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Nachhaltigkeit

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Definition: das Grundprinzip, so zu wirtschaften, dass die Grundlagen dafür dauerhaft erhalten bleiben

Englisch: sustainability

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 21.12.2013; letzte Änderung: 18.10.2015

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist zwar im Prinzip recht alt, wird aber in der heutigen Bedeutung erst seit den 1980er Jahren ausgiebig verwendet, beginnend mit dem “Brundtland-Bericht” der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (WCED, 1987) [1]. (Grundlagen hierfür wurden schon früher entwickelt, beispielsweise in der Studie “Grenzen des Wachstums” des Club of Rome von 1972.) Eine Art zu wirtschaften und dabei Ressourcen zu nutzen wird als nachhaltig bezeichnet, wenn sie so erfolgt, dass ihre Grundlagen bewahrt werden, so dass dieses Wirtschaften über lange Zeit in einer stabilen Umgebung erfolgreich praktiziert werden kann. Der englische Begriff sustainability ist diesbezüglich noch etwas klarer; es geht darum, ein dauerhaft funktionierendes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge einzurichten.

Die Forderung nach Nachhaltigkeit ist eine Ermahnung zum langfristigen Denken: Es soll vermieden werden, dass essenzielle Lebensgrundlagen durch ein kurzfristig orientiertes Handeln unwiederbringlich zerstört werden. Hierzu gehört das Bewusstsein, dass ein nicht nachhaltiges Wirtschaften unter anderem auch die Grundlage derselben Wirtschaft zerstört, also auch ökonomisch nicht durchhaltbar ist. (Beispielsweise würde eine Klimakatastrophe die Errungenschaften einer blühenden Wirtschaft zunichte oder irrelevant machen.) Die Generationengerechtigkeit erfordert offenkundig Nachhaltigkeit in diesem Sinne. Der Brundtland-Bericht hat dies sinngemäß so formuliert, dass wir eine Entwicklung brauchen, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Leider wird der Begriff der Nachhaltigkeit oft als Wortblase mit diffuser Bedeutung missbraucht, wozu auch gewisse durchaus gut gemeinte Deutungen und Erweiterungen des Begriffs beitragen. Wenn jedoch nicht vergessen wird, dass ein verantwortungsvolles Wirtschaften mit Blick auf das langfristige Wohl der Menschheit der Kern der Nachhaltigkeit ist, bleibt das Wort sinnvoll und nützlich.

Fehlende Nachhaltigkeit bei der Nutzung fossiler Energieträger

Die heutige Ausbeutung fossiler Energieträger ist ein rücksichtsloser Raubbau.

Das heute weltweit übliche Wirtschaften insbesondere im Energiebereich ist weit von der Nachhaltigkeit entfernt. Dies zeigt sich besonders stark im ausufernden Verbrauch fossiler Energieträger, der sich zu einem rücksichtslosen Raubbau entwickelt hat. Wenige Generationen erlauben sich, im Laufe vieler Millionen Jahre entstandene Energieträger auszubeuten und zu verbrennen, so dass einerseits diese Energieträger für zukünftige Generationen viel schlechter verfügbar sein werden (was vor allem für Erdöl gilt) und andererseits durch die sich deutlich ändernde Zusammensetzung der Erdatmosphäre massive Klimagefahren entstehen.

Die Energiewirtschaft kann also nur durch den weitgehenden Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger nachhaltig werden. Dies gilt vor allem für Kohle und Erdöl, aber auch für Erdgas. Zwar gibt es diverse Technologien wie z. B. die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS), die gewisse negative Auswirkungen fossiler Energieträger deutlich vermindern, jedoch ist damit keine eigentliche Nachhaltigkeit erzielbar. Beispielsweise ist CCS höchstens für einzelne große Emittenten praktikabel, nicht z. B. im Verkehrsbereich; zudem reichen verfügbare CO2-Senken bei Weitem nicht aus, um die riesigen Mengen aufzunehmen.

Könnte Kernenergie nachhaltig genutzt werden?

Eine nachhaltige Nutzung der Kernenergie wäre eher vorstellbar, da diese theoretisch (bei äußerst sorgfältigem Vorgehen) ohne wesentliche negative Umweltauswirkungen möglich wäre, und da eine baldige Erschöpfung der dafür benötigten Ressourcen zumindest mit bestimmten Kernreaktoren, nämlich mit schellen Brutreaktoren, auch bei intensiver Nutzung vermieden werden könnte. Jedoch gelingt dies kaum:

Sicherheit hat absoluten Vorrang – auch wenn dies Milliarden kostet??

