www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Mindesterzeugung

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: die minimale Erzeugungsleistung einer Anlage oder eines Kraftwerkparks

Englisch: minimum generation

Kategorie: elektrische Energie

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 01.03.2015; letzte Änderung: 17.05.2016

Der Begriff Mindesterzeugung bedeutet allgemein gesehen die minimale Produktion von Energie oder Leistung, die eine bestimmte Anlage oder z. B. ein Kraftwerkspark erbringen muss.

Im Falle einer einzelnen Anlage, beispielsweise eines Kraftwerks, kann dies die minimale elektrische Leistung bedeuten, mit der die Anlage noch sinnvoll betrieben werden kann. Bei noch niedrigerer elektrischer Leistung würde beispielsweise der Wirkungsgrad zu weit abfallen, sodass die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben wäre. In anderen Fällen müssen Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung zu gewissen Zeiten eine hohe Leistung bringen, um genügend Wärme liefern zu können. Das letztere Problem lässt sich in manchen Fällen entschärfen durch die Verwendung von Wärmespeichern, die die Deckung des Wärmebedarfs zeitweise auch ohne Betrieb der Stromerzeugungsanlage ermöglichen.

Im Falle des gesamten Kraftwerksparks z. B. eines Landes kommen noch andere Aspekte ins Spiel, die nicht die einzelnen Anlagen betreffen, sondern den Betrieb der Stromnetze. Man betrachtet hier in der Regel nur den konventionellen Kraftwerkspark, d. h. alle mit fossilen Energieträgern befeuerten Kraftwerke sowie die Kernkraftwerke. Diese Kraftwerke müssen (ggf. mit Unterstützung durch Speicher für elektrische Energie sowie durch Stromimporte oder -exporte ) stets die sogenannte Residuallast abdecken, d. h. die insgesamt benötigte elektrische Leistung abzüglich der Leistung aller nicht bedarfsgerecht steuerbaren Anlagen (z. B. für Windenergie und Photovoltaik). Leider können aber die konventionellen Kraftwerke nicht eine beliebige Leistung zwischen Null und ihrer maximalen Leistung liefern; aus verschiedenen Gründen kann eine gewisse Mindesterzeugung nicht unterschritten werden:

Es gibt ganz unterschiedliche Ursachen für die Mindesterzeugung des Kraftwerksparks.

Probleme mit der Mindesterzeugung

In Deutschland liegt die Mindesterzeugung etwas über 20 GW (Stand 2015) – zu vergleichen mit einem Verbrauch, der typischerweise zwischen ca. 50 GW und 75 GW pendelt. Die hohe Mindesterzeugung ist im Zuge der Energiewende zunehmend problematisch geworden, da aufgrund einer stets steigenden Leistung der Windenergie- und Photovoltaikanlagen die Residuallast immer häufiger unter 20 GW absinkt. In solchen Fällen muss dann entweder elektrische Energie exportiert werden (was nicht immer zu guten Preisen möglich ist), oder es müssen Anlagen für erneuerbare Energie abgeregelt (d. h. in der Leistung vermindert) werden, ohne dass die Betriebskosten dadurch sinken. An der Strombörse treten durch Überkapazitäten gelegentlich sogar negative Strompreise auf – Kraftwerksbetreiber zahlen also noch dafür, Strom in das Netz einspeisen zu dürfen. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass die Leistung gewisser sehr unflexibler Kraftwerke – vor allem Kohlekraftwerke und Kernkraftwerke nicht genügend oder nicht schnell genug der benötigten Residuallast angepasst werden kann.

Die Mindesterzeugung sollte erheblich reduziert werden, um den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung nicht zu behindern.

Von daher wird angestrebt, die Mindesterzeugung zu reduzieren. Dies wird im Zuge des Abbaus von Überkapazitäten ein Stück weit von selbst geschehen. Jedoch sollte die Mindesterzeugung möglichst wesentlich stärker abnehmen als die Summe der konventionellen Kraftwerkskapazitäten. Dies setzt jedoch voraus, dass der Anteil besonders unflexibler Kraftwerke deutlich vermindert wird. Dem steht insbesondere entgegen, dass der Weiterbetrieb von Braunkohlekraftwerken für viele Jahre von gewissen Gruppen verlangt wird – trotz der Notwendigkeit eines schnellen Kohleausstiegs zugunsten des Klimaschutzes. Das Fortschreiten der Energiewende könnte dadurch behindert werden, weil allzu häufige Zeiten mit einer Residuallast unterhalb der Mindesterzeugung ökonomische Anreize setzen, um die Kapazitäten der erneuerbaren Energien langsamer auszubauen. In der Tat engagiert sich die deutsche Bundesregierung bislang eher für das Bremsen des Ausbaus der erneuerbaren Energien als für den Kohleausstieg.

Literatur

[1]Studie von Consentec zur konventionellen Mindesterzeugung, http://www.netztransparenz.de/de/Studie-konventionelle-Mindesterzeugung.htm

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: elektrische Energie, Residuallast, Leistung, Stromnetz
sowie andere Artikel in der Kategorie elektrische Energie

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Wikipedia-Autoren

Falls Sie Autor bei der Wikipedia sind, möchten Sie vielleicht hier und da nützliche Links auf das RP-Energie-Lexikon einfügen.

Sinnvoll ist dies sicher; schließlich gehören die Texte des RP-Energie-Lexikon zu häufig zu den nützlichsten, die man zu diesen Themen finden kann.

Möglich sind sowohl Einzelnachweise im Text (wenn Sie bestimmte Aussagen belegen möchten) als auch allgemeine Weblinks in einer entsprechenden Liste.

Bitte beachten Sie, das Links auf das RP-Energie-Lexikon inzwischen nur noch per HTTPS gemacht werden sollten. Beispielsweise für die Startseite sieht dies so aus: https://www.energie-lexikon.info/

Übrigens dürfen Sie gerne auch direkt auf beliebige andere Seiten verlinken; wir haben kein Problem mit sogenannten deep links.

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)