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Staatlich geförderte Solarstromspeicher – eine sinnvolle Ergänzung zur Photovoltaik?

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Datum: 2013-04-19

Dieser Artikel ist auch geeignet als ein Ratgeber für Betreiber von PV-Anlagen, die die Nachrüstung eines Batteriespeichers erwägen. Dazu kursieren leider sehr unseriöse Bewertungen. Hier wird die Sache analysiert, und es ergeben sich sehr kritische Schlussfolgerungen.

Kürzlich wurde bekannt, dass das schon länger geplante Marktanreizprogramm für Solarstromspeicher in Deutschland nun anläuft. Dies bedeutet, dass die Ergänzung sowohl neuer als auch bestehender Photovoltaikanlagen durch einen Solarstromspeicher über die KfW finanziell gefördert wird. Angesichts dazu kursierender Propaganda, die viele Interessenten völlig irreführen dürfte, erscheint ein Artikel, der die Lage seriös analysiert, sehr dringlich. Denn selbst wer diverse Ratgeber oder einen Leitfaden zu solchen Stromspeichern durchgelesen hat, ahnt oft noch nicht, wie unausgereift dieses Konzept ist. Diverse Kritik an Solarstromspeichern (z. B. vom Öko-Institut, dem BDEW, der Deutschen Energieagentur und dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg) ist bereits aufgetaucht, aber z. T. zu wenig ausformuliert und deswegen wenig beachtet worden.

Da die Details des Marktanreizprogramms z. B. in Ref. [1] und [2] beschrieben sind, sollen hier nur kurz die Eckpunkte genannt werden:

Solarstromspeicher werden nun vom Staat gefördert – insbesondere durch einen Tilgungszuschuss von maximal 30 % in der ursprünglichen Fassung, inzwischen weniger.

(Selbstverständlich kann vom Autor keine Garantie für die Richtigkeit all dieser Bedingungen gegeben werden, die auch noch Änderungen erfahren könnten.)

Das angestrebte Ziel aus energiewirtschaftlicher Sicht

Die Vergleichmäßigung der Erzeugung ist hilfreich; die Frage des Eigenverbrauchs ist freilich energiewirtschaftlich kaum relevant.

Zweifellos können Solarstromspeicher – wenn man von den Kosten einmal völlig absieht – einen hilfreichen Beitrag für die Energiewirtschaft bringen. Insbesondere können sie einen Teil der PV-Erzeugung von den Mittagsstunden in die Morgen- oder Abendstunden verschieben, so dass man dem Bedarf damit besser entspricht. Dass der Anteil des Eigenverbrauchs dadurch deutlich steigt, ist aus energiewirtschaftlicher Sicht weniger relevant als häufig angenommen: Ob etwa der Betreiber einer Anlage seinen eigenen Strombezug zu gewissen Zeiten reduziert oder aber diese Energie einspeist, so dass sie von seinen Nachbarn verbraucht wird, ist letztlich nicht entscheidend.

Heute gibt es gar kein wirkliches Problem, das mit Solarspeichern gelöst werden könnte; man kann bisher einfach die Mittellastkraftwerke entsprechend regeln. Wenn der Photovoltaik-Ausbau allerdings schnell weitergeht, wird es in einigen Jahren durchaus zu Überkapazitäten zur Mittagszeit kommen. Dann hätten Energiespeicher tatsächlich einen Nutzeffekt.

Eine andere Frage ist, ob die ergriffene Maßnahme sinnvoll ist, um das Ziel zu erreichen. Genauer: Ist es der vernünftigste Ansatz, oder gäbe es bessere Lösungen dafür? Es ist nun ziemlich offensichtlich, dass es in der Tat viel vernünftigere Lösungen gäbe:

Kommunale Batteriespeicher wären gleichzeitig nützlicher und billiger.

Andere Speichertechnologien sind ebenfalls viel günstiger als Batteriespeicher – nur eben nicht für dezentrale Speicher nutzbar.

