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Die Verteufelung der Energiesparlampe

Erschienen 2013-07-13 im RP-Energie-Blog (als E-Mail-Newsletter erhältlich!)

Permanente Adresse: https://www.energie-lexikon.info/rp-energie-blog_2013_07_13.html

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta, RP-Energie-Lexikon, RP Photonics Consulting GmbH

Inhalt: Energiesparlampen werden mit verschiedensten Argumenten geradezu verteufelt; die verwendeten Argumente erweisen sich freilich als extrem dürftig.

Ref.: Lexikon-Artikel über Energiesparlampen; Extra-Artikel "Bulb Fiction: ein Propagandafilm gegen die Energiesparlampe", "Sind Energiesparlampen und Leuchtstofflampen gesundheitsschädlich?", "Energiesparlampen: tödliche Gefahr durch Quecksilber?"

Rüdiger Paschotta

Eine der irrationalsten Kampagnen, die man bisher im Energiebereich erleben musste, richtet sich gegen die Energiesparlampe. Wohl den Gipfel davon bildete der Film “Bulb Fiction”, der sich als Dokumentarfilm gibt, sich aber bei näherer Analyse leicht als extrem einseitige Propaganda entpuppt.

Die von diesem Film geschürte Hysterie basiert zum guten Teil auf der Angst vor dem in den Lampen enthaltenen Quecksilber. Real ist nur so viel, dass Quecksilber tatsächlich sehr giftig und schädlich ist – wobei aber die Größe der Gefahr nicht vernünftig beurteilt werden kann, ohne dass man sich die Mengen ansieht. Es geht um einige Milligramm pro Lampe – ähnlich wie viel, wie gemäß EU-Vorschriften in wenigen Kilogramm Thunfisch enthalten sein darf, und ein winziger Bruchteil dessen, was früher in Thermometern und vielen Elektrogeräten vorkam. Und da Energiesparlampen gegenüber Glühlampen die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken reduzieren, die erhebliche Mengen von Quecksilber emittieren (selbst mit modernen Filtern!), wird die Umweltbelastung durch Quecksilber mit Energiesparlampen nicht erhöht, sondern sogar reduziert.

Ersatzweise lassen sich natürlich viele andere Dinge gegen die Energiesparlampen vorbringen:

Da die oben genannten Extra-Artikel die Problematik bereits sehr ausführlich behandelt haben, sind weitere Details zur Sachlage hier nicht notwendig. Jedoch möchte ich noch einige Gedanken zur Psychologie äußern – in diesem Falle natürlich nicht als Fachmann, sondern als interessierter Laie, der allerdings schon mit Psychologen darüber gesprochen hat. Ich habe mich anfangs sehr darüber gewundert, dass eine gewisse Klientel erbittert und völlig immun gegen Fakten und Sachargumente an dem Glauben festhält, dass da ganz böse Dinge gegen uns wirken. Das ist doch sicher sehr unangenehm – warum nimmt man dann nicht einfach erleichtert zur Kenntnis, dass hier nur Humbug verbreitet wurde? Der Ansatz einer Erklärung sieht so aus: Ein gewisser Teil der Bevölkerung leidet unter diffusen Ängsten, was ganz besonders unangenehm sein muss: Man leidet unter Angst, kann sich gegen etwas Diffuses aber naturgemäß in keiner Weise wehren. Nun kommt ein Angebot für eine Konkretisierung des Bösen und Angstmachenden: Es sind diese bösen Lampen, und du musst nur diese bekämpfen. Das Böse wird also greifbar und bekämpfbar, damit sehr viel weniger bedrohlich. Insofern liegt eben doch etwas emotional sehr attraktives in der Lampen-Hysterie, das sich zu verteidigen lohnt! Vermutlich haben ähnliche psychologische Mechanismen früher z. B. auch die Überwindung der Angst vor Hexen erschwert.

Interessant war übrigens die Analyse der Rückmeldungen, die die Leser der oben genannten Extra-Artikel gegeben haben. Der größte Teil der Leser hat den Gesamteindruck z. B. meiner Kritik von “Bulb Fiction” als “ausgezeichnet” bezeichnet. Rund 10 % aber gaben die Note “unbefriedigend” und sonderten dazu teils noch extrem unsachliche und ungerechte Beschimpfungen ab. Häufig kam z. B. die völlige haltlose Unterstellung, ich sei ein Lobbyist der Lampenindustrie. Offenbar fühlen sich solche Leute moralisch auch ohne Fakten und Argumente dermaßen überlegen, dass sie kein Problem darin sehen, jemanden haltlose Unterstellungen an den Kopf zu werfen. Einige haben solche Dinge sogar öffentlich (im Internet) getan. Zum Glück ist der Schaum vor dem Mund in diesen Texten meist noch leicht erkennbar; jeder, der bei Trost ist, wird leicht herausfinden, wer sich hier daneben benimmt.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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Kommentare von Lesern

01.09.2016

Glücklicherweise löst sich das Problem schneller als gedacht über die LED-Lichttechnik.

Interessant wäre noch eine Stellungnahme zu dem Aspekt, wenn eine leuchtende Energiesparlampe im Betrieb zerstört wird. Das ist ja der “worst case” der Quecksilberfreisetzung bei Energiesparlampen.

Antwort vom Autor:

Diese Problematik behandelt ausführlich der Artikel "Energiesparlampen: tödliche Gefahr durch Quecksilber?".

01.10.2017

Warum müssen Energiesparlampen überhaupt Quecksilber enthalten, wenn inzwischen komplett quecksilberfreie Leuchtstofflampen entwickelt wurden? Zudem sollen diese dimmbar sein und ca. 27 Jahre halten!

Generell stört mich an Energiesparlampen folgendes:

1. Der höhere Preis, der noch akzeptabel wäre, wenn…

2. die Lampen dann auch so lang halten würden wie angegeben

3. sie sofort mit voller Helligkeit leuchten könnten

4. sie mit dem Kontaktabstand jeder Fassung zurecht kämen

5. sie beim Herein- und Herausdrehen nicht so leicht brächen

6. man uns die Energiesparlampen nicht geradezu aufzwingen wollen würde!

(Weitere Anmerkungen bzgl. Zahnfüllungen, Impfstoffen und Rattengift wurden entfernt, weil nicht zum Thema passend und unfundiert.)

Antwort vom Autor:

Komplett quecksilberfreie Leuchtstofflampen sind meines Wissens bisher nicht produkttauglich; mir ist nicht bekannt warum, oder ob sich das demnächst noch ändern wird.

Manche der Kritikpunkte (Lebensdauer und anfangs geringere Helligkeit) stimmen für manche Fabrikate, für andere nicht. Punkt 4 und 5 sind mir neu, und Punkt 6 deutet wohl eher auf ein psychologisches Problem hin (“Was ich tun soll, tue ich sowieso nicht!”).

Übrigens, wieso aufregen und nicht einfach LED-Lampen kaufen?

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