Schnelle Brutreaktoren würden zentrale Probleme der Kernenergie deutlich entschärfen, dafür aber andere schaffen. Es gibt Gründe dafür, dass sie sich nicht durchsetzen konnten.

Es gibt durchaus technische Ansätze (z. B. neuartige Typen von Kernreaktoren), um manche dieser Probleme wirksam zu mindern, wobei allerdings oft andere Probleme dadurch größer werden und meist die Wirtschaftlichkeit stark leiden würde. Beispielsweise würden schnelle Brutreaktoren zwar die Erschöpfung von Ressourcen stark vermindern und (bei geeigneter Gestaltung des Gesamtsystems) das Endlagerproblem massiv reduzieren; der Atommüll bliebe “nur” noch für etliche Jahrhunderte sehr gefährlich. Gleichzeitig würden aber die Gefahren von Reaktorunfällen und die der Proliferation waffenfähiger Materialien wohl zunehmen; hinzu kommen hohe Kosten und technische Probleme. Der Atommüll der vorherrschenden Leichtwasserreaktoren könnte zwar theoretisch durch Transmutation kurzlebiger gemacht werden, jedoch sind hierfür praktikable Methoden bislang nicht entwickelt worden. Ein Gesamtkonzept für eine nachhaltige Kernenergienutzung scheint jedenfalls nicht zu existieren.

Ein technisch völlig anderer Ansatz wäre die Nutzung der Kernfusion in entsprechenden Fusionsreaktoren. Hier wäre die Reichweite der Ressourcen extrem groß und das Problem radioaktiver Abfälle relativ klein. Allerdings ist die Entwicklung von Kernfusionsreaktoren technisch extrem schwierig; selbst wenn sie in Jahrzehnten einst gelingen wird, dann voraussichtlich nicht zu tragbaren Kosten, da die benötigte Maschinerie extrem aufwendig wäre. Es ist also sehr fraglich, ob eine nachhaltige Kernfusionswirtschaft machbar ist.

Erneuerbare Energie

Eine nachhaltige Energieversorgung wird sich voraussichtlich größtenteils auf erneuerbare Energien stützen müssen.

Erneuerbare Energien, etwa in Form von Windenergie, Sonnenenergie, Bioenergie und Geothermie, besitzen ein großes Potenzial für eine nachhaltige Nutzung. Sie basieren im Wesentlichen nicht auf zur Neige gehenden Rohstoffen, ihre Umweltauswirkungen lassen sich recht begrenzt halten, und die Gefahr katastrophaler Unfälle oder Kriege ist nicht erkennbar. Im Gegenteil eröffnen sie sogar Perspektiven für eine stabile wirtschaftliche Zusammenarbeit beispielsweise zwischen Nordafrika und Europa, die auch zur politischen Stabilisierung beitragen könnte.

Allerdings ist erneuerbare Energie nicht per se nachhaltig; manche Nutzungsarten können durchaus das Prinzip der Nachhaltigkeit verletzen. Insbesondere trifft dies auf Biokraftstoffe zu, wenn diese aus nicht nachhaltig angebauten Pflanzen hergestellt werden. In diesem Bereich gibt es eine Vielzahl von Problemen. Beispiele hierfür sind der Einsatz fossiler Energieträger für Landmaschinen und Düngemittel, die Abholzung von Regenwäldern für Palmölplantagen und die Ausweitung nicht nachhaltiger Landwirtschaft auch als indirekte Folge der Umnutzung landwirtschaftlicher Flächen. Eine Verletzung des Nachhaltigkeitsprinzips droht am meisten dann, wenn versucht wird, das Potenzial erneuerbarer Energien sehr stark auszuweiten.

Die begrenzten Mengen nachhaltig nutzbarer erneuerbarer Energie bedingen, dass eine hohe Energieeffizienz und wohl auch Suffizienz ergänzend unbedingt notwendig sind. Eine nachhaltige Wirtschaft wird also nicht allein dadurch zu erreichen sein, dass man gewisse Energieträger durch andere ersetzt (substituiert); ein umfassenderer Ansatz ist nötig.

