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Nahwärme

Definition: Wärme, die über relativ kurze Strecken (aber außerhalb von Gebäuden) zu Verbrauchern transportiert wird

Englisch: local heat

Kategorien: Grundbegriffe, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 18.12.2012; letzte Änderung: 22.02.2017

Wenn Wärme von einem zentralen Wärmeerzeuger zu Verbrauchern transportiert wird, die Entfernungen aber relativ klein sind (meist unter 1 km, kürzer als bei Fernwärme), spricht man von Nahwärme. (Rechtlich handelt es sich aber auch hier um Fernwärme.) Typischerweise geht es um die Verteilung von Heizwärme (mit einer Maximalleistung von oft weniger als einem Megawatt) innerhalb eines Stadtteils oder Industriegebiets. Die Wärmeverteilung erfolgt wie bei der Fernwärme in der Regel durch heißes Wasser mit fester oder variabler Temperatur, welches durch unterirdische Rohrleitungen gepumpt wird. Die Betriebstemperaturen sind tendenziell niedriger als bei Fernwärme.

Bei jedem Verbraucher befindet sich eine Übergabestation, deren zentrales Bauelement ein Wärmeübertrager ist, der die Wärme auf den hausinternen Wasserkreislauf überträgt. Für die Abrechnungen wird die entnommene Wärmemenge mit einem Wärmemengenzähler gemessen. Der Endverbraucher zahlt in der Regel pro bezogener Kilowattstunde und zusätzlich einen monatlichen Grundpreis, der die verbrauchsunabhängigen Kosten decken soll.

Betreiber von Nahwärmenetzen sind häufig Kommunen, manchmal auch Genossenschaften oder eigens dafür gegründete Unternehmen.

Es gibt auch Netze für Niedertemperaturwärme, die als Anergienetze bezeichnet werden. Bei diesen wird die für die Verbraucher nötige Temperatur durch dezentrale Wärmepumpen erreicht. Probleme mit Energieverlusten in den Leitungen sind minimal oder abwesend wegen des niedrigen Temperaturniveaus im Leitungsnetz.

Quellen für Nahwärme

Während Fernwärme in der Regel aus großen Heizkraftwerken oder Heizwerken stammt, wird Nahwärme in kleineren Anlagen gewonnen, die aber doch meist größer sind als die in einzelnen Heizungsanlagen. Unterschiedlichste Wärmequellen kommen in Frage:

Ein großer Pufferspeicher ist hilfreich, um kurzfristige Bedarfsspitzen abzudecken, ohne eine entsprechende Dauerleistungskapazität aufzubauen.

Der Einsatz eines Gasheizkessels als dominierende Wärmequelle eines Nahwärmenetzes ist in der Regel nicht sinnvoll. Durch die Wärmeverluste im Netz kann der Primärenergiebedarf dann nämlich sogar deutlich höher werden, als wenn alle Gebäude mit einzelnen Gas-Brennwertkesseln beheizt würden. Bei Holzkesseln ist die Situation deutlich anders, da große Holzkessel deutlich effizienter und umweltfreundlicher arbeiten, und weil die Wartung vieler kleiner Holzkessel viel aufwendiger wäre.

Vorteile von Nahwärmenetzen

Gegenüber anderen Technologien – etwa der dezentralen Wärmeerzeugung mit Heizkesseln bei den Verbrauchern – weist ein Nahwärmenetz meist erhebliche Vorteile auf, die die Energiewende unterstützen können:

Insbesondere für eine Kommune kann ein eigenes Nahwärmenetz vielfältige Möglichkeiten eröffnen. Es können damit städtische Gebäude und Anlagen zusammen mit Wohnhäusern und Gewerbebetrieben versorgt werden. Diverse Abwärmequellen können genutzt werden, und der Anteil erneuerbarer Energie kann gesteigert werden. Außer dem Klimaschutz kann dies auch der lokalen Luftreinhaltung zugute kommen.

Betrieb im Winter oder ganzjährig

Manche Nahwärmenetze werden nur während der Heizperiode betrieben, da sich der Betrieb im Sommer wegen der relativ geringen Wärmemengen für die Warmwasserbereitung nicht lohnt – unter Umständen auch wegen der Wärmeverluste im Leitungsnetz. (Man bedenke, dass der relative Wärmeverlust ansteigt, wenn die bezogene Wärmeleistung geringer wird.) Dann brauchen die Verbraucher allerdings andere Wärmequellen für die Warmwasserbereitung, was zunächst zu zusätzlichen Investitionskosten führt. Dies kann auch dazu führen, dass viele Elektroboiler oder elektrische Durchlauferhitzer eingesetzt werden, die die Primärenergie ineffizient nutzen und damit die Energieeffizienz des Gesamtsystems deutlich reduzieren. Wesentlich günstiger wären z. B. mit Erdgas betriebene Durchlauferhitzer.

Natürlich sind die Wärmeverluste im Sommerbetrieb wenig bedeutsam, wenn Sonnenkollektoren eingesetzt werden oder eine wesentliche Stromerzeugung auch im Sommer erfolgen soll. Dagegen wird man ungern einen Gasheizkessel im Sommer betreiben und in den Leitungen dann z. B. 25 % der damit erzeugten Wärme verlieren.

Wirtschaftlichkeit

Ob ein wirtschaftlicher Betrieb eines Nahwärmenetzes möglich ist, hängt von verschiedenen Umständen ab:

Förderung von Nahwärme

Mancherorts besteht ein politischer Wille, die Verwendung von Fernwärme im Interesse besserer Energieeffizienz, höherer Versorgungssicherheit, der Reduktion von Luftschadstoffen und des Klimaschutzes zu fördern. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Siehe auch: Wärme, Fernwärme, Anergienetz, Kraft-Wärme-Kopplung, Wärmemengenzähler
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