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Klimagefahren

Definition: Gefahren von Klimaveränderungen, insbesondere einer globalen Erwärmung

Englisch: climate hazards

Kategorien: physikalische Grundlagen, Ökologie und Umwelttechnik

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 13.06.2010; letzte Änderung: 03.11.2018

Mittlerweile ist es in der Wissenschaft kaum mehr umstritten, dass die große Gefahr einer erheblichen globalen Erwärmung (Klimaerwärmung) und sonstigen Klimaveränderungen als Folge menschlicher Aktivitäten besteht. Die Hauptursache hierfür sind die heute sehr hohen Kohlendioxid-Emissionen, obwohl diverse andere Aspekte (insbesondere die Abholzung von Waldgebieten, die Zerstörung von Feuchtgebieten z. B. durch Torfabbau sowie die Emissionen anderer klimaschädlicher Gase wie Methan und Fluorkohlenwasserstoffe) ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen. In der wissenschaftlichen Literatur, die regelmäßig vom IPCC [1] ausgewertet wird, finden sich nur wenige skeptische Stimmen, die an diesen Erkenntnissen grundlegend zweifeln.

Die CO2-Emissionen werden zum größten Teil durch den technischen Energieumsatz verursacht. Ebenfalls relevante Beiträge kommen von anderen menschlichen Aktivitäten wie z. B. der Landwirtschaft (z. B. durch Methanemissionen der Viehwirtschaft und Landnutzungsänderungen). Die Abholzung von Regenwäldern ist ein weiterer wichtiger Faktor.

Zwar sind diese menschlich verursachten Emissionen nicht sehr groß im Vergleich zu den natürlichen CO2-Umsätzen in der Biosphäre. Jedoch erfolgen letztere innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs, der die gesamte CO2-Menge netto kaum verändert, während die menschlich verursachten Emissionen unmittelbar die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöhen – von ca. 280 ppm in vor-industriellen Zeiten (und für viele Jahrtausende davor) auf heute bereits rund 400 ppm. Dies hat bereits zu einer vielerorts spürbaren und wissenschaftlich nachgewiesenen globalen Erwärmung geführt. In 2015 lag die globale Mitteltemperatur nach Aussagen des britischen Wetterdienstes erstmals um gut ein Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Gefahren einer weiteren Klimaerwärmung

Da die weltweiten CO2-Emissionen weiter steigend sind, werden weitere massive Steigerungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf 500 ppm und mehr geschehen, wenn dies nicht durch massive und rechtzeitig begonnene Klimaschutzanstrengungen verhindert wird. Die Folgen einer solchen Entwicklung werden durch die große Mehrheit der Klimawissenschaftler als mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr ernst oder sogar katastrophal angesehen. (Man spricht von einer drohenden Klimakatastrophe.) Wegen der Treibhauswirkung von Kohlendioxid (Treibhauseffekt) wird mit einem Anstieg der mittleren globalen Temperatur und mit noch stärkeren Temperaturänderungen in bestimmten Regionen gerechnet. Selbst um wenige Grade erhöhte mittlere Temperaturen auf der Erde können eine Vielzahl gefährlicher Wirkungen haben: nicht nur extreme Hitzeperioden, sondern auch

  • Dürren mit massiven landwirtschaftlichen Auswirkungen
  • Überschwemmungen und andere Schäden durch häufiger auftretende zerstörerische Unwetter
  • einen starken Anstieg des Meeresspiegels durch das Abschmelzen von Eis an den Polkappen und die thermische Ausdehnung des Wassers der Ozeane
  • den Rückgang von Permafrost, was z. B. in Berggebieten Felsformationen instabil machen und damit Siedlungsgebiete bedrohen kann
  • unabsehbare Änderungen der biologischen Systeme, z. B. das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten sowie den Zusammenbruch von ganzen Ökosystemen
  • die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, die bisher auf die Tropen beschränkt waren

und in der Folge auch weitere Bedrohungen durch menschliche Reaktionen hierauf, z. B. große Migrationsbewegungen und Kriege.

