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Heizöl

Definition: ein Erdöl-basierter Brennstoff für den Einsatz in Heizkesseln

Englisch: fuel oil, heating oil

Kategorien: Energieträger, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 12.03.2010; letzte Änderung: 03.11.2018

Heizöl ist ein Erdöl-basierter Brennstoff, der hauptsächlich in Heizkesseln von Ölheizungen verwendet wird. Es handelt sich im Wesentlichen um ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen wie Alkanen, Cycloalkanen und aromatischen Verbindungen.

Heizöl verbrennt hauptsächlich zu Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf, aber es kann aus dem enthaltenen Schwefel auch eine gewisse Menge von Schwefeldioxid (SO2) entstehen (kaum jedoch bei schwefelarmen Sorten). Vor allem bei Verbrennung unter Sauerstoffmangel entsteht auch Ruß und Kohlenmonoxid.

Sorten von Heizöl

Verschiedene Sorten von Heizöl unterscheiden sich in mehreren Aspekten:

  • Unterschiedlich schwere Sorten (mit unterschiedlichen Dichten) werden verwendet, etwa Heizöl EL (extraleicht) in kleinen Heizkesseln und schwerere Varianten bis zum Heizöl ES (extraschwer). Schweröl muss im Brenner erst vorgewärmt werden, bevor es verdampft und verbrannt werden kann. Seine Verbrennung ist also aufwendiger, aber dafür ist es auch billiger.
  • Vor allem schweres Heizöl weist häufig einen hohen Schwefelanteil auf, was bei der Verbrennung zu entsprechenden Mengen von Schwefeldioxid (SO2) im Abgas führt. Die gesetzlich erlaubten Schwefelanteile werden aus ökologischen Gründen zunehmend gesenkt. Besonders schwefelarmes leichtes Heizöl mit z. B. weniger als 0,005 % (50 mg Schwefel pro kg) wird zunehmend eingesetzt, besonders in Brennwertkesseln. Schweröl kann jedoch mehrere Prozent Schwefel enthalten, und selbst schwefelarmes Schweröl enthält noch 0,6 % bis 0,9 % Schwefel.

Vorteile von schwefelarmem Heizöl sind vor allem geringere SO2-Emissionen (die zum “sauren Regen” beitragen) sowie reduzierte Ablagerungen an den inneren Wänden des Heizkessels, die wiederum eine verminderte Wartung und längere Lebensdauer des Kessels sowie einen höheren Wirkungsgrad ermöglichen. Bei Brennwertkesseln kann zudem auf eine Neutralisationseinrichtung verzichtet werden, wenn nur schwefelarmes Heizöl eingesetzt wird. In seltenen Fällen wurden bei alten Ölbrennern vermehrte Brennerstörungen nach Umstellung auf schwefelarmes Heizöl berichtet; die Ursache dafür scheint unklar zu sein.

Leider wird die Absenkung des Schwefelgehalts des Heizöls häufig so erreicht, dass nicht etwa einfach Schwefel entfernt würde, sondern stattdessen der Schwefelgehalt von Schweröl und Schiffsdieselkraftstoff entsprechend erhöht wird. (Man reserviert schwefelärmere Ölsorten für Heizöl und verwendet andere vermehrt für Schweröl.) Damit sinken zwar die SO2-Emissionen und -Immissionen in den Städten, aber sie steigen dafür auf dem Meer – jedenfalls so lange, bis auch dort strengere Grenzen für den Schwefelgehalt eingehalten werden müssen.

Heizwert, Brennwert und CO2-Belastung von Heizöl

Das vor allem bei kleinen Feuerungen häufig einsetzte Heizöl extraleicht (HEL oder Heizöl EL) hat einen Heizwert von ca. 42,6 MJ/kg oder 36 MJ/l. Der Brennwert liegt mit 45,4 MJ/kg oder 38,4 MJ/l etwas höher; der Unterschied zum Heizwert ist wegen des geringeren Wasserstoffanteils geringer als bei Erdgas. Die Werte für schweres Heizöl sind recht ähnlich.

Bei der Verbrennung entstehen pro Liter Heizöl EL etwa 2,65 kg Kohlendioxid (CO2). Auf den Heizwert bezogen sind dies 265 g/kWh. Dies sind gut 30 % mehr als bei Erdgas. Da die Energieeffizienz von Heizöl-Heizkesseln, die meist keine Brennwertnutzung erlauben, im Durchschnitt geringer ist als die von den heute üblichen Brennwert-Erdgasheizkesseln, ist die Differenz in der Praxis noch etwas größer.

Die effektive Klimabelastung bei der Verwendung von Heizöl kann durch CO2-Kompensation vermindert oder sogar gänzlich ausgeglichen werden. (Die direkten Emissionen ändern sich dadurch zwar nicht, aber es erfolgt eine Verminderung von Emissionen an anderer Stelle.) Dazu können Kompensationsmaßnahmen entweder vom Heizöllieferanten oder auch vom Verbraucher selbst veranlasst werden.

Herstellung von Heizöl

Heizöl wird in Erdölraffinerien gewonnen, im Wesentlichen durch fraktionierte Destillation, Entschwefelung und teils durch Zufügen von Zusätzen (Additiven).

Leichtes Heizöl ist dem Dieselkraftstoff ähnlich, enthält jedoch nicht diverse Additive, die dessen Eigenschaften für die Verwendung in Dieselmotoren verbessern.

Grundwassergefährdung

Heizöl, welches z. B. aus einem undichten Öltank in das Erdreich eindringt, ist eine große Gefahr für das Trinkwasser: Ein Liter Heizöl kann eine große Menge von Trinkwasser ungenießbar machen. Deswegen müssen Heizöltanks nach entsprechenden Vorschriften gebaut und regelmäßig inspiziert werden. Generell dürfen Arbeiten an Anlagen, in denen Heizöl verwendet wird, nur von ausreichend geschultem Personal durchgeführt werden.

Preise und Steuern

Heizöl unterliegt der Mineralölsteuer, allerdings in der Regel mit einem wesentlich geringeren Steuersatz als bei Kraftstoffen. Deshalb besteht ein finanzieller Anreiz zum Ersatz von Dieselkraftstoff durch Heizöl. Dieser Einsatz ist als Steuerhinterziehung strafbar und kann durch gewisse Heizöl-Additive (u. a. durch einen roten Farbstoff) nachgewiesen werden. Er kann wegen der Qualitätsunterschiede auch zu Schäden z. B. an Abgasfiltersystemen und zu beeinträchtigter Motorfunktion führen, u. a. wegen möglicherweise geringerer Zündwilligkeit. Aus diesen Gründen muss von einem solchen Missbrauch dringend abgeraten werden.

Schwefelarmes Heizöl EL wird z. B. in Deutschland etwas niedriger besteuert als Heizöl EL Standard und dürfte dieses bald vollständig ablösen.

Siehe auch: Brennstoff, Dieselkraftstoff, Heizkessel, Ölheizung, Erdölraffinerie, Mineralölsteuer
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieträger, Haustechnik, Wärme und Kälte

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