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Glühlampenverbot

Definition: ein ungenauer Ausdruck für das Zurückdrängen von Glühlampen über strengere Energieeffizienzvorschriften

Englisch: incandescent lamp phase-out

Kategorien: Energieeffizienz, Energiepolitik, Haustechnik, Licht und Beleuchtung

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 02.06.2012; letzte Änderung: 03.11.2018

Das Glühlampenverbot ist ein etwas ungenauer Begriff für das Zurückdrängen von herkömmlichen Glühlampen (inzwischen auch von Halogenlampen) durch verschärfte Effizienzvorschriften, beispielsweise in der EU über die Ökodesign-Richtlinie. Solche Effizienzvorschriften gelten für gängige Leuchtmittel (nicht für diverse Speziallampen) und sind mittlerweile so streng, dass sie von Glühlampen nicht mehr erfüllt werden können. Dies resultiert dann effektiv in einem Verbot der Glühlampen, jedenfalls für die wichtigsten Einsatzzwecke.

Im Folgenden wird erläutert, warum Glühlampen zurückgedrängt werden sollen, warum staatliche Maßnahmen zur Beschleunigung des Übergangs eingesetzt werden, welche Nachteile dadurch entstehen und welche Widerstände auftreten.

Gründe für den Ersatz von Glühlampen durch Energiesparlampen

Glühlampen stehen in Konkurrenz mit einer Reihe anderer Leuchtmittel – insbesondere mit Energiesparlampen auf der Basis von Kompaktleuchtstofflampen oder auch Leuchtdioden (LEDs). Im Vergleich zu diesen weisen Glühlampen eine massiv niedrigere Energieeffizienz auf; sie brauchen im Betrieb typischerweise rund 4 bis 5 mal mehr elektrische Energie und somit auch Primärenergie als die genannten Alternativen. (In manchen Fällen ist die Einsparung sogar noch wesentlich höher wegen der besser gerichteten Lichtabstrahlung.) Deswegen führt der Ersatz von Glühlampen durch Energiesparlampen zu wesentlichen Einsparungen an Primärenergie (insoweit dies nicht durch Rebound-Effekte zunichte gemacht wird) und somit auch zur Reduktion von Abgasemissionen in Kraftwerken. Da Beleuchtung größtenteils in den Morgen- und Abendstunden benötigt wird und nur wenig am Mittag oder nachts, wird die elektrische Energie hierfür weitgehend in Mittellast-Kraftwerken erzeugt, die z. B. in Deutschland zu einem wesentlichen Teil Kohlekraftwerke sind. Stromeinsparungen im Beleuchtungssektor führen deswegen zur überproportionalen Reduktion der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken und somit zu entsprechenden Reduktionen von klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen. Hinzu kommen verminderte Emissionen diverser giftiger Schwermetalle in den Kraftwerksabgasen – beispielsweise von Quecksilber, Chrom, Cadmium und Blei – und auch von radioaktiven Substanzen, die ebenfalls in Spuren in der Kohle vorkommen.

Vorteile von Glühlampen sind dagegen, dass deren Herstellung kostengünstig und wenig materialintensiv ist, und dass keine giftigen Substanzen benötigt werden, so dass auch die Entsorgung unproblematisch ist. Die Herstellung von Energiesparlampen ist dagegen wesentlich aufwendiger und verlangt auch einen höheren Energieeinsatz (mehr graue Energie). Jedoch zeigen Umweltbilanzen klar, dass dies zu einem guten Teil (teils sogar vollständig) bereits durch die erheblich längere Lebensdauer der Energiesparlampen ausgeglichen wird, und vor allem dass der Energieaufwand im Betrieb weitaus wichtiger ist (siehe Tabelle 1). Die Vorteile der Energiesparlampen im Betrieb werden also allenfalls geringfügig reduziert durch vermehrten Aufwand für die Herstellung und auch für die Entsorgung. Ähnliches gilt für Leuchtdioden (LEDs), die übrigens auch nur einen relativ geringen Materialaufwand verursachen; die darauf basierenden Lampen sind oft sogar wesentlich kompakter und leichter.

