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Nachtabsenkung

Definition: die nächtliche Absenkung der Raumtemperatur mit einem Heizsystem

Englisch: night setback

Kategorien: Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 28.04.2010; letzte Änderung: 03.05.2019

Der Energieaufwand für die Beheizung von Gebäuden an kalten Tagen ist umso höher, je höher die Differenz zwischen Raumtemperatur und Außentemperatur ist. Deswegen kann die nötige Menge an Heizwärme reduziert werden, indem man die Raumtemperatur nachts absenkt. Dies führt insbesondere in nachts ungenutzten Büro- oder Fabrikationsgebäuden nicht zu Komforteinbußen, wird aber auch in Wohngebäuden häufig gut akzeptiert.

Realisierung der Nachtabsenkung; thermische Trägheit

Die meisten beheizten Gebäude verfügen über eine Zentralheizung. Hier ist eine Nachtabsenkung relativ einfach dadurch realisierbar, dass die Vorlauftemperatur für eine geeignete Zeit um einige Grade abgesenkt wird, was die Heizleistung der Heizkörper oder auch einer Fußbodenheizung entsprechend reduziert. Unter Umständen kann auch eine komplette Nachtabschaltung vorgenommen werden. Wegen der thermischen Trägheit des Heizsystems und vor allem des Gebäudes kann die Absenkung der Heizleistung beginnen, bevor die eigentliche Temperaturabsenkung im Raum gewünscht ist, und sollte entsprechend früh wieder beendet werden.

Der Effekt der thermischen Trägheit hängt sehr stark von den Umständen ab. Sie ist für eine Fußbodenheizung wesentlich größer als bei Verwendung von Heizkörpern (Radiatoren oder Konvektoren), weil ein Fußboden aufgrund seiner Masse sehr viel mehr Wärme speichert. Ein anderer sehr wichtiger Faktor ist die Wärmedämmung: Ein gut wärmegedämmtes Haus verliert Wärme sehr langsam, während ein nicht wärmegedämmtes Haus im Laufe weniger Stunden stark auf die Absenkung der Heizleistung reagiert. Deswegen kann die Absenkung bei guter Wärmedämmung früher begonnen werden, muss oft aber auch früher beendet werden, da das Heizsystem mit reduzierter Vorlauftemperatur arbeitet, die Räume also nicht so schnell erwärmen kann. Dieser Aspekt gilt für Heizungen mit Radiatoren genauso wie für Fußbodenheizungen.

Wenn die thermische Trägheit des Gebäudes sehr groß ist, ist eine Nachtabsenkung schwer realisierbar: Selbst ganz ohne Heizung würde das Gebäude über Nacht kaum kühler. Dann entsteht aber auch kein energetischer Vorteil dadurch, dass man nachts keine Heizwärme zuführt (und tagsüber dafür mehr).

Einfluss von Thermostaten; Abschaltung der Umwälzpumpe

Wenn z. B. die Heizkörper mit Thermostaten ausgerüstet sind, werden diese versuchen, die nachts abgesenkte Vorlauftemperatur dadurch auszugleichen, dass die Durchfluss-Wassermenge entsprechend erhöht wird. Um eine Nachtabsenkung zu erreichen, muss dann die Vorlauftemperatur so stark abgesenkt werden, dass die Thermostate dies nicht mehr ausgleichen können.

Es gibt Thermostate, die über eine Zeitschaltuhr verfügen. Damit kann die Raumtemperatur über die Thermostate für bestimmte Zeiten abgesenkt werden – auch individuell für einzelne Räume.

Zusätzlich kann die Heizungs-Umwälzpumpe zeitweise abgeschaltet werden, oder ihre Förderleistung wird nachts deutlich abgesenkt. Diese Maßnahme spart zusätzlich elektrische Energie bei der Pumpe ein – vor allem bei alten, ineffizienten Pumpen.

Einwände gegen die Nachtabsenkung

Trotz der prinzipiellen Möglichkeit der Energieeinsparung gibt es verschiedene Einwände gegen die Nachtabsenkung, die teilweise gerechtfertigt sind:

  • Wie oben erläutert, ist eine deutliche Nachtabsenkung für ein gut wärmegedämmtes Haus kaum möglich, da das Haus nachts kaum abkühlt, selbst wenn die Beheizung völlig eingestellt wird. Die Reduktion des Wärmebedarfs durch die Nachtabsenkung fällt dann gering aus.
  • Um das Haus nach einer Absenkphase wieder genügend schnell aufzuheizen, ist eine erhöhte Heizleistung notwendig. Dies ändert zwar nichts daran, dass die gesamte pro Tag benötigte Heizwärme mit Nachtabsenkung immer niedriger ist als ohne diese Maßnahme. Jedoch kann insbesondere bei Wärmepumpenheizungen (in geringerem Maße bei Brennwertkesseln) die dann morgens notwendige erhöhte Vorlauftemperatur die Effizienz der Wärmeerzeugung reduzieren; hinzu käme bei einer Luft/Wasser-Wärmepumpe das Problem, dass man genau in den oft besonders kalten Morgenstunden wieder aufheizt. In diesem Fall könnte die benötigte Menge von Primärenergie (meist elektrischer Energie) trotz der leichten Reduktion der Heizwärmemenge sogar höher sein, so dass die Nachtabsenkung besser nicht vorgenommen wird.
  • Ebenfalls unerwünscht wäre, bei Verwendung von Elektrowärmepumpen oder auch Elektro-Direktheizungen einen größeren Teil des Energiebedarfs in die Morgenstunden zu verlegen, also weniger Nachtstrom zu verwenden. Allerdings ist es bei Gebäuden mit großer Trägheit möglich, das Ab- und Anschalten zeitlich so stark zu verschieben, dass sogar ein größerer Anteil von Niedertarifstrom genutzt werden kann: Es erfolgt bereits in den früheren Abendstunden kein Bezug mehr, und das Wiederaufheizen geschieht am sehr frühen Morgen.
  • In schlecht wärmegedämmten Gebäuden kann die Nachtabsenkung unter Umständen die Bildung von feuchten Stellen an der Innenseite von Außenwänden begünstigen, wenn nämlich dort der Taupunkt unterschritten wird. Dies bringt dann die Gefahr von Schimmelbildung mit sich, und zusätzlich kann eine Durchfeuchtung der Wand deren Wärmeleitfähigkeit weiter erhöhen.

