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Luftbefeuchter

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Definition: ein Gerät zur Befeuchtung der Raumluft, also zur Zufuhr von Wasserdampf

Englisch: air humidifier

Kategorie: Haustechnik

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 23.05.2010; letzte Änderung: 16.09.2016

Wenn die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen zu niedrig ist, kann dies diverse negative Auswirkungen haben, wie im Artikel über Luftfeuchtigkeit erklärt wird. Ebenso wird dort gezeigt, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, das Problem zu lösen. Der Einsatz eines Luftbefeuchters, d. h. eines Geräts, welches der Luft Wasserdampf zuführt, ist eine davon, und zwar häufig nicht die beste.

Arten von Luftbefeuchtern

Es gibt eine Reihe verschiedener technischer Ansätze für die Befeuchtung der Raumluft, welche sich in wichtigen Aspekten wie z. B. dem Primärenergieverbrauch und auch der Hygiene erheblich unterscheiden. Die wichtigsten Gerätetypen werden im Folgenden diskutiert.

Verdunster an Heizkörpern

Das Prinzip von Verdunstern ist, dass kaltes oder allenfalls leicht angewärmtes Wasser verdunstet, wenn es auf einer großen Oberfläche verteilt wird, an der Raumluft vorbeistreicht. Das Wasser siedet dabei aber nicht.

Die einfachste und früher häufig gebrauchte Konstruktion ist ein Kunststoffbehälter, der eine Filtermatte enthält und an einem Heizkörper befestigt wird. Im unteren Teil befindet sich ein Wassertank. Die Filtermatte steht am unteren Ende im Wassertank und saugt sich voll. Die natürliche Luftkonvektion am Heizkörper fördert die Verdunstung.

Bei ausreichender Fläche sind solche Verdunster gut wirksam. Allerdings muss der relativ kleine Wassertank häufig nachgefüllt werden. Zu einer Überfeuchtung kann es kaum kommen, da die Effektivität der Verdunstung bei höherer relativer Luftfeuchtigkeit naturgemäß abnimmt. Die Filtermatte muss alle paar Wochen ausgetauscht werden.

Verdunster an Heizkörpern werden leicht zu Giftschleudern, wenn die Verkeimung nicht unterbunden wird!

Es muss unbedingt verhindert werden, dass sich in einem Verdunster Keime und insbesondere Schimmelpilze entwickeln, da dies zu sehr gesundheitsschädlichen Emissionen in die Raumluft führen würde. Dazu werden in der Regel Desinfektionsmittel (Biozide) verwendet. Vom Betrieb ohne solche Mittel ist dringend abzuraten, da das feucht-warme Milieu am Heizkörper eine besonders schnelle Verkeimung verursachen würde. Man beachte, dass die Gesundheitsschädlichkeit von verkeimten Luftbefeuchtern weitaus schlimmer ist als die Auswirkungen zu geringer Luftfeuchtigkeit. Ebenfalls können geeignete Biozide, die nicht verdampfen, sondern im flüssigen Wasser bleiben, die Gesundheit kaum schädigen.

Der Energieaufwand für Verdunster ist relativ gering; es wird lediglich die unvermeidliche Verdampfungswärme des Wassers als Wärme der Raumluft entnommen.

Beim Verdampfen des Wassers bleibt etwas Kalkstein zurück, der teilweise in der Filtermatte bleibt und teilweise im Gehäuse. Der Kalk stört die Funktion des Geräts jedoch nicht.

Verdunster mit Ventilator

Verdunster mit Ventilator erlauben eine energiesparende Luftbefeuchtung. Aber auch sie benötigen ein Desinfektionsmittel, um die Verkeimung zu vermeiden.

Eine wesentlich höhere Verdampfungsleistung kann mit einem kompakten Gerät erzielt werden, wenn mit einem Ventilator ein stärkerer Luftstrom erzeugt wird. Solche Geräte werden meist am Boden aufgestellt und arbeiten mit kaltem Wasser. Sie enthalten entweder eine Filtermatte, die alle paar Wochen ausgetauscht werden muss, oder Kunststofflamellen, die erst nach etlichen Wochen gereinigt werden müssen.

Auch bei Ventilator-Verdunstern ist die Verhinderung der Verkeimung mit Hilfe eines Desinfektionsmittel (oder bei manchen Geräten mit einer UVC-Lampe) notwendig, auch wenn die Gefahr der Verkeimung immerhin geringer ist als bei Heizkörper-Verdunstern: Das Wasser darin hat höchstens Raumtemperatur, so dass sich Keime wesentlich langsamer entwickeln als im Heizkörper-Verdunster.

Der Energieaufwand für den Ventilator ist nicht allzu groß; die Aufnahmeleistung kann z. B. rund 20 W betragen. Bei einem diesbezüglich optimierten Gerät könnte es auch deutlich weniger sein. Unter Umständen kann das Ventilatorgeräusch stören.

Verdampfer

Verdampfer brauchen sehr viel mehr Energie als Verdunster.

In einem Verdampfer wird Wasser in der Regel durch ein Elektro-Heizelement zum Sieden gebracht. Hierdurch ist eine hohe Verdampfungsleistung auch mit einem kompakten Gerät möglich, und bei sachgemäßer Konstruktion verhindert die Hitze eine Verkeimung zuverlässig. Bei ungünstiger Konstruktion könnten jedoch Legionellen-Bakterien über feine lungengängige Wassertröpfchen in die Raumluft gelangen, was hygienisch problematisch wäre. Vorsichtshalber werden manchmal auch in Verdampfern Desinfektionsmittel verwendet.

