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Luftfeuchtigkeit

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Definition: der Gehalt von Wasserdampf in der Luft, zum Beispiel in einem Raum

Englisch: humidity

Kategorien: Grundbegriffe, physikalische Grundlagen

Formelsymbol: f (absolute Feuchte), φ (relative Feuchte)

Einheit: g/m3 (absolute Feuchte), % (relative Feuchte)

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 20.05.2010; letzte Änderung: 08.08.2016

Luftfeuchtigkeit ist meist nicht sichtbar – es geht um Wasserdampf in der Luft, nicht um Nebeltröpfchen.

Die Luftfeuchtigkeit (oder Luftfeuchte) sagt aus, wie viel Wasserdampf sich in der Luft z. B. eines Wohnraums befindet. Für das menschliche Wohlbefinden spielt dies eine wichtige Rolle, und es hat auf verschiedene Weisen auch mit energetischen Aspekten zu tun. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Bedeutung der Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen.

Man beachte, dass Luftfeuchtigkeit normalerweise nicht sichtbar ist, weil der Wasserdampf als Gas fein verteilt ist. Erst wenn mehr Wasser zugeführt wird, als die Luft aufnehmen kann, können sichtbare Nebeltröpfchen entstehen.

Absolute und relative Luftfeuchtigkeit

Die absolute Luftfeuchtigkeit ist der Gehalt an Wasserdampf, meist angegeben in Gramm pro Kubikmeter (g/m3). Dieser Wert kann variieren zwischen Null und einem Maximalwert, der stark von der Lufttemperatur abhängt (siehe Abbildung 1). Beispielsweise können bei 10 °C maximal 9,4 g/m3 erreicht werden, bei 20 °C schon 17,3 g/m3. Wenn die maximale Luftfeuchte erreicht ist und weiterer Wasserdampf zugeführt wird, kondensiert ein Teil des Wassers, was zur Bildung von feinen Nebeltröpfchen oder einem Wasserfilm an den Raumwänden führen kann (siehe auch den letzten Abschnitt). Solche Kondensation tritt auch auf, wenn die Luft abgekühlt wird und hierdurch die maximale Feuchte unter die tatsächliche Luftfeuchte fällt.

absolute und relative Luftfeuchte

Abbildung 1: Wasserdampfgehalt der Luft in Abhängigkeit von der Temperatur bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 20 % (unterste Kurve), 40 %, 60 %, 80 % und 100 % (oberste dicke Kurve). Die oberste Kurve zeigt also an, wie viel Wasserdampf die Luft maximal enthalten kann.

In vieler Hinsicht ist die relative Luftfeuchtigkeit relevanter als die absolute. Sie hängt nicht nur vom Wassergehalt der Luft ab, sondern auch von ihrer Temperatur.

Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, zu welchem Prozentsatz die absolute Luftfeuchtigkeit den maximalen Wert ausschöpft. Wenn sie niedrig ist, kann die Luft leicht noch weitere Feuchtigkeit aufnehmen. In solch trockener Luft können feuchte Gegenstände schnell getrocknet werden. Sobald dagegen 100 % Luftfeuchtigkeit erreicht werden, wird Kondensation eintreten, und Gegenstände im Raum (v. a. kalte) können feucht werden.

Für das menschliche Wohlbefinden (siehe unten) ist in erster Linie die relative Luftfeuchtigkeit relevant, nicht die absolute.

Wenn der Luft z. B. an einem Heizkörper Wärme zugeführt wird, ohne dass Wasserdampf hinzugefügt oder entnommen wird, bleibt die absolute Luftfeuchtigkeit unverändert, während die relative Luftfeuchtigkeit absinkt (siehe Abbildung 2), da die Luft bei höherer Temperatur ja mehr Wasserdampf aufnehmen könnte.

relative Luftfeuchte abhängig von der Temperatur

Abbildung 2: Relative Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit von der Temperatur bei verschiedenen Werten der absoluten Feuchte. Hat man z. B. 60 % Luftfeuchtigkeit bei einer Raumtemperatur von 24 °C (rechter Rand), so gilt die vierte Kurve von oben. Der rötlich gefärbte obere Bereich zeigt die (grob abgeschätzte) Gefahr von Schimmelbildung an Außenwänden an. Diesen Bereich trifft man beispielsweise, wenn Raumluft mit ursprünglich 24 °C und 60 % Luftfeuchtigkeit an einer Wandoberfläche auf ca. 19 °C abgekühlt wird. Bei einer Raumtemperatur von 20 °C müsste man auf unter 16 °C abkühlen, damit dies geschieht.