Energiewende und ökologische Steuerreform

Die deutsche Energiewende ist im Kern der Versuch, das erkannte Problem der fehlenden Nachhaltigkeit im Energiesektor zu lösen. Es gehört dazu der allmähliche Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger genauso wie der Atomausstieg. Neue Nachhaltigkeitsprobleme zeichnen sich dabei allerdings ab, insbesondere im Bereich der energetisch genutzten Biomasse (Biokraftstoffe und Biogas); hier sind Korrekturen notwendig. Ebenfalls liegt der Energiepolitik noch kein schlüssiges Konzept zugrunde, wie das Fernziel einer weitgehend erneuerbaren Energieversorgung in den Sektoren elektrische Energie, Wärme und Verkehr erreicht werden soll. Die Energiewende wird also aktiv weiter gestaltet werden müssen, um das Ziel der Nachhaltigkeit zu erreichen.

Eine ökologische Steuerreform wäre eine extrem nützliche flankierende Maßnahme auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.

Ein bislang ungelöstes Grundproblem besteht darin, dass die Kosten von Energie die tatsächlichen ökologischen und gesellschaftlichen Kosten nur sehr unvollständig reflektieren. Beispielsweise kann Strom aus Kohlekraftwerken billig verkauft werden, wobei die verursachten Klimagefahren durch ein bislang nicht richtig funktionierendes europäisches Emissionshandelssystem kaum berücksichtigt werden, genauso wenig wie massive Auswirkungen der verursachten Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit und die Landwirtschaft. Solche externe Kosten müssten unbedingt internalisiert, also in interne Kosten umgewandelt werden. Ebenfalls müssten die Staaten einen größeren Teil ihrer Einnahmen durch die Besteuerung des Verbrauchs von Energie und Rohstoffen decken anstatt durch Lohnsteuern. Eine ökologische Steuerreform würde, wie schon lange gezeigt, die Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit auf effiziente Weise deutlich stärken können. Die notwendigen Energie- und Ressourcenstrategien würden dann auch stärker von der Wirtschaft selbst entwickelt.

Ist Wirtschaftswachstum mit Nachhaltigkeit verträglich?

Wirtschaftswachstum ist normalerweise nicht nur mit einer Ausweitung der Mengen produzierter Güter und Dienstleistungen verbunden, sondern auch mit der Zunahme des Verbrauchs von Rohstoffen und Energie. Solches Wachstum stößt dann früher oder später unweigerlich an die Grenzen der natürlichen Ressourcen und ist mit Nachhaltigkeit nicht vereinbar. Andererseits ist unser Wirtschaftssystem so aufgebaut, dass es ohne Wachstum nicht funktioniert; beispielsweise ist eine ständig zunehmende Staatsverschuldung nur tragbar, solange die Wirtschaft ähnlich stark wächst.

Kann die Energieeffizienz dauerhaft schneller zunehmen als die Wirtschaftsleistung?

Dieses Dilemma kann im Prinzip aufgelöst werden durch eine Entkopplung der Produktion vom Rohstoff- und Energieverbrauch. Wenn beispielsweise die Energieeffizienz schneller zunimmt als die Produktion, kann der Energiebedarf sinken. Allerdings geschieht es erfahrungsgemäß häufiger, dass Wachstum die Erfolge verbesserter Energieeffizienz größtenteils zunichte macht oder gar überkompensiert. Beispielsweise ist die Technik der Beleuchtung in den letzten 100 Jahren enorm viel effizienter geworden, aber trotzdem hat der Energiebedarf dafür stark zugenommen. Eine riesige Herausforderung besteht insbesondere darin, ein dauerhaftes Wachstum durch Fortschritte der Energieproduktivität zu kompensieren. Beispielsweise ist eine echt nachhaltige Entwicklung des Luftverkehrs in Verbindung mit starkem Wachstum schwer vorstellbar.

Aus diesen Gründen ist es umstritten, ob Wirtschaftswachstum dauerhaft mit Nachhaltigkeit vereinbart werden kann (ob ein grünes Wachstum dauerhaft möglich ist), oder ob Nachhaltigkeit nicht etwa voraussetzt, dass wir die globale Wirtschaft in einen stationären Zustand überführen, in dem insgesamt kein Wachstum der Produktion mehr erfolgt. Freilich haben aufstrebende Länder, deren Ökonomie sich von einem niedrigen Niveau aus in starkem Wachstum befindet, eine andere Perspektive darauf; sie werden zumindest das anzustrebende Plateau für sich auf einem wesentlich höheren Niveau sehen. Im Sinne einer globalen Gerechtigkeit wird man den insgesamt noch tragbaren Rohstoff- und Energieverbrauch weltweit irgendwie aufteilen müssen, was eine Reduktion des Energieverbrauchs in den heute besonders viel verbrauchenden Ländern bedeuten würde.

