RP-Energie-Lexikon
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Ratgeber: So stärken Sie Ihr geistiges Immunsystem gegen manipulierende Propaganda, Fake News und grassierende Irrtümer

Autor:

Rüdiger Paschotta
Ratgeber: So stärken Sie Ihr geistiges Immunsystem

Gefahren durch falsche Informationen

  • Coronaviren-Krise: absurde Thesen erzeugen Verunsicherung, unterminieren notwendige Maßnahmen, verursachen zusätzliche Infektionen und wirtschaftliche Schäden, schüren Konflikte, etc.
  • Anderswo werden Wähler und damit demokratische Wahlen manipuliert. Beispiel: Aktivitäten der Firma Cambridge Analytica auf Facebook, die in etlichen Ländern (inkl. USA und Großbritannien) großen Schaden verursachten. Ähnliches läuft weiterhin in großem Umfang.

Von der Eindämmung solcher Entwicklungen hängt am Ende ein guter Teil unserer Zukunft ab.

Ein gutes Urteilsvermögen entwickeln

  • Wir müssen z. B. im Internet gefundene Informationen auf Verlässlichkeit prüfen können.
  • Ziel der Aufklärung: Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit (Immanuel Kant).

Leider ist das nicht einfach – diese Fähigkeit muss lebenslang immer weiter entwickelt werden.

Themen dieses Artikels

  • Wie bzw. wieweit kann man Sachverhalte prüfen, ohne selbst Experte im jeweiligen Gebiet zu sein?
  • Wie finde ich heraus, ob eine Person bzw. deren Aussagen glaubwürdig sind?
  • Wie funktioniert typische Propaganda? Vorwiegend durch faktisch falsche Behauptungen oder auch mit anderen Methoden der Manipulation?
  • Was kann ein Faktencheck leisten und was nicht?
  • Wie sollen wir grundsätzlich den “Mainstream” bzgl. Wissenschaft und Medien bewerten im Vergleich zu anderen Quellen, etwa bei Social Media oder sonstwo im Internet? Und wie damit sinnvoll (nützlich, vorsichtig, effizient, kreativ) umgehen?
  • Kann es sein, dass die gesamte Wissenschaft irrt oder manipuliert und dies im Internet aufgedeckt wird? Wie und wo entsteht relativ sicheres Wissen?

Vorsicht vor Selbstüberschätzung

  • Gerade Menschen mit eher eingeschränkten Fähigkeiten neigen besonders häufig dazu, diese völlig zu überschätzen (Dunning-Kruger-Effekt). Sie stellen ihr Bauchgefühl auch über aufwendig erarbeitete Resultate der Wissenschaft.
  • Wir alle sind hier ein Stück weit gefährdet. Prinzipielles Problem: man kann nicht wissen, welche wichtigen Details man mangels Wissen nicht berücksichtigt hat.

Am besten alles selbst prüfen?

Dieser Ansatz hat seine Grenzen:

  • Verfügen wir überhaupt über die Mittel, bestimmte Fakten zu überprüfen?
  • Gefahr der Selbsttäuschung: z. B. durch Übersehen wichtiger Umstände.

Oft wird uns nichts anderes übrig bleiben, als uns auf die Erklärung von Fakten und Bewertungen durch andere zu verlassen.

Wie finde ich heraus, wessen Einschätzungen ich trauen kann?

  • Ein erster Ansatz ist das Achten auf diverse Alarmzeichen, die einen skeptisch machen sollten. Einige solche werden auf den folgenden Seiten diskutiert.
  • Vorsicht: Solche Signale sind nicht immer eindeutig. Manches kann auf den ersten Blick fragwürdig aussehen, sich dann aber doch als richtig erweisen.