Taupunkt

Wenn sich in einem Raum ein Gegenstand befindet, der kühler ist als die Raumluft (z. B. eine Außenwand in einem nicht wärmegedämmten Haus), kann Kondensation schon früher auftreten, da die Luft lokal abgekühlt wird, so dass lokal die relative Luftfeuchtigkeit 100 % erreichen kann. Mit anderen Worten wird der Taupunkt dort unterschritten. Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die man die Luft abkühlen müsste, damit die Kondensation beginnt. Er hängt unmittelbar von der absoluten Luftfeuchtigkeit ab.

Als Beispiel betrachte man ein Zimmer mit 20 °C Lufttemperatur und einer relativen Luftfeuchte von 60 %. Gemäß Abbildung 1 kann die Luft bei 20 °C maximal 17,3 g/m3 Wasserdampf aufnehmen; bei 60 % Luftfeuchtigkeit sind es also 0,60 · 17,3 g/m3 = 10,4 g/m3. Dies entspräche 100 % Luftfeuchtigkeit bei 11,6 °C, was man wiederum Abbildung 1 entnehmen kann. Also liegt der Taupunkt bei 11,6 °C. Dies lässt sich auch aus Abbildung 3 ablesen.

Taupunkt in Abhängigkeit von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte

Abbildung 3: Der Taupunkt in Abhängigkeit von der relativen Luftfeuchte für vier verschiedene Lufttemperaturen von 15 °C, 20 °C, 25 °C und 30 °C. Für höhere Lufttemperaturen ergibt sich ein höherer Taupunkt, da die absolute Luftfeuchte dann höher ist.

Der Artikel über den Taupunkt enthält weitere Details, auch im Zusammenhang mit wärmegedämmten Wandkonstruktionen

Von schwülem Wetter spricht man, wenn der Taupunkt oberhalb von 16 °C liegt. Dies entspricht zum Beispiel bei 20 °C einer relativen Luftfeuchtigkeit von mehr als 79 %, oder bei 25 °C von mehr als 59 %. Wenn in Innenräumen zusätzlich Feuchtigkeit an die Luft abgegeben wird, empfindet man natürlich entsprechend früher eine Schwüle.

Feuchttemperatur

Schwieriger als der Taupunkt ist der Begriff Feuchttemperatur zu verstehen, der z. B. in der Meteorologie und in der Kühltechnik gebräuchlich ist. Hierzu stellt man sich vor, man würde beispielsweise ein bestimmtes Volumen der zu untersuchenden Luft mit einer Wasseroberfläche (z. B. einem befeuchteten Schwamm oder mit eingesprühten Tröpfchen) mit anfangs gleicher Temperatur in Kontakt bringen, sodass Wasser so lange verdampfen kann, bis die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Hierbei würde die Temperatur absinken, da die Verdampfung Wärme verbraucht (→ Verdampfungswärme). Die Endtemperatur, die sich einstellt unter der Annahme, dass mit der Umgebung keine Wärme ausgetauscht wird, wird als Feuchttemperatur (oder Feuchtkugeltemperatur) bezeichnet.

Wenn die Luft anfangs schon sehr feucht war, kann nur wenig Wasser verdampfen, und die Feuchttemperatur liegt nur wenig unter der ursprünglichen Temperatur. Bei sehr trockener Luft dagegen liegt die Feuchttemperatur entsprechend tiefer – ähnlich wie der Taupunkt.

Auch die Feuchttemperatur lässt sich messtechnisch ermitteln, insbesondere mit einem Assmannschen Aspirationspsychrometer. Daraus zusammen mit der Temperatur lässt sich dann z. B. die relative und absolute Luftfeuchtigkeit berechnen. Umgekehrt kann natürlich die Feuchttemperatur aus den anderen Größen berechnet werden.