Es wird nun aber allein schon für die staatliche Förderung, die ja nur den kleineren Teil der Investitionskosten deckt, ein Mehrfaches von dem ausgegeben, was für einen ähnlich großen Lösungsbeitrag z. B. mit Pumpspeicherkraftwerken oder auch Druckluftspeicherkraftwerken insgesamt an Investitionen nötig wäre. Es ist erstaunlich, dass dieser wichtige Aspekt immer wieder unter den Teppich gekehrt wird, während man fleißig alle tatsächlichen und vermeintlichen Vorteile der Solarstromspeicher auflistet.

Die Lage des Betreibers

Wie sieht es nun aus betriebswirtschaftlicher Sicht aus? Betrachten wir das anhand des Beispiels A aus der Analyse des BSW-Solar [2] (Stand 2013):

Schon eine grobe Abschätzung, die diverse negative Punkte unterschlägt, zeigt eine katastrophale wirtschaftliche Bilanz.

Die erzielten Einsparungen durch Eigenverbrauch statt Einspeisung sind marginal im Vergleich zu den hohen Investitionen. Selbst wenn es gar keine Einspeisevergütung mehr gäbe, könnte man die Investition kaum amortisieren.

Im Beispiel B von BSW-Solar sieht es zwar weniger schlimm aus, aber noch lange nicht gut:

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Lage also ziemlich katastrophal. Dabei wurden diverse negative Aspekte noch gar nicht berücksichtigt:

Man vergleiche diese Lage mit den Anpreisungen von Herstellern und anderen Protagonisten dieser Technologie. Es wird sehr häufig suggeriert, dass sich eine solche Investition lohnt, oder zumindest dass es sich “für immer mehr Menschen” lohnt. Dabei kann man kaum einen Musterfall konstruieren, in dem die Rechnung aufgeht. Viele Interessenten dürften durch solche unseriösen Anpreisungen irregeführt werden.

Entsteht ein ökologischer Mehrwert?

Es stellt sich aber auch generell die Frage, ob der Betreiber einer PV-Anlage mit seiner unwirtschaftlichen Investition wenigstens einen ökologischen Mehrwert erzeugt. Auch dies ist höchst fraglich:

Kommt es für einen Idealisten in Frage, viele Geld ein eine Technologie zu investieren, deren ökologischer Mehrwert ziemlich fraglich ist? Wenn gleichzeitig viel nutzbringendere Investitionen möglich wären?

Wer investieren möchte, um einen Beitrag zu Klimaschutz und sonstigem Umweltschutz zu leisten, wird leicht andere Möglichkeiten finden, die ein weitaus besseres Kosten/Nutzen-Verhältnis aufweisen. Ein Beispiel ist die energetische Sanierung von Gebäuden. Dies betrifft zwar mehr den Wärmesektor, ist aber sicher sinnvoller. Auch im Stromsektor gäbe es Maßnahmen, z. B. die Ausmusterung von Elektroheizungen, was nebenbei auch noch einen guten Effekt zur Entlastung der Stromnetze hätte – und zwar besonders an kalten Wintertagen, wo die Versorgungssituation am ehesten kritisch wird.

Fazit

Diverse Schlussfolgerungen drängen sich auf:

Der Erfolg der Energiewende ist nur möglich mit Maßnahmen, die betriebs- und volkswirtschaftlich langfristig sinnvoll sind, einen klaren ökologischen Nutzen bieten und anderen Möglichkeiten überlegen sind. Für Solarstromspeicher ist dies alles nicht der Fall.

Übrigens haben wir nützliche Ratgeber-Artikel auch zu diversen anderen Themen im Energiebereich.

Literatur

[1]Richtlinien zur Förderung von stationären und dezentralen Batteriespeichersystemen zur Nutzung in Verbindung mit Photovoltaikanlagen, deutsches Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
[2]Informationen zur Förderung von Solarstrom-Speichern von BSW-Solar, Stand 17.04.2013, http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/media/pdf/Speicherprogramm_Hintergrundpapier.pdf
[3]Extra-Artikel: Solarstromspeicher – bedingt wirtschaftlich?

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Solarstromspeicher, Batterie, Photovoltaik, Einspeisevergütung, Eigenverbrauch

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