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Niedrigenergiehaus

Akronym: NEH

Definition: ein Gebäude mit einem besonders niedrigen Energiebedarf im Betrieb

Englisch: energy-efficient house

Kategorien: Energieeffizienz, Grundbegriffe, Haustechnik

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 21.08.2011; letzte Änderung: 22.02.2017

Für den Begriff Niedrigenergiehaus gibt es keine allgemein akzeptierte Definition. Meist wird darunter ein Haus verstanden, welches einen niedrigeren Energieverbrauch für seinen Betrieb aufweist, als nach heutigen Vorschriften zulässig wäre (wobei es etwas unterschiedliche Anforderungsprofile gibt, siehe unten). Im Zentrum steht hier der Heizwärmebedarf, der für Wohnhäuser in Mitteleuropa in der Regel den größten Teil des Energieverbrauchs ausmacht. Deswegen spielt hier eine gute Wärmedämmung (mit minimierten Wärmebrücken) in aller Regel eine große Rolle; hinzu kommt eine effiziente Heizungsanlage und oft auch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Es gibt unterschiedliche Standards mit genau beschriebenen Anforderungsprofilen, um den Begriff Niedrigenergiehaus präzise zu definieren. Beispielsweise gibt es unterschiedliche Niveaus für ein “KfW-Effizienzhaus”, wie das “KfW-Effizienzhaus 85”, welches maximal 85 % des jährlichen Primärenergiebedarfs eines Referenzhauses haben darf. Ähnlich ist der Niedrig-Energiehaus-Standard Schleswig-Holstein, nach dem der Primärenergiebedarf mindestens 20 % niedriger sein muss als nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2009 erlaubt wäre. In der Schweiz gibt es den Minergie-Standard für Niedrigenergiehäuser, der etwas strenger ist als der österreichische Standard “Niedrigenergiehaus B”. Dort gibt es auch das noch bessere Niedrigstenergiehaus A und A+. Teilweise wird zusätzlich zum Primärenergiebedarf auch die Höhe der Transmissionsverluste der Gebäudehülle begrenzt.

Niedrigenergiehaus-Standards gibt es sowohl für Neubauten als auch für energiesanierte Altbauten. Für letztere sind die Anforderungen in der Regel weniger streng.

Man beachte, dass die energetischen Vorschriften für Neubauten ständig weiter verschärft werden und entsprechend auch die Definition des Niedrigenergiehauses immer wieder angepasst werden muss.

Höhere Standards

Obwohl ein Niedrigenergiehaus energetisch besser ist als gesetzlich verlangt, stellt es keineswegs die Grenze des Machbaren dar. Es gibt entsprechend weitergehende Standards:

Das Niedrigenergiehaus – eine zukunftsfähige Lösung?

In Zukunft dürfte für Neubauten das Nullenergiehaus oder gar das Plusenergiehaus zum Standard werden. Das kleine Energiebudget, welches pro Einwohner vor allem aus Gründen des Klimaschutzes und der Ressourcenknappheit langfristig ausreichen muss, erlaubt nämlich keinen nennenswerten Energieeinsatz (außer von erneuerbaren Energien) in Gebäuden. Dort ist es wesentlich einfacher als beispielsweise im Verkehr, ganz mit erneuerbarer Energie auszukommen.

So gesehen ist das Niedrigenergiehaus zwar eher zukunftsfähig als ein Haus nach den heutigen Vorschriften, entspricht aber trotzdem nicht den zukünftig notwendigen Anforderungen – es sei denn, es würde wider Erwarten eine wundersame neue Heizungstechnologie entwickelt, welche große Mengen von Heizwärme kostengünstig und umweltfreundlich bereitstellen könnte, auch ohne hohe Installationskosten zu verursachen. Wenn so etwas nicht gefunden wird, dürfte für viele heute gebaute Niedrigenergiehäuser im Laufe der Lebensdauer doch noch eine energetische Sanierung notwendig werden.

Siehe auch: Passivhaus, Plusenergiehaus, Minergie, energetische Sanierung von Gebäuden, Energieeffizienz, Wärmedämmung, Heizwärmebedarf
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Grundbegriffe, Haustechnik

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