Von praktischer Bedeutung ist die Feuchttemperatur beispielsweise beim Einsatz der Verdunstungskühlung in Kühltürmen. Hier setzt die Feuchttemperatur der verwendeten Luft die untere Grenze für die erreichbare Kühltemperatur; sie werden deswegen auch als Kühlgrenztemperatur bezeichnet. Damit kann abgeschätzt werden, wie die Wirksamkeit eines Kühlturms von der Luftfeuchtigkeit abhängt.

Messung der Luftfeuchtigkeit

analoges Hygrometer

Abbildung 4: Ein Hygrometer mit analoger Anzeige. Es zeigt die relative Luft­feuchtig­keit in Prozent an.

Da die Luftfeuchtigkeit anders als z. B. die Raumtemperatur schwer nach dem Empfinden beurteilt werden kann, ist im Zweifel eine Messung notwendig. Hierfür gibt es verschiedene Arten von Hygrometern, sowohl mit analoger Anzeige über einen Zeiger als auch mit digitaler Anzeige. Preisgünstige Geräte erweisen sich leider häufig als nicht sehr verlässlich; es empfiehlt sich, im Zweifelsfall die Anzeige mehrerer Geräte zu vergleichen. Man beachte auch, dass es häufig einige Minuten dauert, bis ein Gerät die Luftfeuchtigkeit korrekt anzeigt.

Luftfeuchtigkeit in beheizten Wohnungen

In Wohnräumen gibt es verschiedene Einflüsse auf die Luftfeuchtigkeit:

Probleme mit zu niedriger Luftfeuchtigkeit

Eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit ist aus verschiedenen Gründen schädlich. Bevor man sie bekämpft, sollte sie aber zuverlässig gemessen worden sein.

Wenn die Außenluft im Winter kalt ist, kann ihre absolute Luftfeuchtigkeit nicht sehr hoch sein, da die Luft dann wenig Wasserdampf aufnehmen kann. Wenn diese Luft nun ins Haus kommt und dort erwärmt wird (z. B. durch die Heizungsanlage), ändert dies die absolute Luftfeuchtigkeit nicht; jedoch nimmt die relative Luftfeuchtigkeit ab, da die Luft bei höherer Temperatur ja mehr Feuchtigkeit aufnehmen könnte. In diesem Sinne trocknet das Heizen – gleich mit welcher Methode – die Luft aus, ohne dass ihr Wasserdampf entzogen wird. Dieser Effekt ist besonders stark an trockenen und kalten Wintertagen und bei starkem Luftaustausch; die relative Luftfeuchtigkeit kann dann so niedrig werden (unter 30 %), dass der Wohnkomfort beeinträchtigt wird:

  • Zu trockene Luft trocknet vor allem die Schleimhäute aus, aber auch die Haut. Dies erhöht die Gefahr von Atemwegsinfektionen, trockener Haut und Augenbrennen. Infektionen werden auch dadurch gefördert, dass Viren und Bakterien bei trockener Luft länger in der Luft bleiben. (Bei feuchterer Luft werden sie von einem Wasserfilm umhüllt, der ihre Masse und damit die Sinkgeschwindigkeit erhöht.)
  • Ebenfalls wird trockener Staub leichter aufgewirbelt, was besonders bei Personen mit einer Stauballergie sehr belastend sein kann.
  • Bei sehr trockener Luft bilden sich leicht elektrostatische Aufladungen, z. B. wenn man über einen Teppich geht. Dies führt zu lästigen kleinen Stromschlägen z. B. beim Berühren von Wasserhahnen und kann elektronische Geräte beschädigen.

Diverse Maßnahmen kommen in Frage, um die Luftfeuchtigkeit im Winter anzuheben:

