung, Netze und Vertrieb mussten anfangs nur buchhalterisch getrennt werden, später aber von separaten Gesellschaften durchgeführt werden. Die EVU entwickelten sich dann oft zu Holdings, bestehend aus Gesellschaften für die einzelnen Geschäftsbereiche. Teilweise wurden auch die Übertragungsnetzbetreiber verkauft, u. U. sogar an ausländische Firmen, und wurden damit völlig unabhängig von den ursprünglichen Konzernen. Eine völlige eigentumsrechtliche Entflechtung wird von der EU-Kommission angestrebt.

Eine detaillierte staatliche Aufsicht ist auch in liberalisierten Märkten notwendig, nur dass diese ganz andere Aspekte behandelt als bei den früheren Monopolen:

Die Aufsicht erfolgt in Deutschland durch die Bundesnetzagentur.

Der Erdgas-Sektor

Die Verhältnisse im Bereich Erdgas sind in mancher Hinsicht ähnlich wie im Stromsektor. Hier gibt es ebenfalls Übertragungsnetze und Verteilungsnetze, und im zunehmend liberalisierten Markt eine staatlich durchgesetzte Entflechtung, um einen Wettbewerb zu ermöglichen. Energieversorgungsunternehmen müssen sich wiederum auf gewisse Tätigkeiten konzentrieren und können keine Monopole mehr bilden.

Auch bei Erdgas gibt es dezentrale Einspeisungen z. B. von Biomethan aus Biogas, die ähnlich wie Ökostrom behandelt werden: Ein Händler kann eine gewisse Menge Biomethan einkaufen und Kunden an beliebigen Orten verkaufen, wobei eine Durchleitung durch das Gasnetz erfolgt – wiederum nicht mit einer physischen, sondern nur rechnerischen Zuordnung der Gasmengen.

Politische Aspekte

Viele europäischen Energieversorgungsunternehmens sind ganz oder teilweise in öffentlichem Besitz. Kleinere sind z. B. als Stadtwerke und kommunale Werke organisiert. Sie verfolgen oft nicht nur rein wirtschaftliche Zwecke, sondern auch (politisch gesteuert) ökologische und soziale Ziele. Ihre Tarife können durch eine Mischkalkulation beeinflusst sein.

Die großen EVU sind, auch wenn sie sich im Prinzip in der öffentlichen Hand befinden, nicht unbedingt vom Staat gesteuert, sondern beeinflussen umgekehrt sehr stark die energiepolitischen Entscheidungen (etwa im Zusammenhang mit der Energiewende und der Förderung erneuerbarer Energien), indem sie zielgerichtet als Lobbies auftreten.

Literatur

[1]Extra-Artikel: Wo kommt mein Strom her? – Überlegungen zu Stromherkunft, Ökostrom und dem Klimaschutzeffekt des Energiesparens

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Energie, elektrische Energie, Stromnetz, Ökostrom, Stromtarif, Stromrechnung, Stromanbieterwechsel, Erdgas, Energiepolitik
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Energiepolitik, Grundbegriffe

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