Übrigens wird nicht zwangsläufig in allen Regionen der Erde eine Erwärmung auftreten. Beispielsweise gibt es ernstzunehmende Hinweise darauf, dass der Golfstrom innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahrhunderte viel schwächer wird oder gar ganz zum Erliegen kommt. (Dies liegt daran, dass der nördliche Atlantik stark verstärkte Zuflüsse von Schmelzwasser hat, was dort den Salzgehalt senkt und somit den Antrieb für den Golfstrom.) Das hätte zur Folge, dass die Temperaturen in Europa wieder stark sinken – was anfangs sogar günstig sein könnte, langfristig aber wieder zu massiven Problemen führen würde. Natürlich ist davon auszugehen, dass eine Vielzahl anderer wichtiger Prozesse sich ebenfalls ändern wird, und die sich insgesamt daraus ergebenden Folgen sind unabsehbar.

Zu beachten ist hier insbesondere auch die große Geschwindigkeit dieser Änderungen. Die zu befürchtenden Temperaturänderungen sind schneller als all die, die in den letzten 10 000 Jahren jemals aufgetreten sind. Dies wird es für viele Ökosysteme unmöglich werden, sich rechtzeitig auf die veränderten Bedingungen anzupassen. Dass vor längeren Zeiten ebenfalls massive und teilweise auch relativ schnelle Temperaturveränderungen aufgrund natürlicher Vorgänge aufgetreten sind, ist zwar wohl richtig, jedoch folgt daraus in keiner Weise, dass entsprechende Entwicklungen harmlos wären. Schließlich kam es im Verlauf der Erdgeschichte gelegentlich zum massenhaften Aussterben vieler Arten.

Mögliche Gegenmaßnahmen

Um solche Gefahren abzuwenden oder zumindest zu mildern und mehr Zeit zur Anpassung an neue Verhältnisse zu gewinnen, werden diverse Möglichkeiten für den Klimaschutz diskutiert und teilweise auch praktiziert. Hier geht es darum, die treibenden Ursachen des Klimawandels zu reduzieren (Mitigation). In der Wissenschaft gibt es inzwischen einen weitreichenden Konsens darüber, dass insbesondere die globalen CO2-Emissionen innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch reduziert werden müssen, um die Klimagefahren einigermaßen zu begrenzen. Zusätzlich müssten Emissionen durch die Zerstörung von Regenwäldern und Feuchtgebieten stark vermindert werden. Je später solche Maßnahmen ergriffen werden, desto teurer werden sie, da dann die CO2-Verminderungen noch rascher umgesetzt werden müssen und zudem ein immer größerer Teil der Schäden nicht mehr vermeidbar ist.

Ergänzend zum Klimaschutz wird es möglich sein, diverse Maßnahmen zu ergreifen, um wenigstens die Folgen nicht vermiedener Veränderungen einzudämmen. Entsprechende Ansätze werden mit dem Begriff Adaption (oder Adaptation) bezeichnet.

Angesichts der großen Schwierigkeiten des Klimaschutzes wird inzwischen zumindest in Fachkreisen zunehmend auch der alternative Ansatz des Climate Engineering diskutiert. Es besteht allerdings eine große Skepsis bezüglich der Frage, ob Climate Engineering jemals praktisch einsetzbar wird, allein schon weil die Nutzen-Risiko-Abwägung extrem schwierig ist.