  • Diverse Arten von Luftbefeuchtern können eingesetzt werden. Leider können diese unter Umständen erheblich elektrische Energie verbrauchen, bei Verkeimung Schadstoffe abgeben und lästige Geräusche verursachen. Außerdem entsteht meist ein gewisser Wartungsaufwand für das Nachfüllen, Entkalken und Reinigen. Es gibt aber Geräte, die recht befriedigend funktionieren, auch ohne allzu großen Strombedarf.
  • Natürliche Luftbefeuchter sind Pflanzen, die viel Wasser brauchen, also entsprechend viel gegossen werden müssen.
  • Man kann absichtlich die Tür des Badezimmers nach dem Duschen offen lassen, den Dampfabzug beim Kochen sparsam einsetzen, etc.
  • Eine unnötig hohe Luftwechselrate z. B. durch übermäßiges Lüften (dauernd gekippte Fenster) oder auch durch undichte Fenster, Türen, Schornsteine etc. sollte vermieden werden.
  • Es gibt Lüftungsanlagen, die nicht nur Wärmerückgewinnung ermöglichen, sondern auch die Feuchte der Abluft teilweise wieder der frischen Zuluft zuführen können. Dies ist insbesondere dann empfehlenswert, wenn eine große Wohnfläche von wenigen Personen benutzt wird, so dass wenig Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben wird.

Da die subjektive Einschätzung der Luftfeuchtigkeit (etwa über “trockene Heizungsluft”) vollkommen falsch sein kann, sollten Maßnahmen zur Luftbefeuchtung unbedingt nur dann eingesetzt werden, wenn eine Messung tatsächlich eine über längere Zeit zu niedrige Luftfeuchtigkeit bestätigt. Nur wenn im Haus erhebliche elektrostatische Aufladungen auftreten, kann man auch ohne Messung sicher davon ausgehen, dass die Luft zu trocken ist. Unnötiges Befeuchten ist zu vermeiden – nicht nur wegen des Aufwandes, sondern auch wegen der Nachteile zu hoher Feuchtigkeit, wie im Folgenden erklärt.

Probleme mit zu hoher Luftfeuchtigkeit

Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen birgt erhebliche Gesundheitsgefahren durch Schimmel. Eine ausreichende Belüftung ist ein wirksames Mittel dagegen. Oft stellt man aber nur mit einer kontrollierten Belüftung (mit einer Lüftungsanlage) sicher, dass immer genug gelüftet wird.

Bei geringem Luftaustausch und starker Zufuhr von Feuchtigkeit kann in der Wohnung auch eine recht hohe relative Luftfeuchtigkeit entstehen, die besonders problematisch sein kann. Insbesondere in unzureichend wärmegedämmten Häusern kann dann an kalten Stellen der Außenwände Kondensation von Wasser auftreten (siehe auch den letzten Abschnitt). Ebenfalls problematisch kann eine unsachgemäß angebrachte Innendämmung sein, bei der Luft an die kühlere Rückseite gelangen kann. Dies begünstigt den Befall mit Schimmelpilzen, welche sehr gesundheitsschädliche Stoffe an die Raumluft abgeben. Solche können Allergien hervorrufen, und sie begünstigen auch Asthma, Rhinitis sowie atopische Ekzeme.

Um solche Feuchteschäden und Gesundheitsrisiken zu vermeiden, sollte die relative Luftfeuchtigkeit zumindest in Häusern ohne Wärmedämmung der Außenwände möglichst nie über 60 % ansteigen. Wenn starke Wärmebrücken vorhanden sind, kann es Feuchtigkeitsprobleme schon deutlich unterhalb von 60 % Luftfeuchte geben.

Milben vermehren sich ebenfalls verstärkt bei hohen Luftfeuchtigkeiten (über 60 %) und geben dann entsprechend mehr allergene Stoffe ab, die für Hausstauballergiker problematisch sind. Sie leben häufig auch in Matratzen, in denen die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit deutlich höher als in der Raumluft sein kann, wenn die Betten ungenügend ausgelüftet (und womöglich mit einer dichten Tagesdecke versiegelt) werden.

Die einfachste und wirkungsvollste Maßnahme gegen eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Winter ist ausreichendes Lüften, idealerweise unter Verwendung einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Selbst Anlagen mit Feuchterückgewinnung sollten kaum zu zu hoher Luftfeuchtigkeit führen, dann die Feuchterückgewinnung in der Regel dann automatisch weniger effektiv wird.

