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Jahreshöchstlast

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Definition: die höchste elektrische Leistung, die in einem Stromnetz oder einer Region während eines Jahres nachgefragt wird

Englisch: annual peak load

Kategorien: elektrische Energie, Grundbegriffe

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 15.11.2012; letzte Änderung: 28.09.2015

Die in einem Stromnetz bezogene gesamte Leistung aller Stromverbraucher (die Netzlast) unterliegt zeitlichen Schwankungen; sie ist beispielsweise meist am Tag höher als in der Nacht und im Winter höher als im Sommer. Die maximal auftretende Leistung (gemittelt über 15 Minuten) wird als Jahreshöchstlast bezeichnet. In der Regel tritt sie im Winter auf und wird auch als Winterhöchstlast bezeichnet. Ihre Höhe ist relativ gut vorhersehbar, hängt aber auch von den Wetterbedingungen ab.

Die Jahreshöchstlast ist weit kleiner als die gesamte Leistung aller installierten Verbraucher, da nie alle Verbraucher gleichzeitig betrieben werden. Der Beitrag eines Verbrauchers zur Jahreshöchstlast hängt bei Weitem nicht nur von seiner maximalen Leistung ab, sondern auch davon, wie der zeitliche Verlauf seines Einsatzes ist und wie sich dieser Verlauf von dem der Gesamtleistung im Netz unterscheidet.

Die Ermittlung der Jahreshöchstlast für ein ganzes Land ist nicht einfach. Zwar kann gut ermittelt werden, wie viel Leistung die Übertragungsnetzbetreiber maximal abgeben. Damit werden aber zusätzliche Einspeisungen durch kleine Kraftwerke (z. B. Windenergie und Photovoltaik) nicht erfasst. Ihr Beitrag kann nur abgeschätzt werden.

Eine Jahreshöchstlast kann auch für einen Verbraucher (z. B. ein Industrieunternehmen) angegeben werden. Sie und nicht nur der gesamte Energiebezug kann über den Leistungspreis (→ Stromtarife) die Energiekosten beeinflussen.

Beispiele

Die Jahreshöchstlast im öffentlichen Stromnetz von Deutschland beträgt ca. 80 Gigawatt (Stand 2011) – deutlich niedriger als die gesicherte Kraftwerksleistung von über 85 GW (nach Abschaltung etlicher Kernkraftwerke im Rahmen der Energiewende). Rund ein Fünftel der Jahreshöchstlast tritt nur für einige hundert Stunden pro Jahr auf, d. h. die tatsächliche Last bleibt für die meiste Zeit unterhalb von 80 % der Jahreshöchstlast.

Elektroheizungen und Elektrowärmepumpen für Heizungszwecke tragen mit einem relativ hohen Anteil ihrer Gesamtleistung zur Jahreshöchstlast bei, da sie vor allem im Winter Strom beziehen und insbesondere an den kältesten Tagen. Auch wenn sie via Lastmanagement zu kritischen Zeiten abgeschaltet werden können, gilt dies nur für wenige Stunden pro Tag, da sonst die damit beheizten Gebäude zu kalt würden. Die Jahreshöchstlast und damit die benötigte gesicherte Kraftwerksleistung werden also maßgeblich durch solche Arten von Verbrauchern bestimmt.

Auch ganzjährig betriebene Großverbraucher z. B. in der Industrie tragen wesentlich zur Jahreshöchstlast bei. Dies lässt sich allerdings vermeiden, wenn eine Abschaltung (z. B. durch zeitweilige Betriebsunterbrechung) in kritischen Wochen möglich ist.

Klimaanlagen benötigen die meiste Energie im Sommer. In einem Land wie Deutschland tragen sie nicht wesentlich zur Jahreshöchstlast bei. Anders ist es in Japan, wo die Höchstlast im Sommer auftritt.

Jahreshöchstlast und Versorgungssicherheit

Die Versorgungssicherheit in einem Stromnetz erfordert, dass die gesicherte Kraftwerksleistung deutlich über der Jahreshöchstlast liegt. Trotzdem ist die gesicherte Kraftwerksleistung nicht das einzig entscheidende Kriterium, wie im betreffenden Artikel erläutert wird.

Siehe auch: Last, gesicherte Kraftwerksleistung, Versorgungssicherheit, vertikale Netzlast
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Grundbegriffe

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