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Heizkostenverteiler

Definition: ein Gerät für die verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung

Englisch: heat cost allocator

Kategorien: Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 24.02.2014; letzte Änderung: 21.02.2017

Für Heizkostenabrechnungen z. B. in Mehrfamilienhäusern ist es in der Regel wünschenswert und notwendig, die Kosten möglichst fair auf die Mietparteien zu verteilen. Hierfür würde man idealerweise die jeweils bezogenen Wärmemengen mit einem Wärmemengenzähler messen, was recht genau sein kann. Da diese Methode aber oft zu aufwändig wäre – insbesondere wenn nicht jede Wohnung einen separaten Heizstrang besitzt – verwendet man stattdessen einfache Heizkostenverteiler. Diese können zwar nicht die absoluten Wärmemengen messen, ermöglichen aber eine Schätzung der relativen Verbräuche. Die deutsche Heizkostenverordnung erlaubt Abrechnungen auf dieser Basis, wenn dafür zugelassene Geräte verwendet werden und die Daten sachgerecht ausgewertet werden.

Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip

Besonders gebräuchlich sind Heizkostenverteiler, die auf dem Verdunstungsprinzip beruhen (Verdunstungszähler). Sie müssen an allen Heizkörpern an einer jeweils vorgeschriebenen Position angebracht werden. Sie enthalten ein Röhrchen mit einer Messflüssigkeit, welche durch eine kleine Öffnung (oft durch eine Kapillare) allmählich verdunsten kann. Die Messflüssigkeit verdunstet umso schneller, je höher die lokale Temperatur ist. Diese Temperatur steht im Zusammenhang mit der Wärmeleistungsabgabe des Heizkörpers. Bei der jährlichen Ablesung (z. B. am Ende der Heizperiode) kann der Flüssigkeitsstand mit Hilfe einer Skala abgelesen werden, und das Röhrchen wird dann durch ein neues ersetzt (in der Regel mit einer anderen Färbung der Flüssigkeit). Je mehr Wärme bezogen wurde, desto mehr Flüssigkeit fehlt bei der Ablesung. Aus diesen Daten – ggf. unter Berücksichtigung der jeweiligen Größe der Heizkörper – wird dann der relative Verbrauch der Wohnungen berechnet. Nach den resultierenden Verbrauchsanteilen können dann die Kosten z. B. für Heizöl verteilt werden.

Die Genauigkeit dieses Verfahrens ist nicht allzu hoch, selbst wenn es von kompetenten Fachleuten sorgfältig durchgeführt wird. Beispielsweise kann im Sommer eine erhebliche Verdunstung (Kaltverdunstung) auftreten, wenn Räume durch die Sonneneinstrahlung recht warm werden. Ebenso wird nicht berücksichtigt, dass die Wärmeleistungsabgabe auch deutlich von der Raumtemperatur abhängt – je niedriger die Raumtemperatur, desto weniger Verbrauch wird pro tatsächlich bezogener Kilowattstunde Wärme registriert. Solange die Verhältnisse in allen Wohnungen ähnlich sind, beeinflussen solche Fehler das Resultat nicht allzu stark. Problematisch ist es eher, wenn z. B. manche Wohnungen wesentlich mehr Sonneneinstrahlung erhalten als andere.

Elektronische Heizkostenverteiler

Elektronische Geräte arbeiten in sofern sehr ähnlich wie Verdunstungszähler, dass auch sie die lokale Temperatur am Heizkörper registrieren und darüber die Heizleistung abgeschätzt wird. Dies geschieht hier allerdings mit einem elektronischen Temperatursensor, und über eine eingebaute Uhr wird das Heizleistungs-Signal mit einem Mikroprozessor zeitlich integriert. Der resultierende Wert erscheint in einer Anzeige und läuft allmählich hoch.

Die Genauigkeit elektronischer Heizkostenverteiler ist nicht unbedingt höher als die von Verdunstungszählern, da das Grundprinzip ja gleich ist und der Zusammenhang zwischen Heizkörpertemperatur und Heizleistung nicht völlig gesichert ist. (Immerhin ist es denkbar, die Raumtemperatur separat zu messen, um deren Einfluss mit zu berücksichtigen.) Jedoch ist es mit geeigneter Elektronik möglich, z. B. den Messwert an einem Stichtag bis zu einer späteren Ablesung zu speichern, alle Monatswerte zu speichern oder Messwerte per Funk zu übermitteln, was Arbeitszeit einsparen kann. Statt dem Verdunstungsröhrchen muss gelegentlich die Batterie erneuert werden.

Berücksichtigung bei der Heizkostenabrechnung

Es ist bei Heizkostenabrechnungen üblich, nur einen Teil der Gesamtkosten über den gemessenen bzw. abgeschätzten Verbrauch abzurechnen. Dies kann einerseits damit gerechtfertigt werden, dass es auch Fixkosten gibt, beispielsweise für die Heizungsanlage und ihre Wartung. Andererseits kann eine Mietpartei, die zeitweise nicht oder nur wenig heizt, Wärme von daneben liegenden Wohnungen beziehen. Man würde dann also Wärme erhalten, die Nachbarn bezahlen. Ebenfalls würde der Umstand, dass Wohnungen mit einem höheren Anteil an der Außenwandfläche mehr Wärme brauchen, teils als ungerecht empfunden. Aus solchen Gründen wird eine gewisse Nivellierung der Kostenbelastung für die einzelnen Parteien meist als angemessen betrachtet. Allerdings trägt auch die oben genannte Kaltverdunstung der üblichen Heizkostenverteiler bereits dazu bei.

Siehe auch: Wärmemengenzähler
sowie andere Artikel in den Kategorien Haustechnik, Wärme und Kälte

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