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Ölkraftwerk

Definition: ein mit Schweröl oder mit anderem Erdöl-basierten Brennstoff betriebenes Kraftwerk

Englisch: oil-fired power station

Kategorien: elektrische Energie, Kraftmaschinen und Kraftwerke

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 19.01.2013; letzte Änderung: 10.11.2017

Ein Ölkraftwerk ist ein mit einem erdölbasierten Brennstoff betriebenes Wärmekraftwerk. Der Brennstoff ist häufig Schweröl, manchmal aber auch leichtes Heizöl oder (nahezu identisch) Dieselkraftstoff.

Einsatz von Ölkraftwerken

  • Wegen der vergleichsweise hohen Brennstoffkosten werden Ölkraftwerke in Europa heutzutage wenig eingesetzt und praktisch nur für die Spitzenlast, d. h. für kurzzeitigen Einsatz mit wenigen Volllaststunden pro Jahr, oder als Reservekraftwerke.
  • In manchen Ölförderländern werden Ölkraftwerke auch für die Grundlast eingesetzt – unter Umständen mit Nutzung der Abwärme für die Meerwasserentsalzung.
  • An manchen Orten dient ein Ölkraftwerk der Nutzung von Schweröl, welches sonst schwer anderweitig nutzbar wäre. Ein Beispiel ist das Ölkraftwerk Chavalon in der Schweiz, welches von 1965 bis 1999 nahe einer Raffinerie betrieben wurde. Der Transport des dort anfallenden Schweröls z. B. zu Häfen, wo es als Schiffstreibstoff hätte dienen können, lohnte sich nicht.
  • Ähnliches gilt für manche abgelegenen Ölförderstandorte, wo ein lokales Ölkraftwerk den Bedarf für die Förderanlagen decken kann.
  • Kleine Ölkraftwerke mit Dieselmotoren dienen entweder als Blockheizkraftwerke (mit Abwärmenutzung z. B. für Heizzwecke) oder auch als Notstromaggregate. Blockheizkraftwerke werden allerdings häufiger mit Erdgas betrieben.

Die Technik von Ölkraftwerken

Ein großes Ölkraftwerk kann auf einer Dampfturbine, einer Gasturbine oder auf einer Kombination von beiden beruhen. Kleine Ölkraftwerke dagegen basieren auf Dieselmotoren. Im Falle der Ausführung mit Abwärmenutzung spricht man von Blockheizkraftwerken.

Mit einer einfachen offenen Gasturbine ergibt sich ein Kraftwerk mit geringen Investitionskosten und Wartungskosten, welches sehr schnell gestartet und in der Leistung geändert werden kann. Der Wirkungsgrad ist allerdings nicht sehr hoch, z. B. 35 % bis 40 %. Zum Betrieb wird meist leichtes Heizöl verwendet, da Schweröl für Gasturbinen weniger geeignet ist.

Anlagen mit einer Dampfturbine sind auch nicht wesentlich effizienter. Jedoch kann die Kombination einer Gas- und Dampfturbine in einem Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk (GuD-Kraftwerk) eine hohe Effizienz erreichen (bis zu ca. 60 %). Solche Kraftwerke werden allerdings häufiger mit Erdgas betrieben.

Mit Schweröl betriebene Ölkraftwerke benötigen in der Regel eine Rauchgasentschwefelungsanlage, um eine akzeptable Abgasqualität zu erreichen, da Schweröl meist einen sehr hohen Schwefelgehalt aufweist. Auch eine Entstickung ist meist notwendig.

Wechsel zwischen Erdgas und Öl

Manche Ölkraftwerke können abwechselnd mit Erdgas oder Öl betrieben werden. Sie verfügen beispielsweise über eine Feuerung für einen Dampfkessel, der Brenner für beide Brennstoffe enthält. Solche Kraftwerke können je nach momentanen Preisen und Verfügbarkeit flexibel umgestellt werden.

Es gibt auch Kraftwerke, die von Öl- auf Gasbetrieb umgerüstet wurden, und endgültig mit Gas betrieben zu werden.

Siehe auch: Kraftwerk, Wärmekraftwerk, Erdöl, Spitzenlast, Gaskraftwerk
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Kraftmaschinen und Kraftwerke

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