Das Zurückdrängen von Glühlampen trägt nicht nur deutlich zum Klimaschutz und allgemein zum Umweltschutz bei, sondern ermöglicht auch finanzielle Einsparungen. Die Anschaffungskosten für Energiesparlampen und LED-Lampen sind zwar wesentlich höher als die für die billigen Glühlampen. Über die erzielte Stromkosteneinsparung erzielen die Konsumenten trotzdem erhebliche Einsparungen. Für einen typischen Haushalt liegt dies in der Größenordnung von 100 € jährlich. Da Klimaschutz so also sogar mit finanziellen Einsparungen kombiniert werden kann, liegt hier ein Fall mit negativen CO2-Vermeidungskosten vor. Dies trifft zwar nicht für jede einzelne Lampe zu, da es z. B. selten benutzte Lampen gibt, wo sich der Ersatz nicht lohnt. Für die große Mehrheit der Lampen und somit auch für den Durchschnitt aller Lampen tritt jedoch die genannte Einsparung auf.

Leuchtmittel Glühlampen Energiesparlampen
Herstellung und Entsorgung 5 Glühlampen 60 W
4 kWh
kein Quecksilber
1 Energiesparlampe 15 W
7,5 kWh
ca. 3 mg Quecksilber
Betrieb mit Kohlestrom 300 kWh
100 kg Steinkohle
ca. 10 mg Quecksilber in der Umwelt
75 kWh
25 kg Steinkohle
ca. 2,5 mg Quecksilber in der Umwelt

Tabelle 1: Aufwand für Herstellung und Betrieb für 5000 Stunden Licht mit unterschiedlichen Leuchtmitteln. Die Herstellung und Entsorgung einer Energiesparlampe benötigt zwar deutlich mehr Energie als die von fünf Glühlampen. (Die Zahlen stammen von Hessen Energie und sind vermutlich nur grobe Schätzungen.) Jedoch ist der Energieaufwand im Betrieb für die Gesamtbilanz viel wichtiger. Selbst wenn nur ein Teil des Stroms aus Kohlekraftwerken stammt, ist die Umweltbelastung mit Glühlampen viel höher. Dies gilt auch für Quecksilber, auch wenn die hier grob geschätzten Quecksilbermengen je nach Kraftwerk stark variieren können. Das von den Kraftwerken emittierte Quecksilber wird in der Umwelt fein verteilt; das in den Lampen könnte (und sollte) durch geeignete Behandlung zurückgehalten werden.

Warum agieren die Konsumenten nicht schon ohne ein Glühlampenverbot?

Nach stark vereinfachten ökonomischen Theorien müssten die Konsumenten bereits ohne zusätzliche staatliche Maßnahmen den weitgehenden Ersatz von Glühlampen durch Energiesparlampen vollziehen, da er ja in ihrem Interesse ist. Trotzdem wurde beobachtet, dass der Glühlampenersatz ohne weitere Maßnahmen nur sehr schleppend verläuft. Dies liegt nur zu einem geringen Teil daran, dass manche Glühlampen nicht oder nicht sinnvoll ersetzt werden könnten:

Das Hauptproblem dürfte jedoch ein Mangel an sachlich fundierter Information sein:

Da sich diese Informationslücken für Teile der Bevölkerung selbst mit aufwendigen Informationskampagnen nur schwer beseitigen lassen, hat man auf EU-Ebene entschieden, den Umstellungsprozess durch die Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie (siehe unten) zu beschleunigen. Die Anforderungen an die Energieeffizienz von Leuchtmitteln werden also stufenweise so verschärft, dass die ineffizienten Glühlampen nicht mehr produziert oder verkauft werden dürfen – beginnend mit den höheren Leistungsklassen und zunehmend auch für schwächere Lampen. Die Nachteile eines Glühlampenverbots, die unten näher beschrieben werden, werden angesichts der erheblichen Primärenergieeinsparung, die auch eine volkswirtschaftliche, energiepolitische und ökologische Dimension hat (siehe oben), in Kauf genommen. Es gäbe zwar durchaus andere Klimaschutzmaßnahmen mit größerem Wirkungspotenzial. Jedoch bedeuten die negativen CO2-Vermeidungskosten des Glühlampenverbots, dass zusätzliche andere Maßnahmen nicht etwa behindert, sondern eher noch unterstützt werden.

