RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen
www.energie-lexikon.info

Klimahysterie

Definition: ein politisches Schlagwort zur Bekämpfung einer angeblich übertriebenen Reaktion auf Klimagefahren

Gegenbegriff: Klimawandelleugnung

Englisch: climate hysteria

Kategorien: Energiepolitik, Ökologie und Umwelttechnik

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 18.02.2020; letzte Änderung: 14.03.2020

Die Resultate der Klimawissenschaft, wie sie u. a. vom Weltklimarat (IPCC) dargestellt werden, stützen immer detaillierter die Befürchtung, dass sich die in ihren Anfängen bereits beobachteten Klimaveränderungen in verschiedenen Regionen der Erde im Laufe der nächsten Jahrzehnte massiv verschärfen werden, falls dies nicht durch entschlossene Klimaschutzmaßnahmen verhindert wird. Nachdem für mehrere Jahrzehnte, nachdem diese Klimagefahren konkret einer breiten Öffentlichkeit und der Politik bekannt wurden, weltweit noch kaum Klimaschutz praktiziert wird und die jährlichen klimaschädlichen Emissionen sogar noch deutlich ansteigen, wird ein Szenario mit hohen CO2-Konzentrationen von z. B. 500 ppm oder noch wesentlich mehr zunehmend wahrscheinlich. Für diesen Fall prognostiziert die Wissenschaft auf der Basis ausgefeilter Klimamodelle massive Änderungen des Klimas, die vielerorts dramatische Folgen haben dürften – beispielsweise einen erheblichen Anstieg des Meeresspiegels und damit die Zerstörung vieler Küstenstädte, die Zunahme extremer Niederschläge wie auch Dürren mit entsprechenden Auswirkungen u. a. auf die Landwirtschaft, das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten bzw. allgemeiner die massive Störung vieler Ökosysteme, von denen die Menschheit mehr oder weniger abhängig ist. Auch mit dem Zusammenbruch gesamter Gesellschaften und der Entstehung riesiger Migrationsbewegungen ist zu rechnen.

Soweit solche Prognosen als realistisch akzeptiert werden, erscheint auch das Wort “Klimakatastrophe” (nicht nur Klimakrise) keineswegs als übertrieben – auch wenn die genannten Veränderungen nicht schlagartig, sondern im Laufe etlicher Jahre eintreten. Daraus leiten viele die Forderung ab, dass nun ganz entschiedene Klimaschutzmaßnahmen dringend notwendig sind – insbesondere rasche Schritte hin zu einer Dekarbonisierung der Energieversorgung durch entsprechende Maßnahmen der Energiepolitik. Auch deutliche Wohlstandsverluste – verglichen mit einer Zukunft ohne Klimaschutz und trotzdem (hypothetisch) ohne wesentliche Klimaschäden – erscheinen vielen als ein angemessener Preis für die Abwendung katastrophaler Schäden.

Dagegen wenden hauptsächlich “rechte” politische Kreise ein, es handle sich in Wirklichkeit um eine Klimahysterie – also um eine hysterische (übertrieben emotionale) Reaktion auf die Klimagefahren, die in Wirklichkeit entweder gar nicht existierten oder nur in sehr viel milderem Ausmaß. In eher seltenen Fällen wird dies mit Sachargumenten untermauert, die allerdings regelmäßig in scharfem Kontrast zu den Erkenntnissen der Klimawissenschaft stehen; nur eine sehr kleine Minderheit von Klimawissenschaftlern unterstützt solche Einschätzungen. In den meisten Fällen wird aber eine angebliche Klimahysterie gar nicht mit faktenbasierten Argumenten unterstützt, sondern einfach als eine Meinung präsentiert oder mit nicht weiter erläuterten Verweisen auf den “gesunden Menschenverstand”. Gleichzeitig wird ignoriert oder achselzuckend hingenommen, dass ohne entschiedenen Klimaschutz das globale CO2-Budget, welches beispielsweise für die Einhaltung des 2-Grad-Ziels unabdingbar wäre, bei weitem überschritten werden wird. In diesem Fall wären katastrophale Wirkungen nach dem vorhandenem Wissen nicht nur möglich, sondern garantiert.

