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Klimagefahren

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Definition: Gefahren von Klimaveränderungen, insbesondere einer globalen Erwärmung

Englisch: climate hazards

Kategorien: physikalische Grundlagen, Umwelt und Ökologie

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 13.06.2010; letzte Änderung: 21.10.2016

Mittlerweile ist es in der Wissenschaft kaum mehr umstritten, dass die große Gefahr einer erheblichen globalen Erwärmung (Klimaerwärmung) und sonstigen Klimaveränderungen als Folge menschlicher Aktivitäten besteht. Die Hauptursache hierfür sind die heute sehr hohen Kohlendioxid-Emissionen, obwohl diverse andere Aspekte (insbesondere die Abholzung von Waldgebieten, die Zerstörung von Feuchtgebieten z. B. durch Torfabbau sowie die Emissionen anderer klimaschädlicher Gase wie Methan und Fluorkohlenwasserstoffe) ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen. In der wissenschaftlichen Literatur, die regelmäßig vom IPCC [1] ausgewertet wird, finden sich nur wenige skeptische Stimmen, die an diesen Erkenntnissen grundlegend zweifeln.

Die Energienutzung erzeugt die größten Klimagefahren.

Die CO2-Emissionen werden zum größten Teil durch den technischen Energieumsatz verursacht. Ebenfalls relevante Beiträge kommen von anderen menschlichen Aktivitäten wie z. B. der Landwirtschaft (z. B. durch Methanemissionen der Viehwirtschaft und Landnutzungsänderungen). Die Abholzung von Regenwäldern ist ein weiterer wichtiger Faktor.

Emittieren biologische Quellen nicht viel mehr CO2 als menschlich verursachte?

Zwar sind diese menschlich verursachten Emissionen nicht sehr groß im Vergleich zu den natürlichen CO2-Umsätzen in der Biosphäre. Jedoch erfolgen letztere innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs, der die gesamte CO2-Menge netto kaum verändert, während die menschlich verursachten Emissionen unmittelbar die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöhen – von ca. 280 ppm in vor-industriellen Zeiten (und für viele Jahrtausende davor) auf heute bereits rund 400 ppm. Dies hat bereits zu einer vielerorts spürbaren und wissenschaftlich nachgewiesenen globalen Erwärmung geführt. In 2015 lag die globale Mitteltemperatur nach Aussagen des britischen Wetterdienstes erstmals um gut ein Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Gefahren einer weiteren Klimaerwärmung

Da die weltweiten CO2-Emissionen weiter steigend sind, werden weitere massive Steigerungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf 500 ppm und mehr geschehen, wenn dies nicht durch massive und rechtzeitig begonnene Klimaschutzanstrengungen verhindert wird. Die Folgen einer solchen Entwicklung werden durch die große Mehrheit der Klimawissenschaftler als mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr ernst oder sogar katastrophal angesehen. (Man spricht von einer drohenden Klimakatastrophe.) Wegen der Treibhauswirkung von Kohlendioxid (Treibhauseffekt) wird mit einem Anstieg der mittleren globalen Temperatur und mit noch stärkeren Temperaturänderungen in bestimmten Regionen gerechnet. Selbst um wenige Grade erhöhte mittlere Temperaturen auf der Erde können eine Vielzahl gefährlicher Wirkungen haben: nicht nur extreme Hitzeperioden, sondern auch

Die extremen Schäden durch unterlassenen Klimaschutz wären wohl weit größer als die hohen Kosten des Klimaschutzes. Nur kostet Klimaschutz heute, während die genannten Schäden größtenteils später auftreten. Man kann diese Lasten also zukünftigen Generationen aufladen.

und in der Folge auch weitere Bedrohungen durch menschliche Reaktionen hierauf, z. B. große Migrationsbewegungen und Kriege.

Nicht nur die Größe, sondern auch das Tempo von Klimaveränderungen ist von entscheidender Bedeutung für die Schwierigkeit, sich daran anzupassen.

Zu beachten ist hier insbesondere auch die große Geschwindigkeit dieser Änderungen. Die zu befürchtenden Temperaturänderungen sind schneller als all die, die in den letzten 10 000 Jahren jemals aufgetreten sind. Dies wird es für viele Ökosysteme unmöglich werden, sich rechtzeitig auf die veränderten Bedingungen anzupassen. Dass vor längeren Zeiten ebenfalls massive und teilweise auch relativ schnelle Temperaturveränderungen aufgrund natürlicher Vorgänge aufgetreten sind, ist zwar wohl richtig, jedoch folgt daraus in keiner Weise, dass entsprechende Entwicklungen harmlos wären. Schließlich kam es im Verlauf der Erdgeschichte gelegentlich zum massenhaften Aussterben vieler Arten.