Ähnliche politische Entscheidungen wurden auch außerhalb der EU gemacht – etwa in der Schweiz, in den USA, Australien, Neuseeland und zuletzt auch China, nachdem Fachleute dort zu den gleichen Schlüssen kamen.

Der Entscheidungsprozess in der EU

Von gewissen Kreisen wird behauptet, die EU habe die Entscheidung für das “Glühlampenverbot” (die Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie im Bereich Beleuchtung) auf undemokratische Weise durchgesetzt – als Beschluss einer Kommission geheimer Zusammensetzung, die von Lobbyisten der Lampenindustrie manipuliert worden sei. Dies steht allerdings in krassem Gegensatz zu den Tatsachen:

Hieraus ist ersichtlich, dass der Vorwurf eines undemokratischen Verfahrens haltlos ist.

Nachteile und denkbare Einschränkungen der Wirksamkeit des Glühlampenverbots

Eine negative Auswirkung des Glühlampenverbots ist, dass der Ersatz von Glühlampen auch in einigen Situationen erzwungen wird, wo er nicht sinnvoll ist. Wie bereits erwähnt, lohnt er sich weder ökonomisch noch ökologisch für Leuchten, die jeweils nur kurz und nicht allzu oft eingeschaltet werden. Eine Zeit lang konnten hierfür noch Halogenlampen eingesetzt werden, deren etwas höherer Kaufpreis (im Vergleich zu einfachen Glühlampen) keine wesentlichen wirtschaftlichen Nachteile verursacht, denen häufiges Schalten weniger schadet als Glühlampen, und die immerhin rund 30 % Energieeinsparung ermöglichen. Seit September 2018 sind jedoch auch die meisten Halogenlampen verboten; inzwischen sind sie allerdings auch wesentlich besser durch LED-Lampen ersetzbar, die im Preis stark gesunken sind und auch deutlich mehr Lichtleistung bieten als noch vor wenigen Jahren.

Ein grundsätzlicherer Einwand ist, dass die Entscheidungsfreiheit der Konsumenten beschnitten wird. Zwar führt diese Entscheidungsfreiheit nachweislich zu vielfachen objektiv unsinnigen Entscheidungen und daraus resultierenden Nachteilen – z. B. zu Mehrkosten wegen falscher Abwägung von Anschaffungs- und Betriebskosten, oder zu unnötigen Quecksilber-Emissionen in Kraftwerken wegen übertriebener Angst vor Quecksilber in Lampen. Je nach ideologischer Ausrichtung kann diese Entscheidungsfreiheit aber trotzdem höher gewichtet werden als ihre negativen Folgen; für diese Abwägung gibt es kein objektiv richtiges Resultat.

Weitere oft angeführte Nachteile und Einschränkungen erweisen sich als wenig bedeutsam oder unbelegt:

Widerstand von Glühlampenrettern

Trotz der relativ klaren Sachlage hat sich ein Lager von Glühlampenrettern formiert, welche das Glühlampenverbot und die Einführung von Energiesparlampen bekämpfen. Die von dieser Seite vorgebrachten Einwände wurden oben diskutiert und sind zum größten Teil wenig stichhaltig, weswegen sie auch im EU-Konsultationsverfahren eine große Mehrheit von Fachleuten nicht überzeugen konnten. Nach dieser Niederlage verfolgen viele Glühlampenretter ihre Ziele mit den folgenden Methoden weiter:

Literatur

[1]Extra-Artikel: Energiesparlampen: tödliche Gefahr durch Quecksilber?
[2]Extra-Artikel: Sind Energiesparlampen und Leuchtstofflampen gesundheitsschädlich?
[3]Extra-Artikel: Bulb Fiction: ein Propagandafilm gegen die Energiesparlampe
[4]Project report Lot 19: Domestic lighting
[5]“Phasing out incandescent bulks in the EU. Technical briefing”, ein Dokument der EU-Kommission, http://ec.europa.eu/energy/efficiency/ecodesign/doc/committee/2008_12_08_technical_briefing_household_lamps.pdf
[6]Physik konkret: Artikel zum Glühlampenausstieg

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Glühlampe, Energiesparlampe, Klimaschutz, CO2-Vermeidungskosten
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Energiepolitik, Haustechnik, Licht und Beleuchtung

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