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Flottenverbrauch

Definition: der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch einer Fahrzeugflotte

Englisch: fleet consumption

Kategorien: Energieeffizienz, Energiepolitik, Fahrzeuge

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 19.01.2018; letzte Änderung: 31.03.2019

Unter einem Flottenverbrauch versteht man den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch einer Fahrzeugflotte. Hierbei kann es sich um unterschiedliche Arten von Fahrzeugflotten handeln, etwa um den Fahrzeugbestand eines Taxiunternehmens oder die von einem Hersteller verkauften Fahrzeuge, wobei sich die Art der Berechnung und Verwendung solcher Werte recht unterschiedlich sein kann. Obwohl die Definition des Flottenverbrauchs sehr einfach erscheinen mag, treten in Aussagen über Flottenverbräuche häufig große Unklarheiten auf; diverse Details werden deswegen im Folgenden erklärt.

Flottenverbrauch eines Unternehmens

Der tatsächliche Flottenverbrauch z. B. eines Unternehmens kann dadurch ermittelt werden, dass man z. B. den gesamten Kraftstoffverbrauch des Fuhrparks in einem Jahr durch die insgesamt gefahrene Strecke dividiert. (Manchmal wird die Flotte hierbei auch unterteilt, etwa in Fahrzeuge für den Außendienst und Fahrzeuge für interne Zwecke, oder in PKW und Lieferfahrzeuge.) Die benötigten Daten können beispielsweise aus Fahrtenbüchern gewonnen werden, in denen auch Tankvorgänge protokolliert werden – soweit nicht ohnehin nur eigene Zapfsäulen zum Tanken verwendet werden, deren Gesamtabgabe protokolliert werden kann. Normalerweise führen solche Methoden zu recht genauen Resultaten.

Erheblich abweichende Resultate wären möglich, wenn man beispielsweise Normverbrauchswerte anstelle tatsächlicher Verbrauchsdaten verwendete (wie im nächsten Abschnitt diskutiert) oder die tatsächlichen Fahrleistungen der unterschiedlichen Fahrzeuge nicht berücksichtigte. Die Fahrleistungen sind wichtig: Natürlich kann der Flottenverbrauch beispielsweise durch einen Anteil besonders sparsamer Fahrzeuge überproportional gesenkt werden, wenn diese besonders häufig eingesetzt werden.

Der ermittelte Flottenverbrauch kann nützlich sein, um beispielsweise zu untersuchen, ob der Fuhrpark des Unternehmens bezüglich der Energieeffizienz dem Stand der Technik entspricht bzw. inwieweit ein Verbesserungspotenzial durch Anschaffung verbrauchsgünstigerer Fahrzeuge besteht. Solche Daten können auch in die Kommunikation eines Unternehmens einfließen, beispielsweise in den jährlich veröffentlichten Umweltbericht.

Natürlich können solche Flottenverbräuche nicht nur für Fahrzeuge ermittelt werden, sondern auch beispielsweise für Schiffe oder Flugzeuge. Beispielsweise kann für eine Flugzeugflotte der Kraftstoffverbrauch pro Personenkilometer oder pro Sitz und Kilometer von Interesse sein, wobei erstere Variante auch von der Auslastung abhängt.

Flottenverbrauch eines Fahrzeugherstellers

Der Flottenverbrauch eines Fahrzeugherstellers bezieht sich auf verkaufte Fahrzeuge. Er kann nicht auf der Basis tatsächlicher Verbrauchswerte berechnet werden, da die Verbrauchsdaten der Fahrzeuge nach dem Verkauf vom Hersteller kaum ermittelt werden könnten. Deswegen basieren solche Berechnungen auf Normwerten für den Kraftstoffverbrauch, wie sie mit offiziellen Messverfahren für Kraftstoffverbrauch und Abgaswerte ermittelt wurden. Leider sind solche Normwerte für den Praxisverbrauch nicht sehr aussagekräftig, da die Hersteller eine Reihe von Tricks entwickelt haben, um relativ günstige Normverbrauchswerte zu erzielen, die häufig weit unter dem Praxisverbrauch liegen. (Siehe den Artikel über Messverfahren für Kraftstoffverbrauch und Abgaswerte.) In der Praxis um 30 % höhere Verbrauchswerte sind keineswegs selten.