Alarmzeichen

  • Es erfolgen massive Angriffe auf die “Mainstream-Wissenschaft”, der man entweder seine Resultate gar nie vorgelegt hat oder die man eben mangels Substanz nicht überzeugen konnte.
    Empfohlene Reaktion: Überzeugen Sie doch erst mal die Fachwelt!
  • Es wird kräftig mit Methoden der Diffamierung gearbeitet. Wer echte Argumente hat, argumentiert klar und sachlich – eventuell auch deutlich engagiert, aber eben nicht brüllend und unfair.
  • Es wird auffallend intensiv um Aufmerksamkeit geworben – z. B. mit riesiger Fettschrift in rot, eindringlichen Aufforderungen (unbedingt dieses Video anschauen!!!) etc.
  • Die entsprechende Person ist aus ganz anderen Themenbereichen als unglaubwürdig bekannt.
  • Wichtige Tatsachen oder Umstände werden verschwiegen.
  • Es werden Verschwörungstheorien gebildet und eingesetzt, um Kritik abzuwehren.

Oft sollte man dann überlegen, ob sich die weitere Beschäftigung mit gewissen Meinungen überhaupt lohnt.

Was nicht überzeugt (1)

Die folgenden Merkmale dürfen nicht genügen, um die Glaubwürdigkeit anzunehmen:

  • Titel und Ämter, womöglich abseits vom relevanten Fachgebiet: Das sagt kaum etwas über die Kompetenz aus.
  • Die Person ist sehr bekannt. Nun, das gilt auch für einige längst überführte Lügner und Quacksalber.
  • Es klingt sehr wissenschaftlich, aber ich kann es nicht überprüfen. Leider ist es für Laien oft sehr schwer, selbst krass pseudowissenschaftliche Darstellungen als solche zu erkennen bzw. von echter Wissenschaft zu unterscheiden.
  • Es wird nur behauptet, aber nicht nachvollziehbar begründet. Es kann ja trotzdem richtig sein, aber reicht eben nicht, um zu überzeugen.
  • Einzelne Behauptungen erkenne ich als definitiv zutreffend. Das sagt gar nichts aus: Die meisten Lügen verstecken sich bekanntlich zwischen Wahrheiten.

Was nicht überzeugt (2)

  • Alle gemachten Tatsachen-Behauptungen sind zutreffend. Selbst dann kann es z. B. sein, dass wesentliche weitere Tatsachen unterschlagen wurden oder dass falsche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden.
  • Es fühlt sich irgendwie gut an. Das kann einfach daran liegen, dass geschickt irgendwelche Grundeinstellungen oder Bedürfnisse angesprochen werden – wenn mich etwa ein Problem psychisch belastet, entlastet mich dessen Leugnung. Umso besser, wenn es gar mein schlechtes Gewissen vertreibt, etwa durch meine Mitverantwortung an der sich verschärfenden Klimakrise.

Was aber kein Ausschlusskriterium ist

Umgekehrt gibt es Signale, die nicht wirklich gute Gründe sind, etwas zu verwerfen:

  • Die Person ist nicht vom Fach. Das allein belegt natürlich nicht die Unglaubwürdigkeit – vor allem, wenn sich die Person an breit anerkannten Resultaten der Wissenschaft orientiert. Es gibt sogar Laien, die da erstaunlich viel verstehen und es anderen Laien gut erklären können!
  • Es erscheint nicht in einer Fachpublikation, vielleicht gar nur im Internet.
  • Es wird ein (womöglich prominenter) Wissenschaftler kritisiert. Warum nicht, wenn es überzeugend begründet wird: Auch Wissenschaftler können mal irren.
  • Es ist nicht durch Fakten bewiesen, und Wissenschaftler wissen es auch nicht definitiv. Natürlich sind nicht alle vernünftigen Meinungen durch Fakten bewiesen. Wenn man (noch) nicht genau weiß, wie die Dinge liegen, gibt es immer noch mehr oder weniger vernünftige Einschätzungen und Entscheidungen.

Sollen wir Mainstream-Medien trauen?

Ohne Medien geht's nicht, aber welchen kann man vertrauen? Von blindem Vertrauen ist generell abzuraten!