Klimaskeptiker

Diverse Arten von Kritikern wenden sich gegen die Darstellung der Problematik durch eine inzwischen sehr große Mehrheit der Klimawissenschaftler, auf die sich die obigen Ausführungen stützen. Hierbei kommen sehr unterschiedliche Sichtweisen vor:

  • Manche Kritiker bestreiten, dass so etwas wie eine globale Erwärmung überhaupt ein reales Phänomen sei. Typischerweise behaupten sie, es handle sich nur um zufällige Schwankungen, wie es sie schon immer gegeben hat, und ein Trend der Temperaturen existiere in Wirklichkeit gar nicht. Dies ist eine Frage der statistischen Auswertung der verfügbaren umfangreichen Daten. Häufig werden hierfür nur vereinzelte gezielt ausgewählte Datensätze herangezogen (beispielsweise Messdaten von bestimmten Regionen der Erde über eine begrenzte Zahl von Jahren), während aussagekräftigere Datensätze (beispielsweise die Entwicklung der mittleren globalen Temperatur) ignoriert werden. Mit solchen Methoden (“Rosinenpickerei”) wurde beispielsweise die Behauptung untermauert, zwischen 1998 und 2013 sei eine Erwärmungspause aufgetreten, die die behauptete globale Erwärmung infrage stelle. Aus wissenschaftlicher Sicht muss dies jedoch als haltlos gelten [5].
  • Andere bejahen die empirisch festgestellte wesentliche Erwärmung in den letzten Jahrzehnten, bestreiten aber den Einfluss menschlicher Aktivitäten als Ursache hiervon. Beispielsweise wird immer wieder der Einfluss der veränderlichen Aktivität der Sonne oder der kosmischen Strahlung als die eigentliche Ursache von Temperaturschwankungen auf der Erde genannt. Solche Effekte werden von Klimawissenschaftlern selbstverständlich untersucht, aber die Wissenschaft ist zum Resultat gekommen, dass all diese Effekte unter Ausklammerung menschlicher Aktivitäten nicht geeignet sind, die beobachtete Temperaturentwicklung zu erklären. Gegenteilige Behauptungen beispielsweise in einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften erwiesen sich als das Resultat wissenschaftlich zweifellos unhaltbarer Methoden, offenbar angewandt im Zusammenhang mit fragwürdigen finanziellen Verflechtungen [6]. Bemerkenswert ist auch, dass die Prognose von Fritz Vahrenholt, es käme wegen abnehmender Sonnenaktivität bald wieder zu einer erheblichen Senkung der globalen Temperaturen (“Die kalte Sonne”, erschienen 2012), durch die Beobachtungsdaten bereits eindeutig widerlegt ist [7]. Vor allem aber sagen die inzwischen sehr ausgefeilten physikalischen Modelle der Erdatmosphäre klar aus, dass eine massive Steigerung der Kohlendioxid-Konzentration der Atmosphäre, wie sie unzweifelhaft in den letzten Jahrzehnten aufgetreten ist, entsprechende Auswirkungen auf das Klima haben muss – selbst wenn bei der genauen Größe dieser Effekte noch gewisse Unsicherheiten bestehen und jeder systematische Effekt durch ein gewisses Maß zufälliger Schwankungen überlagert wird.
  • Wieder andere Kritiker bestreiten weder die globale Erwärmung noch menschliche Aktivitäten als deren wesentliche Ursache, sondern die Befürchtung, dass dies sehr negative Folgen haben dürfte. Sie weisen beispielsweise darauf hin, dass Landwirtschaft heute in vielen Regionen besser praktiziert werden kann als zu kälteren Zeiten und gehen davon aus, dass sich Vorteile und Nachteile des bestehenden Trends im großen und Ganzen ausgleichen würden. Auch hierfür gibt es natürlich umfangreiche Forschungsresultate, die die große Mehrheit der Wissenschaftler zu anderen Erwartungen bringen.
  • Weitere Kritiker bestreiten die Möglichkeit, die globale Erwärmung überhaupt noch aufzuhalten. Eine entsprechende Skepsis ist durchaus nicht unfundiert, soweit sie sich auf die Fähigkeit der Menschheit bezieht, rechtzeitig einen übergreifenden Konsens über die Notwendigkeit des Klimaschutzes zu erzielen und diesen dann beherzt umzusetzen. (Die Resultate der Wissenschaft zeigen, dass sich der begonnene Trend nur mit massiven Maßnahmen so abschwächen lässt, dass die Folgen noch einigermaßen beherrschbar sein werden.) Jedoch sollte nicht ignoriert werden, dass das zu erwartende Ausmaß der globalen Probleme sehr wohl davon abhängt, ob man etwas zu wenig oder sogar viel zu wenig tut. Deswegen ist die genannte Skepsis kein guter Grund dafür, den Klimaschutz aufzugeben.