Empfehlungen

Aus den oben erläuterten Aspekten ergeben sich die folgenden Empfehlungen:

  • Für ein ungedämmtes Haus, welches mit einem Heizkessel über Heizkörper beheizt wird, ist eine Nachtabsenkung der Raumtemperatur um z. B. 3 Grad in aller Regel sinnvoll (außer wo Schimmelprobleme drohen). Der Brennstoffbedarf lässt sich damit um mehrere Prozent reduzieren, und unerwünschte Nebenwirkungen werden kaum auftreten. Höchstens könnte bei starker Nachtabsenkung und knapp bemessener Leistung des Heizkessels an kalten Tagen die Raumtemperatur morgens nicht rasch genug ansteigen.
  • In Fällen mit hoher thermischer Trägheit – insbesondere bei einem gut wärmegedämmten Haus mit Fußbodenheizung – ist der mögliche Spareffekt der Nachtabsenkung sehr bescheiden. Man sieht dies schon daran, dass selbst bei nachts vollständig abgeschalteter Heizungsanlage die Raumtemperatur nur marginal abfällt. Insbesondere bei Verwendung einer Elektrowärmepumpe ist dann von der Nachtabsenkung eher abzuraten.

Da immer mehr Neubauten gut wärmegedämmt und mit Wärmepumpen beheizt werden, dürften die Fälle, in denen eine Nachtabsenkung sinnvoll ist, allmählich seltener werden. Für die meisten Altbauten dagegen bleibt die Nachtabsenkung sinnvoll, soweit nicht besondere Umstände (z. B. Gefahr von Schimmelbildung) dagegen sprechen.

Siehe auch: Zentralheizung, Energieeffizienz, Vorlauftemperatur
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

Kommentare von Lesern

24.02.2018

Mir will der Sinn der Nachtabsenkung nicht so recht in den Kopf. Ich stelle mir den Wärmeverlust eines Gebäudes anhand folgendes Modells vor (bitte korrigieren, wenn falsch!):

Wir haben einen löchrigen Eimer mit Wasser. Der Eimer stellt das Gebäude dar, die Wassermenge die Raumtemperatur und die Löcher den Wärmeverlust.

Nehmen wir an, ein voller Eimer entspricht einer Raumtemperatur von 23 Grad dar. Ich muss nun konstant so viel Wasser nachfüllen, wie aus den Löchern heraus läuft, um die 23 Grad zu halten.

Nun senke ich die Temperatur, sprich, ich führe über einen bestimmten Zeitraum kein neues Wasser zu. Daraus ergibt sich also eine Energieersparnis. Wenn die gewünschte Nachtabsenkungstemperatur erreicht ist, muss ich wieder konstant Wasser zugeben, und zwar genau so viel wie aus den Löchern heraus läuft.

Um nun wieder auf 23 Grad Raumtemperatur zu kommen, muss ich so viel Wasser zuführen, bis der Eimer voll ist.

Hier mein Verständnisproblem: Die Menge Wasser, die ich nach der Nachtabsenkung zuführe ist exakt die gleich Menge, die ich bei der Absenkung “gespart” habe. Netto habe ich also nichts gewonnen!?

Antwort vom Autor:

Das Bild mit dem löchrigen Eimer funktioniert schon (und mag manchem Leser helfen) – nur haben Sie nicht berücksichtigt, dass das Wasser unten umso schneller heraus läuft, je voller der Eimer ist. Sie verlieren also weniger, wenn der mittlere Füllstand reduziert wird.

Ganz analog ist es mit der Wärme im Haus: Sie fließt umso schneller nach außen, je größer der Temperaturunterschied zwischen innen und außen ist. (Für Lüftungsverluste gilt diesbezüglich dasselbe wie für die Transmissionswärmeverluste.)

10.04.2019

Ich bin in ein Altbaumietshaus gezogen, in dem die Nachtabsenkung vorgenommen wird. Zu der eingestellten Uhrzeit kommt es in meiner gesamten Wohnung zu einer Art Körperschall-/Druckgeräusch (körperlich wahrnehmbar kaum hörbar). Im Haus wohnen ältere Menschen die auch Nachts heizen, während andere komplett zudrehen. Könnte es sein dass mehr Druck/Schwingung/Energie in der Nachtabsenkung benötigt wird, um zu heizen, und dies durch die alten Stahlrohre via Vibration übertragen wird?

Antwort vom Autor:

Unangenehme Geräusche oder Schwingungen in Zentralheizungssystemen kommen leider öfters vor. Es kann durchaus sein, dass dies in der Nacht stärker ist, beispielsweise wenn etliche Heizkörperventile geschlossen werden und eine nicht geregelte Heizungsumwälzpumpe dann gegen einen hohen Druck arbeitet – was gleichzeitig auch einiges an Strom verschwendet. Man sollte also einfach mal prüfen, ob die Umwälzpumpe eine geregelte ist – vermutlich hier nicht – und sie ggf. gegen eine geregelte Pumpe austauschen. Das kann sich schon wegen der niedrigeren Stromkosten relativ rasch amortisieren und schont dann auch die Nerven der Bewohner.

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