Medien sind in sehr unterschiedlichem Maße seriös und glaubwürdig. Offenkundig sind wir von seriösen Quellen besser bedient, nur: Wie sollen wir diese zuverlässig identifizieren?

Ob Medien zum “Mainstream” gehören, ist sicherlich kein gutes Kriterium: Beispielsweise gibt es weit verbreitete Boulevard-Zeitungen übelster Qualität, die sicherlich zum Mainstream gehören, aber von dubiosen Milliardären skrupellos für ihre Zwecke eingesetzt werden. Andererseits gibt es kleine, kaum bekannte Journale und Internet-Portale, die sehr sorgfältig und objektiv arbeiten auf der Basis guter Regeln, die letztlich auf hohen Wertmaßstäben und vielfältigen Erfahrungen beruhen.

Also: alles kritisch und sorgsam prüfen, egal ob Mainstream oder nicht!

Kriterien für die Beurteilung von Medien

  • Gefährlich: milliardenschwere Medienunternehmer, die regelmäßig übelste Qualität liefern lassen: plumpe Anbiederung an den Pöbel zwecks Steigerung der Auflage, oft aber auch gezielte Manipulation.
  • Andererseits gibt es Medien, die ebenfalls privatwirtschaftlich betrieben werden, die sich aber einen guten Ruf erarbeitet haben. Auch sie haben Meinungen, aber sie lassen sich kaum zur Verwendung manipulativer Techniken verleiten: Ihre Klientel (vorwiegend kritisch denkende Menschen) würden Sie damit rasch verlieren.
  • Gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien werden staatlich überwacht. Das bringt einerseits die Gefahr politischer Einflüsse mit sich. Andererseits reduziert die Finanzierung über Rundfunkgebühren den Druck z. B. zum Kaputtsparen der Redaktionen oder die Abhängigkeit von Werbekunden.

Zur Medienkompetenz gehört, sich über die Hintergründe der genutzten Medien bewusst zu sein und diese bei der Einschätzung von deren Verlässlichkeit zu berücksichtigen.

Auswahl der Medien

Warum soll ich mich der besonders großen Gefahr der Manipulation durch dafür bekannte Medien aussetzen, wenn ich doch viel seriösere Medien kenne und ohne weiteres verwenden kann?

  • Ein wenig Geld sparen: kein guter Grund – gute Informationen sind wichtig und wertvoll! Will ich wirklich ein paar Euro sparen ausgerechnet bei dem, was ich in meinen Kopf lasse?
  • Man sollte gute Medien auch finanziell unterstützen, z. B. mit Abonnementen – wir brauchen sie dringend!

Kritisch sollte man in jedem Fall bleiben – auch gegenüber dem gesellschaftliche Mainstream selbst, der uns alle beeinflusst.

Sind Quellen im Internet fragwürdig?

Zunächst einmal ist es belanglos, ob z. B. ein Text über das Internet oder auf Papier verbreitet wird; das sagt nichts über die Qualität. Aber:

  • Webseiten seriöser Zeitungen und Rundfunksendern sind von Profis gemacht, die auf gewisse Qualitätskriterien verpflichtet werden. Sie riskieren ihren Ruf, wenn sie Mist bauen; das diszipliniert. Natürlich werden trotzdem immer mal wieder Fehler gemacht, gelegentlich wird auch manipuliert; blindes Vertrauen ist auch hier nicht angebracht.
  • Bei Social-Media-Portalen wie Facebook und Twitter dagegen schreiben hauptsächlich Hinz und Kunz, und diese Gruppe umfasst alles vom hoch gebildeten Professor zum geltungssüchtigen Proleten. Dazu kommen Interessengruppen und sogar Horden bezahlter Trolle.
  • Diverse andere Websites stammen von Firmen und verschiedensten anderen Organisationen – mit sehr variabler Qualität und Verlässlichkeit.
  • Informationen ohne erkennbare Quelle sollte man generell höchstens mit großer Vorsicht verwenden.

Von fragwürdigen Quellen grundsätzlich die Finger lassen?