Teils wird behauptet, der Flottenverbrauch eines Fahrzeugherstellers ergebe sich als ein Durchschnitt über die angebotenen Fahrzeugmodelle. Dies ist jedoch irreführend, da die Verkaufszahlen der jeweiligen Modelle natürlich berücksichtigt werden müssen; es muss also ein gewichteter Mittelwert berechnet werden mit den Verkaufszahlen als Gewichtsfaktoren.

Ein Hersteller kann den Flottenverbrauch also auch ohne jegliche technische Verbesserung der angebotenen Modelle senken, indem er durch entsprechendes Marketing und eine geeignete Preisgestaltung die Verkäufe der sparsamsten Modelle besonders fördert. Leider scheint in der Praxis häufig des Gegenteil zu geschehen, da beispielsweise mit viel Kraftstoff verbrauchenden SUVs viel Geld verdient werden kann; solche Modelle suggerieren durch ihre massige Form einen hohen Wert, obwohl die Herstellungskosten z. B. durch Verzicht auf Leichtbau (also Verwendung billigerer Materialien) relativ niedrig gehalten werden können.

Zusammenhang mit den CO2-Emissionen

Im Prinzip läge es nahe, einen Flottenverbrauch wie bei einzelnen Fahrzeugen in Litern pro 100 km anzugeben. Jedoch ist dies problematisch, wenn unterschiedliche Kraftstoffe wie Benzin und Dieselkraftstoff, die sich in ihrem spezifischen Energiegehalt deutlich unterscheiden, verwendet werden. Deswegen werden anstelle des eigentlichen Kraftstoffverbrauchs häufig die CO2-Emissionen (in Gramm pro Kilometer, g/km) angegeben. Dahinter steckt die Einsicht, dass der Energiegehalt der unterschiedlichen Kraftstoffe recht gut mit den entstehenden CO2-Emissionen korreliert; insbesondere ergeben sich bei Benzin und Dieselkraftstoff ziemlich genau die gleichen CO2-Emissionen, wenn man Mengen miteinander vergleicht, die den gleichen Energieinhalt (Heizwert) haben. Zudem sind die klimaschädlichen CO2-Emissionen auch umweltpolitisch besonders relevant (→ Klimaschutz).

Das beschriebene Verfahren wird insbesondere für EU-Verordnungen zum Flottenverbrauch eingesetzt; es werden mit der Zeit sinkende CO2-Emissionen verlangt, was automatisch zu einem entsprechend niedrigeren Kraftstoffverbrauch führen wird. Allerdings wird der Zusammenhang zwischen Flottenverbrauch und CO2-Emissionen durch diverse Details der Regulierungen wieder aufgeweicht, insbesondere im Zusammenhang mit Elektroautos, wo die Emissionen der Stromerzeugung unberücksichtigt bleiben und sogenannte Supercredits (auch für Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid) auf dem Papier eine stärkere Absenkung der Emissionen entsteht, als sie tatsächlich erreicht wird.

Siehe auch: Kraftstoff, Messverfahren für Kraftstoffverbrauch und Abgaswerte, Kohlendioxid, Klimaschutz, Elektroauto
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Energiepolitik, Fahrzeuge

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Kommentare von Lesern

12.03.2019

Super Artikel! Der Vollständigkeit halber aber bitte die Aussage korrigieren, dass eine Aufweichung der Regulation darin bestehe, dass “insbesondere im Zusammenhang mit Elektroautos, ... die Emissionen der Stromerzeugung unberücksichtigt bleiben ...”. Das ist richtig so, da auch die Prozessemissionen für die Bereitstellung von Diesel/Benzin nicht berücksichtigt werden. Es werden nur die direkten Emissionen am Fahrzeug betrachtet.

Antwort vom Autor:

Die Emissionen für die Bereitstellung von Kraftstoffen fallen allerdings deutlich nicht so stark ins Gewicht wie diejenigen der Stromerzeugung für Elektroautos, soweit kein Ökostrom verwendet wird. Deswegen hat die derzeitige Bevorzugung von Elektroautos beim Flottenverbrauch leider die Folge, dass die Gesamtemissionen umso höher werden, je höher der Anteil von Elektroautos wird – außer man würde die emissionsfreie Stromerzeugung zusätzlich ankurbeln. Derzeit zielt das Engagement der deutschen Bundesregierung aber eher in die gegenteilige Richtung.

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