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Hydraulischer Abgleich von Zentralheizungsanlagen

Definition: ein Verfahren zur optimalen Einstellung der Druckdifferenzen und Massenströme in einer Zentralheizungsanlage

Englisch: hydraulic balancing of a central heating system

Kategorien: Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 14.09.2011; letzte Änderung: 21.10.2018

Zentralheizung
Abbildung 1: In einem Zentral­heizungssystem wird erwärmtes Heiz­wasser in die Heiz­körper gepumpt. Für eine optimale Funktion sollte das System hydraulisch abgeglichen sein.

In einer Zentralheizungsanlage wird Wärme meistens mit Hilfe von warmem Wasser in einem Rohrsystem zu Heizkörpern in den beheizten Räumen transportiert. (Für Fußbodenheizungen und andere Flächenheizung gilt praktisch alles hier Gesagte genauso.) Idealerweise ist das System so ausgelegt und eingestellt (hydraulisch abgeglichen), dass die folgenden Ziele alle erreicht werden:

Probleme bei mangelndem hydraulischen Abgleich

Leider können aber in der Praxis gewisse Probleme auftauchen:

Verschärft werden manche Probleme durch falsche Bedienung. Ein häufiger Fehler ist beispielsweise, bei zu niedriger Raumtemperatur Heizkörperthermostate voll aufzudrehen.

Elemente des hydraulischen Abgleichs

Etliche der oben genannten Probleme können durch punktuelle Maßnahmen auf einfache Weise gelöst werden. Beispielsweise kann an einem Heizkörper, dessen maximale Leistung als deutlich zu hoch erkannt ist, ein zusätzliches Drosselventil benutzt werden, um diese Leistung zu begrenzen. Allerdings wird eine optimale Funktion des Systems oft nur mit einem umfassenden hydraulischen Abgleich erzielt. Die genaue Vorgehensweise kann stark von der jeweiligen Situation abhängen. Einige wichtige typische Elemente des Vorgehens sind aber die folgenden:

Wenn alle Heizkörper deutlich gedrosselt werden müssen, deutet dies auf eine unnötig hohe Pumpenleistung hin. Dann sollte die Pumpleistung reduziert werden, entsprechend auch die Drosselung.

Je nach den Umständen kann es notwendig sein, die Einstellungen der Drosselventile in mehreren Durchgängen zu optimieren.

Am Ende des Abgleichs werden die Thermostatventile natürlich wieder entsprechend den gewünschten Raumtemperaturen eingestellt.

Eine Basis für den Abgleich kann ein Satz von Berechnungen sein, die Aspekte wie den Heizleistungsbedarf, die Rohrlängen und Details der einzelnen Systemkomponenten berücksichtigen. Auf diese Weise können wiederholte Neueinstellungen zum Finden des Optimums vermieden oder vermindert werden. Allerdings sind in der Praxis meistens etliche Parameter ohnehin unbekannt, so dass eine zuverlässige Berechnung schwierig ist.

Anlässe für einen hydraulischen Abgleich

Eine neue Zentralheizungsanlage sollte unbedingt gleich nach der Inbetriebnahme gründlich hydraulisch abgeglichen werden. Später kann ein erneuter Abgleich nötig werden, wenn erhebliche Änderungen vorgenommen werden, z. B. zusätzliche Heizkörper oder eine starke Reduktion des Heizleistungsbedarfs durch Wärmedämmung. Außerdem kann natürlich das Auftreten der oben genannten Probleme Anlass sein, den Abgleich erneut zu optimieren.

Bei Durchführung von KfW-Förderprogrammen wird im Falle der Modernisierung von Öl- und Gasheizungen verlangt, dass ein hydraulischer Abgleich durchgeführt wird.

Siehe auch: Zentralheizung, Heizkörper, Vorlauftemperatur, Temperaturspreizung
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

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