Im Prinzip kein schlechter Ansatz, aber: Das schließt vieles aus, was auch interessiert, in den anderen Medien aber nicht zu finden ist.

Anderer Ansatz: auch Informationen aus fragwürdigen Quellen auswerten, aber eben besonders kritisch. Dafür sollte man sein “geistiges Immunsystem” besonders stark entwickeln und beim Konsum fragwürdiger Quellen auf die höchste Stufe stellen.

Beispiel: Analyse eines Artikels über Vitamine gegen Coronaviren – siehe den vollen Text.

Sind Faktenchecks die Lösung?

Faktenchecks sind sehr beliebt und werden breit angeboten: von seriösen Medien, zunehmend aber auch von Interessengruppen und teils sogar in manipulierter Form.

Klar ist: Jeder kann versuchen, Manipulation mit der Beschriftung “Faktencheck” zu tarnen. Alternative Begriffe wie “Faktenfinder” und “Fakecheck” sind genauso verwendbar.

Zudem haben wir gesehen:

  • Fakten sind wichtig, aber faktenbasierte Bewertungen sind oft viel wichtiger.
  • Man kann auch auf der Basis komplett zutreffender Fakten irren, oder durch das Präsentieren einer einseitigen Auswahl zutreffender Fakten manipulieren; damit können unerwünschte andere Fakten in den Hintergrund geschoben und falsche Eindrücke erzeugt werden.

Erweiterte Faktenchecks mit Bewertung und Einordnung

Man braucht also oft eine erweiterte Form von Faktencheck, die umfassender prüft:

  • Sind die gestellten Fragen überhaupt hilfreich oder womöglich einengend und manipulierend?
  • Werden bei den Antworten wichtige Umstände verschwiegen?
  • Werden durch formal zutreffende Aussagen Dinge suggeriert, die nicht stimmen?

Leider führt das auch leicht vom Ideal der perfekten Objektivität weg – was aber nicht heißen soll, dass das des Teufels ist. Seriöse Medien überprüfen oft nicht nur die Fakten, sondern bewerten sie auch, obwohl der Begriff “Faktencheck” dann irgendwann fragwürdig wird. Bei anderen geht es schon mehr oder weniger deutlich in Richtung zum Ideologiecheck.

Am Ende geht es eben wieder um journalistische Qualität, und das ist sehr viel vielschichtiger als nur sachliche Korrektheit.

Weitere Tipps für solide Einschätzungen

  • Wir sollten immer mehrere, voneinander unabhängige Quellen studieren und miteinander vergleichen, bevor wir uns einigermaßen sicher informiert fühlen. Vor allem vermeiden wir so, dass wichtige Umstände ausgeblendet werden.
  • Prüfen Sie, ob Aussagen nicht nur sachlich korrekt, sondern auch für den Sachverhalt überhaupt relevant sind und die Behauptung stützen.
  • Prüfen Sie, ob der Autor und seine Quellen offengelegt oder aber verborgen hat (falls Quellen im gegebenen Fall wichtig sind).
  • Wenn eine Information emotional sehr aufwühlend ist – gleich ob positiv oder negativ –, sollte man sich erst mal beruhigen, bevor man handelt. Also beispielsweise nicht fragwürdige Dinge wild weiterverbreiten in der Hoffnung, sie so geklärt zu bekommen. Manipulierende Fake News sind ja oft gerade darauf hin optimiert, uns aufzuregen und dann zur weiteren Verbreitung beizutragen.

Wie klärt man Sachverhalte?

Der beste Start: gute Fragen finden! Gute Fragen sind oft schon die halbe Miete.

Richtige Antworten auf gegebene Fragen zu finden, ist natürlich wichtig. Von entscheidender Bedeutung ist oft aber schon, gute Fragen zu stellen. Das gilt im täglichen Leben, übrigens auch sehr für die wissenschaftliche Forschung.