Der Emissionshandel z. B. für CO2 könnte als ein Instrument dienen, um dem nicht nachhaltigen Energieverbrauch Grenzen zu setzen, ohne dirigistisch in die Wirtschaft eingreifen zu müssen. Wenn sich die staatlich gesetzten Emissionsobergrenzen (Caps) an den Notwendigkeiten des Klimaschutzes orientieren würden anstatt an dem, was kurz- und mittelfristig als ökonomisch und politisch akzeptabel empfunden wird, könnte die Wirtschaft selbst zeigen, in wieweit sie zu einem nachhaltigen Wachstum befähigt ist.

Verhältnis von Bedürfnissen und Nachhaltigkeit

Konflikte bestehen zwischen verschiedenen Bedürfnissen, nicht zwischen diesen und der Forderung der Nachhaltigkeit.

Einerseits zielt Nachhaltigkeit darauf, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, und zwar dauerhaft. Andererseits gibt es Bedürfnisse, die auf nachhaltige Weise nicht befriedigt werden können – beispielsweise das nach einem unbeschränkten Wachstum des Flugverkehrs. Es liegt hier also ein Konflikt vor, und zwar nicht eigentlich zwischen Ökologie und menschlichen Bedürfnissen, sondern im Kern zwischen gewissen Bedürfnissen von heute in wohlhabenden Ländern lebenden Menschen und Bedürfnissen von Menschen späterer Generationen, und teils auch von heute in ärmeren Ländern lebenden Menschen. Nachhaltigkeit ist also für, nicht gegen menschliche Bedürfnisse gerichtet; sie kann aber erfordern, dass Prioritäten gesetzt werden. So ist ein gewisses Maß an Suffizienz notwendig, um grundlegende Bedürfnisse zu decken und dies nicht der Befriedigung von nicht essenziellen Bedürfnissen wohlhabender Minderheiten zu opfern.

Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung

Es wird heute weithin anerkannt, dass Nachhaltigkeit im vollen Sinne nicht allein ökologische Kriterien erfüllen muss. Es sind nämlich Strategien vorstellbar, die zwar ökologisch gesehen akzeptabel erscheinen, aber ökonomische Grundlagen des menschlichen Lebens zerstören oder negative soziale Folgen haben, beispielsweise soziale Konflikte schüren und damit die Stabilität von Gesellschaften gefährden. Dauerhaft praktizierbar (sustainable) ist ein Wirtschaften aber immer nur, wenn es keine seiner Grundlagen zerstört.

Aus diesen Überlegungen entstand in den 1990er Jahren das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung, wie es die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages formuliert hat. Demnach sollen ökologische, ökonomische und soziale Ziele als grundsätzlich gleichwertige Aspekte in einer “dreidimensionalen Perspektive” behandelt werden – bildlich dargestellt als drei gleichwertige Säulen, auf denen das menschliche Wohl ruht. Dies wirft freilich neue Fragen auf, beispielsweise die folgenden:

Ökonomische und soziale Aspekte sind sehr wichtig – aber sind sie gleichwertig zu ökologischen Belangen? Können z. B. ökonomische Fortschritte ökologische Zerstörungen kompensieren?

Ökologische, ökonomische und soziale Effekte sind alle wichtig – aber daraus folgt nicht zwingend, dass das Drei-Säulen-Modell der richtige Ansatz ist.

Da das Drei-Säulen-Modell offenkundig zentrale Fragen unbeantwortet lässt und zudem ein Missbrauchspotenzial aufweist (beispielsweise für Blockaden zugunsten gewisser kurzfristiger Partikularinteressen), wird es nicht allgemein anerkannt, und andere Ansätze werden diskutiert. Beispielsweise kann man die ökologische Nachhaltigkeit nicht als eine von drei Säulen, sondern als ein unverzichtbares Ziel betrachten, da ökologische Zerstörungen kaum durch ökonomische oder soziale Fortschritte kompensiert werden können. Demnach müsste die Notwendigkeit der ökologischen Nachhaltigkeit als Grundforderung in die Aktivitäten für ökonomische und soziale Entwicklung integriert werden. Bildlich dargestellt wäre dann die ökologische Nachhaltigkeit die Basis z. B. der drei Säulen Ökonomie, Kultur und Soziales.

