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Pelletheizung

Definition: eine Heizungsanlage, die mit festem Brennstoff in Pelletform betrieben wird, meist mit Holzpellets

Englisch: wood pellet heating system

Kategorien: erneuerbare Energie, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 03.07.2010; letzte Änderung: 03.11.2018

Eine Pelletheizung ist eine Heizungsanlage, die mit einem festen Brennstoff in Pelletform betrieben wird, meist mit Holzpellets.

Funktion der Heizungsanlage

Pellet-Einzelöfen, die nur einzelne Räume beheizen, verfügen über einen kleineren Speicher, der z. B. mit Eimern von Hand alle paar Betriebsstunden nachgefüllt werden kann. Solche Öfen sind für den gelegentlichen Betrieb gedacht, beispielsweise um in einem Wohnzimmer abends für erhöhte Gemütlichkeit zu sorgen.

Wenn es sich jedoch um eine Zentralheizung handelt, werden die Pellets meist in einem Speicher mit z. B. einigen Kubikmetern (für ein Einfamilienhaus) gelagert. Die Befüllung eines solchen Speichers erfolgt effizient mit einem speziellen Tankwagen; die Pellets werden über einen Schlauch in den Speicher geblasen. Mit Hilfe einer automatischen Fördereinrichtung, die in der Regel entweder eine Förderschnecke oder eine Gebläsevorrichtung enthält, werden die Pellets nach Bedarf dem Speicher entnommen und dem Pelletkessel zugeführt. Beim Brennerstart werden die Pellets elektrisch entzündet. Ebenfalls kann eine automatische Reinigung der Kesselwände über Federn oder Besen erfolgen. Die Asche wird in einen Aschebehälter befördert, der gelegentlich geleert werden muss. Das Abgas wird wie bei einer Ölheizung über einen Schornstein abgeführt.

Der Wartungsaufwand auch einer vollautomatischen Pelletheizung ist in der Regel höher als bei Öl- und Gasheizungen. Der Reinigungsaufwand ist höher, weil bei der Verbrennung von Holz naturgemäß viel mehr Asche, Ruß und Staub anfallen als mit Gas oder Öl. Es kann auch vorkommen, dass sich Pellets (v. a. minderer Qualität) im Fördersystem festsetzen oder andere Betriebsstörungen auftreten. Die Qualität der Anlage ist bei Pelletheizungen besonders wichtig für einen störungsarmen Betrieb, aber auch die Qualität der Pellets ist wichtig.

Heizleistung und Wirkungsgrad

Typische Heizleistungen von Pelletheizungen liegen zwischen einigen Kilowatt für Einzelöfen und rund 30 kW für zentrale Anlagen in Mehrfamilienhäusern. Auch deutlich höhere Leistungen sind durchaus möglich, jedoch kann dann die Verwendung von Holzhackschnitzeln oder Scheiten wirtschaftlicher sein. Die Heizleistung kann meist in einem großen Bereich ggf. automatisch geregelt werden. Allerdings kann der Wirkungsgrad und die Abgasqualität beim Betrieb mit geringen Leistungen oder bei kurzen Brennphasen deutlich leiden – mehr als bei Öl- und Gasfeuerungen. Deswegen wird bei Zentralheizungsanlagen häufig ein Pufferspeicher benutzt, der zeitweise auftretende überschüssige Wärme aufnehmen und später wieder abgeben kann.

Typische Volllast-Wirkungsgrade von Pelletkesseln bewegen sich um 85–95 % bezogen auf den Heizwert. Es gibt jedoch auch bereits Pellet-Brennwertkessel, die den Wasserdampf im Abgas kondensieren und somit mehr als den Heizwert der Pellets nutzen können. Der Volllast-Wirkungsgrad (bezogen auf den Heizwert) kann dann nochmals um ca. 10 bis 15 % höher liegen. Der Jahresnutzungsgrad kann jedoch grundsätzlich deutlich niedriger liegen (wie auch z. B. bei Ölheizkesseln), da beim Betrieb mit geringen Leistungen die Wärmeverluste in den Heizkeller stärker ins Gewicht fallen.

Die ökologischen Aspekte von Holzpellets werden im Artikel über Holzpellets diskutiert.

Vergleich von Pelletheizung und Ölheizung

Die Pelletheizung ähnelt in mehrerlei Hinsicht vor allem der Ölheizung, etwas weniger der Gasheizung, weist aber auch diverse Unterschiede auf:

  • Die Nutzung von Holzpellets ist annähernd CO2-neutral, ganz im Gegensatz zu Heizöl, und ist deswegen im Sinne des Klimaschutzes wesentlich günstiger. Der Aufwand an grauer Energie für die Produktion und den Transport der Pellets führt zu CO2-Emissionen, die nur wenige Prozente dessen betragen, was die Verbrennung von Heizöl freisetzen würde. Allerdings muss hierfür sichergestellt werden, dass das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen und über nicht zu große Strecken transportiert werden muss. Beispielsweise sind Holzpellets, die durch Raubbau in osteuropäischen Ländern gewonnen werden, keineswegs eine nachhaltige Energiequelle.
  • Holzpellets werden aus nachwachsendem Holz gewonnen, bieten also erneuerbare Energie im Gegensatz zum in endlicher Menge vorhandenen Erdöl. Somit werden Holzpellets voraussichtlich für sehr lange Zeiten verfügbar sein, was allerdings nicht niedrige Preise garantiert. (Der Artikel über Holzpellets diskutiert den Zusammenhang der Pelletpreise mit dem Ölpreis.) Die jährlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft verfügbaren Mengen sind allerdings beschränkt; in Deutschland sind sie schon weitgehend ausgeschöpft. Dies bedeutet, dass ein weiterer starker Ausbau der Nutzung von Holzpellets in Deutschland wohl nicht auf nachhaltige Weise möglich ist.
  • Die Problematik der entstehenden Luftschadstoffe (vor allem Feinstaub und Stickoxide) ist bei Holzpellets zwar erheblich geringer als bei kleinen Stückholzfeuerungen, aber doch deutlich bedenklicher als bei Heizöl und v. a. Erdgas. Dem Klima-Vorteil können also erhebliche Nachteile für die Luftqualität entgegenstehen, insbesondere bei Nutzung in dicht besiedelten Räumen, wo die Abgase die Gesundheit vieler Anwohner beeinträchtigen können.
  • Der Platzbedarf eines Pelletkessels ist ähnlich dem eines Ölheizkessels. Jedoch braucht das Pelletlager rund dreimal mehr Platz für die gleiche Energiemenge als ein Öltank, und der Lagerraum sollte möglichst nahe beim Kessel liegen. Wenn für ein Lager zusätzlicher Kellerraum gebaut werden muss, entstehen hierfür erhebliche Investitionskosten.
  • Der Wartungsaufwand von Pelletheizungen ist deutlich höher als z. B. bei Ölheizungen. Die Benutzer müssen außerdem regelmäßig den Aschebehälter leeren, was allerdings einfach ist.
  • Die Anschaffungskosten einer Pelletfeuerung mit Lager sind deutlich höher als die einer Öl- oder Gasheizung. Dafür liegen die Betriebskosten oft deutlich niedriger als bei Öl- oder Gasheizungen, trotz des höheren Wartungsaufwands.
  • Wie bei Öl- oder Gasheizungen ist die Kombination mit einer Solaranlage für die solare Warmwasserbereitung und auch für die Heizungsunterstützung möglich. Dies reduziert den Brennstoffverbrauch, v. a. im Sommer und in der Übergangszeit. Da Pelletheizungen ohnehin häufig über einen Pufferspeicher verfügen, ist der Mehraufwand für eine Solaranlage tendenziell geringer.
  • Pelletheizungen können problemlos eine relativ hohe Vorlauftemperatur liefern, wie auch Öl- und Gasheizungen, nicht aber Wärmepumpen. Deswegen ist der Betrieb mit gewöhnlichen Heizkörpern genauso gut möglich wie mit einer Fußbodenheizung oder einer anderen Flächenheizung.

Bewertungen und Empfehlungen

Bei der Sanierung von Altbauten, bei denen keine Fußbodenheizung möglich ist, kann eine Pelletheizung die sinnvollste Wärmequelle darstellen, da sie auch mit hohen Vorlauftemperaturen arbeiten kann, wie sie für eine Wärmepumpenheizung ungünstig wären. Neubauten können dagegen optimal für die Wärmepumpenheizung eingerichtet werden, und der aufwendigeren Errichtung z. B. einer Erdwärmesonde als Wärmequelle steht eine Einsparung durch den Verzicht auf einen Schornstein und ein Pelletlager gegenüber. Besonders bei Gebäuden mit sehr guter Wärmedämmung und entsprechend niedrigem Wärmebedarf bietet sich deswegen die Wärmepumpe besonders an.

Im Vergleich mit Wärmepumpenheizungen sind Pelletheizungen deutlich weniger klimaschädlich, außer wenn die Wärmepumpe mit Ökostrom betrieben wird. Da der deutsche Strommix aber immer umweltfreundlicher wird, wird dieser Unterschied allerdings weiter abnehmen. Zudem ist die lokale Beeinträchtigung der Luftqualität durch Pelletheizungen zumindest in dicht bevölkerten Regionen ein klarer Nachteil.

Ein flächendeckender Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch Pelletheizungen würde daran scheitern, dass Holzpellets nicht in beliebigen Mengen erzeugt werden können. Deswegen sollten einerseits die nachhaltig nutzbaren Holzpotenziale ausgeschöpft werden (was in Deutschland bereits weitgehend der Fall ist), andererseits sollte aber ein rationeller Umgang mit der erzeugten Wärme genauso wie bei Öl- und Gasheizungen erfolgen: Jede Kilowattstunde Wärme aus Holzpellets, die an einem Ort verschwendet wird, hätte an anderer Stelle eine Kilowattstunde aus Heizöl oder Erdgas ersetzen und damit das Klima schützen können. Der Einbau einer Pelletheizung ist somit kein echter Ersatz für eine gute Wärmedämmung des Hauses, zumal die Heizkosten damit meist auch weniger stark reduziert werden können.

Somit ist zu empfehlen, immer zuerst den Wärmebedarf nach Möglichkeit zu minimieren und dann Pelletheizungen gezielt dort einzusetzen, wo es keine bessere Lösung gibt – häufig etwa für Altbauten. Bei Neubauten sollte aber eher z. B. eine Wärmepumpenheizung (kombiniert mit Fußbodenheizung und betrieben mit Ökostrom) verwendet werden.

Zu bedenken ist außerdem, dass es ökonomisch eigentlich sinnvoller wäre, die begrenzten Holzmengen z. B. in Form von Holzhackschnitzeln in großen Feuerungen zu verwenden, um dort Erdgas zu verdrängen, anstatt dies in vielen kleinen Gebäuden (mit entsprechend höheren Gesamtkosten) zu tun.

Siehe auch: Holzpellets, Holz, erneuerbare Energie, Heizungsanlage, Ölheizung, Gasheizung
sowie andere Artikel in den Kategorien erneuerbare Energie, Haustechnik, Wärme und Kälte

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