Aber was sind überhaupt gute Fragen? Das ist gar nicht so einfach:

  • Gute Fragen betreffen tatsächlich relevante Sachverhalte.
  • Sie sind klar formuliert, hinreichend konkret, andererseits aber auch nicht zu sehr auf spezielle Details konzentriert.
  • Es gibt eine realistische Chance auf Beantwortung.

Das ist gar nicht so einfach!

Beispiel 1 zur Einschätzung der Coronaviren-Krise:

  • Frage: Wie viele Leute sind denn bisher durch den Corona-Virus gestorben?
  • Antwort (Stand 21.03.2020 für Deutschland): ca. 75
  • Frage: Wie vergleicht sich das zu einer Grippewelle?
  • Antwort: Damit verglichen ist es eine völlig marginale Zahl von Todesfällen.

Schlussfolgerung: Das ist ein Hype – es passiert ja gar nichts Ungewöhnliches. Wir könnten das einfach ignorieren.

Das klingt doch zunächst mal überzeugend, oder? Warten Sie aber mal ab, wie das aussieht nach Betrachtung anderer Ansätze.

Beispiel 2 zur Coronaviren-Krise:

  • Frage: Wie lange müsste man Kontakte zwischen Menschen massiv reduzieren, um das exponentielle Wachstum der Infektionszahlen zu stoppen und ein rasches Abklingen zu erreichen?
  • Antwort: für einige Wochen – abhängig von der Qualität der Maßnahmen und ihrer Befolgung.
  • Frage: Was passiert, wenn wir danach wieder zu den normalen Verhältnissen zurückkehren?
  • Antwort: Da das Virus mangels international koordinierten Vorgehens nicht ausgerottet sein wird, kann es wiederkommen – so dass wir erneut einen Lock-down bräuchten.

Schlussfolgerung: So kann es nicht funktionieren, weil wir ja nicht monatelang die Gesellschaft stilllegen können. Setzen wir also auf die Entwicklung einer Herdenimmunität: Wenn mal die meisten infiziert waren, klingt die Infektionswelle von selbst ab.

Wiederum: Warten Sie mal ab, wie Sie die Sache nach dem Weiterlesen einschätzen!

Beispiel 3 zur Herdenimmunität gegen die Coronaviren-Krise:

  • Frage: Ein wie großer Teil der Bevölkerung müsste infiziert werden, um eine Herdenimmunität zu erreichen?
  • Antwort: grob geschätzt die Hälfte bis zwei Drittel.
  • Wie viele Tote würden daraus resultieren?
  • Antwort: für Deutschland voraussichtlich mehrere hunderttausend, vielleicht auch eine Million, falls das Gesundheitssystem dabei nicht zusammenbricht – sonst wahrscheinlich noch viel mehr.
  • Frage: Wie viele Infizierte könnten wir zu einer Zeit z. B. in Deutschland haben, ohne dass das Gesundheitssystem zusammenbricht und damit die Zustände katastrophal werden?
  • Antwort: Grob geschätzt mehrere hunderttausend, wenn wir es schaffen, die Zahl der Intensivpflegeplätze rechtzeitig stark aufzustocken und das nötige Personal verfügbar halten können.
  • Frage: Wie lange würde es dauern, mit dieser begrenzten Zahl von Infizierten eine Herdenimmunität aufzubauen?
  • Antwort: einige Jahre, wenn hierbei das Gesundheitssystem nicht völlig überlastet werden soll.

(Fortsetzung)

  • Frage: Ist es realistisch, die Zahl der Infizierten über diesen Zeitraum genau genug zu steuern?
  • Antwort: eher nein; die Lage könnte leicht außer Kontrolle geraten, z. B. weil es doch zu einem Personalmangel käme.
  • Frage: Welche Risiken gäbe es sonst noch?
  • Antwort: z. B. unerwartete Langzeit-Komplikationen der Infizierten, erhöhte Wahrscheinlichkeit für gefährliche Mutationen der Viren, nur kurz dauernde Immunität, Massenpanik und Aufstände, vielleicht auch weitere.
  • Frage: Falls es doch funktionieren würde: Wie viel weniger drastisch wären die nötigen Infektionsschutzmaßnahmen verglichen mit einer Strategie zur Unterdrückung der Pandemie?
  • Antwort: kaum weniger, da eine zwar hohe, aber doch über lange Zeit etwa konstante Zahl von Infektionen erreicht werden müsste: also auch mit dieser Strategie ein Stopp des exponentiellen Wachstums der Infektionszahlen.