Starke und schwache Nachhaltigkeit

Ein Drei-Säulen-Modell kann suggerieren, dass eine Säule auch etwas schwächer sein darf, wenn die anderen dafür tragfähiger sind. Nach der Vorstellung der “schwachen Nachhaltigkeit” können in der Tat Defizite bei der ökologischen Nachhaltigkeit ausgeglichen werden durch Fortschritte in anderen Sektoren. Beispielsweise kann sich ein ökonomisch starkes Land eher durch Dammbauten gegen die Folgen eines steigenden Meeresspiegels schützen. “Starke Nachhaltigkeit” dagegen fordert, dass die ökologische Nachhaltigkeit unbedingt gegeben sein muss, weil ausgleichende Effekte wie oben genannt schnell an ihre Grenzen stoßen. Dies unterstützt ein integratives Modell mit ökologischer Nachhaltigkeit als Grundbedingung für jeden Erfolg.

Wohlgemerkt bedeutet die Forderung der “starken Nachhaltigkeit” nicht die Priorität der Ökologie über alle Bereiche. Kompromisse z. B. zugunsten kurzfristiger sozialer Interessen mögen hier und da nötig sein. Dann mag es aber ehrlicher sein, dies als eine Verletzung der Nachhaltigkeit (wenn auch vielleicht mit guten Gründen) zu betrachten, anstatt es mit einer Säulentheorie als nachhaltiges Handeln zu interpretieren.

Schritte in Richtung zur Nachhaltigkeit

Unser nicht nachhaltiges Wirtschaftssystem kann nur schrittweise in ein nachhaltiges umgewandelt werden. Die Politik kann hierfür auf diverse Instrumente zurückgreifen, die teils schon oben erwähnt wurden:

Bekenntnisse von Politikern zur Nachhaltigkeit sind schön, aber das Entscheidende ist das Eintreten für konkrete Maßnahmen wie eine ökologische Steuerreform und den Abbau schädlicher Subventionen.

Bekenntnisse von Politikern zur Nachhaltigkeit können daran gemessen werden, ob solche Maßnahmen unterstützt werden.

Unternehmen, die Nachhaltigkeit anstreben wollen, haben ebenfalls diverse Möglichkeiten:

Konkurrierender Ansatz: technikoptimistische Visionen

Obwohl das Grundprinzip der Nachhaltigkeit heute theoretisch weithin akzeptiert wird, gibt es durchaus auch andere Ansätze. Insbesondere gibt es technikoptimistische Denker, die darauf vertrauen, dass die Menschheit zukünftig wirksame Lösungen für Probleme finden wird, die nicht nachhaltiges Wirtschaften heute verursacht. Einige Beispiele hierfür:

Sollte man auf Nachhaltigkeit verzichten und die resultierenden Probleme dann später eben irgendwie lösen?

Solche Hoffnungen gründen vorwiegend darauf, dass die Menschheit gerade in den letzten 200 Jahren enorme technische Fortschritte erzielt hat, die viele einst drohende Probleme entschärft haben. Allerdings sind bei Weitem nicht alle technischen Hoffnungen in Erfüllung gegangen; beispielsweise ist ein praktikabler Kernfusionsreaktor nach jahrzehntelanger Forschung ungefähr gleich weit entfernt wie zuvor. Vor allem aber sind die zukünftig zu lösenden Probleme ebenfalls massiv gewachsen; beispielsweise gab es etwas mit einer Klimakatastrophe Vergleichbares bisher wohl noch nicht. Es erscheint also sehr riskant, auf Nachhaltigkeit in der Hoffnung auf zukünftige Lösungen zu verzichten, zumal ein Scheitern katastrophale Folgen haben könnte und es für andere Ansätze dann zu spät wäre.

Literatur

[1]Brundtland Report (englisch), http://en.wikisource.org/wiki/Brundtland_Report (1987)
[2]Abschlussbericht der Enquete-Kommission “Schutz des Menschen und der Umwelt – Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung”, Deutscher Bundestag: Drucksache 13/11200 vom 26. Juni 1998, S. 218, http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/112/1311200.pdf
[3]Deutscher Rat für Nachhaltige Entwicklung, http://www.nachhaltigkeitsrat.de/
[4]Deutscher Nachhaltigkeitskodex, http://www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/
[5]“Nachhaltige Entwicklung in Europa für eine bessere Welt: Strategie der Europäischen Union für die nachhaltige Entwicklung” (Vorschlag der EU-Kommission für den Europäischen Rat in Göteborg), http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2001:0264:FIN:DE:PDF
[6]Lexikon der Nachhaltigkeit, http://www.nachhaltigkeit.info/

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: fossile Energieträger, Klimagefahren, Energiepolitik, Kernenergie, Kernfusion, erneuerbare Energie, Suffizienz

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