Oft wird eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in Räumen den angeblich zu dichten Fenstern (nach Einbau moderner Fenster) zugeschrieben. Übersehen wird hierbei, dass die Belüftung allein durch Undichtigkeiten ohnehin vollkommen unzureichend ist, solange nicht extreme Undichtigkeiten vorliegen. Allerdings gibt es Fälle, in denen gezielt eingebrachte Lufteinlasskanäle z. B. in Fensterrahmen nötig sind für die korrekte Funktion einer reinen Abluft-Lüftungsanlage; beseitigt man solche Arten von Undichtigkeiten, wird die Lüftungsanlage weitgehend unwirksam, und man müsste entsprechend stärker die Fensterlüftung betreiben.

Luftentfeuchter können in bestimmten Situationen nützlich sein. Für Wohnräume sind sie aber meist nicht die beste Lösung.

Es gibt Geräte zur Luftentfeuchtung (Raumluftentfeuchter), die in bestimmten Situationen nützlich sein können: etwa zur Austrocknung der Räume nach Bauarbeiten oder in Räumen, in denen Wäsche getrocknet wird. Zum Wäschetrocknen gibt es spezielle Raumluft-Wäschetrockner. Der Energieaufwand für den Betrieb eines solchen Geräts ist erheblich, kann aber gerechtfertigt sein, wenn dadurch massive Wärmeverluste durch Lüften vermieden werden. Im Normalbetrieb von Wohnräumen sind Raumluftentfeuchter allerdings unnötig, da die ohnehin nötige Belüftung die Feuchtigkeit schon genügend tief hält.

Wenn schon ein Schimmelpilzbefall aufgetreten ist, müssen die betroffenen Stellen der Wand unbedingt sachgerecht saniert werden. Danach muss das Wiederauftreten des Problems zuverlässig unterbunden worden, etwa durch Verbesserung der Belüftung (was aber nur mit einer automatischen Lüftungsanlage zuverlässig erfolgt) oder durch eine Wärmedämmung des Hauses an den Außenwänden. Simple Methoden wie schimmelhemmende Anstriche dürften häufig wenig effektiv sein und könnten womöglich noch zusätzliche gesundheitsschädliche Stoffe abgeben.

Wenn im Sommer die Luftfeuchtigkeit unangenehm hoch ist (bei schwülem Wetter), hilft das Lüften naturgemäß nicht. Eine Luftentfeuchtung ist dann nur über eine Klimaanlage möglich. Hier wird die angesogene Luft zunächst stark abgekühlt, so dass ein Teil des Wasserdampfs auskondensiert und als Abwasser abgeführt werden kann. Eventuell wird die Luft danach wieder etwas erwärmt. Solche Verfahren verursachen einen nicht unerheblichen Primärenergieaufwand.

Der Artikel über die Belüftung von Gebäuden enthält weitere Details zur Reduktion der Luftfeuchtigkeit durch Luftaustausch.

Feuchtigkeitsausgleich über Wände

“Atmende Wände” sind eine unrealistische Vorstellung, weil der Abtransport von Feuchtigkeit durch Diffusion in den Wänden viel zu schwach ist, um die Entfeuchtung durch Lüften spürbar zu ergänzen. Eine kurzzeitige Pufferung durch Speicherung von Feuchtigkeit ist jedoch möglich.

Häufig wird vorgebracht, die Abfuhr von Feuchtigkeit durch die Hauswände sei ein wesentlicher Faktor für das Raumklima; es sei deswegen wichtig, dass eine Wand “atmen” kann. Dies ist jedoch unzutreffend: Selbst bei relativ durchlässigen Baumaterialien ist die Luftdurchlässigkeit so gering, dass der damit verbundene Transport von Wasserdampf vernachlässigbar klein ist. Eher bedeutsam sind große Undichtigkeiten an Fenstern und Türen, Dachkonstruktionen, Schornsteinen etc., und vor allem das Lüften.

Ein tatsächlich wichtiger Aspekt kann jedoch die Speicherung von Feuchtigkeit an und unter der Oberfläche einer Wand sein. Besonders poröse Materialien wie Gips, aber auch Holzwände können nennenswerte Mengen von Feuchtigkeit speichern. Dies kann zwar keine dauerhafte Anhebung oder Absenkung der Luftfeuchtigkeit zur Folge haben, durchaus jedoch eine deutliche Verminderung von Schwankungen der Luftfeuchtigkeit durch Feuchtepufferung. Beispielsweise in Badezimmern kann dies vorteilhaft sein.