Schlussfolgerung: Im Vergleich zu einer Strategie der Eindämmung hätten wir weitaus mehr Tote, enorme Behandlungskosten (viele Milliarden), große zusätzliche Risiken, während die nötigen Maßnahmen zur Unterdrückung von Infektion ganz ähnlich streng wären.

Irreführung auch ohne Falschaussagen

  • Interessant: Alle drei Beispiele enthalten, soweit ich sehen kann, keinerlei falsche Antworten auf die gestellten Fragen, kommen aber zu völlig unterschiedlichen Resultaten!
  • Die Kunst ist es eben, die wichtigsten Fragen zu stellen, und dafür gibt es kein Patentrezept.
  • Man braucht eine intensive geistige Beschäftigung mit der Sache, am besten im Austausch mit intelligenten Menschen, und viel Übung. Besonders wichtig ist der geistige Austausch: Der Klügste kann wichtige Aspekte übersehen, solange er nur alleine nachdenkt, aber im Austausch von Gedanken stößt er wohl früher oder später auf alles Relevante.

Meine zuletzt genannte Analyse (Beispiel 3) steht mit ihren ganz groben Abschätzungen und einfachen Berechnungen übrigens trotzdem völlig im Einklang mit Resultaten basierend auf einer viel detaillierteren Modellierung, die die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie in ihrer Stellungnahme vom 23.03.2020 veröffentlicht hat.

Wo passieren leicht Fehler?

Warum genau waren die ersten beiden Beispiel-Analysen falsch, obwohl sie doch auf den ersten Blick gar nicht so abwegig schienen?

  • Das Problem lag nicht wesentlich darin, dass man Detailfragen objektiv falsch beantwortet hätte.
  • Das Hauptproblem: man sieht wichtige weitere Fragen nicht an – z. B. weil man diese Aspekte schlicht übersehen oder zu wenig sorgfältig behandelt hat. Ein zentraler Aspekt hierbei ist im Zusammenhang mit der Corona-Krise das exponentielle Anwachsen von Infektionszahlen und dessen Auswirkungen.

Leider passieren solche Fehler auch Fachleuten. Auch in Deutschland ließen wochenlang Äußerungen namhafter Fachpersonen darauf schließen, dass sie die Konsequenzen exponentiellen Wachstums und somit auch den Ernst der Lage nicht voll erfasst hatten. Es war oft die Rede, man müsse das Wachstum verlangsamen – als wäre ein z. B. drei- oder fünfmal langsameres exponentielles Wachstum noch handhabbar, obwohl (wie oben gezeigt) eine viel dramatischere Streckung der Krankheitsverläufe (über Jahre statt Wochen!) nötig ist.

Auch in anderen Fällen sieht man oft: Wenn Fachleute krass daneben liegen, dann meist nicht mit falschen Antworten auf gute Fragen, sondern weil sie wichtige gute Fragen übersehen.

Die wissenschaftlichen Community als Ganzes ist schlauer

Während ein Experte allein für längere Zeit wichtige Umstände übersehen könnte, ist es unwahrscheinlich, dass dies der wissenschaftlichen Community als Ganzes passiert. Wenn zehn Fachpersonen etwas übersehen, merkt es eben die elfte – dann zeigen Sie es den anderen, und der Fehler wird bald korrigiert.

Die Fachwelt konnte z. B. die Corona-Krise bald sehr gut einschätzen, und führende Politiker etwa in Deutschland haben das Nötige ebenfalls bald begriffen.