Das Problem, mit seiner Position im Widerspruch zur großen Mehrheit der Wissenschaftler zu stehen, gehen viele Klimaskeptiker an, indem sie die Glaubwürdigkeit des sogenannten Mainstreams der Wissenschaft infrage stellen – beispielsweise mithilfe von Verschwörungstheorien der Art, dass tausende von Wissenschaftlern das Problem nur hochspielten, um mehr Forschungsgelder zu erhalten.

Natürlich ist die Frage der Klimagefahren auch von hoher politischer Relevanz, weil sie unmittelbar mit der Frage zusammenhängt, ob umfangreiche Maßnahmen für den Klimaschutz sinnvoll sind. Deswegen haben interessierte Kreise, die beispielsweise von der Gewinnung oder Nutzung von Erdöl leben, die Klimaskeptikerbewegung auf vielfältige Weise gefördert und außerdem versucht, ihr bei der Politik möglichst viel Gehör zu verschaffen. Eine Zeit lang hatten sie damit bei der Politik auch einigen Erfolg. Mittlerweile gibt es jedoch kaum mehr Politiker, die die Klimagefahren und die Notwendigkeit des Klimaschutzes infrage stellen. Selbst solche Politiker, die im Zweifelsfall meistens gegen Klimaschutzmaßnahmen eintreten, vertreten solche Positionen meistens nicht mehr, sondern arbeiten mit anderen Arten von Argumenten – beispielsweise mit der Ablehnung nur bestimmter konkreter Klimaschutzmaßnahmen (etwa, weil sie ineffektiv oder zu teuer seien) oder mit Verzögerungstaktiken.

Literatur

[1]Website des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), http://www.ipcc.ch/
[2]“Turn down the Heat. Why a 4 °C warmer world must be avoided”, http://www-wds.worldbank.org/external/default/WDSContentServer/WDSP/IB/2012/12/20/000356161_20121220072749/Rendered/PDF/NonAsciiFileName0.pdf, ein Report der Weltbank (Nov. 2012)
[3]Klimafakten.de – Antworten auf gängige Argumente von Klimaskeptikern
[4]S. Rahmstorf, Antwort eines Klimaforschers auf die Klimaskeptiker-Thesen von Alvo von Alvensleben, http://www.pik-potsdam.de/~stefan/alvensleben_kommentar.html
[5]S. Rahmstorf, “Keine Pause, nirgends” (Erläuterungen zur angeblichen Erwärmungspause), http://www.scilogs.de/klimalounge/keine-pause-nirgends/
[6]S. Rahmstorf, “Wie die BGR einmal versuchte, die wärmende Treibhauswirkung von CO2 zu widerlegen”, http://www.scilogs.de/klimalounge/wie-die-bgr-einmal-versuchte-die-waermende-treibhauswirkung-von-co2-zu-widerlegen/
[7]S. Rahmstorf, “Rekordwärme auf der Erde trotz kalter Sonne”, http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/rekordwaerme-auf-der-erde-trotz-kalter-sonne/

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Klimaschutz, Treibhauseffekt, Kohlendioxid, Methan, externe Kosten, Climate Engineering, Kohlenstoffblase
sowie andere Artikel in den Kategorien physikalische Grundlagen, Ökologie und Umwelttechnik

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