www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Grünstromprivileg

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: die Befreiung von der EEG-Umlage für gewisse Energieversorgungsunternehmen

Englisch: a financial advantage for certain electrical energy producers

Kategorien: elektrische Energie, Energiepolitik, erneuerbare Energie

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 16.09.2013; letzte Änderung: 24.05.2015

Das Grünstromprivileg gab es nur bis zur EEG-Reform in 2014.

In Deutschland tätige Energieversorgungsunternehmen im Bereich der elektrischen Energie müssen normalerweise an den jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber die EEG-Umlage für die gelieferten Energiemengen zahlen. Unter gewissen Umständen konnten sie davon vor der EEG-Reform in 2014 jedoch ganz oder teilweise befreit werden. Im Rahmen der umgangssprachlich als Grünstromprivileg bezeichneten Ausnahmeregelung (EEG §39) war dies der Fall, wenn die von ihnen gelieferten Strommengen zu mindestens 50 % aus inländischen Kraftwerken stammten, die erneuerbare Energie oder Grubengas nutzten, wobei mindestens 20 % aus Sonnenenergie oder Windenergie gewonnen werden müssen. Außerdem musste eine Direktvermarktung vorliegen, d. h. ein Ökostrom-Verkauf vom Produzenten direkt an den Händler (oder auch den Endkunden) und nicht über den Übertragungsnetzbetreiber, und der Stromerzeuger durfte keine EEG-Einspeisevergütung beziehen. Die Befreiung musste beim Übertragungsnetzbetreiber rechtzeitig beantragt werden, und die Erfüllung der Voraussetzungen musste ihm gegenüber nachgewiesen werden. Seit 2012 war die Reduktion der Umlage auf 2 ct/kWh begrenzt.

Der Grundgedanke hinter dem Grünstromprivileg war, dass man einen Anreiz für die Direktvermarktung von elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen schaffen wollte. Dies funktionierte allerdings nicht besonders gut.

Das Grünstromprivileg sollte einen Anreiz für die Direktvermarktung von elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen schaffen und damit die Marktintegration der erneuerbaren Energien fördern. Der Stromerzeuger konnte versuchen, damit einen höheren Erlös erzielen, als wenn er die Energie einfach dem Übertragungsnetzbetreiber verkauft und dafür den nach dem EEG garantierten Erlös bezieht. Er musste dafür allerdings selbst seine Kunden finden. Im Prinzip konnte so Ökostrom mit günstigeren Preisen angeboten werden, wenn die Direktvermarktung nur sehr geringe Transaktionskosten verursacht. Der Endverbraucher war dann in geringerem Umfang an der allgemeinen Finanzierung des EEG-Umlagesystems beteiligt, was aber dadurch gerechtfertigt ist, dass er bereits einen höheren Anteil von erneuerbar erzeugten Strom bezieht als der durchschnittliche Stromkunde.

Das Grünstromprivileg wurde nur für einen sehr kleinen Teil der in Deutschland erneuerbar erzeugten Strommengen in Anspruch genommen, da sich die Direktvermarktung für die Erzeuger in der Regel nicht lohnt – höchstens für Technologien, die sehr nahe an der Marktfähigkeit liegen und deswegen ohnehin eine geringe EEG-Einspeisevergütung erhalten. Ökostromanbieter, die ohnehin die EEG-Einspeisevergütung nicht in Anspruch nehmen, konnten zwar das Grünstromprivileg nutzen. Sie beziehen aber häufig Strom günstiger aus dem Ausland (z. B. aus Österreich, der Schweiz und Norwegen), wodurch das Grünstromprivileg ebenfalls nicht anwendbar wurde.

Im Zuge der EEG-Reform in 2014 wurde das Grünstromprivileg schließlich wieder abgeschafft.

Das Grünstromprivileg darf nicht verwechselt werden mit dem Eigenstromprivileg, welches mit erneuerbaren Energien nichts zu tun hat.

Siehe auch: erneuerbare Energie, Erneuerbare-Energien-Gesetz, Ökostrom, Eigenstromprivileg, Einspeisevergütung
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Energiepolitik, erneuerbare Energie

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Elektrotechnik

Finden Sie heraus, was Drehstrom wirklich ist, welche Vorteile Hochspannungs-Gleichstromübertragung bietet, ob man Hochspannungsleitungen leicht mit Erdkabeln ersetzen könnte, wie ein Supergrid die Vollversorgung mit erneuerbarer elektrischer Energie ermöglichen könnte, usw.

Drehstrom

Das RP-Energie-Lexikon bietet hilfreiche Sachinformationen basierend auf dem soliden Wissen eines unabhängigen Fachmanns.

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)