Feuchte Wände

Feuchte Wände entstehen durch zu hohe Luftfeuchtigkeit und/oder eine zu niedrige Lufttemperatur bei mangelhafter Wärmedämmung.

Wie oben beschrieben, können feuchte Wände die Folge einer zu hohen Luftfeuchtigkeit im Raum sein – insbesondere dann, wenn die Außenwände aufgrund mangelhafter Wärmedämmung im Winter kalt werden. Das Problem wird akut, wenn an einer Wand der Taupunkt unterschritten wird: Dann kondensiert nämlich ständig Wasser an der Wand, und sie wird unweigerlich feucht.

In Kellerräumen können feuchte Wände jedoch auch andere Ursachen haben und dann eine hohe Luftfeuchtigkeit zur Folge haben. Wenn eine Außenabdichtung (d. h. die Abdichtung der Außenwand gegen das Erdreich) schadhaft ist, kann von außen Wasser in die Wand eindringen, so dass sie bis innen feucht wird. Andere Möglichkeiten sind aufsteigende Feuchtigkeit vom Fundament her und eine Durchnässung als Folge defekter Abwasserleitungen. Die Wand verdunstet innen (im Kellerraum) dann Wasser, so dass die Luftfeuchtigkeit dort ansteigt – bei geringer Belüftung so lange, bis an der Wand der Taupunkt erreicht ist, eine weitere Trocknung der Wand über die Luft also kaum mehr möglich ist.

Für Entscheidungen über Sanierungsmaßnahmen ist es offenkundig essenziell zu wissen, ob eine feuchte Wand die Ursache oder die Folge zu hoher Luftfeuchtigkeit ist. Um dies herauszufinden, sollte man beobachten, ob die Wand auch dann feucht bleibt, wenn die Luftfeuchtigkeit durch sinnvolles Lüften oder durch Einsatz eines Luftentfeuchters so gesenkt wird, dass die Wandtemperatur immer über dem Taupunkt liegt. Falls dies so ist, kommt die Feuchtigkeit nicht aus der Luft, sondern z. B. durch eine mangelhafte Abdichtung der Wand oder des Fundaments, oder durch defekte Rohrleitungen. Dann wird nur eine Sanierung der Ursache das Problem beheben können. Man kann zwar die Luftfeuchtigkeit auch einfach durch ständiges Lüften oder den ständigen Betrieb eines Luftentfeuchters niedrig halten, aber dies behebt das Problem nicht, sondern verhindert allenfalls Folgeschäden insbesondere durch Schimmel.

Literatur

[1]Ratgeber zu Schimmel und Feuchtigkeit in Wohnräumen
[2]Extra-Artikel: Trocknen Heizkörper die Luft besonders stark aus?

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Lüftungsanlage, latente Wärme, Luftbefeuchter, Luftentfeuchter, Fensterlüftung, Klimaanlage, Luftwechselrate, Schimmel in Wohnräumen
sowie andere Artikel in den Kategorien Grundbegriffe, physikalische Grundlagen

Alles verstanden?


Frage: Warum kann ein Kellerraum im Sommer feuchter werden, wenn man ihn lüftet – auch bei sonnigem Wetter?

(a) weil die warme Luft Feuchtigkeit aus den Wänden austreibt

(b) weil die warme Luft außen viel Feuchtigkeit aufnehmen kann

(c) weil die relative Luftfeuchtigkeit ansteigt, wenn die eintretende Luft im Keller abgekühlt wird

(d) weil Feuchtigkeit dazu neigt, sich am ehesten an dunklen Stellen niederzuschlagen


Frage: Wie kann sich die Luftfeuchtigkeit der Raumluft durch stärkere Beheizung ändern?

(a) Es ändert sich gar nichts, weil dadurch weder Wasserdampf zugeführt noch abgeführt wird.

(b) Die relative Luftfeuchtigkeit dürfte abnehmen, weil warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann.

(c) Die relative Luftfeuchtigkeit dürfte zunehmen, weil warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann.

(d) Die absolute Luftfeuchtigkeit kann zunehmen, wenn z. B. Zimmerpflanzen dann mehr Wasser verdunsten.


Siehe auch unser Energie-Quiz!

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