Nachteile von Verdampfern sind vor allem der hohe Stromverbrauch – hunderte von Watt, weitaus höher als bei Verdunstern mit Ventilator – sowie die Notwendigkeit der regelmäßigen Entkalkung. Außerdem lässt die Befeuchtungsleistung auch bei bereits hoher Luftfeuchtigkeit nicht nach, und insbesondere an Gegenständen in der Umgebung kann Kondenswasser entstehen. Aus diesen Gründen sollten Verdampfer unbedingt mit einem Hygrostaten (einer automatischen Abschaltung bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit) versehen sein und nicht zu nahe bei Fenstern oder anderen Gegenständen aufgestellt werden.

Zerstäuber

Zerstäuber arbeiten mit kaltem Wasser, welches zu winzigen Tröpfchen zerstäubt wird. Häufig dient dazu ein kleiner Ultraschallgenerator, oder bei größeren Geräten eine Druckpumpe mit feinen Düsen. Der entstehende kalte Nebel entweicht entweder selbsttätig in den Raum, oder er wird mit einem schwachen Ventilator weggeblasen. Erst im Raum verdampfen dann die Nebeltröpfchen vollständig.

Zerstäuber sind ebenfalls energiesparend, aber hygienisch problematischer als Verdunster.

Die Hygiene kann mit Zerstäubern problematisch sein. Keime könnten in feinen lungengängigen Wassertröpfchen entweichen. Biozide wird man jedoch kaum anwenden wollen, da sie (anders als bei Verdunstern) unweigerlich auch in die Atemluft gelangen würden. Eine regelmäßige und sorgfältige Reinigung solcher Geräte ist deswegen sehr wichtig.

Auch bei Zerstäubern nimmt die Befeuchtungsleistung nicht selbsttätig ab, wenn die Luftfeuchtigkeit ansteigt, außer wenn ein Hygrostat eingebaut ist.

Zentrale Befeuchtungsanlagen

Zentrale Klimaanlagen können ebenfalls mit Einrichtungen zur Luftbefeuchtung im Winter versehen sein. Diese können wie die kleineren Geräte mit Verdampfung, Verdunstung oder Zerstäubung arbeiten, wobei im Falle der Verdampfung wiederum ein hoher Energieaufwand entsteht. Wie bei kleinen Einzelgeräten muss eine Verkeimung dringend verhindert werden, und ebenso ist eine gelegentliche Entkalkung notwendig. Ein gewisser Wartungsaufwand entsteht also praktisch unweigerlich, obwohl immerhin nur ein Gerät anstelle einer größeren Zahl von Einzelraumgeräten gewartet werden muss.

Feuchterückgewinnung in Lüftungsanlagen

Die Feuchterückgewinnung in Lüftungsanlagen kann sehr sinnvoll sein: energiesparend, hygienisch und wartungsarm.

Manche zentralen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung erlauben zusätzlich die Rückgewinnung eines Teils der Luftfeuchtigkeit aus der Abluft. In diesem Falle entsteht praktisch kein zusätzlicher Energieverbrauch. Außerdem entfallen Probleme der Verkalkung, hygienische Probleme sollten nicht auftreten, und ein zusätzlicher Wartungsbedarf in der Regel ebenfalls nicht.

Empfehlungen

Nehmen Sie keine Luftbefeuchtung vor, wenn die Luftfeuchtigkeit nicht nachweislich zu gering ist!

Bevor irgendeine Art der aktiven Luftbefeuchtung eingesetzt wird, sollte unbedingt geprüft werden, ob die relative Luftfeuchtigkeit in den Räumen tatsächlich zu niedrig ist (d. h. für längere Zeit unter 35 %) und ob das Problem auch anders gelöst werden könnte, z. B. durch eine Reduktion des Luftdurchsatzes oder die Änderung von Benutzungsgewohnheiten (z. B. Vermeidung von dauernd geöffneten Kippfenstern). Auch manche Zimmerpflanzen können einiges Wasser verdunsten und vermeiden die meisten Nachteile und Probleme von Luftbefeuchtern.

Wenn eine Luftbefeuchtung notwendig ist, dürfte die Methode der Feuchterückgewinnung in der Lüftungsanlage die vorteilhafteste sein, da sie keinen zusätzlichen Energie- und Wartungsaufwand verursacht und auch sonst keine negativen Nebenwirkungen hat.

Wenn keine Lüftungsanlage vorhanden ist, können einzelne Luftbefeuchter eingesetzt werden. Von Verdampfern ist jedoch wegen des hohen Energiebedarfs und der ständigen Verkalkung abzuraten. Zerstäuber sollten aus hygienischen Gründen nicht verwendet werden, außer wenn sie sehr regelmäßig und sorgfältig gereinigt werden. Verdunster, insbesondere Geräte mit Ventilator und ohne Filtermatten, sind eine wesentlich bessere Lösung. Jedoch muss auch hier unbedingt die Verkeimung verhindert werden, in aller Regel durch Einsatz eines Desinfektionsmittels, und es entsteht ein gewisser Aufwand für die Wartung und das regelmäßige Nachfüllen des Wassers.

Siehe auch: Luftfeuchtigkeit, Lüftungsanlage, Klimaanlage, Luftentfeuchter, Schimmel in Wohnräumen
sowie andere Artikel in der Kategorie Haustechnik

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