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Gaskondensat

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Akronym: NGL = natural gas liquids

Definition: Anteile von Roherdgas, die bei Zimmertemperatur und Normaldruck flüssig sind

Englisch: gas condensate

Kategorie: Energieträger

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 22.01.2013; letzte Änderung: 05.02.2015

Das Rohgas, das bei der Erdgasförderung anfällt, enthält häufig zum Teil auch etwas schwerere Kohlenwasserstoffe, die bei Zimmertemperatur unter mäßigem Druck als Gaskondensat abgeschieden werden können. Typische Inhaltsstoffe dieses Erdgasbegleitprodukts sind lineare Alkane (Pentan und schwerere Moleküle), Cycloalkane sowie Aromaten. Hinzu kommen Schwefelverbindungen (auch Schwefelwasserstoff = H2S) sowie Wasser.

Gewinnung von Gaskondensat

Um das Gaskondensat vom Rohgas abzutrennen, sendet man das Rohgas gekühlt unter Druck in einen Separator, d. h. einen Behälter, dem am unteren Ende die flüssigen Anteile entnommen werden und im oberen Teil die gasförmigen. Eine weitere Separation des flüssigen Anteils erfolgt in einem zweiten Separator bei niedrigerem Druck, wo ein Teil den Kondensats wieder verdampft und nach erneuter Kompression als Erdgas verwendet wird. Wasser wird weitestgehend abgetrennt, was wegen der erheblich geringeren Dichte des Kondensats einfach ist.

Unterscheidung zwischen Gaskondensat und ähnlichen Stoffen

Gaskondensat ist zu unterscheiden von Flüssiggas, obwohl z. B. Propan und Butan in beiden enthalten sind. Flüssiggas ist ein Endprodukt, Gaskondensat dagegen ein Zwischenprodukt. Flüssiggas verdampft bei Normaldruck und Zimmertemperatur vollständig, während Gaskondensat auch Stoffe wie Pentan enthält, die bei Normaldruck und Zimmertemperatur flüssig bleiben.

Flüssigerdgas ist völlig anders als Gaskondensat. Es entsteht zwar durch Kondensation von Erdgas, aber erst bei sehr tiefen Temperaturen.

Verwirrend ist, dass auch Methanhydrat gelegentlich als Gaskondensat bezeichnet wird (z. B. in der Wikipedia). Hier handelt es sich um Methan, welches in erstarrtem Wassereis eingelagert ist. Methanhydrat ist also fest und nicht etwa flüssig wie ein Kondensat, und es entsteht nicht einfach durch Kondensation von Methan, was nur bei viel tieferen Temperaturen geschähe. Von daher erscheint dieser Wortgebrauch als unangemessen und wird im Folgenden vermieden.

Verwendung des Gaskondensats

Die Zusammensetzung des Gaskondensats ähnelt der der leichtesten Fraktion bei der Erdöldestillation. Deswegen wird das Gaskondensat meist einer Erdölraffinerie zugeführt und dort z. B. zu Benzin verarbeitet. Zum Erreichen einer ausreichend hohen Klopffestigkeit müssen allerdings noch schwerere Komponenten beigemischt werden. In frühen Jahren der Automobile wurde Gaskondensat auch direkt als Kraftstoff eingesetzt, was bei denen damals mit niedriger Verdichtung arbeitenden Ottomotoren möglich war.

Wirtschaftliche Bedeutung des Gaskondensats

Da die Erdgasförderung weltweit stark zugenommen hat, fallen auch zunehmende Mengen von Gaskondensat an. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) war die globale Produktion in 2010 bereits 11 Millionen Barrel pro Tag. Vom Energiegehalt her dürfte dies grob geschätzt rund 10 % der globalen Rohölförderung entsprechen. Dies bedeutet, dass Gaskondensate eine wichtige Ergänzung zum Rohöl geworden sind. Ihre Bedeutung dürfte noch weiter zunehmen.

Überraschenderweise wird das Potenzial des Gaskondensats in der Öffentlichkeit viel weniger wahrgenommen als das von Ölsanden und Ölschiefern, obwohl das Gaskondensat in Wirklichkeit wesentlich bedeutender ist als jene.

Eine Verwirrung kann dadurch entstehen, dass z. B. der “BP Statistical Review of World Energy” das Gaskondensat zur Erdölförderung zählt, obwohl es eigentlich bei der Erdgasförderung anfällt. Diese Praxis führt zu wesentlich höheren Erdölmengen als die von anderen Quellen, die Gaskondensat nicht mitzählen, sowie zu einer deutlichen Verschiebung von Peak Oil.

Siehe auch: Erdgas, Erdöl, Methanhydrat, Flüssiggas
sowie andere Artikel in der Kategorie Energieträger

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