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Kälteleistung

Definition: die mit einer Kältemaschine pro Zeiteinheit entfernbare Menge von Wärmeenergie

Englisch: cooling capacity, refrigerating capacity

Kategorien: Grundbegriffe, Wärme und Kälte

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 23.09.2016; letzte Änderung: 04.05.2025

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Eine Kältemaschine, die beispielsweise Teil einer Klimaanlage oder eines Klimageräts sein kann, kann einem Medium (z. B. der Luft in einem Wohnraum) Wärme entziehen. Unter der Kälteleistung versteht man die Wärmemenge, die das Gerät pro Zeiteinheit entfernen kann – anders ausgedrückt die gelieferte Menge von Kälte pro Zeiteinheit. Diese in der Kältetechnik wichtige Größe wird meist in Einheiten von Watt (bzw. Kilowatt oder Megawatt) angegeben, manchmal auch in BTU pro Stunde (BTU/h).

Als Beispiel betrachte man eine Kältemaschine, mit der pro Stunde 100 Liter Wasser bei anfänglich 10 °C in Eis bei −5 °C umgewandelt werden sollen. Anhand der Wärmekapazität des Wassers und des Eises sowie der Schmelzwärme von Wasser lässt sich berechnen, dass in einer Stunde dem Wasser eine Wärmemenge von insgesamt 100 kg · (4,2 kJ / (kg K) · 10 K + 2,1 kJ / (kg K) · 5 K + 334 kJ/kg) = 38,6 MJ = 10,7 kWh entzogen werden muss. (Die Schmelzwärme bzw. Erstarrungswärme, eine Art latenter Wärme, trägt hierzu den Löwenanteil bei.) Damit wäre die Kälteleistung also 10,7 kWh / 1 h = 10,7 kW (Kilowatt).

Im Falle von Klimaanlagen kann die erforderliche Kälteleistung ein wenig höher liegen, als man allein aufgrund der Berechnung der fühlbaren Wärme erwarten würde. Es kann nämlich durch die Abkühlung der Luft im Gerät (etwa einem Split-Klimagerät) Kondenswasser entstehen, welches in flüssiger Form abgeführt wird. Die dabei freiwerdende Kondensationswärme muss durch eine entsprechende zusätzliche Kälteleistung ausgeglichen werden. Allerdings macht dieser Beitrag in den meisten Fällen nicht allzu viel aus – jedenfalls bei Umluftgeräten.

Eine Kältemaschine muss anderswo eine Wärmeleistung abgeben können, die der Summe der Kälteleistung und der benötigten Antriebsleistung entspricht. Bei den verbreiteten Kompressionswärmepumpen wird die Kälteleistung am Verdampfer durch Verdampfen eines Kältemittels erzeugt, und die Abwärme wird am Kondensator abgegeben. Die erzielbare Kälteleistung hängt nicht nur vom Volumenstrom des umgesetzten Kältemittels ab, den der Kompressor erzeugt, sondern auch von dessen Verdampfungswärme und den Temperaturniveaus von Verdampfer und Kondensator. Generell nehmen die erzeugbare Kälteleistung wie auch die Kälteleistungszahl ab, wenn die Differenz von Kondensator- und Verdampfertemperatur ansteigt.

Das Verhältnis von Kälteleistung und Antriebsleistung einer Kältemaschine wird als Kälteleistungszahl oder Energy Efficiency Ratio (EER) bezeichnet.

Kälteleistungen können durch Leitungen übertragen werden. Beispielsweise kann Kälte in Form kalten Wassers als Fernkälte transportiert werden.

Volumetrische Kälteleistung

Der Begriff volumetrische Kälteleistung wird oft im Zusammenhang mit Kältemitteln verwendet. Er bezieht sich auf die mit einem gegebenen Volumenstrom des gasförmigen Kältemittels mögliche Kälteleistung. Natürlich ist der Volumenstrom temperaturabhängig; die Angabe muss sich also auf eine bestimmte Verdampfertemperatur beziehen. Der viel geringere Volumenstrom des verflüssigten Kältemittels auf dem Weg vom Verdichter zum Verdampfer ist technisch weniger relevant.

Eine hohe volumetrische Kälteleistung, wie sie z. B. R-744 (Kohlendioxid) bietet, ermöglicht den Betrieb von Kompressionswärmepumpen oder Kältemaschinen mit relativ niedrigen Volumenstrom, was auch eine kompakte Bauweise der Geräte ermöglicht.

Literatur

[1]R. Paschotta, Ratgeber zu Klimaanlagen und Klimageräten, mit Hinweisen zu Bestimmung und Minimierung der bei der Raumklimatisierung benötigten Kälteleistung

Siehe auch: Kälte, Kältemaschine, Leistung, Leistungszahl, Energy Efficiency Ratio

Fragen und Kommentare von Lesern

23.02.2021

Aus 230 Liter Wasser von 15 Grad soll in 4 Stunden Eis von −18 Grad hergestellt. Wie hoch ist die erforderliche Kälteleistung?

Antwort vom Autor:

Wir berechnen zunächst die zu entziehende Wärmemenge als Summe von drei Beiträgen: Abkühlung des Wassers auf 0 °C, Frieren des Wassers sowie Abkühlung des Eises auf −18 °C. Das ergibt 230 kg · (15 K · 4,2 kJ/(kg K) + 333 kJ/kg + 18 K · 2,1 kJ/(kg K)) ≈ 100 MJ, wobei das Frieren den Löwenanteil ausmacht.

Wenn diese Energiemenge in vier Stunden entzogen werden muss und die Kälteleistung in dieser Zeit konstant sein soll, beträgt sie 100 MJ / (4 · 3600 s) ≈ 6,9 kJ/s = 6,9 kW.

08.06.2021

Kommt es im oben genannten Beispiel nicht auf das Raumvolumen an, in dem sich das Wasser befindet? Hinzu käme doch also eine Wärmelast von der Raumtemperatur, oder?

Antwort vom Autor:

Der Wärmeaustausch mit dem Raum wurde offensichtlich vernachlässigt, und dies bringt auch keine hohe Ungenauigkeit, wenn sich beispielsweise das Wasser in einem einigermaßen wärmegedämmten Speicher befindet. Diese Wärmedämmung ist allein schon nötig, um eine starke Eisbildung außen am Behälter zu verhindern. Selbst ohne Dämmung wäre der Wärmeeintrag von der Leistung her vermutlich ziemlich gering im Vergleich zu der berechneten Kälteleistung von 6,9 kW.

12.09.2021

Wieso wird bei der Dimensionierung einer Wärmepumpe die Kälteleistung angegeben? Mich interessiert ja die erzeugte Wärme.

Antwort vom Autor:

Die Kälteleistung kann auch relevant sein, um die genutzte Niedertemperatur-Wärmequelle (etwa eine Erdwärmesonde) zu dimensionieren.

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