In diesem Zusammenhang wird oft auch die Klimawissenschaft als Ganzes in Frage gestellt, oder es wird auch allgemein der Anspruch der Wissenschaft, Wissen mit besonders hoher Zuverlässigkeit zu erzeugen, zurückgewiesen. Insbesondere wird der Vorwurf der Klimahysterie als politisches Schlagwort zur Abwehr von Forderungen nach mehr Klimaschutz eingesetzt. (Dieses Muster kann im mittlerweile erreichten “postfaktischen Zeitalter” auch in anderen Bereichen oft beobachtet werden.) Dies verdeutlicht, dass es den Vertretern dieser Behauptung offenbar weniger um die eine angeblich notwendige bessere Wahrheitsfindung geht, sondern um die Abwehr von Forderungen, durch die sie ihren Wohlstand gefährdet sehen. Tatkräftige Unterstützung erhalten diese Vertreter von mächtigen Interessenvertretern, die häufig von der Ausbeutung von Vorkommen fossiler Energieträger abhängig sind. Wohl als Gegengewicht hierzu werden Verschwörungstheorien präsentiert – etwa dahingehend, dass Tausende von Klimawissenschaftlern aus aller Welt sich darauf geeinigt hätten, wohl koordiniert Lügen zu verbreiten. Den milliardenschweren Interessen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie steht nach dieser Sichtweise das Interesse von Wissenschaftlern an mehr Forschungsgeldern gegenüber.

Das Wort “Klimahysterie” wurde zum “Unwort des Jahres 2019” gewählt. Ähnlich wie auch bei früheren Wahlentscheidungen für solche “Unwörter” hat sich die Jury davon leiten lassen, dass die präsentierte Grundbehauptung, ein globaler Klimawandel finde nicht statt oder jedenfalls nicht mit wesentlichen Folgen, angesichts genügend verdichteter wissenschaftlicher Erkenntnisse längst nicht mehr haltbar ist. Es geht also um Diffamierung, nicht um eine Argumentation. Zudem dürfte für die Wahl entscheidend gewesen sein, dass das Schlagwort ziemlich offenkundig von Interessen geleitet wird und auch eine erhebliche politische Wirkung hat. Erwartungsgemäß ist die Wahl in entsprechenden Kreisen auf entschiedene Ablehnung gestoßen.

Auch der Vorwurf des Klima-Alarmismus wird oft erhoben – mit den etwa demselben zugrunde liegenden Denkmuster und derselben Kritik. Alarmismus läge vor, wenn übertriebene Warnungen ohne sachliche Grundlage verbreitet würden. Im vorliegenden Fall ist es aber umgekehrt: Nicht die Warnungen, sondern Vorwürfe wie der des Klima-Alarmismus sind unbegründet und im Lichte der wissenschaftlich abgesicherten Fakten unhaltbar. Wohl deswegen wird meist auch auf den Versuch verzichtet, die vorliegende Evidenz zu widerlegen; stattdessen wird die entsprechende Haltung ohne Begründung als eine Meinung dargestellt, die genauso berechtigt sei wie andere auch.

Fragen und Kommentare von Lesern

Hier können Sie Fragen und Kommentare zur Veröffentlichung und Beantwortung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass die Sache von breitem Interesse ist.

Wenn Ihnen hier geholfen wird, möchten Sie sich vielleicht mit einer Spende revanchieren, mit der Sie die weitere Entwicklung des Energielexikons unterstützen.

Datenschutz: Bitte geben Sie hier keine personenbezogenen Daten ein. Wir würden solche allerdings ohnehin nicht veröffentlichen und bei uns bald löschen. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Wenn Sie eine persönliche Rückmeldung oder eine Beratung vom Autor wünschen, schreiben Sie ihm bitte per E-Mail.

Ihre Frage oder Ihr Kommentar:

Ihr Hintergrund (freiwillige Angabe):

Spam-Prüfung:

  (Bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihre Eingaben gemäß unseren Regeln hier zu veröffentlichen.

Siehe auch: Klimagefahren, Klimaschutz, CO2-Budget
sowie andere Artikel in den Kategorien Energiepolitik, Ökologie und Umwelttechnik

preview

Wenn Ihnen diese Website gefällt, teilen Sie das doch auch Ihren Freunden und Kollegen mit – z. B. über Social Media durch einen Klick hier:

Diese Sharing-Buttons sind datenschutzfreundlich eingerichtet!

Code für Links auf anderen Webseiten

Wenn Sie einen Link auf diesen Artikel anderswo platzieren möchten (z. B. auf Ihrer Website, Social Media, Diskussionsforen oder in der Wikipedia), finden Sie hier den benötigten Code. Solche Links können z. B. für Worterklärungen sehr nützlich sein.

HTML-Link auf diesen Artikel:

<a href="https://www.energie-lexikon.info/klimahysterie.html">
Artikel über Klimahysterie</a>
im <a href="https://www.energie-lexikon.info/">RP-Energie-Lexikon</a>

Mit Vorschaubild (siehe den Kasten direkt über diesem):

<a href="https://www.energie-lexikon.info/klimahysterie.html">
<img src="https://www.energie-lexikon.info/previews/klimahysterie.png"
alt="Artikel" style="width:400px"></a>

Falls Sie es für angemessen halten, einen Link in der Wikipedia zu setzen, z. B. unter "==Weblinks==":

* [https://www.energie-lexikon.info/klimahysterie.html
Artikel über 'Klimahysterie' im RP-Energie-Lexikon]