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Lastprofil

Definition: der zeitliche Verlauf der von einem Strom- oder Gasverbraucher bezogenen Leistung

Englisch: load profile

Kategorien: elektrische Energie, Grundbegriffe

Autor:

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Ursprüngliche Erstellung: 14.01.2013; letzte Änderung: 14.03.2020

Das Lastprofil eines Verbrauchers z. B. für elektrische Energie oder Erdgas zeigt den zeitlichen Verlauf der bezogenen Leistung an. Es kann als Tagesprofil für einen Tag gelten, aber es gibt auch z. B. Jahresprofile, die die jahreszeitlichen Schwankungen zeigen. Andere (gleichbedeutende) Bezeichnungen sind Lastkurve und Lastgang.

Abbildung 1 zeigt als Beispiel das Tages-Lastprofil eines imaginären Kleinverbrauchers im Sommer und im Winter. Es zeigt gewisse Lastspitzen: morgens nach dem Aufstehen, mittags beim Kochen und abends für Beleuchtung. Generell ist die bezogene Leistung im Winter höher, insbesondere in der abendlichen Spitze, weil dann mehr elektrisches Licht benötigt wird.

Lastprofil von Kleinverbraucher
Abbildung 1: Lastprofile von Kleinverbrauchern (ohne Elektroheizung) für elektrische Energie im Sommer und Winter.

Natürlich hängt das konkrete Lastprofil jedes Verbrauchers erheblich von dessen Geräteausstattung und seinen Gewohnheiten ab. Beispielsweise können früh morgens und spät abends wesentlich stärkere Spitzen auftreten, wenn zum Waschen Warmwasser aus kleinen Elektroboilern entnommen wird. Ebenso spielt es eine Rolle, ob nachmittags mit dem Elektroherd gekocht wird. Wenn eine Elektrospeicherheizung betrieben wird, bezieht diese eine weitaus höhere Leistung als oben gezeigt, und zwar meist in der Nacht; der Verbrauch am Tag ist dann also oft viel geringer, außer wenn auch dann Nachheizungen des Wärmespeichers erfolgen. Eine Gasheizung dagegen führt zu einem geringen und relativ gleichmäßigen Beitrag zum Stromverbrauch.

Relevanz von Lastprofilen

Besonders bei der elektrischen Energie sind Lastprofile für die Energieversorgungsunternehmen (EVU) und die Netzbetreiber wichtig, da sie zu jeder Zeit genau die benötigte Leistung liefern müssen. Hierfür müssen sie im Voraus die Fahrpläne der Kraftwerke geeignet festlegen. Ihnen stehen zwar immer nur Lastprofile aus der Vergangenheit zur Verfügung, aber diese erlauben meist eine relativ genaue Vorhersage – nicht für einzelne Verbraucher, aber für große Gruppen von Verbrauchern, bei denen sich diverse zufällige Schwankungen herausmitteln. Für die Verbrauchsprognosen werden unterschiedliche Lastprofile verwendet, die von der Verbrauchergruppe, der Jahreszeit, der Witterung und dem Wochentag abhängen. Schwierig wird die Prognose oft an besonderen Tagen, etwa an Feiertagen (wo die Aktivitäten der Verbraucher stark vom Wetter abhängen können) oder bei besonderen Ereignissen. Für Abweichungen von den prognostizierten Lastgängen wird Regelenergie benötigt, die in der Regel deutlich teurer ist als Energie, die regulär im Day-Ahead-Stromhandel gekauft wird.

Auch für Stromrechnungen sind Lastprofile relevant. Grundsätzlich sollen die Verbraucher etwa in dem Maße finanziell belastet werden, wie sie zu den Kosten der Bereitstellung und Lieferung der elektrischen Energie beitragen. Als grobes Maß für den Beitrag zu den benötigten Erzeugungs- und Stromnetzkapazitäten dient die maximale Leistung (Spitzenleistung), die aus dem jeweiligen Lastprofil entnommen werden kann. Freilich berücksichtigt dies noch nicht, zu welchem Zeitpunkt die Lastspitze auftritt: Eine Lastspitze zur Schwachlastzeit ist offenkundig viel weniger relevant als eine zu einer Zeit allgemein hohen Verbrauchs.

Sehr große Verbraucher beeinflussen nicht nur gezielt ihre Lastprofile, sondern decken sie auch durch gezielte Stromkäufe an der Strombörse ab. Sie beziehen z. B. eine bestimmte Grundlast (den gleichbleibenden Anteil) und zusätzlich mehrere Lastblöcke für den verbleibenden Anteil. Auch für sie ist eine möglichst gute Prognose des Lastprofils finanziell wichtig.

Auch für ein Kraftwerk lässt sich ein Lastprofil (= Lastgang) angeben; dieses zeigt den zeitlichen Verlauf der in das Stromnetz eingespeisten Leistung.

Ermittlung von Lastprofilen

Bei größeren Strom- und Gasverbrauchern erfolgt eine registrierende Leistungsmessung: Ein Lastgangzähler ermittelt den konkreten Lastgang (mit einer Zeitauflösung von meist 15 Minuten), wobei die Daten automatisch an den Verteilungsnetzbetreiber übermittelt werden. Diese Daten können dann für die Abrechnung verwendet werden.

Bei Kleinverbrauchern lohnt sich eine Lastgangmessung nicht. Hier wird dem Stromtarif ein Standardlastprofil (SLP) zugrunde gelegt. Es gibt unterschiedliche Standardlastprofile z. B. für Haushalte, Gewerbe, Landwirtschaft, Wochenendbetriebe und Heizwärmespeicher, die jeweils noch nach dem geschätzten Jahresverbrauch skaliert werden. Das Profil eines einzelnen Kunden wird oft erheblich vom verwendeten Standardlastprofil abweichen, jedoch ist es für das EVU nur relevant, dass das Profil im Mittel über viele Kunden möglichst genau ist.

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