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Niedertemperaturheizkessel

Definition: ein Heizkessel, der auch für den Betrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen geeignet ist

Englisch: low-temperature boiler

Kategorien: Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 02.05.2010; letzte Änderung: 03.11.2018

Ein Niedertemperaturheizkessel (oder Niedertemperaturkessel) ist ein Heizkessel, der durch Verwendung geeigneter Materialien (z. B. Edelstahl statt Gusseisen) auch für den Betrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen geeignet ist. Dies gilt heute für fast jeden Heizkessel, war aber früher (vor den 1980er Jahren) nicht der Fall. Damals wurden in Heizkesseln Materialien wie Gusseisen verwendet, die bei zu niedrigen Betriebstemperaturen korrodieren konnten. Vor allem der Schwefelgehalt von Heizöl führt dann nämlich zur Bildung saurer und chemisch recht aggressiver Kondensate. Deswegen wurde der Kessel mit einer etwa Temperatur von z. B. 70 °C betrieben (unabhängig von Außentemperatur und Heizwärmebedarf), und eine niedrigere Vorlauftemperatur wurde ggf. durch einen Mischer erzielt, der das heiße Kesselwasser geeignet mit dem kälteren Rücklaufwasser der Zentralheizungsanlage mischte. Ebenfalls wurde teilweise eine Rücklaufanhebung vorgenommen: Die Rücklauftemperatur für den Heizkessel wurde durch Beimischen von Vorlaufwasser angehoben. Die Bereitschaftsverluste solcher Konstanttemperaturheizkessel waren oft sehr hoch.

Bei Einführung von Niedertemperaturkesseln wurden der Mischer und die Rücklaufanhebung völlig unnötig; ein Niedertemperaturheizkessel kann direkt mit der jeweils gewünschten Vorlauftemperatur betrieben werden, und auch niedrige Rücklauftemperaturen schaden ihm nicht. Dies reduziert nicht nur die Komplexität der Anlage, sondern auch die Wärmeverluste durch Abstrahlung und Kaminzug und somit den Brennstoffverbrauch. Allerdings liegt die Abgastemperatur doch noch relativ hoch – unter Umständen bis zu 200 °C. Allzu niedrige Abgastemperaturen könnten oft auch zu Problemen beim Betrieb an einem konventionellen (nicht feuchtebeständigen) Schornstein führen. Bei alten Schornsteinen ist unter Umständen eine Querschnittsverminderung nötig, um eine Durchfeuchtung beim Betrieb mit einem Niedertemperaturkessel zu vermeiden.

Heizkessel mit Niedertemperaturtechnik werden teils immer noch als besonders energieeffizient beworben, obwohl diese Technik schon recht alt ist (seit 1980er Jahren verwendet wird) und nicht annähernd die Energieeffizienz von modernen Brennwertkesseln erreicht. Jedenfalls für Erdgas und Heizöl sind Brennwertkessel Stand der Technik. Sie arbeiten nicht nur mit einer niedrigen Kesseltemperatur, sondern auch mit sehr niedrigen Abgastemperaturen, und sie können die Kondensationswärme des Wasserdampfs im Abgas nutzen. Allerdings muss hierfür in aller Regel der Schornstein mit einer Abgasleitung versehen werden, so dass ein konventioneller Niedertemperaturkessel oft billiger zu installieren ist (zumindest wenn keine Querschnittsverminderung am Schornstein notwendig ist). Für neue Gebäude wird allerdings eine Lösung mit Brennwertkessel meist wesentlich günstiger sein, da eine Abgasleitung wesentlich billiger ist als ein konventioneller Schornstein, beim Abgassystem also hohe Kosten eingespart werden können.

Siehe auch: Heizkessel, Brennwertkessel, Zentralheizung, Vorlauftemperatur, Niedertemperaturheizung, Konstanttemperaturheizkessel
sowie andere Artikel in den Kategorien Haustechnik, Wärme und Kälte

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