Mögliche Gegenmaßnahmen

Drei Ansätze kommen prinzipiell infrage:

  • die Ursachen des Klimawandels reduzieren (Mitigation)
  • die Verwundbarkeit durch Klimaänderungen mit gezielten Maßnahmen vermindern (Adaptation)
  • das Klima künstlich beeinflussen (Climate Engineering)

Um solche Gefahren abzuwenden oder zumindest zu mildern und mehr Zeit zur Anpassung an neue Verhältnisse zu gewinnen, werden diverse Möglichkeiten für den Klimaschutz diskutiert und teilweise auch praktiziert. Hier geht es darum, die treibenden Ursachen des Klimawandels zu reduzieren (Mitigation). In der Wissenschaft gibt es inzwischen einen weitreichenden Konsens darüber, dass insbesondere die globalen CO2-Emissionen innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch reduziert werden müssen, um die Klimagefahren einigermaßen zu begrenzen. Zusätzlich müssten Emissionen durch die Zerstörung von Regenwäldern und Feuchtgebieten stark vermindert werden. Je später solche Maßnahmen ergriffen werden, desto teurer werden sie, da dann die CO2-Verminderungen noch rascher umgesetzt werden müssen und zudem ein immer größerer Teil der Schäden nicht mehr vermeidbar ist.

Ergänzend zum Klimaschutz wird es möglich sein, diverse Maßnahmen zu ergreifen, um wenigstens die Folgen nicht vermiedener Veränderungen einzudämmen. Entsprechende Ansätze werden mit dem Begriff Adaptation bezeichnet.

Angesichts der großen Schwierigkeiten des Klimaschutzes wird inzwischen zumindest in Fachkreisen zunehmend auch der alternative Ansatz des Climate Engineering diskutiert. Es besteht allerdings eine große Skepsis bezüglich der Frage, ob Climate Engineering jemals praktisch einsetzbar wird, allein schon weil die Nutzen-Risiko-Abwägung extrem schwierig ist.

Klimaskeptiker

Diverse Arten von Kritikern wenden sich gegen die Darstellung der Problematik durch eine inzwischen sehr große Mehrheit der Klimawissenschaftler, auf die sich die obigen Ausführungen stützen. Hierbei kommen sehr unterschiedliche Sichtweisen vor:

Manche bestreiten, dass die globale Erwärmung ein Fakt ist.

Andere bestreiten, dass menschliche Aktivitäten eine wesentliche Ursache der globalen Erwärmung sind.

Wieder andere bestreiten, dass die Erwärmung gefährlich ist und nach Möglichkeit verhindert werden sollte.

Lässt sich die Erwärmung überhaupt noch aufhalten?

Das Problem, mit seiner Position im Widerspruch zur großen Mehrheit der Wissenschaftler zu stehen, gehen viele Klimaskeptiker an, indem sie die Glaubwürdigkeit des sogenannten Mainstreams der Wissenschaft infrage stellen – beispielsweise mithilfe von Verschwörungstheorien der Art, dass tausende von Wissenschaftlern das Problem nur hochspielten, um mehr Forschungsgelder zu erhalten.

Natürlich ist die Frage der Klimagefahren auch von hoher politischer Relevanz, weil sie unmittelbar mit der Frage zusammenhängt, ob umfangreiche Maßnahmen für den Klimaschutz sinnvoll sind. Deswegen haben interessierte Kreise, die beispielsweise von der Gewinnung oder Nutzung von Erdöl leben, die Klimaskeptikerbewegung auf vielfältige Weise gefördert und außerdem versucht, ihr bei der Politik möglichst viel Gehör zu verschaffen. Eine Zeit lang hatten sie damit bei der Politik auch einigen Erfolg. Mittlerweile gibt es jedoch kaum mehr Politiker, die die Klimagefahren und die Notwendigkeit des Klimaschutzes infrage stellen. Selbst solche Politiker, die im Zweifelsfall meistens gegen Klimaschutzmaßnahmen eintreten, vertreten solche Positionen meistens nicht mehr, sondern arbeiten mit anderen Arten von Argumenten – beispielsweise mit der Ablehnung nur bestimmter konkreter Klimaschutzmaßnahmen (etwa, weil sie ineffektiv oder zu teuer seien) oder mit Verzögerungstaktiken.

Literatur

[1]Website des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), http://www.ipcc.ch/
[2]“Turn down the Heat. Why a 4 °C warmer world must be avoided”, http://www-wds.worldbank.org/external/default/WDSContentServer/WDSP/IB/2012/12/20/000356161_20121220072749/Rendered/PDF/NonAsciiFileName0.pdf, ein Report der Weltbank (Nov. 2012)
[3]Klimafakten.de – Antworten auf gängige Argumente von Klimaskeptikern
[4]S. Rahmstorf, Antwort eines Klimaforschers auf die Klimaskeptiker-Thesen von Alvo von Alvensleben, http://www.pik-potsdam.de/~stefan/alvensleben_kommentar.html
[5]S. Rahmstorf, “Keine Pause, nirgends” (Erläuterungen zur angeblichen Erwärmungspause), http://www.scilogs.de/klimalounge/keine-pause-nirgends/
[6]S. Rahmstorf, “Wie die BGR einmal versuchte, die wärmende Treibhauswirkung von CO2 zu widerlegen”, http://www.scilogs.de/klimalounge/wie-die-bgr-einmal-versuchte-die-waermende-treibhauswirkung-von-co2-zu-widerlegen/

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Klimaschutz, Treibhauseffekt, Kohlendioxid, Methan, externe Kosten, Climate Engineering, Kohlenstoffblase
sowie andere Artikel in den Kategorien physikalische Grundlagen, Umwelt und Ökologie

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