RP-Energie-Lexikon
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Nachtstrom

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Definition: bei Nacht gelieferte elektrische Energie

Englisch: nighttime-produced energy, off-peak electricity

Kategorien: elektrische Energie, Haustechnik

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 04.04.2010; letzte Änderung: 22.02.2017

Nachtstrom ist elektrische Energie, die bei Nacht geliefert wird – beispielsweise zwischen 22 und 6 Uhr. Häufig werden für Nachtstrom reduzierte Stromtarife (Niedertarif oder Schwachlasttarif) angesetzt, insbesondere für Elektrospeicherheizungen, Elektroboiler für Warmwasser sowie für Großverbraucher. Dies setzt technisch voraus, dass der Nachtstromverbrauch über einen separaten Nachtstromzähler oder mit einem Zweitarifstromzähler erfasst wird, was bei vielen Haushalten nicht der Fall ist. Häufig wird auch nur der Verbrauch einer Elektroheizung zum Nachtstromtarif berechnet, nicht aber der sonstige nächtliche Verbrauch eines Haushalts.

Gründe für reduzierte Nachtstromtarife

Eine vereinfachte (und nicht immer zutreffende) Begründung für reduzierte Nachtstromtarife ist, dass wegen des reduzierten Bedarfs an elektrischer Leistung in der Nacht die Kapazitäten von Kraftwerken und Stromnetzen weniger ausgelastet sind. Es besteht nun ein Interesse der Stromversorger, dieses “Nachtstromtal” in der Verbrauchskurve möglichst stark einzuebnen, indem erstens möglichst viel Verbrauch vom Tag in die Nachtzeiten verlagert und zweitens auch ein zusätzlicher Nachtstromverbrauch erzeugt wird. Nachtstromtarife dienen offenkundig diesen Zielen, indem sie den Verbrauchern entsprechende Anreize geben.

Eine möglichst flache Verbrauchskurve (d. h. geringe Schwankungen des Leistungsbedarfs zwischen Tag und Nacht) hat energiewirtschaftliche Vorteile:

Das “Nachtstromtal” wurde allerdings vielerorts bereits mehr als aufgefüllt, zumindest in kalten Winterwochen (siehe unten). Nachtstrom ist also nicht unbedingt Schwachlaststrom im eigentlichen Sinn, sondern kann sogar Spitzenlaststrom sein.

In aller Regel nicht zutreffend ist die gelegentlich angetroffene Meinung, es gäbe nachts “überschüssige Energie”, die sonst nicht genutzt werden könnte. Es handelt sich allenfalls um überschüssige Kapazitäten: Kraftwerke laufen dann mit reduzierter Leistung oder teils auch gar nicht.

Ökologische Bewertung von Nachtstrom

Ein ökologischer Vorteil von Nachtstrom gegenüber Tagstrom tritt im Wesentlichen nur dann auf, wenn der Nachtstrom mit ökologisch günstigeren Kraftwerken erzeugt wird. Beispielsweise könnte Strom aus Laufwasserkraftwerken oder Windenergieanlagen, der nachtsüber nicht anderweitig benötigt wird, als Nachtstrom z. B. für Elektroheizungen eingesetzt werden, während für zusätzlichen Tagstrom Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke herangezogen werden müssten.

Es kann jedoch durchaus auch die umgekehrte Situation auftreten, etwa wenn der Nachtstrom aus Braunkohlekraftwerken stammt, während die Mittellast und Spitzenlast mit Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken erzeugt wird. In diesem Fall ist die Umweltbelastung des Nachtstroms wesentlich höher als die des Tagstroms.

Oftmals ist nicht allein der ökologische Vergleich von Tag- und Nachtstrom relevant, sondern vielmehr der Vergleich von Nachtstrom z. B. für Elektroheizungen mit anderen Wärmequellen. Beispielsweise verbrauchen elektrische Wärmepumpenheizungen sowohl Tag- als auch Nachtstrom, von beidem zusammen jedoch viel weniger als Elektroheizungen. Dadurch erzielt die Wärmepumpenheizung in aller Regel selbst dann eine günstigere Ökobilanz, wenn der Nachtstrom tatsächlich ökologisch günstiger erzeugt werden könnte.

Nachtstrom und Elektrospeicherheizungen; Primat der Absatzförderung

Vielerorts wurde insbesondere durch die Verbreitung von Elektrospeicherheizungen ein so großer Bedarf an Nachtstrom geschaffen, dass das “Nachtstromtal” an kalten Wintertagen völlig ausgefüllt ist oder sogar in den Nachtstunden die Spitzenlast auftritt. In dieser Situation gilt nicht mehr die häufig geäußerte Behauptung, den Elektrospeicherheizungen seien nur die Betriebskosten der Kraftwerke, nicht jedoch die Investitionskosten für die Kraftwerke und Stromnetze anzulasten.

Verschiedene Erkenntnisse deuten nun darauf hin, dass das Gewähren stark vergünstigter Nachtstromtarife weit mehr der Absatzförderung dient als der Verlagerung von Tagstromverbrauch in die Nacht:

Es ist klar, dass Stromtarife nicht unbedingt volkswirtschaftlich wünschbare Entwicklungen begünstigen, insbesondere unter Bedingungen eines nicht liberalisierten Strommarkts. Durch die Liberalisierung wird eine Quersubventionierung bestimmter Verbrauchssektoren schwieriger.

Weniger Nachtstrom durch erneuerbare Energien

Typische Quellen erneuerbarer Energien liefert tagsüber mehr elektrische Energie als nachts:

Dies bedeutet, dass ein vermehrter Einsatz von erneuerbaren Energien die Nachtstromerzeugung tendenziell reduziert.

Siehe auch: elektrische Energie, Stromtarif, Elektroheizung
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Haustechnik

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