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Plusenergiehaus

Definition: ein Haus, in dem im Jahresmittel mehr erneuerbare Energie gewonnen wird, als zum Betrieb gebraucht wird

Englisch: house with surplus energy balance

Kategorien: erneuerbare Energie, Grundbegriffe, Haustechnik

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 09.09.2012; letzte Änderung: 23.09.2020

Ein Plusenergiehaus verfügt ähnlich wie ein Nullenergiehaus über Einrichtungen zur Gewinnung erneuerbarer Energie – in der Regel über Photovoltaik (für elektrische Energie) und/oder Solarthermie (für Wärme). Während beim Nullenergiehaus im Jahresmittel etwa so viel erneuerbare Energie gewonnen wird, wie zum Betrieb des Gebäudes benötigt wird (das Haus also “energieneutral” ist), sind die Anlagen beim Plusenergiehaus größer dimensioniert, so dass sogar ein Überschuss verbleibt. Dieser wird in Form elektrischer Energie in das Stromnetz eingespeist. Ein solches Haus trägt also im Jahresmittel sogar zur öffentlichen Stromversorgung bei, obwohl zu manchen Zeiten durchaus auch elektrische Energie aus dem Netz bezogen wird.

Wenn Heizwärme mit Holz gewonnen wird, wird dies als eine Energiezufuhr von außen gewertet, obwohl es sich um erneuerbare Energie handelt. (Auch Holz ist eine begrenzte Ressource, die bei Nutzung in einem Haus dann anderswo nicht mehr zur Verfügung steht – anders als die Sonnenenergie.) Das energetische Äquivalent des Holzverbrauchs (gewichtet mit einem Primärenergiefaktor) muss also zusätzlich in das Stromnetz eingespeist werden, um einen Überschuss zu erwirtschaften.

Allerdings wird die graue Energie, die zum Bau des Gebäudes benötigt wird, bei der Energiebilanz nicht berücksichtigt. Ebenfalls wird der Energieaufwand für den Verkehr der Bewohner (insbesondere mit Autos) unter Umständen nicht mitgezählt. Es ist aber natürlich möglich, Elektroautos mit Hilfe zusätzlicher Photovoltaik zu laden.

Der Grundgedanke hinter dem Plusenergiehaus ist, dass bei Gebäuden (zumindest bei Neubauten) schon mit heutiger Technik mehr als eine volle Deckung des Energiebedarfs mit erneuerbarer Energie gut möglich ist, während dies für andere Sektoren wie den Verkehr und die Industrie bis auf weiteres nicht der Fall ist. Dies bedeutet, dass das Fernziel einer vollständigen Deckung des gesamten Energiebedarfs unserer Gesellschaft mit erneuerbarer Energie voraussichtlich voraussetzt, dass die Gebäude Überschüsse erwirtschaften, die für andere Sektoren verwendbar sind.

In aller Regel braucht ein Plusenergiehaus eine sehr gute Wärmedämmung, um den Heizwärmebedarf ähnlich wie schon beim Passivhaus sehr klein zu halten. Soweit der restliche Wärmebedarf nicht über Solarthermie gedeckt werden, muss zusätzliche elektrische Energie über Photovoltaik gewonnen werden. Diese kann dann z. B. zum Betrieb einer Wärmepumpe genutzt werden, oder sie wird ins Netz eingespeist und kompensiert die Verwendung von Brennholz oder Erdgas. Ein kleinerer Teil der elektrischen Energie wird in der Regel für den Betrieb einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung benötigt, wodurch die Wärmeverluste durch die Belüftung minimiert werden.

Fragen und Kommentare von Lesern

23.09.2020

Wird in die Energiebilanz des sog. “Plusenergiehauses” denn auch die Energie berücksichtigt, die zum Herstellen aller Elemente für die Fertigstellung des “Plusenergiehauses” vonnöten sind? Wenn nicht, warum nicht? Wenn ja, inwiefern (Quellenangaben sind hier hilfreich).

Alleine die Hilfsenergien, die zum Betrieb der Rechner, zum Herstellen der benötigten Software, gebraucht werden, um solch ein Gebäude überhaupt planen zu können, sind nicht unerheblich.

Antwort vom Autor:

Ich gehe davon aus, dass in der Praxis eine komplette Energiebilanz inklusive grauer Energie für keine Gebäude inklusive Plusenergiehäuser praktisch nie erstellt wird – ganz einfach, weil es ein großer Aufwand wäre.

Generell steckt in einem Gebäude eine große Menge grauer Energie. Wie viel das ist, hängt wohl weniger davon ab, ob es ein Plusenergiehaus ist, sondern welche grundlegende Bauweise man verwendet. Insbesondere kommt es darauf an, wie viel energieaufwendig hergestellte Materialien wie Zement (z. B. in Beton), gebrannte Ziegel u. ä. eingesetzt werden. Von daher dürfte ein Plusenergiehaus auf der Basis von Holz wesentlich besser abschneiden als ein konventionelles Haus mit viel Beton. Aber natürlich kann man auch Plusenergiehäuser gedankenlos bauen und dabei jede Menge Energie verschwenden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Lebensdauer; bei einem Gebäude, welches für die Zukunft gebaut ist und 100 Jahre lang so genutzt werden kann, spielt die graue Energie keine besonders große Rolle im Vergleich zur Betriebsenergie. Wenn jemand dagegen ein Haus baut, bei dem schon zur Planungszeit klar ist, dass es nicht zukunftsfähig ist (z. B. kaum CO2-frei warm gehalten werden kann), verschwendet er mittelfristig gesehen eine große Menge von Energie – erst mit Bau und Betrieb, dann bei einer aufwändigen Sanierung oder gar einem Neubau. Genau hier und nicht bei den Plusenergiehäusern sehe ich das eigentliche Problem: Es werden weiterhin sehr viele klar nicht zukunftsfähiger Häuser gebaut.

Der Aufwand für Rechner und Software ist völlig unwesentlich im Vergleich zu den anderen genannten Punkten. Das wäre also definitiv die falsche Stelle, um etwas einzusparen.

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