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Minergie

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Definition: schweizerische Standards und Qualitätslabels für energetisch optimierte Gebäude

Kategorien: Energieeffizienz, Energiepolitik, Grundbegriffe, Haustechnik

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 20.08.2011; letzte Änderung: 18.10.2015

Minergie-Label

Abbildung 1: Dieses Minergie-Label wird vergeben für Gebäude, die den Minergie-Basis­standard erfüllen.

In der Schweiz gibt es seit 1994 unter dem Namen Minergie ein System von Qualitätsstandards für energetisch optimierte Gebäude (Neubauten und sanierte Altbauten), auch als Niedrigenergiehäuser bezeichnet. Minergie ist ebenfalls eine weltweit geschützte Marke. Es gibt einen Minergie-Verein, der das Marketing des Labels betreibt. Die Minergie-Zertifikate werden von kantonalen Zertifizierungsstellen vergeben.

Alle Minergie-Standards sind freiwillig; sie gehen über die immer einzuhaltenden gesetzlichen Standards hinaus. Anders gesagt werden damit gesetzliche Standards vorweg genommen, wie sie etliche Jahre später für dann realisierte Neubauten gelten dürften.

Minergie-Standards

Alle Minergie-Gebäude müssen gewisse Anforderungen erfüllen:

Die genauen Anforderungen hängen von der Gebäudekategorie ab. Beispielsweise gilt für neue Wohngebäude eine maximale gewichtete Energiekennzahl von 38 kWh/m2, während für Restaurants und insbesondere für Krankenhäuser höhere Grenzwerte gelten. Zusatzanforderungen für die Beleuchtung gibt es für Verwaltungsgebäude, nicht aber für Wohngebäude. Für ältere Gebäude (Baujahr vor 2000) gelten niedrigere Anforderungen, beispielsweise für Wohngebäude eine maximale gewichtete Energiekennzahl von 60 kWh/m2.

Zusätzlich zum grundlegenden Minergie-Standard gibt es verschärfte Versionen:

Minergie-Nachweisverfahren

Es gibt zwei unterschiedliche Wege, die Berechtigung für das Minergie-Zertifikat nachzuweisen:

Ein Minergie-Planer entscheidet sich also für eine dieser Varianten und reicht die entsprechend erarbeiteten Planungsunterlagen bei einer Minergie-Zertifizierungsstelle ein. Diese Stelle kontrolliert die Unterlagen und vergibt bei Erfüllung der Anforderungen ein provisorisches Zertifikat. Nach Abschluss der Baumaßnahmen wird dies der Zertifizierungsstelle bestätigt, und das definitive Minergie-Label wird ausgehändigt. Die Zertifizierungsstelle führt gelegentlich Stichproben am Bau durch, um die Einhaltung der versprochenen Standards zu gewährleisten.

Minergie-Sanierungen

Auch Altbauten mit schlechten energetischen Kennzahlen können in vielen Fällen durch eine energetische Sanierung auf den Minergie-Standard gebracht werden. Hierbei gelten etwas reduzierte Anforderungen; ein Minergie-Altbau ist also energetisch meistens nicht ganz so gut wie ein Minergie-Neubau, jedoch weitaus besser als ein durchschnittlicher unsanierter Altbau.

Zu einer Minergie-Sanierung gehören in der Regel die folgenden Elemente:

Mehrfamilienhäuser sind häufig einfacher zu sanieren als Einfamilienhäuser, da die Fläche der Gebäudehülle im Verhältnis zum Volumen geringer ist, der Minergie-Standard jedoch keinen geringeren spezifischen Wärmebedarf fordert. Oft ist sogar für ursprünglich energetisch sehr schlechte Gebäude das Erreichen des Minergie-P-Standards gut möglich.

Ökonomische Aspekte

Beim Neubau führt die Einhaltung des Basis-Minergie-Standards meistens zu Mehrkosten von deutlich unter 10 % im Vergleich mit den gesetzlichen Vorschriften. Dem steht einerseits eine deutliche Einsparung bei den Betriebskosten (insbesondere Heizkosten) gegenüber und andererseits ein höherer Wert des Gebäudes. Der höhere Wert ergibt sich teilweise durch die niedrigeren Energiekosten, teilweise aber auch durch weiter erhöhten Wohnkomfort, was u. a. aus der verbesserten Belüftung resultiert. Beim Wiederverkauf kann das Minergie-Label ein wesentlicher Aspekt sein.

Bisher werden nur gut 20 % der Neubauten in der Schweiz nach Minergie zertifiziert (Stand 2009). Dies bedeutet allerdings nicht, dass die große Mehrheit der neuen Gebäude energetisch massiv schlechter ist. Häufig wird zwar eine gute Wärmedämmung und eine effiziente Wärmepumpenheizung installiert, jedoch auf eine Lüftungsanlage verzichtet (etwa wegen Zweifeln an der Notwendigkeit oder aus Kostengründen), wodurch eine Minergie-Zertifizierung unmöglich wird. Leider ist dann auch die spätere Nachrüstung einer Lüftungsanlage schwierig, da eine Verlegung unter der bereits erfolgten Wärmedämmschicht nicht mehr möglich ist.

Literatur

[1]Minergie-Website

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Energieeffizienz, Niedrigenergiehaus, Passivhaus, Wärmedämmung, Belüftung von Gebäuden, Blower-Door-Test
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Energiepolitik, Grundbegriffe, Haustechnik

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