Medien klug auswählen

  • Info-Schnipsel z. B. aus den Fernsehnachrichten: nützlich nur als Anregungen, der Sache anderweitig nachzugehen – aber nicht ausreichend, um die Sachlage wirklich zu klären.
  • Lesen Sie ein oder zwei hochwertige Tages- oder Wochenzeitungen, die hier und da auch mal mehr in die Tiefe gehen.
  • Das Beste ist hier gerade gut genug: etwa nicht die billigste oder dünnste Zeitung, sondern eine mit höchster Qualität. Es ist nicht einfach nur Geschmackssache: z. B. mit der Süddeutschen Zeitung ist man natürlich massiv besser informiert als mit BILD. (Stichwort: selbstverschuldete Unmündigkeit)
  • Auch Zeitungen haben natürlich ihre Grenzen; man braucht für manches auch Bücher, Fachartikel oder ein spezialisiertes Journal.
  • Man sollte nicht kunstvoll seine persönliche Filterblase einrichten, sondern bewusst immer mal wieder Texte lesen, die zwar qualitativ gut sind, aber nicht unbedingt der eigenen Meinung entsprechen. Dies allein schon, um besser zu verstehen, wie andere denken.
  • Auch diverse Quellen im Internet sind eine gute Ergänzung – falls sie gut ausgewählt und mit einem besonders scharf gestellten geistigen Immunsystem verwendet werden.

Medienkompetenz

  • ist eine sehr komplexe Art geistiger Fähigkeit
  • umfasst eine Vielzahl von Aspekten
  • muss ständig weiterentwickelt werden (nicht etwa ein für alle mal in der Schule gelernt werden!)
  • trägt auf Dauer enorm zur Bildung und den persönlichen Erfolgschancen bei

Eine hohe Medienkompetenz erlaubt einem, gezielt nützliche Informationen zu beschaffen und auch die nicht so verlässlichen darunter nützlich auszuwerten – ohne aber seine Zeit mit der Verdauung geistigen Schrotts zu verplempern, indem man diesen schnell aussiebt.

Wie arbeitet Propaganda?

  • Propaganda streut manchmal einfach nur Lügen – oft so massenhaft, dass eine völlige Verwirrung entsteht. Man diskreditiert möglichst viele korrigierende Elemente (z. B. seriöse Presse und Wissenschaft) so, dass viele Bürger die Wahrheitssuche insgesamt aufgeben – so nach dem Motto: Politiker lügen doch sowieso alle, Presse und Wissenschaftler ebenso, also picke ich einfach die Meinungen heraus, die mir passend scheinen. Und dafür sind dann bereits Angebote parat:
  • Während Verwirrung erzeugt wird, werden “passende” Meinungen als Köder ausgelegt: solche, die emotional attraktiv sind.
  • Man ruft Denkfehler hervor, etwa indem man von “störenden” Aspekten ablenkt.

Nur gut trainiertes Denken und geistiger Austausch helfen!

Gegen mit Akribie optimierte Propagandakampagnen ist schwer anzukommen. Offenkundig ist verstärkte Aufklärung dringend nötig: nicht nur die Aufklärung spezieller Sachverhalte, sondern vor allem die generelle Aufklärung von Menschen im Sinne der Entwicklung geistiger Fähigkeiten.

Wir müssen die Gefahren unschuldig gemachter wie auch absichtlich induzierter Denkfehler verstehen lernen und unsere Fähigkeit der Erkennung von Falschaussagen und Propaganda an vielen Beispielen trainieren – immer wieder.

Außerdem sehr wichtig: geistiger Austausch. Der Einzelne kann immer irren, aber im Dialog zwischen klugen Menschen werden Fehler schnell korrigiert. Auch für die Wissenschaft ist dies von entscheidender Bedeutung.

Noch mehr Details (auch viele praktische Beispiele) finden Sie in unserem Volltext zu diesem Thema. Dort können Sie auch Leserkommentare sehen oder eine Bewertung abgeben.

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