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Ersatzbrennstoff

Definition: ein Brennstoff aus Abfällen, der andere Brennstoffe zumindest teilweise ersetzen kann

Alternative Begriffe: Sekundärbrennstoff, Substitutbrennstoff

Allgemeiner Begriff: Brennstoff

Englisch: surrogate fuel

Kategorien: Energieträger, Wärme und Kälte

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 23.10.2014; letzte Änderung: 22.03.2025

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Ersatzbrennstoffe (auch Substitutbrennstoffe oder Sekundärbrennstoffe) sind Brennstoffe, die aus Reststoffen (Abfällen) gewonnen werden und in bestimmten Feuerungen andere Brennstoffe zumindest teilweise ersetzen (substituieren) können. Ihr Einsatz bedeutet also eine sogenannte energetische Verwertung (oder thermische Verwertung) von Reststoffen anstelle der Ablagerung oder einer stofflichen Verwertung (Recycling oder Downcycling). Hierbei steht nicht immer die Energiegewinnung im Vordergrund, sondern unter Umständen die Beseitigung von Abfällen.

Einige typische Beispiele für Ersatzbrennstoffe werden im Folgenden kurz diskutiert:

  • Holzabfälle und Sperrmüll können oft anstelle von Brennholz (oder zusätzlich zur regulären Brennholz) in dafür geeignete Feuerungen gegeben werden. (Die Verbrennung von Altholz und anderen Abfällen in gewöhnlichen Haushaltsfeuerungen ist allerdings strikt verboten, weil dabei sehr große Mengen teils extrem bedenklicher Schadstoffe freigesetzt werden können.)
  • Alte Autoreifen und Fette werden häufig in Zementwerken verfeuert. Auch Altöl (gebrauchtes Schmieröl), Frittieröle, Klärschlamm und etliche andere Reststoffe können dort verbrannt werden.
  • Hausmüll und auch Gewerbemüll wird heute häufig in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Hier wird allerdings kein konventioneller Brennstoff ersetzt. Umgekehrt kann es vorkommen, dass sogar Heizöl dem Müll zugefügt werden muss, wenn dessen Heizwert für eine stabile Verbrennung zu gering ist. Allerdings dürfte normalerweise nur ein geringer Teil der erzeugten Energie aus dem Heizöl kommen; man kann den Heizwert auch z. B. durch Zugabe von Holzabfällen aufbessern.

Ein etwas anders gelagerter Fall ist die Mitverbrennung (Co-firing) von Holz in Kohlekraftwerken. Hier ist das Holz nicht als Ersatzbrennstoff anzusehen, obwohl ein anderer Brennstoff (Kohle) ersetzt wird; es handelt sich nicht um Abfälle.

Manche Abfälle müssen zunächst in geeigneter Weise aufbereitet werden, um als Ersatzbrennstoff dienen zu können. Beispielsweise können aus überschüssigen Stroh Pellets hergestellt werden, die ähnlich wie Holzpellets verbrannt werden können. In anderen Fällen müssen unerwünschte Zusatzstoffe entfernt werden, beispielsweise metallische oder besonders giftige Anteile von Siedlungsabfällen.

Für Ersatzbrennstoffe gibt es in Deutschland diverse Gütezeichen, die die Qualität von aufbereiteten Reststoffen für den Einsatz als Brennstoffe angeben. Solche Gütezeichen gibt es beispielsweise für Holzabfälle und Klärschlamm.

Vergleich mit der stofflichen Verwertung

Ein Vorteil der energetischen Nutzung von Reststoffen gegenüber einer stofflichen Verwertung ist häufig, dass der Aufwand für Aufbereitung und Sortierung wesentlich geringer ist oder gar ganz entfällt. Damit lassen sich unter Umständen erhebliche Kosten einsparen.

Andererseits treten bei der Verbrennung oft diverse Nachteile auf:

  • Bei der Verbrennung entsteht oft als Folge einer nicht optimalen und auch variablen Zusammensetzung von Reststoffen ein hoher Anteil an Resten wie Asche oder abgeschiedener Flugstaub, die dann anderweitig entsorgt werden müssen. Ein hoher Ascheanteil gilt als nachteilig, ebenfalls ein hoher Chlorgehalt, der die Bildung diverser Schadstoffe (u. U. sogar Dioxine und Furane) fördert. Oft gibt es eine relativ hohe Schadstoffbelastung der Abgase.
  • Auch bei schadstoffarmer Verbrennung entstehen klimaschädliche Kohlendioxidemissionen, die bei einer stofflichen Verwertung vermieden würden. Allerdings sind hierbei vermiedene Emissionen durch Einsparung anderer Brennstoffe anzurechnen.
  • Auch wenn die thermische Verwertung eine gewisse Energieausbeute ergibt, ist diese meist deutlich geringer als die Energieeinsparung, die durch eine stoffliche Verwertung möglich wäre.

Die Abgasproblematik kann gegebenenfalls durch eine entsprechende Abgasnachbehandlung z. B. mit Filtern und Staubabscheidern entschärft werden, was jedoch oft mit einem erheblichen Aufwand bei Anschaffung und Betrieb verbunden ist.

Siehe auch: Brennstoff, Mitverbrennung, Substitution, Holz

Fragen und Kommentare von Lesern

07.04.2024

Woher stammt die Information, dass in Müllverbrennungsanlagen Heizöl zugefeuert werde? Der Satz "Umgekehrt kann es vorkommen, dass..." suggeriert, dass dies der Fall sei. De facto liegt der Heizwert der eingesetzten Siedlungsabfälle regelmäßig so hoch, dass die Verbrennung selbstgängig erfolgt. Die mit Öl oder Gas betriebene Stützfeuerung wird nur zum An- oder Abfahren der Anlagen eingesetzt.

Weiterhin erzeugen alle Abfallverbrennungsanlagen in Deutschland (und vermutlich auch alle in Europa) einen Überschuss an nutzbarem Strom und/oder Wärme, durch die durchaus Regelbrennstoffe ersetzt werden. Einen Überblick gibt z. B. die Website der ITAD als dem Verband der Betreiber thermischer Abfallbehandlungsanlagen.

Antwort vom Autor:

Ein Beispiel für die Verwendung von Heizöl (wenn auch in relativ geringem Umfang) ist das Müllheizkraftwerk Bremen, siehe Wikipedia.

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