www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Methanhydrat

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: eine Einlagerungsverbindung aus Methan und Wasser

Englisch: methane clathrate

Kategorien: Energieträger, Umwelt und Ökologie

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 17.06.2014; letzte Änderung: 10.08.2016

Methanhydrat ist eine Substanz, die äußerlich ähnlich wie Wassereis aussieht. Sie besteht aus dem sonst gasförmigen Methan (CH4), welches in gefrorenem Wasser eingebettet ist. Die Dichte ist ca. 0,9 g/cm3, also ähnlich wie die von Wassereis, aber deutlich geringer als die von flüssigem Wasser. Bei Normaldruck ist Methanhydrat nicht stabil – es zerfällt in gasförmiges Methan und Wasser. Bei hohem Druck ab ca. 20 bar (z. B. in Wassertiefen ab ca. 200 m) und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt jedoch kann sich Methanhydrat aus Methan und Süßwasser bilden und bleibt stabil. Bei Salzwasser (Meerwasser) sind noch höhere Drucke und niedrigere Temperaturen nötig.

Andere Bezeichnungen für diese Substanz sind Methanklathrat, Methaneis und gelegentlich auch Gaskondensat, wobei die letztere Bezeichnung verwirrend ist, da sie sonst für bestimmte andere Kohlenwasserstoffe verwendet wird, die bei der Erdölverarbeitung anfallen. Die weitere Bezeichnung “brennbares Eis” ergab sich daraus, dass Methanhydrat wie normales Wassereis aussieht, aber an der Luft brennen kann, weil das brennbare Methan entweicht.

Vorkommen von Methanhydrat

Methanhydrat wird häufig im küstennahen Meer gefunden, besonders an Kontinentalabhängen, sowie in den Permafrostböden der Polargebiete, z. B. in Alaska. Es ist häufig in Poren von Sedimenten eingebettet. Normalerweise würde das Methanhydrat wegen seiner geringeren Dichte als Wasser im Meer aufsteigen und nahe der Oberfläche in Methan und Wasser zerfallen. Jedoch kann es durch Einbettung in Sedimente langfristig gebunden am Meeresboden bleiben. Nach vorherrschender wissenschaftlicher Meinung stammt das Methan aus biologischen Prozessen.

Die gesamten weltweiten Methanhydratvorkommen könnten sehr groß sein – womöglich größer als die von Erdöl, Erdgas und Kohle zusammen. Insofern ist Methanhydrat im Prinzip als ein fossiler Energieträger zum Ersatz des allmählich knapper werdenden Erdgases interessant. Allerdings ist die Förderung bislang nicht wirtschaftlich. Es müssten dafür geeignete Förderverfahren entwickelt werden, die auch vermeiden, dass nennenswerte Mengen von Methan unverbrannt in die Atmosphäre gelangen. Methan ist nämlich sehr klimaschädlich.

Stabilität der Methanhydratvorkommen in Zeiten der globalen Erwärmung

Die globale Klimaerwärmung könnte zu großen Methanfreisetzungen führen und damit in eine Klimakatastrophe münden! Der Zerfall von Methanhydrat würde hierbei eine große Rolle spielen.

Die Stabilität der großen Methanhydratvorkommen ist nicht nur durch mögliche direkte menschliche Einflüsse gefährdet, sondern auch durch die globale Klimaerwärmung. Steigende Wassertemperaturen können nämlich zum Zerfall dieser Substanz führen, wobei gasförmiges Methan freigesetzt wird. Im Meerwasser steigt es nach oben und gelangt schließlich in die Atmosphäre, soweit es nicht auf dem Weg dorthin von Bakterien abgebaut wird (unter Verbrauch von Sauerstoff). Wenn dies einmal in großem Umfang geschähe, würde damit der Treibhauseffekt weiter ansteigen, und in der Folge würde noch mehr Methan freigesetzt. Dieser selbstverstärkende Mechanismus könnte insbesondere dann, wenn die weltweiten Klimaschutzbemühungen nicht bald massiv verstärkt werden, wesentlich für das Eintreten einer Klimakatastrophe werden. Er würde innerhalb einiger tausend Jahre das Erdklima vollkommen ändern, wie es auch in der fernen Vergangenheit offenbar schon mehrfach passiert ist. Ein Anstieg der Oberflächentemperaturen der Meere um mehrere Kelvin bis zum Jahr 2100 ist durchaus möglich und andererseits ausreichend für massive Methanfreisetzungen. Ähnliche Effekte sind übrigens auch für Methan in Permafrostböden zu befürchten, wenn diese auftauen.

Siehe auch: Methan, Klimagefahren
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieträger, Umwelt und Ökologie

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Die neuesten Artikel des RP-Energie-Blogs:

Solche Artikel können Sie regelmäßig als Newsletter erhalten!

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)